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Am Haken: Die Geschichte Abraniens.... | Drucken |

Am Haken

VORSICHT: satirisch, sarkastisch, politisch unkorrekt, überzogen!!

Wer dies nicht für richtig hält oder meint dies nicht ohne Schaden überstehen zu können, sollte nicht weiterlesen!


Die Geschichte Abraniens....

E

s war einmal ein König, der saß auf der schönen grünen Wiese in dem großen breiten Tal und ließ seinen Blick schweifen bis zum Horizont, wo im Morgendunst silberblau das weite Meer zu erkennen war. Rechts davon breitete sich eine liebliche Hügellandschaft aus, links davon erkannte er den guten Boden für ertragreiche Felder. Ja, dies war der richtige Platz. Hier in Abrania würde er sein Königreich gründen. Dieses Stück Land hatte er beim Hohen Kaiser für sich eintragen lassen und zugewiesen bekommen. Die Felsen und Berge, die er überwinden musste, lagen hinter ihm. Jetzt würden sie ihm die Steine zum Errichten seiner Burg liefern. Dies Land war sein Land, größer, schöner und viel versprechender als jedes andere Fleckchen Erde, dass er und seine Getreuen bisher erkundet hatten.

Schnell machten sie sich ans Werk und errichteten das Königreich und bald schon gesellten sich ihnen immer mehr Heimatlose zu, mit der Bitte, aufgenommen zu werden und hier ein neues Stück Heimat zu finden. Die meisten Menschen waren edel, gerecht und gut, erfreuten sich ihres neuen Zuhauses. Fröhlich und friedlich lebten sie zusammen im Hofstaate und bildeten alsbald eine verschworene Gemeinschaft Glücklicher. Es gab Zauberer und Magier unter ihnen, die ihr Wissen und ihre Kraft in den Dienst der Gemeinschaft stellten, Hofnarren und Gaukler, deren Späße die Gemeinschaft erfreute, Spezialisten und Könner mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten, und alle stellten sich in den Dienst der Gemeinschaft, so dass jeder vom anderen Nutzen hatte.

Alles schien gut und schön zu sein, doch bald schon geschah es, dass einer der Spezialisten für die Schmiedekunst hörte, dass jemand eine Pflugschar für sein Feld benötigte und nicht wusste, wie diese herzustellen sei. Als er es ihm gerade erklären wollte, hörte einer der Magier dies und meinte sogleich, es besser wissen zu müssen, und der zufällig gerade anwesende Hofnarr, meinte auch noch, ein Späßchen darüber loslassen zu müssen. Es entbrannte ein Streit und hitzig wurde gezankt. Andere Spezialisten, Magier und Narren kamen hinzu, jeder hatte was zum Besten zu geben und Unruhe hielt Einzug im Lande. Doch dafür gab es ja den König, der sich alle Ansichten anhörte und bereit war, einen Kompromiss auszuhandeln, der fast alle zufrieden stellte. Er war stolz auf sich und die wenigen Abranier, die den Streit begonnen hatten, schämten sich sehr für ihre Tat, waren sie doch ansonsten als besonnene Bürger bekannt.

 

D

och es blieb nicht bei diesem einen Streit. Je mehr Menschen in Abranien einzogen, desto mehr verschiedene Meinungen gab es auch unter den Abraniern und dadurch auch mehr Meinungsverschiedenheiten. „Tja, so ist halt das Los des Königs. Nicht nur um fröhliche Feste mit meinen Untertanen zu feiern, regiere ich dieses Land, sondern auch um immer wieder Streitigkeiten zu schlichten.", dachte sich der König. Er hatte einige wenige leicht einzuhaltende Gesetze geschaffen, nach denen die Abranier leben konnten, und dies klappte auch gut. Manchmal fiel ihm auf, dass einige Streitigkeiten gar nicht bis an sein Ohr drangen, weil andere Bürger diese bereits geschlichtet hatten.

