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Lottes Antarktisabenteuer, Teil1 | Drucken |

Lottes Antarktisabenteuer, Teil 1

Abreisetag!!!


 

 

So, nun sollte es endlich losgehen!!! Der Horror schlechthin sollte nun starten!!! Schließlich ging es von einem „Ende“ der Welt an das andere „Ende“ der Welt!!! Und auf keinem Flug durfte man rauchen!!! Das bedeutete für mich Suchtbolzen mind. 17 Std. auf die geliebte Fluppe zu verzichten.

 

 

Um 18:20 sollte am Sonntag unser Flieger in Bremen starten!!! Selbstverständlich ließ ich es mir nicht nehmen am Sonntag Vormittag beim Frühschoppen im Hafen vorbeizusehen, um mein Blut ein wenig zu verdünnen!!! Mit Thrombose ist ja schließlich nicht zu spaßen!!!

Gegen 16:00 starteten wir also gen Flughafen und bestiegen den Flieger gen Frankfurt!!!

Der Flug

Die Flüge verliefen relativ problemlos und auch meine Entzugserscheinungen hielten sich in Grenzen. In Buenos Aires angekommen war ich aber froh, schnell eine Kippe durchziehen zu können. Die Agenten hatten in Buenos Aires perfekte Arbeit geleistet und uns heile von Airport zu Airport gebracht!!! Die größte Problematik bereitete uns dabei der Zoll!!! Neee, wir hatten nicht zuviel Spirituosen dabei, sondern Ersatzteile für das Schiff!!! Diese hatten schon in Bremen für einige Verwirrung gesorgt, und der Vater von Jule wurde bei der Passkontrolle aufgefordert seinen Koffer zu öffnen und die verschiedenen Pumpen zu erklären und vorzuzeigen!!! In Buenos Aires allerdings bezichtigte uns der Zoll der Schmuggelei!!! Es hätte nicht viel gefehlt und wir hätten die Ersatzteile abgeben müssen!!! Da aber in diesen südlichen Ländern gerne ein Auge zugedrückt wird, wenn man ein paar Dollar in der Zollerklärung rüberschiebt, konnten wir die extrem wichtigen Ersatzteile behalten und der „freundliche“ Beamte sah von einer Anzeige ab!!! Dieses kostete aber neben den US$ 250,00 aber weitere US$ 100,00 für unseren Beamten!!! Danke an dieser Stelle nochmals für diese perfekte Arbeit der Agenten, die das richtige Augenzwinkern zum richtigen Zeitpunkt einsetzten!!!

 

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bild_1_bearbeitetNach insgesamt 33 Std. Reisezeit kamen wir total fertig im Albatross-Hotel in Ushuaia an!!!

Nachdem wir schnell unsere Zimmer belegt hatten, wollten wir noch schnell etwas essen gehen!!! Dazu gingen wir zum Restaurant Kaupe und hatten ein perfektes Beef und einen genialen Pisco Sour, gefolgt von einem total genialen Rotwein!!! Nach dem ersten Glas Wein verkrümelte ich mich für eine Zigarettenlänge vor die Tür und stellte erstaunt fest, daß auch am anderen Ende der Welt kleine Männchen mit goldenen Hämmerchen in den Dachgiebeln hausen.

Nachdem wir gegessen hatten vernichteten wir noch schnell ein Bierchen an der Hotelbar und entschlummerten ganz schnell in unseren Bettchen!!!

Gegen 6:00 weckte mich dann ein Klopfen!!! Dieses Klopfen erwies sich ganz schnell als Klappern!!! Der Wind war dermaßen stark, daß unsere Zimmertür verrückt spielte!!! Als ich aus dem Fenster sah, konnte ich sogar im Hafen Wasserhosen sehen!!! Wie sich später herausstellte, bliesen die stärksten Böen mit  !!! 92 !!! Knoten !!! Die National Geographic Endeavour war aber bereits im Hafen!!! Klasse!!!

 

 

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Nach einem kurzen Frühstück, wurden wir wieder von den Schiffsagenten abgeholt und wir brachten unser Gepäck an Bord. Wir hatten mal wieder das „Glück der Dummen“, denn der Funker hatte gerade abgemustert und wurde nicht ersetzt. Also war diese Kabine frei!!! Sonnst hätten wir auf dem Sofa beim Kapitän schlafen müssen!!! Damit hätte ich ja kein Problem gehabt, aber er, denn würde es in der Antarktis Bäume geben, würde ich sie sicherlich jede Nacht fällen. Also schnell allen an Bord „Hallo“ sagen, die Pässe beim Purser (Zahlmeister) abgeben, und wieder runter vom Schiff, da sie dieses ja noch auf Vordermann bringen mußten!!! Und da störte wirklich jeder!!! Wir fuhren dann zum Flughafen um die anderen Gäste mit dem „Expedition Leader“ abzuholen!!! Gegen 13:30 kamen dann die ersten durch den Zoll und wurden auf die Busse verteilt!!! Nach einer kurzen Fahrt ging es zum Lunch und danach kurz in einen Nationalpark!!! 

