Am Haken
VORSICHT: satirisch, sarkastisch, politisch unkorrekt, überzogen!!
Wer dies nicht für richtig hält oder meint dies nicht ohne Schaden überstehen zu können, sollte nicht weiterlesen!
Die Geschichte Abraniens....
s war einmal ein König, der saß
auf der schönen grünen Wiese in dem großen breiten Tal und ließ seinen Blick
schweifen bis zum Horizont, wo im Morgendunst silberblau das weite Meer zu
erkennen war. Rechts davon breitete sich eine liebliche Hügellandschaft aus,
links davon erkannte er den guten Boden für ertragreiche Felder. Ja, dies war
der richtige Platz. Hier in Abrania würde er sein Königreich gründen. Dieses
Stück Land hatte er beim Hohen Kaiser für sich eintragen lassen und zugewiesen
bekommen. Die Felsen und Berge, die er überwinden musste, lagen hinter ihm.
Jetzt würden sie ihm die Steine zum Errichten seiner Burg liefern. Dies Land
war sein Land, größer, schöner und viel versprechender als jedes andere
Fleckchen Erde, dass er und seine Getreuen bisher erkundet hatten.
Schnell machten sie sich ans Werk
und errichteten das Königreich und bald schon gesellten sich ihnen immer mehr
Heimatlose zu, mit der Bitte, aufgenommen zu werden und hier ein neues Stück
Heimat zu finden. Die meisten Menschen waren edel, gerecht und gut, erfreuten
sich ihres neuen Zuhauses. Fröhlich und friedlich lebten sie zusammen im
Hofstaate und bildeten alsbald eine verschworene Gemeinschaft Glücklicher. Es
gab Zauberer und Magier unter ihnen, die ihr Wissen und ihre Kraft in den
Dienst der Gemeinschaft stellten, Hofnarren und Gaukler, deren Späße die
Gemeinschaft erfreute, Spezialisten und Könner mit den unterschiedlichsten
Fähigkeiten, und alle stellten sich in den Dienst der Gemeinschaft, so dass
jeder vom anderen Nutzen hatte.
Alles schien gut und schön zu
sein, doch bald schon geschah es, dass einer der Spezialisten für die
Schmiedekunst hörte, dass jemand eine Pflugschar für sein Feld benötigte und
nicht wusste, wie diese herzustellen sei. Als er es ihm gerade erklären wollte,
hörte einer der Magier dies und meinte sogleich, es besser wissen zu müssen,
und der zufällig gerade anwesende Hofnarr, meinte auch noch, ein Späßchen
darüber loslassen zu müssen. Es entbrannte ein Streit und hitzig wurde gezankt.
Andere Spezialisten, Magier und Narren kamen hinzu, jeder hatte was zum Besten
zu geben und Unruhe hielt Einzug im Lande. Doch dafür gab es ja den König, der
sich alle Ansichten anhörte und bereit war, einen Kompromiss auszuhandeln, der
fast alle zufrieden stellte. Er war stolz auf sich und die wenigen Abranier,
die den Streit begonnen hatten, schämten sich sehr für ihre Tat, waren sie doch
ansonsten als besonnene Bürger bekannt.
och es blieb nicht bei diesem
einen Streit. Je mehr Menschen in Abranien einzogen, desto mehr verschiedene
Meinungen gab es auch unter den Abraniern und dadurch auch mehr
Meinungsverschiedenheiten. „Tja, so ist halt das Los des Königs. Nicht nur um
fröhliche Feste mit meinen Untertanen zu feiern, regiere ich dieses Land,
sondern auch um immer wieder Streitigkeiten zu schlichten.", dachte sich der
König. Er hatte einige wenige leicht einzuhaltende Gesetze geschaffen, nach
denen die Abranier leben konnten, und dies klappte auch gut. Manchmal fiel ihm
auf, dass einige Streitigkeiten gar nicht bis an sein Ohr drangen, weil andere
Bürger diese bereits geschlichtet hatten.
