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Glückliche Tage und super Fänge an der Ostsee | Drucken |

Glückliche Tage und super Fänge an der Ostsee

Der schöne Ostseestrand bei Dahme

Anfang des Jahres erhielt ich die freudige Mitteilung, dass ich als Autor vom Anglermagazin ein Wochenende im Hotel Wiesenhof in Eutin gewonnen hätte.
Nachdem wir uns mit dem Hotel kurzgeschlossen und als Termin die Pfingstfeiertage ausgesucht hatten freute ich mich schon riesig auf das Angeln in der Ostsee.
Je näher der Termin rückte, umso aufgeregter wurde ich. Schließlich hatten Achim und ich ja noch niemals im Meer geangelt und so war es kein Wunder, dass wir uns erst einmal erkundigen mussten, was man dafür alles benötigte.
Am liebsten hätte ich mir gleich eine Pilk- und eine Brandungsrute gekauft. Aber Achim meinte, dass unter unseren Ruten schon einige dabei wären, die wir dort benutzen könnten.
Am Freitag (2. Juni) hieß es um 5 Uhr aufstehen. Wir fuhren gegen 6 Uhr los und kamen gegen 9.30 Uhr im Hotel Wiesenhof in Eutin -Fissau an. Michael, der Sohn der Hotelbesitzerin, und seine Frau Claudia begrüßten uns sehr herzlich. Mit Michael, den wir vom Anglerboard (Hornhechteutin) kannten, hatten wir vorher schon per E-Mail Kontakt aufgenommen. Er schrieb uns, dass er in der Zeit, wo wir in Eutin seien, Urlaub hätte und mit uns angeln gehen würde.
Als wir ankamen lachte die Sonne vom Himmel.

Hotel Wiesenhof in Eutin-Fissau

Hotel Wiesenhof in Eutin-Fissau

Bevor wir in dem wunderschönen Hotel unser Appartement bezogen frühstückten wir erst einmal zusammen. Da da Wetter vielversprechend aussah, meinte Michael, dass wir am besten sofort zum Hornhechtangeln fahren sollten. Er selber hatte in den letzten Tagen zwar nur sehr wenig gefangen, aber wir wollten es trotzdem probieren.
Also brachten wir flink unsere Reisetaschen ins Zimmer und zogen uns fürs Angeln um. Nun kam die grosse Frage, welche Ruten wir zum Hornhechtangeln nehmen sollten. Vorsichtshalber hatten wir mehrere verschiedene mitgebracht. Ich hatte mir sogar zwei Tage vorher extra noch eine neue relativ steife Spinnrute mit einem WG von 40 g fürs Hornhechtangeln gekauft und war etwas enttäuscht, als Michael meinte, dass sie dafür nicht passend sei. Michael schaute in meine Rutentasche und wählte eine Shimano-Spinnrute mit einem WG von 10 – 30 g aus. Da an der Rute noch keine Rolle war, fragte ich ihn, ob ich die Balzer Matrix Blue Feeder Runner, die ich einige Tage vorher von einer Angelzeitschrift zum Testen erhalten hatte, nehmen könnte. Als Michael meinte, dass die Rolle okay sei, war ich mit seiner Antwort zufrieden. Auf der Spule waren 200 m 0,30 mm Monofile.
Wirbel, Haken, Wasserkugel etc. brauchten wir nicht mitnehmen, denn all das stellte uns Michael zur Verfügung.
In Dahme angekommen stellten wir den Wagen am Strand ab. Ich atmete erst einmal die kühle, klare Ostseeluft ein und schaute aufs Meer hinaus. Doch mir wurde ganz anders, als Michael auf die Sandbank, die ca. 100 m vom Ufer entfernt war, zeigte und meinte, dort müssten wir hin. Bislang war ich mit meiner Wathose höchstens bis zum Po im Wasser gewesen. Wir zogen uns um, dann gingen Michael und Achim  ins Wasser und ich folgte ihnen brav.

Uschi bereitet sich mit der Wathose auf den Gang ins Wasser vor

Die Ostsee bei Dahme

Strand bei Dahme

Ostsee bei Dahme

Viele dicke Steine liegen am Strand

Als ich sah, wie das Wasser an ihnen immer höher stieg, wäre ich am liebsten gleich wieder umgedreht. Doch ich riss mich zusammen und ging ihnen hinterher. Endlich hatten wir die Sandbank erreicht. Hier konnte man gut stehen und wenn man nicht zu weit hinausging, reichte das Wasser höchstens bis zur Taille.
Michael hatte jedem von uns vorher eine Tüte mit Heringsfetzen gegeben. Die Fetzen steckten wir nun auf den Haken und schon flog die Wasserkugel über die Sandbank hinaus. Zwar stimmte die Richtung, die ich angepeilt hatte, aber der Wind pustete in die Schnur und die Wasserkugel landete beim ersten Wurf direkt neben Achims. Sofort holte ich sie wieder rein und warf erneut aus. Dieses Mal lag sie weit genug entfernt von Achims Wasserkugel. Gespannt wartete ich, ob wirklich ein Hornhecht nach meinem Köder schnappen würde. Als sich nach einigen Minuten nichts tat holte ich die Montage wieder rein und warf erneut aus, dieses Mal an eine andere Stelle. Während ich gespannt auf meine Wasserkugel schaute hörte ich, wie Michael plötzlich Achim zurief: „Da, eine Mefo!“ Da ich mit dem Begriff „Mefo“ nichts anfangen konnte achtete ich nicht weiter darauf, worüber sich die beiden unterhielten. Nach kurzer Zeit holte ich erneut meine Wasserkugel rein und besah mir den Haken. Der Köder war unversehrt, also warf ich sie ein drittes Mal aus. Dieses Mal schnappte ein Hornhecht nach dem Fetzen, aber irgendwie hatte ich nicht schnell genug geschaltet, denn plötzlich waren der Fetzen ab und der Hornhecht weg.
Michael hatte inzwischen schon zwei und Achim einen Hornhecht gefangen, nur bei mir wollten sie nicht beißen.