Gegen 17:00 trafen wir wieder an der Pier ein und bestiegen das Schiff!!! 

Das Auslaufen 

Für 18:00 war das Auslaufen angekündigt!!! Um 18:00 saßen Jule und ich nun auf der Brücke und harrten der Dinge, die da kommen sollten!!! Aber zunächst passierte rein gar nichts!!! Der Grund dafür ist schnell erklärt: Auch am „Ende der Welt“ lassen Hafenmeister gerne mal die Muskeln spielen!!! Der Kapitän, den Jules Vater ablöste, fuhr morgens bei geschlossenem Hafen an die Pier und machte fest!!! Damit widersetzte er sich ja den Anweisungen vom Hafenamt!!! Sicherlich hätte man dieses auch anders lösen können, wenn man den Behörden erklärt hätte, daß dort Leute aussteigen, die zu einem Flieger müssen. Aber nein, er fährt einfach einen geschlossenen Hafen an.

Naja, lange Rede kurzer Sinn: nach 15 min. durften wir die Tampen lösen und ablegen. Der Wind hatte sich mittlerweile stark gelegt und wir konnten auch das Sicherheitsmanöver schnell hinter uns bringen. Auf unserem Weg zum Kap Horn kam uns noch die Europa entgegen!!! Nachdem wir unser Dinner eingenommen hatten verkrochen wir uns mit dem Kapitän nochmals in der Kapitänskabine und tranken ein lecker Bierchen!!! Danach verschwand mein Weibchen ganz schnell in der Koje und schlummert seit dem ganz tief und fest!!! Während ich diese Zeilen schreibe wird die Dünung aber doch immer heftiger und ich habe echte Mühe die richtigen Tasten zu treffen. Dabei sind wir doch erst in 3 Std. auf „offener See“. 

Naja, morgen werde ich weiter berichten!!! Dann kommt die „Drake Passage“!!! Hoffentlich werde ich nicht seekrank!!! 

 

Die Drake Passage
Nun gab es kein zurück mehr!!! Ich war auf diesem Schiff und es ging Richtung Antarktis!!! Selbstverständlich muß man dann durch die berühmt berüchtigte Drake Passage!!! Man hat einiges darüber gelesen und ich habe eine Menge darüber gehört!!! Wer sich für eine solcher Geschichten interessiert, der sollte mal diese Suchworte bei Google eingeben: Karl-Ulrich Lampe.

Kapitän Lampe (mein potentiell zukünftiger Schwiegervater) erlebte hier in 2001 sein persönliches Fiasko. Nachdem er eine falsche Wettervorhersage von gleich 3 verschiedenen Wetterstationen bekommen hatte kam er in einen Sturm, den er in immerhin über 45 Jahren auf See noch nicht erlebt hatte. Der Sturm blies mit durchschnittlich 85 Knoten und die Spitzenböen brachten es auf über 125 Knoten Windgeschwindigkeit!!! Die Wellenhöhe betrug dabei durchschnittlich 18m!!! 18m sind für ein 95m langes Schiff auch schon eine ganze Menge. Mitten in der Nacht bekam er aber Besuch von den 3 Schwestern. Die 3 Schwestern sind eine Art der Freak- Waves!!! Sie kommen kurz hintereinander, so daß der Bug kaum eine Chance hat aus dem alten Wellental wieder aufzutauchen, wenn die nächste Welle auftrifft. Ebenfalls sind sie sehr hoch und steil!!! Die Wellen sollen geschätzt (und ich habe keinerlei Gründe daran zu zweifeln) folgende Höhen gehabt haben: 25m, 30m und 35m!!! Die erste wurde von der Endeavour  problemlos genommen, aber sie tauchte beim abreiten sehr tief in die 2. hinein und kam erst sehr spät wieder nach oben. Beim abreiten dieser 2. Welle allerdings tauchte sie extrem tief in die 3. Welle ein und wurde von dieser förmlich überrollt. Dabei zerschlug es die kompletten Fenster der Brücke und Wasser drang in diese ein. Innerhalb kürzester Zeit war diese bis zur Hüfte geflutet und alle elektronischen Geräte hatten Kurzschlüsse. Nur mit einem alten Kreiselkompass und der Navigation über den Mond mußte dann die Fahrt fortgesetzt werden. Es gab übrigens keine Verletzten bei diesem Unfall, außer einer Menge Kleinholz auf dem Vordeck und der Brücke!!!