Und noch etwas bemerkte er: Die
Bürger begannen, sich ganz nach ihren Interessen in einzelnen Grüppchen zu
formen. Die Schmiedekundigen tauschten ihr Wissen unter der großen Eiche am
Waldrand aus, die Schweinezüchter trafen sich auf dem Feld, die
Raubtierdompteure nahe den Felsen und eine besonders große Gruppe, die das Meer
heiß und innig liebte, traf sich fast ständig an den Stränden und Klippen. Doch
alle waren nicht nur bei ihren Gesinnungsfreunden zufrieden und glücklich,
sondern freuten sich auch über das Geschehen in den Schänken und auf den
Versammlungsplätzen, wo alle wieder zusammenkamen. Immer mehr Menschen aus
entfernten Gegenden hörten von diesem glücklichen Land und wanderten dorthin.
Abends, wenn der König seinen Blick über das Land wandern ließ, freute er sich
über die Vielzahl der glücklichen Untertanen.
Aber die wachsende Beliebtheit
seines Landes brachte auch Probleme. Mittlerweile fingen selbst die immer
größer werdenden Gruppen an, sich aufzuspalten. Unter den Geflügelzüchtern
entbrannte ein heftiger Streit darüber, ob es sinnvoller wäre, die Hühner,
Enten und Gänse zu schlachten und zu verspeisen statt ständig nur ihre Eier zu
essen und selbst die Schlachter stritten sich, ob es besser wäre, schon die
jüngeren zarten Tiere zu schlachten oder sie erst ein bestimmtes Alter
erreichen zu lassen.
Immer mehr Klagen wurden ihm
vorgetragen und von Tag zu Tag wurde er trauriger und müder, weil es immer mehr
Mühen kostete, dieses große Reich zu regieren. Er hatte bereits Bestrafungen
eingeführt und dem Einen oder Anderen ganz üblen Streittreiber sogar die
Verbannung aus seinem Königreich angedroht, doch irgendwie half selbst dies
nicht.
ls er eines Abends schlaflos an
die Zimmerdecke starrte, erinnerte er sich der Bürger, die mehrfach schon
Streitigkeiten geschlichtet hatten. Diese wollte er zu Schlichtern ernennen,
die ihm dienlich sein sollten, als seine Unterstützer für das Wohl der Bürger
zu sorgen und wieder Ruhe und Frieden einkehren zu lassen. Jeder sollte dort,
wo er sich am meisten aufhielt, ein wenig Streit schlichten und ab und zu mal
an die Gesetze erinnern oder sogar bestrafen dürfen. Schon am nächsten Tag
hängte er einen Aufruf am zentralen Versammlungsplatz aus, dass sich Bürger,
die zu dieser Aufgabe bereit seien, bei ihm melden sollten. Zusammen mit seinen
engsten Beratern wählte er die zehn Tüchtigsten und Besten unter ihnen aus und
überreichte ihnen die Schlichterurkunde. Den anderen Bewerbern dankte er für
ihre Bereitschaft und schickte ihnen seine Grüße. Alle freuten sich über diese
Anerkennung und gingen zurück zu ihren Freunden, die einen als Schlichter, die
anderen weiter als engagierte Bürger Abraniens.
Jedoch einer von den Abgelehnten
war ein von Magiern ausgebildeter Meeresfreund, der sich sowohl am Strand als
auch an den Klippen stets sehr wohl gefühlt hatte und dort einer der
stimmstärksten Wortführer werden wollte. Von ihm war schon ein paar Mal Ärger
und Unruhe ausgegangen, weil er sich selbst für einen der größten Experten
hielt und andere Meeresexperten düpiert hatte, als diese ihre Meinungen
äußerten. Er hatte eigentlich gar nicht das Ziel gehabt, wirklich ein
Schlichter zu werden, aber die Macht, andere maßregeln und bestrafen zu dürfen,
reizte ihn, und so hatte er sich auch beworben.
Doch der König und seine Berater
waren schlaue und weise Männer und durchschauten seine wahren Absichten.
