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Liegt die Kraft in der Ruhe?
Als junger Angler will man Fische fangen, viele, große, größere, viele Kapitale...........
Man verschlang zu meiner Junganglerzeit die Angelmagazine, heute kommt das Internet dazu. Man träumte vom Meterhecht, vom 15 – Kilo – Karpfen, vom Riesenwaller, vom dicken Zander................man ist ständig auf „der Jagd“ nach neuen, größeren Erfolgen.
Man war immer bestens informiert über neueste Angelmethoden, das Topgerät, die besten Gewässer, die erfolgversprechendste Angelzeit, man kannte die Fänge am Hausgewässer so genau den immer weiter schwinden Brieftascheninhalt, mit dem die neuesten Köder finanziert werden mussten.
Was hat die Anfangszeit als Angler nicht unnötig Geld gekostet. Zuerst kaufte man sich Gerät das vor allem einmal preiswert sein musste. Denn die meisten werden ja als Schüler schon mit dem angeln begonnen haben. Dann lernt man am Wasser und im Verein die erfolgreichen Kollegen kennen und erkennt das man sein Gerät umstellen muss, um die ersehnten Kapitalen auch landen zu können.
So sammelt sich in den ersten Jahren als Angler eine verblüffende Vielfalt an Angelgerät, vom „Billigstschrott“ bis hin zum HighEnd – Gerät, welches man sich zu den diversen Festen wie Weihnachten oder Geburtstag schenken lässt.
Genauso vielfältig waren auch die Angelmethoden und die Fische, auf die man angelte. Je nachdem was im Hausgewässer an Fischarten vorkam und was in den Angelmagazinen gerade als „hippe“ Fischart und/oder Angelmethode beschrieben wurde, wechselte man als Jungangler Zielfisch und Methode.
Und man fing Fische, mal größere, mal kleinere, mal mehr, mal weniger. Jede freie Minute verbrachte man am Wasser, kein Wunder dass zwangsläufig die Erfolge zunehmen mussten. Blickte man am Anfang seiner Anglerkarriere noch bewundernd oder neidisch (je nach Temperament) auf die erfolgreichen Angelkollegen am Gewässer oder im Verein, gehörte man nun nach einigen Jahren Erfahrung und viel am Wasser verbrachter Zeit nun selber zu den erfolgreichen Anglern.
Man lernte sein Gerät besser kennen, entschied sich aus Erfahrung und/oder persönlicher Vorliebe für Ruten bestimmter Firmen oder Aktion, für die Rollen einer bestimmten Marke, für „den“ Kunstköder oder „den“ Boilie, der sich eben über die Jahre als fängig erwiesen hatte. Anders gesagt: Da man schon einiges an auch größeren Fischen gefangen hatte, hatte man eben auch Vertrauen sowohl in sein Gerät wie auch in seine Angelmethoden gewonnen.
Bis hierher denke ich mal, das der Weg der meisten Angler gleich (der zumindest ähnlich) verlaufen sein dürfte. Nun aber trennen sich die Wege. Die einen werden, sei es aus „Ehrgeiz“, sei es wegen dem uns allen innewohnenden „Jagdtrieb“, versuchen sich zu spezialisieren, werden sich einen oder auch mehrere Zielfischarten“ aussuchen, denen dann mit großen Einsatz an Zeit und Gerät sowie auch „Hirnschmalz“ nachgestellt wird. Das Ziel dabei ist es dann entweder seine persönliche „Rekordmarke“ zu knacken oder den größtmöglichen Fisch einer Art aus einem bestimmten Gewässer zu fangen.
Von de anderen wird das Angeln eher zur Entspannung genutzt, als Ausgleich für ein hartes Berufs- oder auch Familienleben. Man freut sich darüber einen Teil seiner Freizeit am Wasser verbringen zu können, ohne den Chef im Nacken oder das „Gemecker“ von Frau oder Kindern. Schön, wenn dabei ein Fisch beisst, noch schöner wenn es viele sind oder auch mal ein Großer.
Aber der Fangerfolg ist dabei nicht das was im Vordergrund steht. Um frühere „passioniertere“ Angelzeiten wieder aufleben zu lassen, fährt man vielleicht noch ein- oder zweimal im Jahr mit seinen Kumpels zum Hochseeangeln, nach Norwegen oder an den Po oder den Ebro, zum Störangeln ins Uraldelta oder zum Heilbuttangeln nach Alaska – oder zu einem der vielen anderen Ziele für den passionierten Angler, von denen man in Angelmagazinen oder heute auch im Internet gelesen hat. Und es gibt ja genügend Anbieter, die einem fast jeden Wunsch nach auch noch so exotischen Angelreisezielen, Fischarten oder Angelmethoden erfüllen können.
Irgendwann aber hat sowohl der passionierte „Großfischjäger“ wie auch der „Freizeitangler“ „genügend“ Fische gefangen, sowohl was die Zahl wie auch was die Größe angeht. Naja, zugegeben: Man träumt doch immer irgendwie auch vom ganz Kapitalen, der dann doch en meisten verwehrt bleibt. Wenn man aber erst einmal genügend Zander,. Hechte, Dorsche, Karpfen oder sonstige Fische in auch ordentlichen Größen gefangen hat, wird man dann doch etwas „ruhiger“.
Wollte man als Jungangler den Erfolg noch erzwingen, als „Fortgeschrittener“ mit den gestiegenen finanziellen Möglichkeiten den Kapitalen an allen möglichen erfolgversprechenden Gewässern nachstellen, hat man nun den Mittelweg gefunden: So oft wie möglich angeln zu gehen ohne sich dem „Erfolgsdruck“ auszusetzen.