Aber ich schweife ab!!! Nun mußte ich also ins Bettchen, da das Schiff mittlerweile doch recht anständig am rollen war. Jeder der bei der Kuddertour dabei war kennt dieses Gefühl. Ich bin der Meinung, das die Endeavour ein wenig stärker rollte als damals die Simone, und man bedenke die Endeavour ist mit Stabilisatoren ausgestattet und hat immerhin eine Länge von 95m. Überall auf dem Schiff waren zusätzlich zu den normalen Haltegriffen Taue gespannt, an denen sich die Passagiere festhalten hätten können.

Nachdem ich mich mit Mühe und Not bettfein gemacht hatte, scheuchte ich mein Weibchen an die Seite. Wir hatten ja die Kabine des Funkers und der hat nur ein schmales Bett. Wir müssen also bei dieser Reise mit einem Bett von 135 cm Breite auskommen. Aber das ist für ein „junges Paar“ ja bekanntlich nicht das größte Problem. Nachdem ich mich eingerichtet hatte lag ich sicherlich noch eine Stunde wach und harrte der Dinge, die da nun kommen sollten. Dann und wann stampfte das Schiff doch ganz beträchtlich und das Rollen war ja ebenfalls noch da. Aber es wurde nicht so schlimm wie ich erwartet hatte. Gegen 2:00 Uhr übermannt mich dann doch der Schlaf und ich habe wunderbar geschlafen, wenn man mal davon absieht, daß ich mir ab und zu Platz schaffen mußte, weil sich meine Liebste mal wieder ausbreitete. Was ich ihr in den nächsten Tagen auch abgewöhnen muß ist das Stehlen. Ich glaube sie hat mir in dieser Nacht mind. 5 mal die Bettdecke geklaut!!!

Gegen 7:00 wurde ich wieder wach und das Rollen war ein klein wenig besser geworden und das Stampfen war vollkommen weg. Also raus aus dem Bett und ab unter die Dusche!!! Habt ihr euch schon mal die Haare auf einem rollenden Boot unter der Dusche ohne Haltegriff gewaschen??? Jeder der das schon mal gemacht hat weiß, wie schwer es ist dabei das Gleichgewicht zu halten.

Nachdem ich die Raucherecke aufgesucht hatte ging ich auf die Brücke um die Crew zu überwachen!!! Sie machten ihren Job wirklich gut und gaben auf meine neugierigen Fragen bereitwillig Antwort. Man, was muß daß öde sein, jedem Gast die gleichen Fragen zu beantworten!!!

Die Wellenhöhe betrug ca. 3-4m bei ca. 20- 30 Knoten Wind aus Nord. Wir hatten über Nacht 180sm geschafft und die Endeavour machte eine Geschwindigkeit von 12,8 kn. Mit der Geschwindigkeit war unser 1. Offizier nicht so ganz einverstanden, aber die Querstömung in diesem Gebiet ließ leider nicht mehr zu.

Um 8:00 waren wir beide beim Frühstück und stopften uns mit allerlei Leckereien voll. Ich hätte wohl doch eine Stretchhose einpacken sollen.

Da die Drake nun scheinbar keine Überraschungen für uns bereithielt ist der heutige Seetag ein Tag zum relaxen und lernen. Um 10:00 habe ich einen genialen Vortrag über die diversen Seevögel besucht und um 15:00 lernten wir die verschiedenen Robbenarten kennen, die uns auf unserer Reise höchstwahrscheinlich begegnen werden. Für heute Abend ist dann noch ein Vortrag über Eis, Wind und Wellen geplant.

Jules Vater entband uns heute mittag auch von der Verpflichtung an seinem Tisch beim Captain's-Welcome-Dinner  teilzunehmen, worüber Jule und ich sehr froh waren.

Die Planung für den morgigen Tag ist folgende: Wir werden gegen 15:00 bei Elephant-Island ankommen und nachsehen, ob wir dort ein paar Seeelefanten antreffen können. Dort wird dann also die erste Anlandung stattfinden. Danach wollen wir dann in die Weddellsee fahren und danach schauen, wie südlich wir kommen. So wie ich unseren Kapitän kenne, will er südlicher als der 66. Breitengrad kommen, da das der Rekord für diese Saison wäre!!!

Also, ab morgen werden dann hoffentlich auch Bilder von Tieren kommen.   