Und noch etwas bemerkte er: Die Bürger begannen, sich ganz nach ihren Interessen in einzelnen Grüppchen zu formen. Die Schmiedekundigen tauschten ihr Wissen unter der großen Eiche am Waldrand aus, die Schweinezüchter trafen sich auf dem Feld, die Raubtierdompteure nahe den Felsen und eine besonders große Gruppe, die das Meer heiß und innig liebte, traf sich fast ständig an den Stränden und Klippen. Doch alle waren nicht nur bei ihren Gesinnungsfreunden zufrieden und glücklich, sondern freuten sich auch über das Geschehen in den Schänken und auf den Versammlungsplätzen, wo alle wieder zusammenkamen. Immer mehr Menschen aus entfernten Gegenden hörten von diesem glücklichen Land und wanderten dorthin. Abends, wenn der König seinen Blick über das Land wandern ließ, freute er sich über die Vielzahl der glücklichen Untertanen.

Aber die wachsende Beliebtheit seines Landes brachte auch Probleme. Mittlerweile fingen selbst die immer größer werdenden Gruppen an, sich aufzuspalten. Unter den Geflügelzüchtern entbrannte ein heftiger Streit darüber, ob es sinnvoller wäre, die Hühner, Enten und Gänse zu schlachten und zu verspeisen statt ständig nur ihre Eier zu essen und selbst die Schlachter stritten sich, ob es besser wäre, schon die jüngeren zarten Tiere zu schlachten oder sie erst ein bestimmtes Alter erreichen zu lassen.

Immer mehr Klagen wurden ihm vorgetragen und von Tag zu Tag wurde er trauriger und müder, weil es immer mehr Mühen kostete, dieses große Reich zu regieren. Er hatte bereits Bestrafungen eingeführt und dem Einen oder Anderen ganz üblen Streittreiber sogar die Verbannung aus seinem Königreich angedroht, doch irgendwie half selbst dies nicht.

 

A

ls er eines Abends schlaflos an die Zimmerdecke starrte, erinnerte er sich der Bürger, die mehrfach schon Streitigkeiten geschlichtet hatten. Diese wollte er zu Schlichtern ernennen, die ihm dienlich sein sollten, als seine Unterstützer für das Wohl der Bürger zu sorgen und wieder Ruhe und Frieden einkehren zu lassen. Jeder sollte dort, wo er sich am meisten aufhielt, ein wenig Streit schlichten und ab und zu mal an die Gesetze erinnern oder sogar bestrafen dürfen. Schon am nächsten Tag hängte er einen Aufruf am zentralen Versammlungsplatz aus, dass sich Bürger, die zu dieser Aufgabe bereit seien, bei ihm melden sollten. Zusammen mit seinen engsten Beratern wählte er die zehn Tüchtigsten und Besten unter ihnen aus und überreichte ihnen die Schlichterurkunde. Den anderen Bewerbern dankte er für ihre Bereitschaft und schickte ihnen seine Grüße. Alle freuten sich über diese Anerkennung und gingen zurück zu ihren Freunden, die einen als Schlichter, die anderen weiter als engagierte Bürger Abraniens.

Jedoch einer von den Abgelehnten war ein von Magiern ausgebildeter Meeresfreund, der sich sowohl am Strand als auch an den Klippen stets sehr wohl gefühlt hatte und dort einer der stimmstärksten Wortführer werden wollte. Von ihm war schon ein paar Mal Ärger und Unruhe ausgegangen, weil er sich selbst für einen der größten Experten hielt und andere Meeresexperten düpiert hatte, als diese ihre Meinungen äußerten. Er hatte eigentlich gar nicht das Ziel gehabt, wirklich ein Schlichter zu werden, aber die Macht, andere maßregeln und bestrafen zu dürfen, reizte ihn, und so hatte er sich auch beworben.