Uschi steht zum ersten Mal mit der Wathose in der Ostsee

Michael in seiner Wathose

„Vielleicht habe ich nicht weit genug rausgeworfen“, ging es mir durch den Kopf. Wieder  holte ich die Wasserkugel rein. Beim nächsten Mal versuchte ich noch weiter zu werfen, musste aber feststellen, dass ich immer nicht so weit raus kam wie Achim und Michael. Enttäuscht schaute ich zu meiner Wasserkugel, als auf einmal die Bremse loskreischte und gleich 100 Meter Schnur von der Rolle gezogen wurden. Der Köder lag höchstens 30 Sekunden im Wasser.
Mein erster Gedanke war: „Oh je, ich hätte nicht gedacht, dass Hornhechte so kräftig ziehen können.“
Michael, der das Spektakel beobachtet hatte, rief zu mir: „Das ist eine Meerforelle! Uschi, du hast eine Mefo dran. So eine Mist, ich habe keinen Kescher mit. Warte, ich laufe zurück zum Auto und hole ihn.“
“Meerforelle? Ich soll eine Meerforelle dran haben? Das glaube ich nicht!“ antwortete ich.
Während Michael sich auf den Weg zurück zum Strand machte schaute ich ängstlich auf meine Rutenspitze, die sich fast bis zum Wasser neigte. Sobald ich den Fisch etwas herangedrillt hatte, zog er wieder mehrere Meter Schnur von der Rolle. Nach einigen Minuten bangte ich um meine Rute und dachte: „Ich hätte doch besser die neue Rute mitnehmen sollen. Aber mit einer Meerforelle hatte ja keiner von uns gerechnet. Hoffentlich geht das gut!“
Ich hatte bestimmt schon 10 Minuten lang gedrillt, ohne dass der Fisch das kleinste Anzeichen von Müdigkeit zeigte. Achim stand neben mir und meinte, ich solle ihn ruhig ziehen lassen, damit er müde würde. Außerdem hätte ich ja genügend Zeit, denn von Michael war noch nichts zu sehen.
Erst nach weiteren 10 Minuten war die Meerforelle etwas müder geworden und ich hatte sie so nahe bei mir, dass ich sie im Wasser sehen konnte. Ein wunderschöner Silberbarren glänzte in den Wellen!
Als Michael endlich mit dem Kescher neben mir stand, hatte ich die Meerforelle schon fast bis vor meine Füße gedrillt. Plötzlich versuchte sie noch einmal abzuhauen, doch es gelang ihr nicht. Kurz darauf schob Michael den Kescher unter sie. Erst jetzt wurde mir richtig bewusst, dass ich wirklich eine Meerforelle gefangen hatte. Es war die erste in meinem Leben! Und das nach vier (!) Würfen. Dabei hatte ich doch gehört und gelesen, dass es der „Fisch der 1000 Würfe“ sei. Ich konnte mein Glück gar nicht fassen.

Uschi ist überglücklich über ihren schönen Fang

vergrößern = Mausklick auf das Bild

Uschi hält stolz ihre Meerforelle

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Welch ein Silberbarren!

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Nachdem wir uns alle über diesen tollen Fang wieder beruhigt hatten angelten wir weiter auf Hornhecht. Nach einer halben Stunde wurde mir etwas kalt und ich hatte keine Lust mehr weiter zu angeln, weil ich immer noch keinen Horni gefangen hatte. Etwas frustriert ging ich zurück zum Strand und ließ mich auf einem dicken Stein nieder und etwas von der Sonne bescheinen.
Während Michael und Achim weiter angelten, beobachtete ich die Seeschwalben, die in einer Wand hinter mir ihre Nester hatten. Ständig flogen sie in die Löcher um ihre Jungen zu füttern.

In der Wand nisten Seeschwalben

Seeschwalbe im Abflug

Nach einer Stunde ging ich doch noch einmal ins Wasser, denn ich wollte ebenfalls einen  Hornhecht fangen. Aber es gelang mir einfach nicht. Also ging ich wieder zurück zum Ufer, und wartete darauf, dass Achim und Michael endlich mit dem Angeln aufhörten und zurück kamen. Da wir morgens schon um 4.30 Uhr aufgestanden waren und mir meine Erkältung, die nun schon über eine Woche andauerte, immer noch sehr zu schaffen machte, wollte ich nun gerne ins Hotel zurück. Nach einer Stunde kamen die Jungs aus dem Wasser. Achim hatte inzwischen 8 und Michael 7 Hornhechte gefangen.

Achim kontrolliert den Köder

Achim und Michael kommen von der Sandbank zurück

Achim und Michael halten ihre Fänge hoch

Michael mit seinen Hornhechten

Achim ist stolz auf seine gefangenen Hornhechte

Seht her: So sieht ein Hornhecht aus

Während Michael und Achim ihre Fische ausnahmen kamen ein paar Kinder mit ihren Müttern am Strand vorbei. Die Kinder blieben stehen, denn sie wollten unbedingt “die komischen Fische mit dem langen Schnabel“ einmal anfassen.