Drake Passage und Elephant Island

Heute meinte es die Drake Passage nicht so gut mit uns!!! Der Wind drehte und frischte noch mehr auf, so daß wir ca. 35 – 40 Knoten Wind hatten. Die Wellen betrugen heute ca. 4-6m!!! Da der Wind nun nicht mehr von achtern sondern von backbord kam, kränkte und rollte die Endeavour natürlich nicht unerheblich. Linda (die Bordärztin) erzählte Jule, daß sie in der Krankenstation genug Arbeit hätte!!! Jule nahm daraufhin erst einmal eine Tablette gegen Seekrankheit ein und fühlte sich dann schon ein wenig besser!!! 

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Ich ging nach dem Frühstück auf die Brücke um ein paar Videoaufnahmen zu machen. Dabei ereignete sich mein erstes Highlight am heutigen Tage!!! Trip (unser Expedition Leader) zeigte auf eine Stelle im Wasser ca. 100 m vor dem Bug der Endeavour. Sofort hielt ich die Kamera dorthin und tatsächlich: Ich hatte meinen ersten Finwal dieser Reise im Kasten!!!

 

 

Beflügelt von diesem Erlebnis ging es zum Lunch!!! Es war schon erstaunlich, wie leer unser Restaurant an diesem Mittag war. Scheinbar lag die Hälfte der Passagiere mit Seekrankheit in der Kabine. Jule nahm nach dem Essen nochmals eine dieser Zaubertabletten und fühlte sich pudelwohl.Gegen 15:00 kam dann Elephant Island in Sicht und alle stürmten die Brücke. Kurz darauf kamen wir zum zweiten Highlight (für mich) an diesem Tage: Ich sah meine ersten Eisberge!!!

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Da das Wetter nicht gerade gut war, liefen wir eine kleine Bucht an, die etwas windgeschützt lag!!! Das war übrigens die Stelle, an der Ernest Shackleton damals seine Seeleute zurückgelassen hat. Shackleton hat damals eine Expedition in die Antarktis unternommen und ist mit seinem hölzernen Segelschiff, in der Weddellsee, im Eis eingefroren. Im ersten Winter zerdrückte das Eis das Schiff von Shackleton, und er verließ das Eis mit seinen Leuten und suchte Festland. Sie kamen dann in Elephant Island an und landeten zuerst an einer sehr gefährlichen Stelle. Einige Zeit später wechselten sie diese Stelle und gingen in die Bucht „Point Wild“!!! Nach dem 2. Winter (immerhin wird es hier bis –80° kalt im Winter) schnappte sich Shackleton 5 Seeleute und segelte mit einem 7,5m Rettungsboot Richtung Süd - Georgien um Hilfe zu holen. Und er hat es tatsächlich geschafft. 157 Tage nachdem er seine Leute zurückgelassen hatte, wurden sie gerettet. Heute ziert die Büste, des Kapitäns des Schiffes, welches die Seeleute rettete, diese Stelle. 

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Nach der Antarktiseinweisung besserte sich das Wetter deutlich und wir konnten die Schlauchboote besteigen. Leider war keine Landung möglich, aber wir konnten eine Menge Zügelpinguine sehen und vor allen Dingen: man konnte sie riechen. Ebenfalls konnten wir ein paar Seebären auf den Felsen liegen sehen. Dieses war damit das dritte Highlight an diesem Tage: Ich sah meine ersten Pinguine und Seebären in freier Natur!!! In der nächsten Zeit werden wir sicherlich noch dichter an diese kleinen putzigen Tierchen herankommen und bessere Bilder machen können, aber hier konnten wir nicht landen, da die Pinguine zu dicht standen.

Der Gletscher der in diese Bucht mündet, hatte ebenfalls beeindruckende Ausmaße. Und da stehe ich so bei der Brücke als mein viertes Highlight kam: Ich habe einen Gletscher kalben sehen!!!

 

 

 

 

 

Was will man mehr??? 4 Highlights und bessere Wetterbedingungen am ersten Tag im Eis!!!

Morgen werden wir in die Weddellsee fahren und sicherlich eine Menge großer Tafelberge sehen, da diese dort „geboren“ werden. Hoffentlich sehen wir dann auch die ersten Buckelwale!!!

Es geht zu den Danger Islands und zu Paulet Island!!! Da mir der Pinguinzähler aber erzählte, daß wir morgen die größte Kolonie sehen werden kommt noch eine Sache ins Spiel: Die große Frage!!!!

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Hier noch ein Bild der herrlichen Landschaft!!!

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Stephan (Lotte)

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