Doch der König und seine Berater waren schlaue und weise Männer und durchschauten seine wahren Absichten. Deshalb hatten sie ihn sofort abgelehnt. Jetzt war er wütend und enttäuscht und machte seinen Gefühlen lauthals am Strand Luft, wo einige seiner Zuhörer seine Empörung zu teilen schienen, während andere sich kopfschüttelnd anwandten. Als der frisch ernannte Schlichter der Meeresfreunde ihn bat, sein Geschimpfe einzustellen, zum Wohle aller Meeresfreunde und damit zum Wohle Abraniens, reifte ein Plan in ihm. Was interessierten die wahren Meeresfreunde sich für Schweine- oder Hühnerzucht, Schmiede- oder Schreinerhandwerk und all diesen Kinkerlitzchen, wenn sie ihr Meer mit den Klippen, Stränden, Wogen und Booten hatten.

So wanderte er über die Grenze des Königreiches hinaus am Meer entlang und entdeckte bald, was er gesucht hatte: Eine große Meeresbucht mit Klippen und Stränden und günstigen Anlegeplätzen für seine Boote. Heimlich, still und leise leitete er alles in die Wege, sicherte sich den Besitzeintrag beim Hohen Kaiser und gründete sein eigenes Königreich. Er nannte es Nafrano, und es sollte ausschließlich ein Reich für die Meeresfreunde sein. Sollen die Viehzüchter, Handwerker und sonstigen aus seiner Sicht Überflüssigen doch in Abranien bleiben, doch alle die Meeresfreunde wird er hierher locken und sein neuer Feind, der König Abraniens, der ihn so verschmäht hat, wird schön dumm aus der Wäsche schauen, wenn seine Strände und Klippen plötzlich menschenleer sind. Seine Rache würde fürchterlich werden und zum Untergang Abraniens führen. Dann könnte er das Territorium übernehmen und hätte endlich die Macht, die er sich immer gewünscht hat. Und nicht nur Macht und Ruhm war sein Ziel, denn auch die Zölle der fahrenden Händler in Abranien hatten es ihm angetan. Der alte König nutzte diese Gelder zwar zum größten Teil nur, um seine eigenen Unkosten zu decken, doch das war ihm nicht genug. Von diesem Kuchen würde er sich auch ein großes Stück abschneiden und sich vielleicht irgendwann seinen Traum von einer eigenen Insel mitten im Meer zu erfüllen. Wenn erstmal alle Meeresfreunde nach Nafrano abgewandert waren, würden diese Händler Abranien den Rücken kehren und zu ihm in sein Reich kommen. Das waren seine Pläne und jetzt galt es, diese in die Tat umzusetzen.

 

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chon am nächsten Morgen weihte er einige seiner innigsten Freunde ein und versprach ihnen sofort, eine Schlichterrolle in seinem Königreich zugewiesen zu bekommen, sofern sie nur mit ihm gingen und Abranien verließen. Dann rief er öffentlich zur Revolte auf und forderte alle Meeresfreunde auf, ihm zu folgen in das neue Land nur am Meer mit dem Namen Nafrano und ihm als den großen König von Nafrano.

Tatsächlich gab es ein paar unter den Meeresfreunden, denen seine Sprüche gefielen und die ihn sofort unterstützten. Einige jedoch, nachdem sie Nafrano gesehen hatten, entschlossen sich, einfach mal ab und zu von dem einen ins andere Land zu reisen und überall dort die Leute zu treffen, die sie treffen wollten. Der alte König und seine Berater jedoch waren erzürnt über soviel Eigensinn und stellten ihn zur Rede. Doch eigensinnig und stur, wie er war, nützte dies nicht viel. Nach kurzem aber heftigen Streit sprach der König sein Urteil: „Ich verbanne dich für jetzt und alle Zeiten aus Abranien. Geh in dein Nafrano und lass dich hier nie wieder blicken!" So ging er von dannen, vor Augen seinen eigenen Ruhm, sein eigenes Reich und natürlich die Zölle der fahrenden Händler.