Das Ausnehmen der Fische übernahmen die Männer

Ausnehmen der Hornhechte

Achim nimmt die Hornhechte aus

Die Kinder wollten unbedingt einmal einen Hornhecht anfassen

Viele kleine scharfe Zähne sieht man

Ein spitzes scharfes Maul hat so ein Hornhecht

Die großen Augen fallen sofort auf

Auf dem Rückweg hielten wir in Eutin an und ließen im Angelladen die Meerforelle wiegen: 2480 g zeigte die Waage an. Im ersten Moment hatten wir sie auf gute 70 cm und 6 Pfund geschätzt. Aber sie war „nur“ 61 cm lang, wie wir feststellten.
Im Hotel gab es abends ein leckeres Grill-Buffet. Die frische Luft hatte uns richtig hungrig gemacht und wir ließen es uns schmecken. Gesättigt und überaus zufrieden stießen wir anschließend auf meinen tollen Fang an.
Achims Hornhechte gaben wir in der Hotelküche ab, wo man sie für uns räucherte. Ein kostenloser und nicht selbstverständlicher Service!!!
Am nächsten Morgen (Samstag, 3. Juni) war ich schon sehr früh wach. Im Traum hatte ich mir schon eine Rute zusammengestellt, mit der ich es schaffen würde 100 Meter raus zu werfen. An der Schnur hing eine Wasserkugel, so groß wie eine Melone. Als ich erwaachte dauerte es einen Moment, bis ich begriff, dass ich noch nicht am Strand war, sondern im Bett lag. Schade, ich hätte gerne noch erlebt, welchen Fisch ich mit dieser Monstermontage gefangen hätte! Es war so gerade mal 6 Uhr, als ich  zum Auto ging, um nach einer anderen Rute zu schauen. Plötzlich fing es zu regnen an. Doch das störte mich nicht weiter, denn ich wollte mir unbedingt die neue Spinnrute fertig machen. Warum sonst hatte ich mir tags zuvor im Eutiner Angelladen eine große Wasserkugel gekauft? Achim und Michael hatten mich zwar etwas verdutzt angeschaut, als sie sahen, was ich in der Hand hielt, aber ich ließ mich von ihrem Blick nicht irritieren. Außerdem sollte auf die Rute eine andere Rolle, und zwar eine mit einer dünnen geflochtenen Schnur. Weil es immer stärker zu regnen anfing nahm ich meine Angelkiste mit aufs Zimmer und versuchte, während Achim noch schlummerte, ganz leise meine Montage fertig zu machen. Doch das Geklapper und Gewühle im Kasten weckte ihn auf.
“Was ist denn hier los? Kannst du nicht wenigstens im Urlaub mal etwas länger schlafen?” knurrte er mich an.
“Ich bin ja schon fertig. Habe mir nur ein neues Vorfach mit der grossen Wasserkugel gemacht”, gab ich kleinlaut zur Antwort.
“Es ist gerade mal 7 Uhr. Komm, legt dich noch etwas ins Bett, du verrücktes Huhn!”
Als wir um 9 Uhr zum Frühstück gingen wartete Michael schon auf uns. Es regnete zwar nicht mehr, aber der Himmel war voller Wolken. Wir beschlossen mit dem Angeln noch etwas zu warten, bis das Wetter ein wenig besser würde. Unsere Angelsachen nahmen wir jedoch schon mit. Als Michael sah, dass ich erneut die neue Spinnrute nehmen wollte meinte er: „Warum denn das? Die andere war doch okay. Aber wenn du meinst.“
Seine Antwort gab mir zu denken und so entschloss ich mich schweren Herzens wieder die Rute vom Vortrag mitzunehmen. Nur die neue Balzer-Rolle wollte ich dieses Mal nicht dem Salzwasser aussetzen. Ich entschied mich für die Abu Garcia Cardinal 5000 FSX. Da auf der Rolle eine monofile Schnur war tauschte ich sie gegen die Ersatzspule mit der dünnen Geflochtenen aus.
Zuerst fuhren wir zu einer Guts-Käserei, wo wir für Achims Bruder einen Korb mit verschiedenen Käsesorten kauften, die wir ihm zum Geburtstag schenken wollten. Für uns selber nahmen wir ebenfalls drei verschiedene Käsestücke mit, denn er schmeckte köstlich.
Nachdem wir uns etwas die Gegend angesehen hatten fuhren wir zuerst nach Michael, um Köder zu holen. Claudia, die eine große Tierliebhaberin ist, hatte von den Nachbarn zwei Enteneier bekommen. Eines der Küken saß schon flauschig und piepsend unter der Rotlichtlampe, das andere war gerade erst geschlüpft und sah noch recht hässlich aus.
Gegen Mittag fuhren wir erneut nach Dahme. Ich hatte mir fest vorgenommen an diesem Tag auch ein paar Hornhechte zu fangen. Gleich beim ersten Wurf hatte ich auch tatsächlich einen dran. Als ich den Fisch bis zu mir gedrillt hatte und er vor mir am Haken hing, traute ich mich erst gar nicht ihn anzufassen, denn er sah recht gefährlich mit seinem langen Horn aus. Ich ging zu Achim und bat ihn den Fisch für mich vom Haken zu lösen. Der Fisch war sehr gierig gewesen und hatte den Haken tief geschluckt. Mit der Zange bekam ich ihn nicht raus - und ins Maul zu packen traute ich mich nicht. Etwas murrend erledigte Achim die Aufgabe für mich. Dann bat ich ihn noch den Fisch auf die Kordel, die an seiner Wathose hing, aufzuhängen. Als alles erledigt war ging ich wieder an meinen Platz zurück. Nun ging es Schlag auf Schlag. Eine halbe Stunde später hatte ich 4 Hornhechte. Zufrieden mit meinem Fang meinte ich: „Das genügt mir, ich gehe wieder raus“. Statt jedoch den Weg zurück zu gehen, den wir gekommen waren, nahm ich - wie ich dachte - eine Abkürzung. Sie war an einigen Stellen so tief, dass ich auf Zehenspitzen gehen und meine Hose noch extra hochziehen musste, damit kein Wasser in die Wathose lief. Kopfschüttelnd schauten mir Achim und Michael hinterher
Als ich wohlbehalten wieder am Strand angekommen war setzte ich mich wieder auf einen großen Stein und ruhte mich aus. Leider schien an diesem Tag keine Sonne und ich fror ein wenig. Ich war gerade in Gedanken versunken, als mich ein Kind fragte: “Hast du was gefangen?”
“Ja”, antwortete ich.
“Und wo hast du deine Fische?” bohrte es weiter.
“Dort drüber, bei den Männern im Wasser.”
Das blonde Mädchen, das ich schon am Vortrag gesehen hate, fragte, was ich denn für eine komische Hose anhätte.
„Das ist eine Wathose. Damit kann man ins Wasser gehen ohne nass zu werden“, erklärte ich.
Inzwischen war die Kinderschar wieder angewachsen. Alle wollten sie die Fische sehen. Obwohl die Mütter ihre Kinder mahnten weiterzugehen, rührten diese sich nicht von der Stelle.
„Erst will ich den Fisch sehnen. Und auch anfassen!“ meinte ein kleiner Knirps.
Achim und Michael wollten eigentlich noch eine halbe Stunde angeln, aber als sie mitbekamen, dass die Kinder auf sie warteten, machten sie Schluss und kamen zurück zum Strand. Achim hatte genau wie ich 4 Hornhechte gefangen.
Kaum waren Achim und Michael aus dem Wasser, gingen die Kinder auf sie zu und wollten einmal die Fische halten.
“Iiiii, der bewegt sich ja noch. Der ist ja gar nicht tot!” platzte es aus einem Kindermäulchen.
Schnell beeilte ich mich ihnen zu erklären, dass das die Nerven waren, die die Flossen und das Fischmaul bewegt hatten.
Nun schauten sie sich die Hornhechte noch genauer an. Als sie jedoch mit den Fingern in den Augen der Fische herum stocherten, wurde es mir zuviel und ich schimpfte mit ihnen.
Das blonde Mädchen meinte zum Abschied: „Ich will später auch einmal angeln!“
Das freute mich, denn ich finde es sollten viel mehr Mädchen und Frauen diesem schönen Hobby nachgehen.

