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Der Guerilla
Der Mensch ist faul, bequem, träge und macht nur das, was zum erreichen seines Ziels unbedingt notwendig ist. Ich schließe mich von dieser Aussage nicht aus. Die erste Frage vieler neuer Vereinsmitglieder ist: " Wo sind die Stellen, an die ich direkt mit dem Auto hinfahren kann.?" Es ist so einfach. Man steigt aus, trägt sein Geschirr 10 Meter zum Wasser und wundert sich dann warum so wenig beißt. Ist aber klar. Weil viele Kollegen eben auch bequem sind und diese Stellen gnadenlos überfischt sind.
Ganz ähnlich verhält es sich bei " Wanderanglern". Man läuft das Wasser, sei es mit Grund- oder Posenmontage, ab und beangelt die vorhandenen Stellen. Große Gewässerstrecken die dicht mit Buschwerk bewachsen sind, oder am Hang liegen, oder zu denen einfach kein Weg führt, lässt man links liegen. Und eben diese Strecken sind es, die zu Zeiten von Beißflauten immer noch einen Fisch hergeben. Warum.? Weil sie nicht beangelt werden, ganz einfach...
Ich hab für mich den Begriff " Guerillia-angeln" geschaffen und möchte anhand unserer Donaustrecke ein paar Tips und Tricks beschreiben.
Was braucht man an Ausrüstung?
Unerläßlich ist sehr robuste Bekleidung. Es ist kein Spaziergang der da gemacht wird. Es geht durch zwei Meter hohe Brennesselfelder, durch verwachsenes Weidengebüsch, man kriecht unter umgestürzten Bäumen durch oder klettert drüber, durchquert Matschgebiete und überquert kleinere Zuflüsse. Krabbeleien, die Böschung hoch und wieder runter, fallen auch noch an. Man kommt also ganz schön in's schwitzen, deswegen sollte die Kleidung nicht zu warm gewählt werden.. Schmutzig wird man auch dabei. Ich persönlich bevorzuge Bundeswehrkleidung, Gummistiefel und eine Baseballcap. Es kommt auch viel Dreck und Insekten von oben. Ebenfalls nützlich ist eine Polarisationsbrille und ein stabiles, scharfes Messer. ( Manchmal muß man halt doch einen Ast abschneiden).
Da ich weiß mit welchen Fischen ich zu rechnen habe und auf welche Weise ich die beangeln will nehme ich so wenig wie möglich, aber auch so viel wie nötig Zubehör mit. Beim Angeln im Unterholz muß mit viel Materialverlust gerechnet werden. In eine Zigarrenkiste von 25x10x3 cm passt wirklich alles an Haken, Blei und Posen was man für so eine Aktion braucht. In meiner kleinen Umhängetasche befinden sich neben dem Zubehör noch die Köder, Hakenlöser, Pflaster und paar Plastiktüten für den Fang.
Der erste Abschnitt den ich beschreiben will, ist eine `Hangstrecke`. Zirka einen Kilometer lang. Die Böschung hat eine Steigung von 50 bis 70 %, ist 100 Meter hoch und reicht direkt bis zur Donau. Der Hang ist mit großen Laubbäumen bewachsen von denen einige umgekippt sind und deren Kronen zum Teil schon in der Donau liegen. Am Donauufer selbst wachsen viele Haselnussbüsche und irgendwelches recht dorniges Zeugs. Die Donau ist hier sozusagen zweigeteilt. Am gegenüberliegenden Ufer ist schnelles Wasser ( Forellenstrecke), hier an der Böschung langsames Wasser mit einigen Gumpen in denen sich das Wasser dreht. Und genau diese Gumpen sind Ziel meiner Begierde. Hier stehen Rotaugen, Döbel, Barsche, Nasen und manchmal auch eine Forelle, die sich aus dem schnellen Wasser davongemacht hat. Bei einer Wassertiefe von 0,5 bis 1,5 Metern und 2 bis 4 Metern zu befischender Strecke ist Posenfischen angesagt.