Tatsächlich, sein Reich wuchs und neue Bürger zogen bei ihm ein, auch der eine oder andere Abranier siedelte sich an. Doch von zehn heimatlosen Immigranten zogen nach wie vor mindestens acht oder neun es vor, sich in Abranien nieder zu lassen statt in Nafrano. Deshalb nahm er auch deutlich weniger Zölle ein als sein Feind im anderen Land. Da viele seiner Bürger gleichzeitig Bürger Abraniens waren, machten auch viele Gerüchte und Intrigen die Runde, warum es in dem einen Land besser sei als in dem anderen und umgekehrt natürlich auch. Doch teuflisch und rachsüchtig wie er war, hatte er noch ganz andere Boshaftigkeiten im Kopf. Schließlich kannte er sich ja bestens aus in Abranien.

 

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In Magier, gleichzeitig der engste Berater des Abgelehnten, ließ mit dessen Hilfe unter Anwendung von Magie einen Geist entstehen, gab ihm den Namen Ocrim und die menschliche Gestalt und das Wesen eines Jungen vom Meere, der fortan zwischen Abranien und Nafrano hin- und herpendelte und ihm wichtige Informationen über Abraniens Bewohner und ihre Vorlieben und Wünsche lieferte. So konnte er mit entsprechenden Versprechungen vielleicht den einen oder anderen Abranier abwerben oder wenigstens zu einem Besuch von Nafrano bewegen, denn Besucher lockten Händler und Händler brachten Geld.

Eines Nachts verkleidete er sich und schlich heimlich in den Inneren Palast des Königs von Abranien. In einem unbeobachteten Moment gelang es ihm, einige wertvolle Schriftrollen zu stehlen mit geheimen Informationen über Abranien. Zwar konnte er mit diesen Informationen nicht wirklich etwas anfangen, aber er hatte Lunte gerochen und schlich sich ein zweites Mal in den Palast. Diesmal hatte er es auf die Korrespondenzrollen abgesehen, die er nicht stehlen wollte, sondern einfach mal nach seinem Gutdünken abänderte. War es beim ersten Mal unter den Beratern und Schlichtern des alten Königs nur ein Verdacht gewesen, dass irgendwas nicht stimmen konnte, so wurden sie jetzt jedoch hellhörig und hellwach. Einer von ihnen, ein begabter Spuren- und Fährtensucher machte sich auf seine Spur und entdeckte bald, dass diese nach Nafrano führte.

Auch dass es sich beim jungen Ocrim in Wahrheit um einen Geist des Inneren Zirkels von Nafrano handelte, hatten die Weisen Abraniens schnell heraus bekommen. Sie berieten sich und kamen zu dem Schluss, dass trotz des unrühmlichen Handelns des Abgelehnten ein Krieg nichts anderes hervorbringen würde als Verluste auf beiden Seiten mit davon betroffenen unschuldigen Bürgern, auch wenn das kleine Nafrano sicherlich chancenlos gegen diese Übermacht wäre. Warum sollte Abranien diese kleine Provinz denn auch vereinnahmen und damit alle die Abtrünnigen und Verbannten wieder aufnehmen, über dessen Weggang man doch eigentlich erfreut gewesen war, nachdem sie soviel Unruhe und Unfrieden gestiftet hatten. So bot man ihm also einen Vergleich an, dass sein kleines reich bestehen bleiben könne, wenn er sich öffentlich zu seinen Schandtaten bekenne und Abbitte leiste.

Wie zu erwarten war, zeigten sich der Abtrünnige und seine Vasallen jedoch geprägt von ihrem Stolz und ihrer Sturheit. Der alte König schickte darum seine Rechtsgelehrten zum Hohen Kaiser aus und erhob Klage gegen den Abtrünnigen. So wurde er verurteilt und gleichzeitig verpflichtet, in Zukunft alles zu unterlassen, was Abranien, seinen Bewohnern und seinem König zu Schaden wäre.

