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BB-Angeln Teil 2

Schrecken am frühen Morgen

Nachdem ich nun im Frühjahr mit dem BBoaten begonnen habe und ich mir, durch reichlich Kurztrips an die See, einige Erfahrungen mit dem BB gesammelt habe, bin ich im Spätsommer wieder ganz schnell mal eben an die See gedüst. Der Wind kam leicht aus Südwest und das Wetter sollte allgemein bewölkt bis leicht heiter werden. Das Wasser war noch reichlich aufgeladen von der Sommerwärme.

Also eigentlich ideal um mit dem BB "gemütlich" auf dem Wasser zu dümpeln und auch noch der Fischwaid nachzugehen. Staberhuk sollte mein Ziel sein, denn ich hatte erfahren, dass dort bei 4-5m Wassertiefe eine große Muschelbank sein soll und dort immer räubernder Fisch drüberzieht. Da wollte ich nun hin und jene Mundwerbung von Kollegen einmal austesten. Die Fahrt von Hannover aus nach Fehmarn ging recht flott und während der Fahrzeit ist man im Geiste schon am fischen und malt sich sonstige Dinge aus.

Aber............... es sollte anders kommen als erwartet! Auf dem Parkplatz bei Staberhuk neben dem Bundeswehrareal angekommen, sah ich das ich mutterseelenallein war !! Wow dachte ich, das kann ja nur gut werden. Die "Gier-Gedanken" kamen in einem hoch "Ja, jeder Fisch der hier jetzt rumschwimmt ist MEINER"!!!!
Bloß keine Hektik jetzt aber man ist doch recht kribbelig bei aufrödeln der Klamotten und denkt immer man verpasst etwas. Dabei ist der Fisch 5 Minuten später auch noch im Wasser, also ruhig bleiben.

Als ich alles fertig hatte und ich in meinen leeren Kombi schaute, merkte ich erst, das ich keinerlei Ersatzklamotten mit hatte, wie z.B. eine Ersatzrute und Rolle. Na ja dachte ich mir: Ewig und 3 Tage hat man alles doppelt mitgeschleppt im Auto und hat es noch nie gebraucht, dann wirst Du es jetzt auch nicht brauchen. Na ja, so hoffte ich insgeheim.

Also runter an den Strand, etwa 100m Richtung Süden getippelt und dann ab auf´s Wasser. Ganz leicht und sacht plätscherte das Wasser am Strand, es waren keine Wellen eher dass das Wasser nur schwankte. Herrlich so was! Ruckzuck war ich in meinem "U-Boat" und machte die ersten Flossenschläge. Ja das geht ja heute wie von selbst dachte ich mir und war in kurzer Zeit schon gute 100m weit draußen. Der Untergrund wurde schon zunehmender dunkler. So bei 200m Entfernung vom Strand sollte die Muschelbank anfangen. Also noch etwas Gas geben mit den Taucherflossen und dann habe ich erst mal getestet wie ich wohl auf dem Wasser treiben werde. Ich trieb ganz leicht Richtung Nordost, also den Anker raus und die 20m Leine hinterher.



Wunderbar ich hatte "festgemacht", schnappte mir meine Rute und fummelte mit zitterigen Händen einen roten, 18gr. schweren Blinker dran. Nicht das mir kalt war, nein. Das war einfach diese BB-Manie, die einem zitterig machte und man leicht hektisch wurde. Man kann das kaum erklären aber eins ist sicher, sofern der Blinker dann im Wasser ist, ist das alles verflogen und man ist voll konzentriert auf die Angelei!

So war es auch heute morgen. Ein herrlicher Tag, alles passte mal und dann sitze ich auch noch in meine BB mitten auf dem Wasser....... aus diesen Gedanken wurde ich gerissen, als schon nach dem ersten Auswurf, ein resolutes "dong dong" in der Rutenspitze sich ankündigte und im selben Augenblick ein Fisch meine Rute krumm werden lies. Na Hallo, das geht ja prima los hier am frühen morgen, denn bei der 2. oder 3. Kurbeldrehung sah ich auf meine Uhr und die zeigte gerade 8:15 an.
Ja der Dickkopf da unter mir im Wasser wollte gar nicht nach oben, erst kurz vorm BB konnte ich ihn hochpumpen. Da ich mit geflochtener Schnur fischte, muss man das ganz gefühlvoll machen sonst kann doch der Haken ausschlitzen. Wunderbar da kam der Dorsch auch schon hoch und zeigte mir seine hellen Flanken. Ich benutzte kein Kescher sondern streckte mein Bein vor und nutze dies als "Landungshilfe". Schwupps kurzerhand den Fisch in den Kiemen gepackt und den ersten Dorsch des Tages versorgt. Klasse dachte ich, gute 50cm hat der Junge. So kann es ruhig weitergehen.

Wieder warf ich längs zum Strand aus, lies den Blinker bis zum Mittelwasser absinken und drehte dann ruhig und gleichmäßig ein. Ich fischte den Blinker so, das er eine Bogenlampe zum Grund hin machte und die Bisse kamen entweder kurz vor Grund oder wenn der Blinker wieder anstieg vom Grund her. Das war jedenfalls die Blinkermethode die in der letzten Zeit ganz gut war. So machte ich wohl gerade den 3ten oder 4ten Wurf in die Richtung wo der erste Dorsch schon gebissen hat. Ich kurbelte gerade 3-4 mal als es einen unheimlichen Schlag in der Rute gab, der mir beinahe die Rute aus der Hand gerissen hätte. Mein Reflex zum Anschlag ging ins absolute Leere, denn ich der selben Sekunde brach meine Rute in 2 Teile!!