Deshalb hatten sie ihn sofort abgelehnt. Jetzt war er wütend und enttäuscht und
machte seinen Gefühlen lauthals am Strand Luft, wo einige seiner Zuhörer seine
Empörung zu teilen schienen, während andere sich kopfschüttelnd anwandten. Als
der frisch ernannte Schlichter der Meeresfreunde ihn bat, sein Geschimpfe
einzustellen, zum Wohle aller Meeresfreunde und damit zum Wohle Abraniens,
reifte ein Plan in ihm. Was interessierten die wahren Meeresfreunde sich für
Schweine- oder Hühnerzucht, Schmiede- oder Schreinerhandwerk und all diesen
Kinkerlitzchen, wenn sie ihr Meer mit den Klippen, Stränden, Wogen und Booten
hatten.
So wanderte er über die Grenze
des Königreiches hinaus am Meer entlang und entdeckte bald, was er gesucht
hatte: Eine große Meeresbucht mit Klippen und Stränden und günstigen
Anlegeplätzen für seine Boote. Heimlich, still und leise leitete er alles in die
Wege, sicherte sich den Besitzeintrag beim Hohen Kaiser und gründete sein
eigenes Königreich. Er nannte es Nafrano, und es sollte ausschließlich ein
Reich für die Meeresfreunde sein. Sollen die Viehzüchter, Handwerker und
sonstigen aus seiner Sicht Überflüssigen doch in Abranien bleiben, doch alle
die Meeresfreunde wird er hierher locken und sein neuer Feind, der König
Abraniens, der ihn so verschmäht hat, wird schön dumm aus der Wäsche schauen,
wenn seine Strände und Klippen plötzlich menschenleer sind. Seine Rache würde
fürchterlich werden und zum Untergang Abraniens führen. Dann könnte er das
Territorium übernehmen und hätte endlich die Macht, die er sich immer gewünscht
hat. Und nicht nur Macht und Ruhm war sein Ziel, denn auch die Zölle der
fahrenden Händler in Abranien hatten es ihm angetan. Der alte König nutzte
diese Gelder zwar zum größten Teil nur, um seine eigenen Unkosten zu decken,
doch das war ihm nicht genug. Von diesem Kuchen würde er sich auch ein großes
Stück abschneiden und sich vielleicht irgendwann seinen Traum von einer eigenen
Insel mitten im Meer zu erfüllen. Wenn erstmal alle Meeresfreunde nach Nafrano
abgewandert waren, würden diese Händler Abranien den Rücken kehren und zu ihm
in sein Reich kommen. Das waren seine Pläne und jetzt galt es, diese in die Tat
umzusetzen.
chon am nächsten Morgen weihte er
einige seiner innigsten Freunde ein und versprach ihnen sofort, eine
Schlichterrolle in seinem Königreich zugewiesen zu bekommen, sofern sie nur mit
ihm gingen und Abranien verließen. Dann rief er öffentlich zur Revolte auf und
forderte alle Meeresfreunde auf, ihm zu folgen in das neue Land nur am Meer mit
dem Namen Nafrano und ihm als den großen König von Nafrano.
Tatsächlich gab es ein paar unter
den Meeresfreunden, denen seine Sprüche gefielen und die ihn sofort
unterstützten. Einige jedoch, nachdem sie Nafrano gesehen hatten, entschlossen
sich, einfach mal ab und zu von dem einen ins andere Land zu reisen und überall
dort die Leute zu treffen, die sie treffen wollten. Der alte König und seine
Berater jedoch waren erzürnt über soviel Eigensinn und stellten ihn zur Rede. Doch
eigensinnig und stur, wie er war, nützte dies nicht viel. Nach kurzem aber
heftigen Streit sprach der König sein Urteil: „Ich verbanne dich für jetzt und
alle Zeiten aus Abranien. Geh in dein Nafrano und lass dich hier nie wieder
blicken!" So ging er von dannen, vor Augen seinen eigenen Ruhm, sein eigenes
Reich und natürlich die Zölle der fahrenden Händler.