Um an diese Stellen zu kommen ist eine ständige Kletterei hangauf, hangab vonnöten. Dornenbüsche müssen umgangen, umgestürzte Bäume überwunden werden. Zusätzlich muß man noch darauf achten sich so leise wie irgend möglich zu bewegen um die scheuen Döbel nicht zu verjagen. Als Geschirr verwende ich eine 2,10 Meter Rute bis 25Gramm WG, da diese doch noch halbwegs gut transportiert werden kann, ohne dass man überall hängen bleibt. Eine leichte Rolle mit 20er Schnur ( mono) ist ausreichend da im Wasser selbst wenig Hindernisse sind. Der Haken ist direkt an die Hauptschnur geknotet.
Eine persönliche Vorliebe von mir ist die gute alte Stachelschweinpose. Mit einem Bleischrot beschwert ist gut Stippen, wobei der Köder dann über den Grund schleift, oder wenige Zentimeter über dem Grund treibt, oder mit einem zusätzlichen Bleischrot lässt sich der Köder auf dem Grund festlegen und die Pose dient als Bissanzeiger. Klemmt man die Bleischrote nicht zu fest an die Schnur, lassen sie sich leicht entfernen. Dann kann man auch die Pose entfernen und ohne großen Aufwand mittels ein paar Bleischrots eine Grundangel aufbauen. Als Stippköder verwende ich hauptsächlich Mistwürmer oder Dosenmais am 14er Goldhaken.
Sollte ich ein Rudel Döbel in einem Gumpen sehen, wechsele ich
auf eben diese Grundmontage mit 14er Drilling und verwende Käse (Adler
Sahne ) als Köder. Nach dem Einwurf gehen die Döbel zwar meist weg,
kommen aber recht schnell wieder. Da man eigentlich nur im unmittelbaren
Uferbereich angelt ist Ruhe und möglichst Bewegungslosigkeit oberstes
Gebot. Am Hang natürlich auch ein sicherer Standplatz. Wenn's geht lehn
ich mich an einen Baum. An diesem Kilometer Donau gibt es, je nach
Wasserstand, zwischen vier und sechs Angelstellen. Meist kann an einer
Stelle nur ein einziger Fisch gefangen werden, da nach dem Drill der
Schwarm verschwindet. So krabbel ich eben von Stelle zu Stelle, und nicht
selten hol ich aus 4 Stellen auch 4 Fische raus.
Die zweite Strecke, die ich beschreiben will, ist eine
Gebüschstrecke. Dichter Weidenbewuchs am Ufer der bis weit in's Wasser
reicht. Brennessel so ungefähr zwei Meter hoch, teils sehr matschig, und
wo kein Matsch ist, muss man mit Löchern von Bisamratten rechnen. Diese
Löcher sind echt tückisch. Da kann man schon mal bis zum Oberschenkel im
Boden versinken. Es empfiehlt sich den aufgeklappten Kescher vor sich
'herzuschieben'. Zum einen um die Brennessel, welche manchmal auch noch nass sind, auf die Seite zu drücken, zum anderen um am Boden liegende Äste und die Löcher der Ratten zu sehen. |
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Wie gesagt reichen die Weidenbüsche bis in's Wasser, und zwar mit Ästen über und unter Wasser. Diese Unterwasseräste bieten den Fischen hervoragende Versteckmöglichkeiten. Mit der Polarisationsbrille sieht man im 40 bis 60 Zentimeter tiefen Wasser gemischte Schwärme aus Brachsen, Döbeln, Rotaugen und Karpfen zwischen den Ästen und Wurzeln stehen. Manchmal schwimmt eine Forelle oder Äsche vorbei. Was ich hier fangen will sind die Karpfen. Zwischen den Weiden sind die Angelstellen. Oft nur einen, manchmal auch bis drei Quadratmeter groß. Und nun fragt sich der Karpfenspezi, wie man aus solchen Löchern Karpfen bis 10 Pfund rauskriegt.? Und das ist richtig Hardcore.!