 

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ie beiden Königreiche konnten von nun an friedlich nebeneinander gedeihen, das eine mehr, das andere weniger. Der alte König investierte weiterhin erfolgreich seine Zolleinnahmen in ständige Verbesserungen zum Wohle seiner Bürger, unterhielt ein gutes Verhältnis zu den fliegenden Händlern und überredete sie ein ums andere Mal, ihn bei den vielen Gewinnspielen und Turnieren zu unterstützen, die er zur Belustigung seines Volkes veranstaltete. Zwar lockte dies auch ein paar zwielichtige Gestalten ins Land, aber die Schlichter waren stets aufmerksam, mahnten diese und straften sie auch gelegentlich. Auch den einen oder anderen größeren Streit gab es mal, doch das Volk Abraniens war noch immer ein zufriedenes und freute sich sowohl über die vielen verschiedenen Fachrichtungen und Interessensgruppen, in denen man genauso gut von wirklich erfahrenen Spezialisten lernen konnte, wie auch sein eigenes Wissen weiter zu geben. Oft traf man sich gemeinsam, zum Beispiel in mehr oder weniger gepflegter Runde in den einzelnen Schänken wie dem „Sapfa-Treff", „Uwe's Herrenhaus", oder dem Rasthaus „Zum Goldenen Ferkel", wo meistens herzhaft gelacht und gescherzt wurde, oder aber im großen Einkaufszentrum mit dem Reisebüro, wo auch untereinander Handel betrieben werden konnte.

Natürlich gab es auch von Zeit zu Zeit mal einen kleinen oder größeren Streit und Ärger. Einzelne Bewohner verließen Abranien, um eigene kleine Grafschaften irgendwo im Kaiserreich zu gründen oder sich anderen Königen, Herzögen und Grafen anzuschließen. Es wurden auch stimmen laut, die es nicht guthießen, dass fremde Händler durchs Land zögen, von denen Zölle kassiert wurden. Zum Teil wurden die wildesten Gerüchte laut, die von prall gefüllten Schatzkammern im Königsschloss kündeten. Aber der gute alte König mit seiner Offenheit und Ehrlichkeit konnte sie alle beruhigen. Auch für die Schlichter gab es zwar ab und zu etwas Arbeit, weil mal der eine oder andere Streit aufloderte. Neue Schlichter wurden rekrutiert, um der größeren Zahl der Bewohner gerecht zu werden, denn tagtäglich strömten neue Immigranten nach Abranien, bereits Eingebürgerte holten ihre Familienangehörigen und Freunde hinzu und das Land blühte und gedieh prächtig.

 

U

nd wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute, die Meeresfreunde, die Schweine-, Rinder- und Geflügelzüchter, die Schreiner, Schmiede, Metzger und andere Handwerker, die Gaukler, Raubtierdompteure und Hoffnarren unter den Abraniern genauso wie der alte, gutmütige König, seine Berater und die Schlichter und natürlich auch..... ja, was ist eigentlich aus Nafrano geworden, aus dem Abgelehnten und seinen Vasallen sowie seine Untertanen?

 

Nachdem seine engsten Berater durch die Verhandlung vor dem Hohen Kaiser Kenntnis von den Machenschaften des Abgelehnten erhalten hatten, ging Empörung durch ihre Runde. Die Einen witterten ihre Chance, auch etwas von den Händlerzöllen in ihre eigene Tasche wandern zu lassen, die anderen distanzierten sich persönlich von seinen Zielen im Glauben an ein blühendes Nafrano irgendwann in der Zukunft. Gemeinsam gingen sie in heimliche Opposition zu ihrem Anführer, hielten irgendwie ihr kleines Volk im Zaum und schmiedeten Pläne, wie sie ihn stürzen könnten, um selbst die Macht zu übernehmen. Als ihren Anführer wählten sie den Magier aus, doch waren diesem die Hände gebunden, denn der Abgelehnte wusste alles über den von ihm heraufbeschworenen Geist. Schließlich hatte er ja dafür Sorge getragen, dass dieser nicht nur in Abranien, sondern auch in Nafrano selbst sein Unwesen getrieben hatte. Wenn der Abgelehnte seinem Volke die Wahrheit über den Geist erzählte, würde dieses den Magier wahrscheinlich steinigen oder aus dem Land jagen, und damit wäre die Opposition entscheidend geschwächt.