Tatsächlich, sein Reich wuchs und
neue Bürger zogen bei ihm ein, auch der eine oder andere Abranier siedelte sich
an. Doch von zehn heimatlosen Immigranten zogen nach wie vor mindestens acht
oder neun es vor, sich in Abranien nieder zu lassen statt in Nafrano. Deshalb
nahm er auch deutlich weniger Zölle ein als sein Feind im anderen Land. Da
viele seiner Bürger gleichzeitig Bürger Abraniens waren, machten auch viele
Gerüchte und Intrigen die Runde, warum es in dem einen Land besser sei als in
dem anderen und umgekehrt natürlich auch. Doch teuflisch und rachsüchtig wie er
war, hatte er noch ganz andere Boshaftigkeiten im Kopf. Schließlich kannte er
sich ja bestens aus in Abranien.
In Magier, gleichzeitig der engste
Berater des Abgelehnten, ließ mit dessen Hilfe unter Anwendung von Magie einen
Geist entstehen, gab ihm den Namen Ocrim und die menschliche Gestalt und das
Wesen eines Jungen vom Meere, der fortan zwischen Abranien und Nafrano hin- und
herpendelte und ihm wichtige Informationen über Abraniens Bewohner und ihre
Vorlieben und Wünsche lieferte. So konnte er mit entsprechenden Versprechungen
vielleicht den einen oder anderen Abranier abwerben oder wenigstens zu einem
Besuch von Nafrano bewegen, denn Besucher lockten Händler und Händler brachten
Geld.
Eines Nachts verkleidete er sich
und schlich heimlich in den Inneren Palast des Königs von Abranien. In einem
unbeobachteten Moment gelang es ihm, einige wertvolle Schriftrollen zu stehlen
mit geheimen Informationen über Abranien. Zwar konnte er mit diesen
Informationen nicht wirklich etwas anfangen, aber er hatte Lunte gerochen und
schlich sich ein zweites Mal in den Palast. Diesmal hatte er es auf die
Korrespondenzrollen abgesehen, die er nicht stehlen wollte, sondern einfach mal
nach seinem Gutdünken abänderte. War es beim ersten Mal unter den Beratern und Schlichtern
des alten Königs nur ein Verdacht gewesen, dass irgendwas nicht stimmen konnte,
so wurden sie jetzt jedoch hellhörig und hellwach. Einer von ihnen, ein
begabter Spuren- und Fährtensucher machte sich auf seine Spur und entdeckte
bald, dass diese nach Nafrano führte.
Auch dass es sich beim jungen Ocrim
in Wahrheit um einen Geist des Inneren Zirkels von Nafrano handelte, hatten die
Weisen Abraniens schnell heraus bekommen. Sie berieten sich und kamen zu dem
Schluss, dass trotz des unrühmlichen Handelns des Abgelehnten ein Krieg nichts
anderes hervorbringen würde als Verluste auf beiden Seiten mit davon
betroffenen unschuldigen Bürgern, auch wenn das kleine Nafrano sicherlich
chancenlos gegen diese Übermacht wäre. Warum sollte Abranien diese kleine Provinz
denn auch vereinnahmen und damit alle die Abtrünnigen und Verbannten wieder
aufnehmen, über dessen Weggang man doch eigentlich erfreut gewesen war, nachdem
sie soviel Unruhe und Unfrieden gestiftet hatten. So bot man ihm also einen
Vergleich an, dass sein kleines reich bestehen bleiben könne, wenn er sich
öffentlich zu seinen Schandtaten bekenne und Abbitte leiste.
Wie zu erwarten war, zeigten sich
der Abtrünnige und seine Vasallen jedoch geprägt von ihrem Stolz und ihrer
Sturheit. Der alte König schickte darum seine Rechtsgelehrten zum Hohen Kaiser
aus und erhob Klage gegen den Abtrünnigen. So wurde er verurteilt und
gleichzeitig verpflichtet, in Zukunft alles zu unterlassen, was Abranien,
seinen Bewohnern und seinem König zu Schaden wäre.