Ich war so erschrocken das ich die nächsten Sekunden total verdattert war und auf meine gebrochene Rute schaute, die im 90° Winkel, noch an einem Fitzel, herabhing! Nicht mal die gut eingestellte Bremse der Rolle hat reagieren können, ich war sprachlos. Die Rute ist genau in der Steckung gebrochen! Eigentlich da, wo das dickste Material ist. Also den Blinker wieder eingekurbelt, so gut wie es eben ging mit der Rute, und dann sass ich da mitten auf´m Teich in meinem BB und der nächste Gedanke war, das ich genau heute aber auch genau an diesem Tag keine Ersatzrute mit habe !!!! Was machen ? Mit dem Unterteil der Rute weiterfischen ? Nein da wirst Du mehr Fische mit verlieren als das ich sie rausbekomme. Was war das nur für ein Fisch gewesen der so knallhart an den Blinker geht ?? Man ich hatte nur noch Fragen und Frust im Kopf. Also erst mal raus aus dem Wasser und ´nen klaren Kopp kriegen.

Als ich am Strand ankam war ein Ehepaar beim Spaziergang an meiner Stelle angehalten und fragten mich doch allen Ernstes wo ich denn den Motor hätte für das Ding. Na ja, die Erklärung gab ich dann auch noch schnell ab, ich hoffe heute noch das ich den richtigen Ton getroffen habe? Ich lies das BB erst mal am Strand und tippelte zum Auto. Als ich dort ankam war noch ein Fahrzeug dort. Ein Wohnmobil mit Osnabrücker Kennzeichen.

2 Kollegen bauten gerade ihr Schlauchboot auf und sahen mich mit der gebrochene Rute anmarschieren. Klar kamen wir sofort ins Gespräch und als ich ihnen dann erzählte was passiert war und ich erklärte das ich kein Ersatz mit hätte, sagte doch der eine Kollege das er noch eine alte Pilkrute überhätte und er mir die bis zum Mittag ausleihen könnte. Mann...... mein Herz machte einen Sprung! So ein Tag heute, die Fische stehen da unten im Wasser und warten auf meinen Blinker........egal, die fragen nicht danach ob das ne Blinkerrute oder ne olle Pilke ist! Ich aber flugs umgebaut und wieder runter zum Strand und ab ins BB.



Ich habe wohl so ziemlich die selbe Stelle im Wasser erreicht und wieder geankert. So nun wollte ich mit diesem "Besenstiel" mein Blinker ins Wasser befördern. Beim ersten Versuch hatte ich mir den Blinker beinahe um die Ohren geschleudert. Wow, liebe BB-Freunde, ich kann Euch sagen, das ist eine Umstellung!! Der 3. Versuch hat dann doch geklappt und ich hatte den Dreh raus. Auch das ich das lange Handteil der Rute beim werfen nicht in mein BB bohrte!! Natürlich flog der Blinker lange nicht mehr soweit raus aber egal, ich konnte weiterfischen! In der nächsten Zeit erfolgte kein Biss mehr, leider.

Nach einiger Zeit, die Osnabrücker Kollegen fuhren gerade mit ihrem Schlauchboot los, und ich hatte zwischenzeitlich mein BB etwa 50m weiter raus versetzt, bekam ich wieder Bisse. Auch diese Bisse gingen relativ hart zur Sache, man braucht gar keinen Anschlag mehr setzen, was bei dem 2,70m Besenstiel sowieso schwierig war. Egal die Fische bissen wieder und das mit der selben Blinkermethode wie zuvor. Schwupps war der nächste Dorsch von ca. 55 cm versorgt.

Da ich damals an meinem BB noch keinen selbstgebauten Rutenhalter hatte, musste ich immer beim Fischversorgen meine Rute quer übers BB legen und mit eine breiten Klettverband sichern, dann erst hatte man die Hände frei. Es war wohl so beim 4. oder 5. Dorsch den ich gerade vom Haken befreite und den ich auf Gummifisch gefangen hatte (man muss ja mal experimentieren). Die Rute lag gerade wieder quer und der Gummifisch baumelte so im Mittelwasser oder etwas mehr unter mir, also direkt unter meinem BB! Da rappelte doch was an der Rute !!

Ich dachte ich wird nicht mehr, so was! Ein kleiner Dorsch hat doch den GuFi voll attackiert und sich selbst gehakt! Das war schon lustig und ich schickte den Kleinen wieder zu seinen Eltern, natürlich mit der Botschaft, das er mal Opa und Oma vorbeischicken sollte.
Für mich war ab jetzt klar das es vollkommen unwichtig ist ob man gelbe, blaue oder gar transparente Schwimmflossen anhat beim BB-Angeln !! Der Fisch kann das eh nicht "einordnen" was das über ihm ist. Nach einer Pause, habe ich dann noch bis zum Mittag weiter gefischt und habe mit der geliehenen Pilkrute noch sage und schreibe 8 gute Dorsche gefangen, ganz abgesehen von den diversen Kleinen !

Als ich gerade alles einpackte am Auto, kamen auch die Kollegen mit dem Schlauchboot zurück. Die hatten so um die 10 Dorsche, die vor der Spitze gefangen hatte. Sie staunten nicht schlecht als sie meinen Fang sahen, der so dicht unter Land abgelaufen ist. Ich bedankte mich noch mal herzlich für die "Ausleihrute" und wir verabschiedeten uns. Alles im allen hatte ich doch noch einen wunderbaren BB-Fisch-Tag, der mir nicht so schnell aus der Erinnerung gehen wird!!

Danke noch mal an die netten Kollegen aus Osnabrück !!!!

Und für mich war dieser Tag eine "Erfahrung" in jeder Hinsicht.........trotzdem hätte ich zu gerne gewusst was für ein Fisch so hart an den Blinker anbeißen kann ???

Euer MikeFish


Anglerboard-Magazin Mai 2003


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