Man traf sich heimlich an versteckten Orten in Nafrano und auch außerhalb des Landes und beratschlagte, was zu tun sein, um den Abgelehnten, also den eigenen König aus seinem Land zu jagen, obwohl dieses beim Hohen Kaiser auf dessen Namen eingetragen war. Gleichzeitig musste das eigene Volk auf die Seite der Opposition gezogen werden, denn viele waren dem Abgelehnten treu ergeben. Vieles musste im Verborgenen geschehen, denn der Abgelehnte besaß viel Macht und Magie, mit deren Hilfe er Abhöreinrichtungen und Beobachtungsposten installiert hatte, damit ihm nichts entginge, was zu einem Schaden für ihn führen könnte. Doch es gelang und ein gerissener und über alle Maßen hinterlistiger Plan reifte in den Köpfen. Als der Abgelehnte gerade dabei war, sich die Insel im Meere anzuschauen, die er von den Zolleinnahmen zu kaufen gedachte, war der Tag für die Umsetzung gekommen.

Die größte Gefahr ging von dem Wissen des Abgelehnten über den Geist aus, den der Magier einst erschaffen hatte. Daher stellte sich der Magier auf die Rednertribüne des großen Versammlungsplatzes in Nafrano und hielt eine vor geheuchelter Reue und vorgespieltem Schamgefühl nur so triefende Ablassrede vor dem Volke, gestand seine Greueltat, einen Geist erschaffen und ihm Gesicht und Stimme verliehen zu haben, weil seine Sinne verwirrt waren und er außer Stande, die Folgen seines Tuns zu bedenken. Aber jetzt sei er geheilt und würde bereuen. Und das Volk von Nafrano hing an seinen Lippen und lobpreiste ihn ob seines mutigen Geständnisses. Einige Verwegene, die ohnehin die Seite der Opposition offen unterstützten, betitelten ihn sofort als den Wahren Führer von Nafrano.

Als der Abgelehnte zurückkehrte, blies ihm der harte oppositionelle Wind ins Gesicht und er musste sich eingestehen, dass sein wichtigstes Druckmittel nichts mehr war als eine blasse Erinnerung an für ihn bessere Zeiten.

 

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it dem Volk im Rücken konnte nun der zweite, schwierigere und gleichzeitig wichtigere Schritt des Plans verwirklicht werden. Beim Hohen Kaiser wurde ein weiteres unbewohntes Strandstück in den Besitz der Oppositionellen überschreiben, das von diesen den Namen „Nafrino" bekam. Mit diesem Landbesitz erwarb man die gleichen Rechte vor dem Hohen Kaiser, wie der Abgelehnte sie für Nafrano hatte. Das Volk würde nun frei entscheiden können, ob es der Opposition in dieses neue gelobte Land folgen wollte oder nicht. Doch noch standen sie ja in den Diensten des Abgelehnten und mussten Ihre Schuld begleichen.

So wurde wieder einer von Ihnen ausgesucht, dem Volke diesen Schritt zu verkünden, dass man Nafrano verlassen würde, um gemeinsam nach Nafrino zu ziehen. Diesmal zeigte das Volk deutlich weniger Einigkeit. Viele waren unschlüssig, wo sie ihre wahre Heimat fänden. Die Reisenden unter Ihnen beklagten die Strapazen, dass sie nun zwischen Abranien, Nafrino und Nafrano pendeln sollten, einige ehemalige Abranier versuchten reumütig, dorthin zurück zu gehen, wurden aber allesamt schon an den Grenzen abgewiesen. So wurden sie zu Heimatlosen, Bettlern und Wegelagerern. Die fahrenden Händler und damit die Zölle blieben genauso aus wie Neuankömmlinge. Einige wenige Pioniere der ersten Stunde und ihre Treuen blieben zurück auf den kargen und verfallenden Landstrichen am Meer, deren Namen Nafrano und Nafrino auf der großen Landkarte des Hohen Kaisers immer mehr verblassten.