Wo hast du die komische Hose her?

Unser Fang am zweiten Tag

Vier Hornhechte waren Uschi genug

Achim schaut sich seinen Fang an

Uschi mit Hornhechten

Uschi mit zwei Hornhechten

Stolz hält Achim seine Hornhechte ins Bild

Uschi freut sich über ihre Hornhechte

Als die Fische ausgenommen waren fuhren wir erst einmal zu Michaels Wohnung, wo schon Claudia mit einer Tasse Kaffee auf uns wartete. Mein erster Blick galt den jungen Entenküken. Inzwischen war das zweite auch getrocknet. Er hatte sich an das andere angeschmiegt und beide piepsten im Chor. Nach dem Kaffee zeigte uns Michael zeigte dann noch seine Dorschköder. Mit ihnen sollten wir am nächsten Tag angeln. Auf die Bootsfahrt freute ich mich besonders.

 

Michael zeigt seine Meeresköder

Ob der wohl was taugt?

Nachdem sich Michael umgezogen hatte brachte er uns zurück ins Hotel, wo wir erst einmal unseren Durst löschten und auf unseren guten Fang anstießen. Salzluft macht schließlich nicht nur hungrig!
Nach dem Abendessen hielt ich es noch gerade eine Stunde aus, dann überkam mich eine bleiernde Müdigkeit. Wir hatten uns mit Michael für den nächsten Morgen um 6 Uhr verabredet. Da wir also sehr früh aufstehen mussten bekamen wir vom Hotel unser Frühstück für den nächsten Morgen mit aufs Zimmer. Ich schmierte uns ein paar Butterbrote, legte sie in den Kühlschrank und begab mich schnurstracks ins Bett. Ich war total geschafft. Es vergingen keine zwei Minuten, dann war ich eingeschlafen.
Kurz bevor am anderen Morgen der Wecker um 5 Uhr klingelte war ich schon hellwach. Ich spürte meine Nervosität, die sich immer dann einstellt, wenn ich etwas Neues ausprobiere. Noch im Bett gingen mir tausend Fragen durch den Kopf: “Welche Rute soll ich nehmen? Welche Rolle? Welche Kunstköder? Vielleicht hat Michael gar nicht die richtigen und ich hätte mir welche von zuhause mitbringen sollen. Hoffentlich spielt das Wetter mit und hoffentlich mir wird auf dem Boot nicht übel! Werde ich es merken, wenn ein Fisch gebissen hat? Bekomme ich ihn überhaupt gedrillt? Werde ich bzw. werden wir überhaupt welche fangen?”
Als wir das Appartement verließen wartete Michael schon auf uns. Dieses Mal wählte er die Bavaria Stick Eurostar Rute von  3,00 m Länge und einem Wurfgewicht von 50 – 100 g, aus meiner Rutentasche aus - und ich meckerte auch nicht. Doch als ich bemerkte, dass  ich gerne noch eine zweite Rute mitnehmen würde, meinte Michael, das ginge nicht und außerdem würde eine ausreichen. Die Antwort musste ich wohl oder übel gelten lassen. Schließlich war er der Kapitän! Vorsichtshalber steckte ich jedoch noch eine Ersatzrolle in meinen Rucksack. Wenigstens dagegen hatte er nichts gesagt.
Um 6.45 Uhr kamen wir in Neustadt an. Wir waren die ersten und konnten sofort unser Boot besteigen. Bevor wir rausschipperten teilte uns der Bootsvermieter mit, dass die Dorsche zurzeit am besten auf Naturköder, d.h. Watwürmer, beißen würden. Darauf waren wir bzw. Michael jedoch nicht eingestellt.