ie beiden Königreiche konnten von
nun an friedlich nebeneinander gedeihen, das eine mehr, das andere weniger. Der
alte König investierte weiterhin erfolgreich seine Zolleinnahmen in ständige
Verbesserungen zum Wohle seiner Bürger, unterhielt ein gutes Verhältnis zu den
fliegenden Händlern und überredete sie ein ums andere Mal, ihn bei den vielen
Gewinnspielen und Turnieren zu unterstützen, die er zur Belustigung seines
Volkes veranstaltete. Zwar lockte dies auch ein paar zwielichtige Gestalten ins
Land, aber die Schlichter waren stets aufmerksam, mahnten diese und straften
sie auch gelegentlich. Auch den einen oder anderen größeren Streit gab es mal,
doch das Volk Abraniens war noch immer ein zufriedenes und freute sich sowohl
über die vielen verschiedenen Fachrichtungen und Interessensgruppen, in denen
man genauso gut von wirklich erfahrenen Spezialisten lernen konnte, wie auch
sein eigenes Wissen weiter zu geben. Oft traf man sich gemeinsam, zum Beispiel
in mehr oder weniger gepflegter Runde in den einzelnen Schänken wie dem
„Sapfa-Treff", „Uwe's Herrenhaus", oder dem Rasthaus „Zum Goldenen Ferkel", wo
meistens herzhaft gelacht und gescherzt wurde, oder aber im großen
Einkaufszentrum mit dem Reisebüro, wo auch untereinander Handel betrieben
werden konnte.
Natürlich gab es auch von Zeit zu
Zeit mal einen kleinen oder größeren Streit und Ärger. Einzelne Bewohner
verließen Abranien, um eigene kleine Grafschaften irgendwo im Kaiserreich zu
gründen oder sich anderen Königen, Herzögen und Grafen anzuschließen. Es wurden
auch stimmen laut, die es nicht guthießen, dass fremde Händler durchs Land
zögen, von denen Zölle kassiert wurden. Zum Teil wurden die wildesten Gerüchte
laut, die von prall gefüllten Schatzkammern im Königsschloss kündeten. Aber der
gute alte König mit seiner Offenheit und Ehrlichkeit konnte sie alle beruhigen.
Auch für die Schlichter gab es zwar ab und zu etwas Arbeit, weil mal der eine
oder andere Streit aufloderte. Neue Schlichter wurden rekrutiert, um der
größeren Zahl der Bewohner gerecht zu werden, denn tagtäglich strömten neue
Immigranten nach Abranien, bereits Eingebürgerte holten ihre
Familienangehörigen und Freunde hinzu und das Land blühte und gedieh prächtig.
nd wenn sie nicht gestorben sind,
dann leben sie noch heute, die Meeresfreunde, die Schweine-, Rinder- und
Geflügelzüchter, die Schreiner, Schmiede, Metzger und andere Handwerker, die
Gaukler, Raubtierdompteure und Hoffnarren unter den Abraniern genauso wie der
alte, gutmütige König, seine Berater und die Schlichter und natürlich auch..... ja,
was ist eigentlich aus Nafrano geworden, aus dem Abgelehnten und seinen
Vasallen sowie seine Untertanen?
Nachdem seine engsten Berater
durch die Verhandlung vor dem Hohen Kaiser Kenntnis von den Machenschaften des
Abgelehnten erhalten hatten, ging Empörung durch ihre Runde. Die Einen
witterten ihre Chance, auch etwas von den Händlerzöllen in ihre eigene Tasche
wandern zu lassen, die anderen distanzierten sich persönlich von seinen Zielen
im Glauben an ein blühendes Nafrano irgendwann in der Zukunft. Gemeinsam gingen
sie in heimliche Opposition zu ihrem Anführer, hielten irgendwie ihr kleines
Volk im Zaum und schmiedeten Pläne, wie sie ihn stürzen könnten, um selbst die
Macht zu übernehmen. Als ihren Anführer wählten sie den Magier aus, doch waren
diesem die Hände gebunden, denn der Abgelehnte wusste alles über den von ihm
heraufbeschworenen Geist. Schließlich hatte er ja dafür Sorge getragen, dass
dieser nicht nur in Abranien, sondern auch in Nafrano selbst sein Unwesen
getrieben hatte. Wenn der Abgelehnte seinem Volke die Wahrheit über den Geist
erzählte, würde dieses den Magier wahrscheinlich steinigen oder aus dem Land
jagen, und damit wäre die Opposition entscheidend geschwächt.