 

 

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in einsamer alter Mann sitzt auf einer kleinen Insel mitten im Meer. Seinen Lebensabend hat er hier verbracht in Armut und Kargheit. Er spürt die Kälte, die sich unabwendbar in seinen alten Knochen ausbreitet und weiß, dass seine Zeit gekommen ist, sich von dieser Welt zu verabschieden. Sein Blick schweift über das Meer zu den weißen schneebedeckten Gipfeln im Südwesten, wo das blühende Königreich Abranien liegt. Dort wäre er heute noch zuhause, wenn nicht seine Sturheit und Uneinsichtigkeit ihn auf düstere Abwege geführt hätten.

Dann blickt er nach Südosten, wo hinter dem Horizont die Küstenlinie liegt, die einst sein Königreich gewesen war, gegründet und aufgebaut auf Lügen und Verleumdungen, die alle in sich zusammengefallen sind und unter ihren Trümmern auch seine Hoffnungen begraben haben.

Er hört zuerst den Flügelschlag, dann sieht er ihn, den großen weißen Vogel, der auf ihn zusteuert. „Komm mit mir!", hört er ihn sagen. Dann packen ihn behutsam die großen Klauen des Vogels und bringen ihn auf den Weg zu seinem letzten Richter.

Kai Hay

 

Die Rubrik „Am Haken" soll die Möglichkeit eröffnen, dass man auch kontroverse Meinungen zu strittigen Themen (satirisch) aufbereiten kann. Der Autor „Kai Hay" als Anonymus deswegen, dass sich niemand auf Grund seiner Meinung im Anglerboardforum nachher als Mitglied auf Grund eines Artikels „verfolgt" fühlen muss.

 

Voraussetzung:

Keine Namensnennung (weder von Personen, Firmen noch Vereinen/Organisationen)

Keine Beleidigungen oder persönliche „Anmache" (die über die gewohnte mitteleuropäische Kommunikation hinausgeht)

Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung, die Redaktion behält sich vor Beiträge auch nicht zu bringen bzw. (in Kooperation mit dem jeweiligen Autor) die Beiträge zu verändern

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» 5 Kommentare
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"Ein Schmunzeln ging übers" von Story am Mittwoch, 9. Juli 2008 15:43
Als Bewohner von Nafrino konnte ich mir ein amüsantes Schmunzel nicht verkneifen. 
 
Stellenweise ging ein grinsen von links nach rechts. 
 
Gruß Story
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"Abonafrinoer" von Heinz Juergen am Mittwoch, 9. Juli 2008 18:01
Als alter Fahrensmann werfe ich meinen Anker in allen drei Ländern ich scheue weder Grenzen noch Könige, zeige jedem mein Logbuch und helfe bei jeder Peilung. Ahoi HeinzJürgen
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"nicht schlecht" von bine am Donnerstag, 10. Juli 2008 12:56
Wer immer das geschrieben hat, ein Lob an denjenigen!!! Mal sehen, wie die Geschickte ausgeht!!! Ob das Ende gleich ist... ;-) 
Gruß Bine
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"Naja..." von Syldron am Donnerstag, 10. Juli 2008 16:53
ein wenig oberflaechlich betrachtet, teilweise auch von falschen Hintergrundinformationen ausgehend verfasst. Aber wer kennt schon die ganze Wahrheit? 
Die Beschreibung Abraniens als das Paradies ist ja auch nicht gerade der Wahrheit entsprechend.  
 
Aber es muss ja jeder selbst wissen, wo er sein Koenigreich findet. Meines jedenfalls liegt nicht in Abranien, auch nicht in Nafrano oder Nafrino. Es liegt tatsaechlich im wahren Leben, welches mir wesentlich mehr zu bieten hat als virtuelle Koenigreiche. Das sollte vielleicht der eine oder andere Bewohner der genannten Koenigreiche mal ausprobieren.
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"wieso" von jirgel am Mittwoch, 23. Juli 2008 17:54
eigendlich immer dieses konkurenzdenken das frage ich mich öfters zwischen denn Ländern wieso nicht das Wissen gemeinsam nutzen statt gegeneinander. 
 
Weil jeder Mensch besser sein will als sein Nachbar darum eingendlich schade.
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