Unser gemietetes Boot im Hafen von Neustadt

Nun geht's raus auf die Ostsee

Als wir den Hafen verließen, steuerte Michael die Stelle an, die uns der Bootsvermieter genannt hatte. So richtig traute er dem Braten aber nicht und als er sah, dass sich die anderen Boote in genau entgegengesetzter Richtung begaben, war er auch etwas irritiert. Trotzdem behielten wir vorerst die Richtung bei. Während das Boot langsam dahin tuckerte meinte Michael:
 „Wir probieren es erst einmal mit Schleppen, bis wir etwas weiter draußen sind.“ Gesagt, getan. Ich saß hinten im Boot und als Michael eine Kurve fuhr, und sich meine Schnur verdächtig in Richtung Motor bewegte, holte ich sie wieder rein und angelte nicht weiter. Während der Fahrt schaute ich den beiden beim Schleppen zu. Wir tuckerten gemächlich dahin, als Achim plötzlich einen Ruck in seiner Rute verspürte.
„Michael, halt an! Ich habe einen dran!“ meldete er. Sofort stoppte Michael den Motor und Achim drillte seinen ersten Dorsch, wie er dachte. Als er jedoch sah, dass sich ein Hornhecht seinen Kunstköder geschnappt hatte, war er etwas enttäuscht. Kein Wunder, schließlich wollten wir ja Dorsche fangen und keine weiteren Hornhechte! Aber immerhin war Achim der erste, der an diesem Tag einen Fische gefangen hatte.
Wir fuhren eine gute Stunde mit dem Boot weiter, als Michael anhielt und zu uns sagte: „Hier sind ein paar Fische auf dem Echolot zu sehen. Ich gebe euch jetzt die Köder.“ Er gab Achim und mir zuerst einmal die Beifänger. Dann überreichte er Achim einen Pilker und sagte zu ihm: „Uschi bekommt die Dorschbombe.” An dieser hing ein weißblauer Gummifisch. Es dauerte einige Zeit bis ich die Schnur mit Beifänger auseinander gebröselt hatte. Als es mir endlich gelungen war wollte ich meine Rute mit Schwung auswerfen. Michael sah das und sagte, dass ich den Köder nur runterlassen sollte.
„Wenn ihr spürt, dass er am Grund angekommen ist, hebt ihr den Köder ab und zu etwas an und lasst ihn kurz darauf wieder absinken. Das macht auf dem Grund eine schöne Staubwolke und lockt die Dorsche an.“
Mein Köder lag noch keine 5 Minuten im Wasser, als ein Ruck durch das Blank ging. Aufgeregt rief ich den beiden zu: „Ich habe einen!“
„Bist du sicher?“ fragte mich Achim.
„Aber klar doch! Das spüre ich ganz deutlich“, antwortete ich. Ich stand auf und wollte gerade einen Anschlag setzen, als Michael sagte: “Das brauchst du nicht. Der hat gehakt.” Es kostete mich einige Kraft den Fisch nach oben zu pumpen und ich schaute immer wieder ängstlich auf meine Rutenspitze, die sich zeitweise zum Halbkreis bog. Während ich den Fisch nach oben pumpte bemerkte ich: „Die sind aber träge. Die lassen sich ja richtig hochziehen.“
Endlich hatte ich den Fisch an der Bordwand.

Uschi beim Drillen

Gleich ist der Dorsch an der Bootswand angekommen

Der Dorsch hat keine Chance mehr...

... und wir heraus gehoben

„Michael reich mal den Kescher“ rief ich ihm zu.
„Nein. Den musst du jetzt hochheben. Der wird nicht gekeschert“, antwortete er.
Während ich den Fisch über die Bordwand hoch betete ich im Stillen, dass er mir bloß nicht vom Haken fiel. Doch alles ging gut. Ich hatte meinen ersten Dorsch gefangen!

Dorsch mit Meeresköder im Maul

Dorsch mit Meeresköder im Maul

Uschi freut sich unheimlich über ihren ersten Dorsch

Ein kleiner, aber feiner Dorsch

Wir probierten es noch eine Zeitlang an der Stelle weiter, aber als sich nichts tat fuhren eine andere Stelle an.
Den ganzen Tag über wehte ein Nordwestwind mit Stärke 4 bis 5. Ab und zu bekam ich eine richtige Dusche ab. Aber das machte mir überhaupt nichts aus. Ich war von meinem ersten Dorsch so sehr begeistert, dass ich alles in Kauf genommen hätte, wenn ich nur weitere fangen könnte.
Einige Seemeilen weiter stoppt Michael erneut den Motor. Dieses Mal war ich die erste, die ihren Köder auf den Grund ließ.
“Äehm, ich habe wieder einen” verkündete ich nach ein paar Minuten.