Man traf sich heimlich an
versteckten Orten in Nafrano und auch außerhalb des Landes und beratschlagte,
was zu tun sein, um den Abgelehnten, also den eigenen König aus seinem Land zu
jagen, obwohl dieses beim Hohen Kaiser auf dessen Namen eingetragen war.
Gleichzeitig musste das eigene Volk auf die Seite der Opposition gezogen werden,
denn viele waren dem Abgelehnten treu ergeben. Vieles musste im Verborgenen
geschehen, denn der Abgelehnte besaß viel Macht und Magie, mit deren Hilfe er
Abhöreinrichtungen und Beobachtungsposten installiert hatte, damit ihm nichts
entginge, was zu einem Schaden für ihn führen könnte. Doch es gelang und ein
gerissener und über alle Maßen hinterlistiger Plan reifte in den Köpfen. Als
der Abgelehnte gerade dabei war, sich die Insel im Meere anzuschauen, die er
von den Zolleinnahmen zu kaufen gedachte, war der Tag für die Umsetzung
gekommen.
Die größte Gefahr ging von dem
Wissen des Abgelehnten über den Geist aus, den der Magier einst erschaffen
hatte. Daher stellte sich der Magier auf die Rednertribüne des großen
Versammlungsplatzes in Nafrano und hielt eine vor geheuchelter Reue und
vorgespieltem Schamgefühl nur so triefende Ablassrede vor dem Volke, gestand
seine Greueltat, einen Geist erschaffen und ihm Gesicht und Stimme verliehen zu
haben, weil seine Sinne verwirrt waren und er außer Stande, die Folgen seines
Tuns zu bedenken. Aber jetzt sei er geheilt und würde bereuen. Und das Volk von
Nafrano hing an seinen Lippen und lobpreiste ihn ob seines mutigen
Geständnisses. Einige Verwegene, die ohnehin die Seite der Opposition offen
unterstützten, betitelten ihn sofort als den Wahren Führer von Nafrano.
Als der Abgelehnte zurückkehrte,
blies ihm der harte oppositionelle Wind ins Gesicht und er musste sich
eingestehen, dass sein wichtigstes Druckmittel nichts mehr war als eine blasse
Erinnerung an für ihn bessere Zeiten.
it dem Volk im Rücken konnte nun
der zweite, schwierigere und gleichzeitig wichtigere Schritt des Plans
verwirklicht werden. Beim Hohen Kaiser wurde ein weiteres unbewohntes
Strandstück in den Besitz der Oppositionellen überschreiben, das von diesen den
Namen „Nafrino" bekam. Mit diesem Landbesitz erwarb man die gleichen Rechte vor
dem Hohen Kaiser, wie der Abgelehnte sie für Nafrano hatte. Das Volk würde nun
frei entscheiden können, ob es der Opposition in dieses neue gelobte Land
folgen wollte oder nicht. Doch noch standen sie ja in den Diensten des
Abgelehnten und mussten Ihre Schuld begleichen.
So wurde wieder einer von Ihnen
ausgesucht, dem Volke diesen Schritt zu verkünden, dass man Nafrano verlassen
würde, um gemeinsam nach Nafrino zu ziehen. Diesmal zeigte das Volk deutlich
weniger Einigkeit. Viele waren unschlüssig, wo sie ihre wahre Heimat fänden.
Die Reisenden unter Ihnen beklagten die Strapazen, dass sie nun zwischen
Abranien, Nafrino und Nafrano pendeln sollten, einige ehemalige Abranier
versuchten reumütig, dorthin zurück zu gehen, wurden aber allesamt schon an den
Grenzen abgewiesen. So wurden sie zu Heimatlosen, Bettlern und Wegelagerern.