Ich verwende eine 2,10m Pilkrute mit ca. 150Gramm WG, eine kleine Rolle mit sehr guter Bremse. Wichtig ist nicht, dass die Bremse gut arbeitet, man muß sie nur brutal feststellen können. Als Schnur kommt nur eine schwarze geflochtene in Frage mit einer Tragkraft von mindestens 15 Kilos. Der 10er Goldhaken wird wieder direkt an die Hauptschnur geknotet, je nach Strömung werden zwei bis drei Bleischrot als Beschwerung ca 30cm vom Haken entfernt leicht aufgeklemmt. Der Köder ist ausschließlich Dosenmais. So leise wie irgend möglich nähere ich mich den Angelstellen. Wenn man sich dabei auch noch langsam bewegt wird man von den Karpfen nicht wahrgenommen.
Sehe ich einen Karpfenschwarm in der Angelstelle, oder im Wurzelwerk in der Nähe (achja, hier wird auf Sicht gefischt) fütter ich eine Handvoll Mais an. Durch dieses Geräusch werden die Karpfen kurz erschreckt und sie ziehen sich etwas zurück. Diese Zeit gilt es zu nutzen um den Kescher in Position zu bringen (sehr nah am Wasser) und den Köder (3 Maiskörnen) zwischen dem Futtermaterial zu plazieren. Nun heißt es warten bis die Karpfen zurückkommen, was normalerweise zwischen 20 und 30 Minuten dauert. Die Rute halte ich in der einen Hand, die Schnur in der anderen. Tja, und so steh ich bewegungslos bis der Schwarm eintrifft. Man darf den Köder nie aus den Augen verlieren, was mit einer Polarisationsbrille, klarem, flachen Wasser und etwas Erfahrung gut möglich ist, zumal der ja auch größer ist als die angefutterten, einzelnen Maiskörner.
Der Ablauf beim Eintreffen des Schwarms ist immer der selbe. Zuerst kommen die kleineren Karpfen, fangen an das Futter zu fressen und danach kommen die größeren die erst mal abwarten ob alles ok ist. Und dieses Eintreffen des Schwarms ist der Kick schlechthin. Der Körper wird mit Adrenalin vollgepumpt, will praktisch explodieren, aber ich muß bewegungslos stehen und meinen Köder beobachten. Einer der kleinen Karpfen schwimmt auf meinen Köder zu, sieht ihn sich kurz an. Mit einem leichten Zug an der Schnur ( die ich in der linken Hand halte ) zieh ich den Köder paar Zentimeter vom Maul weg. Ich will einen der Großen. Dann nähert sich einer der Großen. Die Anspannung erreicht den Höhepunkt.
Jetzt gilts! Auch der große Karpfen schaut sich den Köder an und saugt ihn dann ein. Der Anhieb kommt sofort. Er darf keine Chance haben den Mais nochmal auszuspucken. Ich explodiere! Brutalster Anhieb dass es den Karpfen erst mal rumreißt und dann kurbeln. Bremse voll zu. Er versucht zu flüchten, aber der Zug an der Schnur lässt nur ein überschlagen zu. Hoch mit dem Fisch, keinen Milimeter nachgeben. Mit brachialer Gewalt zieh ich ihn an die Oberfläche. Er überschlägt sich wieder und wieder, kann aber an der Oberfläche seine Kraft nicht voll einsetzten. Blitzschnell schnapp ich den bereitgelegten Kescher , reiß den zappelnden und spritzenden Fisch drüber, Kescher hoch..."YOU LOST". Der Drill hat keine 10 Sekunden gedauert. Einmal nachgeben und der Karpfen ist in den Ästen unwiederbringlich verloren. Diese Stelle kann ich für heute vergessen. Beruhigungszigarette, Tasse Tee und es könnte weitergehen. Durchs Unterholz zur nächsten Stelle. Aber Ein solcher Ansitz am Tag ist eigentlich genug.
Siegfried Woyke
www.alb-angler.de
Anglerboard-Magazin Mai 2003 |