Uschi beim Drillen

Die Spitze biegt sich beim Drill

„Das gibt’s doch nicht!“ riefen Michael und Achim im Chor.
Dieses Mal dauerte der Drill etwas länger, denn der zweite Dorsch war größer (über 60 cm) als der erste. Er wog etwas über 6 Pfund und dieses Mal musste ich ihn nicht hochhieven, sondern Michael nahm den Kescher. Als er im Boot lag und Achim immer wieder sagte „Das gibt’s doch nicht. Das gibt’s doch“ antwortete ich: „Schatz, du hast doch gesagt, dass ich einen 60er fangen darf. Du wolltest doch einen fangen, der mindestens 70 cm hat.“

Der näcshte Dorsch hat angebissen

Auch er landet gleich...

... im Kescher

Der Dorsch biss auf den Kunstköder

Auch Dorsche haben viele Zähne...

... und manchmal einen Krebs im Maul

Als ich den Dorsch für ein Foto in den Händen hielt bemerkte Michael: „Oh! Der hat ja das Maul voller Krebse!“ „Was? Im Maul hat er Krebse“ fragte ich erstaunt und drehte ihn zu mir.
Und tatsächlich: ein orangefarbener Krebs lag im Dorschmaul. So ein verfressener Bursche! Einen Moment später spuckte er ihn mir vor die Füße.

Dieses war der größte Dorsch, den Uschi fing

vergrößern = Mausklick auf das Bild

Uschis zweiter Dorsch

Bevor wir nach ca. 20 Minuten beschlossen weiter zu fahren sagte ich zu Achim, dass ich ihm meinen Köder geben würde. Sofort meldete sich Michael: „Kommt nicht in Frage. Du behälst den Pilker! Wir fangen noch!“
Überglücklich über meinen zweiten Fang schrieb ich erst einmal meiner Schwester und meiner Tochter eine SMS. Natürlich konnte ich es mir nicht verkneifen zu bemerken, dass die Jungs noch keinen gefangen hatten.
Dieses Mal fuhren wir etwas weiter hinaus, bis das Echolot eine Wassertiefe von 18 Metern anzeigte. Plötzlich stoppte Michael den Motor und sagte: „Auf dem Echolot ist ein Schwarm zu sehen. Lasst sofort eure Köder runter."
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Kaum ausgesprochen landete mein Köder auf dem Grund. Eigentlich hieß es nun Heben und Senken der Rutenspitze, damit die Köder über den Meeresboden hüpften. Nachdem ich dieser Anweisung ca. 5 Minuten gefolgt war hatte ich dazu keine Lust mehr. Ich wartete ein, zwei Minuten, öffnete dann wieder den Freilauf und ließ ein paar Meter Schnur von der Rolle. Dann schloss ich den Bügel und wartete. Das machte ich ein paar Mal. Plötzlich spürte ich schon wieder einen Ruck in der Rute.
Etwas vorlaut sagte ich dieses Mal: „Jungs, ihr werdet es nicht glauben. Ich habe schon wieder einen.“
Dieses Mal antworteten sie nicht sondern schauten sich nur fragend an. Nachdem ich den Fisch vom Haken gelöst hatte wollte ich, da Achim immer noch keinen Dorsch gefangen hatte, ihm nun endlich meinen Köder überlassen. Doch Michael war immer noch dagegen.
„Kommt nicht in Frage“, meinte er. „Du behältst deinen Köder. Ich gebe Achim einen anderen.“
Achim suchte sich in Michael Köderkiste ebenfalls einen weiß-blauen Gummifisch aus, der jedoch einen leichteren Bleikopf hatte.
Kurz nachdem unsere Köder wieder im Wasser lagen fing Michael seinen ersten Dorsch. Ich freute mich mit ihm, war aber etwas traurig, dass Achim immer noch keinen gefangen hatte.

Michael lässt den Köder zum Grund

Achim und Uschi

Unsere Fische hälterte Michael in einen Drahtkorb, den er mit einem Kinderschwimmring versehen hatte Während des Angelns baumelte dieser im Wasser. So blieben die Fische fangfrisch.
Als sich nach weiteren 15 Minuten nichts tat fuhren wir weiter. Während der Fahrt schaute Michael immer wieder aufs Echolot, aber es waren weit und breit keine Dorsche zu sehen. Trotzdem hielt er nach einiger Zeit an und wir ließen unsere Köder erneut ins Wasser. Wir warteten vergeblich auf einen Biss und beschlossen nach längerer Zeit eine andere Stelle anzufahren. Während ich meine Rute reinholte  verspürte ich einen Ruck im Blank. „Nanu, was ist das denn jetzt? Ist das ein Hänger?“ ging es mir durch den Kopf. Doch schon sehr bald merkte ich, dass kein Hänger war. Ein weiterer Fisch hing am Haken.
„Warte einen Moment! Lass den Motor noch nicht an. Ich habe einen Fisch am Haken“ rief ich Michael zu.
„Das kann doch nicht wahr sein!“ antwortete er.
„Doch. Muss wohl beim Reinholen passiert sein“, gab ich als Antwort zurück. Ich wandte mich ab, damit sie den Schalk in meinen Augen nicht sehen konnten. Irgendwie taten mir die beiden ja leid, aber es machte mir auch riesigen Spaß immer wieder ihre erstaunten Gesichte zu sehen, wenn ich den nächsten Fisch meldete.
Dieser Fisch hatte jedoch nicht auf den Gummifisch gebissen sondern auf den Beifänger.
Langsam glaubten die beiden, daß es nicht mit rechten Dingen zugehen könnte: Ich hatte schon 4, Michael einen und Achim immer noch keinen gefangen.
Als ich meinen Fisch versorgt hatte warf Michael den Motor an und wir tuckerten gemütlich weiter, immer einen Blick auf das Echolot werfend, ob irgendwo Fische zu sehen waren. Nachdem wir eine, wir wir glaubten, gute Stelle gefunden hatten, ließen wir sofort wieder die Köder zum Grund sinken. Dieses Mal fing Michael seinen zweiten Dorsch und war sehr zufrieden. Nur Achim war immer mehr enttäuscht. Bei ihm wollte einfach keiner beißen. Das konnte, nein, das MUSSTE am Köder liegen!
Erneut wechselten wir die Stelle. Wir fuhren eine gute Viertelstunde bis Michael wieder den Motor stoppte. Auf dem Echolot waren zwar keine immer noch Fische zu sehen, aber wir wollten es trotzdem noch einmal probieren. Auch dieses Mal ließen wir das Boot treiben und warteten auf einen Biss. Wie es der Zufall (?) wollte hatte ich gerade einen weiteren Biss, als Achim unsere Videokamera rausgeholt um ein bißchen die Gegend zu filmen. Sofort richtete er die Kamera auf mich um meinen Fang zu filmen. Während ich den Fisch drillte fühlte ich mich den Jungs überlegen. Neckend und etwas vorlaut sagte ich zu Achim: „Achim, du musst die Schnur weiter abtreiben lassen. Ich gebe immer wieder Schnur nach.“