Machte man sich früher noch tagelang Gedanken warum trotz besten Gerätes, eines Topgewässers und besten Bedingungen der 30 – Pfund – Karpfen doch nicht gebissen hat, ist man nun soweit, solche Tage wesentlich gelassener zu nehmen.
Einfach weil man schon genügend Fische gefangen hat – und weil man auch schon genügend „Schneidertage hatte. So weiß man, dass man nicht ewig erfolglos bleiben wird, dass sich nach Schneidertagen auch der Erfolg wieder einstellen wird. Und man jagt nicht mehr den „30 – Pfünder“ sondern versucht einfach den Gegebenheiten entsprechend richtig und damit auch möglichst erfolgreich zu angeln. Wobei es mit fortschreitender Erfahrung dann durchaus sein kann, dass der 1,50 m – Waller aus dem kleinen „Hausfluss“ wesentlich mehr zählt als der 2,40m – Wels vom Po oder Ebro, für dessen Fang man noch vor Jahren „seine Seele verkauft hätte“.
Und nun kann man etwas Interessantes feststellen:
Diese „zur Ruhe gekommenen“ Angler sind meist auch noch recht erfolgreich. Natürlich kann man deren Fänge nicht mit denen von „Experten“ vergleichen, die vielleicht sogar für Firmen aus der Branche unterwegs sind, um möglichst erfolgreich zu Marketingzwecken zu angeln. Aber die Erfolge dieser „Ruheangler“ sind oft besser als die der noch so engagierten Jungangler oder passionierten Angler, welche sich sozusagen noch die Hörner abstoßen müssen.
Liegt es an er über Jahre gewonnenen Erfahrung?? Liegt es daran das man über die Jahre einfach sein Gewässer besser kennen lernt?? Liegt es am besser gewordenen Gerät, an den neuen Ködern???
Das spielt sicherlich alles eine Rolle, in meinen Augen ist aber der folgende Punkt der wohl entscheidende:
Die Ruhe, in der die Kraft liegt!!
Das Wissen aus der Erfahrung, dass irgendwann einmal die Schneiderphase vorbei ist, dass irgendwann auch wieder einmal der Große (oder zumindest größere) Fisch beißen wird, lässt einen doch ganz anders angeln, als wenn man mit „Gewalt und Passion“ versucht den Kapitalen zu erwischen.
Wenn früher trotz intensiver Vorbereitung und bester Bedingungen vor Ort die Fische nicht gebissen haben, wie man sich das vorstellte (oder wie es einem die Magazine vorgaukelten dass es sein müsste), wurde man doch schnell unruhig. Der Köder wird kontrolliert, der Platz wird gewechselt, man steigt vom Spinner auf den Wobbler um, führt in langsamer oder schneller, vielleicht ist heute doch Caster fängiger als die Made – alles muss ausprobiert werden um doch noch einen möglichst vorzeigbaren Erfolg zu erzielen.
Der „ruhig gewordene“ Angler hingegen lässt seinen Köder auch an solchen Tagen einfach mal liegen. Weil er weiß dass zwar das ändern von Methode, Köder oder Gerät wirklich den Erfolg bringen kann auf Grund der gerade herrschenden Verhältnisse – aber dass es eben genauso gut sein könnte, dass am Schluss eines bis dato „erfolglosen“ Angeltages immer noch der Kapitale auf die bewährte Montage, den bewährten Köder beißen kann.
Und das bringt vor allem eines:
Ruhe am Wasser!!
Man probiert nicht ständig neues aus, man kontrolliert nicht ständig den Köder oder die Montage, wechselt nicht ständig den Platz. Und gerade die größeren Fische wissen doch die „Ruhe“ am Wasser zu schätzen. Nicht umsonst erreichten sie ja ihre jetzige Größe:
Weil sie eben vorsichtig sind.
Und diese vorsichtigen Kapitalen erwischt man eben eher mit der „Kraft der Ruhe“ als mit viel experimentieren und damit Unruhe am Wasser.
Das hört sich doch alles prima an, oder????
Aber seien wir doch ehrlich:
Auch jeden noch so ruhigen Angler, der noch so viele und noch so große Fische gefangen hat, den wird früher oder später doch wieder voll der „Jagdtrieb“ erwischen. Sei es wegen dem Foto eines kapitalen Fisches im Angelladen, der an einem Platz gefangen wurde, an dem man selber schon seit Jahren fischt. Oder man liest von einem kapitalen Fang an einem Urlaubsort, den man selber schon wie seine „Westentasche“ zu kennen glaubte der einem aber bisher einen solchen Fang „verweigerte“.
Auch der ruhigste Angler wird dann wieder zum „passionierten Kapitalenjäger“ – einfach weil das mit zum Angeln gehört. Da kann man noch so viel über en „vernünftigen Grund“ zum angeln diskutieren, sich über moralisch/ethische Grundsätze zum „Tierquälen“ Gedanken machen oder diskutieren. Wer dieses Gefühl des Jagdtriebes, der den Menschen doch seit Urzeiten innewohnt, nicht kennt, der kann auch Schachspielen, Tennis oder auch Autorennen fahren – Angeln soll er denen überlassen, die neben der „Kraft der Ruhe“ dafür auch die Leidenschaft und den Jagdtrieb aufbringen.
Thomas Finkbeiner
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