Die fahrenden Händler und damit die Zölle blieben genauso aus wie
Neuankömmlinge. Einige wenige Pioniere der ersten Stunde und ihre Treuen
blieben zurück auf den kargen und verfallenden Landstrichen am Meer, deren
Namen Nafrano und Nafrino auf der großen Landkarte des Hohen Kaisers immer mehr
verblassten.
in einsamer alter Mann sitzt auf
einer kleinen Insel mitten im Meer. Seinen Lebensabend hat er hier verbracht in
Armut und Kargheit. Er spürt die Kälte, die sich unabwendbar in seinen alten
Knochen ausbreitet und weiß, dass seine Zeit gekommen ist, sich von dieser Welt
zu verabschieden. Sein Blick schweift über das Meer zu den weißen
schneebedeckten Gipfeln im Südwesten, wo das blühende Königreich Abranien
liegt. Dort wäre er heute noch zuhause, wenn nicht seine Sturheit und
Uneinsichtigkeit ihn auf düstere Abwege geführt hätten.
Dann blickt er nach Südosten, wo
hinter dem Horizont die Küstenlinie liegt, die einst sein Königreich gewesen
war, gegründet und aufgebaut auf Lügen und Verleumdungen, die alle in sich
zusammengefallen sind und unter ihren Trümmern auch seine Hoffnungen begraben
haben.
Er hört zuerst den Flügelschlag,
dann sieht er ihn, den großen weißen Vogel, der auf ihn zusteuert. „Komm mit
mir!", hört er ihn sagen. Dann packen ihn behutsam die großen Klauen des Vogels
und bringen ihn auf den Weg zu seinem letzten Richter.
Kai Hay
Die Rubrik „Am Haken" soll die Möglichkeit eröffnen, dass man auch
kontroverse Meinungen zu strittigen Themen (satirisch) aufbereiten
kann. Der Autor „Kai Hay" als Anonymus deswegen, dass sich niemand auf
Grund seiner Meinung im Anglerboardforum nachher als Mitglied auf Grund
eines Artikels „verfolgt" fühlen muss.
Voraussetzung:
Keine Namensnennung (weder von Personen, Firmen noch Vereinen/Organisationen)
Keine Beleidigungen oder persönliche „Anmache" (die über die gewohnte mitteleuropäische Kommunikation hinausgeht)
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung, die Redaktion behält sich vor
Beiträge auch nicht zu bringen bzw. (in Kooperation mit dem jeweiligen
Autor) die Beiträge zu verändern
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5 Kommentare
"Ein Schmunzeln ging übers"
Als Bewohner von Nafrino konnte ich mir ein amüsantes Schmunzel nicht verkneifen. Stellenweise ging ein grinsen von links nach rechts. Gruß Story
Als alter Fahrensmann werfe ich meinen Anker in allen drei Ländern ich scheue weder Grenzen noch Könige, zeige jedem mein Logbuch und helfe bei jeder Peilung. Ahoi HeinzJürgen
Wer immer das geschrieben hat, ein Lob an denjenigen!!! Mal sehen, wie die Geschickte ausgeht!!! Ob das Ende gleich ist... ;-) Gruß Bine
ein wenig oberflaechlich betrachtet, teilweise auch von falschen Hintergrundinformationen ausgehend verfasst. Aber wer kennt schon die ganze Wahrheit? Die Beschreibung Abraniens als das Paradies ist ja auch nicht gerade der Wahrheit entsprechend. Aber es muss ja jeder selbst wissen, wo er sein Koenigreich findet. Meines jedenfalls liegt nicht in Abranien, auch nicht in Nafrano oder Nafrino. Es liegt tatsaechlich im wahren Leben, welches mir wesentlich mehr zu bieten hat als virtuelle Koenigreiche. Das sollte vielleicht der eine oder andere Bewohner der genannten Koenigreiche mal ausprobieren.
eigendlich immer dieses konkurenzdenken das frage ich mich öfters zwischen denn Ländern wieso nicht das Wissen gemeinsam nutzen statt gegeneinander. Weil jeder Mensch besser sein will als sein Nachbar darum eingendlich schade.
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