Und wieder hat einer angebissen

So ein Drill kostet ganz schön Kraft

Vorher war ich zum Drillen immer aufgestanden, aber dieses Mal war ich zu faul und blieb deshalb einfach sitzen. Das war sicher ein großer Fehler, denn während ich den starken Fisch (nach meinem Gespür war er bestimmt um die 80 cm lang!) drillte, spürte ich plötzlich, dass er abgegangen war. Meine Enttäuschung war groß und ich schimpfte: „So ein Mist! Jetzt ist er ab.“
Michael meinte trocken: „Das kommt schon mal vor. Was willst du denn, du hast doch schon genug gefangen. Was sollen Achim und ich denn sagen?“
Er hatte ja Recht. Trotzdem war ich stinksauer, denn gerade das wäre bestimmt der Größte an diesem Tag gewesen. Frustriert legte ich meine Rute zur Seite. Kurz darauf meldete Achim einen Biss. Sofort holte ich die Videokamera wieder hervor um den Drill zu filmen. Doch auf dem Display erschien eine Fehlermeldung. Ich filmte zwar trotzdem weiter, in der stillen Hoffnung, dass aus der Aufnahme doch etwas wurde. Obwohl die Kamera in der Tasche und unter der Persenning lag hatte sie Feuchtigkeit abbekommen und wir befürchteten schon, dass sie kaputt war. Doch, so stellte sich später heraus, war dem nicht so. Nur die Aufnahme war leider nichts geworden.

Endlich hat Achim auch einen Dorsch gefangen

Nun ja, nicht sehr groß, aber meiner

Uschi freut sich mit Achim über seinen Fang

Achims Dorsch war zwar nur einer von etwas über 40 cm, aber immerhin hatte auch er endlich einen gefangen - und nicht nur er war glücklich.
Michael meinte wohl, dass wir genug gefangen hätten, denn plötzlich angelte er nicht mehr, sondern fing an die Fische auszunehmen. Als die Möwen das merkten waren sie sofort zur Stelle und Hunderte umkreist uns.

Der Drahsetzkescher, in dem die Fische frisch gehalten wurden

Michael fängt an die Fische auszunehmen

Michael beim Ausnehmen der Dorsche

Michael wirft die Innereien über Bord...

... und schon sind die Möwen da!

Hunderte von Möwen begleiten unser Boot

Möwen in der Ostsee

Ich wollte mit dem Angeln noch nicht aufhören und ließ meinen Köder erneut zu Wasser. Als Michael das sah meinte er leicht drohend: „Wenn du jetzt noch einen fängst, dann nimmst du ihn aber selber aus!“
„Klar doch!“, antwortete ich lachend - und spürte im selben Moment, dass ich den nächsten Fisch am Haken hatte!
„Jungs, ich habe schon wieder einen!“ gab ich kleinlaut von mir. Irgendwie kam ich mir nun selber schon komisch vor.
„Nun reicht es aber! Wir werden dich demnächst als Treibanker nehmen“, bekam ich von Michael zu hören.
Achim schaute mich erstaunt an und ich beeilte mich zu sagen, als ich seinen jetzt schon etwas mehr als fragenden Gesichtsausdruck sah: „Schatz, wenn ich den gelandet habe, dann tauschen wir aber wirklich mal die Köder. Du sollst doch auch noch einen fangen“ Und das wünschte ich ihm wirklich vom ganzem Herzen.
Auch dieser Dorsch hatte sein Essen, einen kleinen Silberling, noch im Maul. Demonstrativ spuckte er ihn mir vor die Füße, als ich ihm vom Haken löste.
Nachdem wir unsere Köder getauscht hatten ließ Achim den super fängigen Gummifisch mit Dorschbombe auf den Grund. Während er absank sagte ich etwas spaßig: „Wir wollen doch mal sehen, ob es wirklich am Köder liegt.“
Dann ließ auch ich meinen Köder runter. Wieder wendete ich die Faulenzermethode an, d.h. ich hielt die Rute ruhig in der Hand und schaute mir die Gegend an. Nach einigen Minuten spürte ich erneut einen Ruck in der Rute. Langsam kam es mir selber unheimlich vor, als ich ein paar Minuten später verkündete: „Am Köder liegt es nicht – ich habe schon wieder einen dran.“
Eigentlich hätte ich noch stundenlang weiter angeln können, aber Michael meinte, es sei an der Zeit den Rückweg anzutreten.
Um 14.30 Uhr steuerten wir zum Hafen, wo wir gegen 16 Uhr ankamen.

Nun gehts zurück in den Hafen

Uschi ist glücklich über ihre 7 Dorsche

Als wir in den Hafen fahren....

... muß uns noch unbedingt das Segelboot überholen

Wenn wir andere Angler trafen fragte Michael sie: „Na, wie ist es? Habt ihr was gefangen?“
Manchmal bekamen wir ein „Nein“ als Antwort oder aber „Ja, drei.“
Stolz holte Michael dann den Drahtkescher mit den 10 Dorschen aus dem Wasser und hielt ihn mit den Worten hoch: „Wir haben gute 15 kg. Aber ihr habt ja auch keine Frau an Bord!“
Als wir im Hafen angekommen und alles ausgeladen hatten gingen Achim und Michael zum Bezahlen in den Angelladen. Michael erzählte den Inhaber natürlich gleich, wie erfolgreich unser Fischen war. Der größte meiner Dorsche war etwas über 60 cm, zwei waren über 45 cm und die restlichen vier alle über 50 cm. Was will ein Frauenherz mehr!
Achim nutzte die Gelegenheit und kaufte für uns beide günstig eine Rettungsweste, die wir anlegen werden, wenn wir mit unserem Bananaboot unterwegs sind.
Auf dem Rückweg zum Hotel hielten wir noch zwischen Eutin und Malente am Dodauer Forst an, wo der einzige Baum mit eigener Postanschrift, die„Bräutigamseiche“ steht. (Adresse: Bräutigamseiche, Dodauer Forst, 23701 Eutin). Um die Bräutigamseiche gibt es viele Märchen und Sagen. Eine davon ist die der Försterstochter, die sich in den Sohn eines Schokoladenfabrikanten verliebte. Da der Vater der Braut mit dieser Verbindung nicht einverstanden war, nutzen die beiden ein Astloch der alten Eiche als Postkasten zum Austausch ihrer Botschaften. Bei so viel Hartnäckigkeit blieb dem Förster schließlich nichts anderes übrig, als der Hochzeit zuzustimmen. Am 2. Juni 1891 heiratete das Paar.

Bräutigamseiche im Dodauer Forst

Hier steht die Geschichte der Bräutigamseiche

In dieses Astloch werden die Briefe gesteckt

Uschi holt einen Brief aus dem Astloch

Seit dieser Zeit trägt der stattliche Baum seinen Namen. Seit 1927 hat die Post einen Zustelldienst zu dieser Eiche eingerichtet. Bis heute bringt der Postbote auf seiner täglichen Tour die Briefe in den Dodauer Forst. Er steckt sie in das Astloch, das über eine Leiter zu erreichen ist. Selbst Briefe aus den USA und Asien sind dabei. Jeder der mag, kann diese Briefe lesen; das Postgeheimnis ist aufgehoben. Bei Nichtgefallen werden die Briefe wieder zurückgelegt, bei Gefallen dürfen sie mitgenommen und beantwortet werden.
Auf dem Heimweg hielten wir noch einmal bei Michael an. Nachdem er sich umgezogen hatte fuhren wir weiter zum Hotel. Dort angekommen setzten wir uns erst einmal an die Theke und stillten unseren Durst. Mit einem Schnäpschen, welches uns Frau Woyda spendierte, stießen wir auf den tollen Fang an, während Michael unsere Dorsche in die Küche zum Filetieren brachte. Später half mir Claudia dabei. Sie fror sie auch für uns ein.
Bevor wir zum Abendessen gingen duschten wir uns erst einmal und zogen uns um.
Als wir zum Abendessen zusammen mit Michael am Tisch saßen Claudia kam zu uns und sagte, dass sie gerade frisch gefangene Schollen zubereitet hätte. Natürlich entschieden wir uns dafür und sie schmeckten einfach wunderbar!
Am nächsten Morgen (Pfingstmontag, 5. Juni), unserem Rückreisetag, gingen wir erst gegen 9 Uhr zum Frühstück. Die Sonne lachte vom strahlend blauen Himmel und wir bedauerten es, abreisen zu müssen.
Michael saß an der Theke und wartete auf uns. Zum letzten Mal frühstückten wir zusammen und fuhren dann noch einmal los, um uns zwei seiner Vereinsseen anzuschauen.
Als wir wieder am Hotel waren räucherte der Hausmeister des Hotels gerade unsere zwei kleineren Dorsche, die wir zur Seite gelegt hatten.

Unsere beiden kleinen Dorsche werden geräuchert

Der Räuchermeister am Ofen

Nachdem wir unser Gepäck im Auto hatten luden wir noch unser Gefriergut in die Kühlbox und verstauten unsere Räucherware. Gegen 11.30 Uhr hieß es dann endgültig Abschied nehmen.
Wir bedanken uns herzlich bei Claudia und Michael für das wunderschöne Wochenende, das sie uns beschert haben. Es wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Überhaupt war Michael ein toller Angelfreund und ein super Guide, denn er hat uns zum Fisch geführt! Ohne ihn hätten wir bestimmt nicht so gut gefangen – wenn überhaupt!
Eines wissen wir schon heute: es war nicht unser letztes Angeln in der Ostsee!!!

 

» 1 Kommentar
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Kommentar von brassenkiller am Dienstag, 11. August 2009 22:45
schöne berichte und gute fänge.petri heil
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