|
Eine abwechslungsreiche Bornholmreise 2003
Wir fuhren mit 6 Anglern aus Sauer-, Siegerland und Köln und 3 Trailerbooten Ende März bis Anfang April für 2 Wochen zum Lachs- und Meerforellenangeln nach Bornholm. Es sollte eine denkwürdige Fahrt werden! Schon auf der Anreise zerbrach beim Umladen des Gepäcks in ein anderes Auto das erste Pilsglas; sollte das ein schlechtes Omen sein? Die ursprünglich von uns eingeplante Fähre von Saßnitz/Rügen nach Rønne/Bornholm war natürlich ausgerechnet zu unserem Fahrtbeginn in der Werft, na klasse! So mussten wir Freitagabend "oben herum" über Fehmarn, Dänemark und Schweden die Reise antreten. Wie erwartet trafen wir dann auch müde, aber frohen Mutes und voller Erwartungen am schwedischen Fähranleger in Ystad Samstag früh morgens auf 8 Hamburger Trollingfreunde mit weiteren 4 Booten. Wir begrüßten uns freudig, fachsimpelten drauflos, schmiedeten Pläne und fuhren bald darauf mit unseren 7 Booten in den Bauch der superschnellen Katamaranfähre nach Bornholm.
Unsere Fähre!
Wer so eine Überfahrt noch nie erlebt hat, kann es sich kaum vorstellen: Sieht die Geschwindigkeit der vorbeieilenden Wellen aus der warmen Kabine in sicherer Höhe heraus noch lediglich "recht flott" aus, so nimmt es einem beim Heraustreten aufs zugängliche Hinterdeck fast den Atem! Eisiger Wind umfängt einen, das vom 2 Meter entfernt stehenden Nebenmann gerufene Wort ist im laut wummernden Fahrtwind, den sausenden Turbinen und dem am Heck hinauszischenden Wasser kaum zu hören; man kann sich gegen den Wind kaum auf den Beinen halten. Die 2 doppelten Jetantriebe mit den -zig Meter achteraus schießenden Gischtfontänen lassen das Gefühl eines startenden Jets aufkommen.
3 Hamburger
Aber auch ein Flug geht einmal zu Ende, und bei herrlich blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein legten wir schließlich in Rønne an. Es war bitterkalt, und unsere Müdigkeit ließ uns noch mehr frieren. Als wir mit den Bootsgespannen aus dem Bauch der Fähre hinausrollten, donnerte M.M. WESTERNHAGEN sein "ICH BIN WIEDER HIER, IN MEINEM REVIER!" ins Innere unseres Autos. Während der Fahrt in unser "Camp" in der Bornholmer Wildnis, einem alten Hof in der Hochheide am Waldrand von Klemmensker, sahen wir an schattigen Wegesrändern noch dicke, großflächige Schneereste und zugefrorene kleine Tümpel und Seen. Brrrrrrrrr. Angekommen, wurde der Vermieter begrüßt, die Heizung angeworfen, etwas Schnelles gegessen und schon ging's am frühen Abend in die Heia.
Jeden Morgen beim Frühstück dieselben Besucher!
Am nächsten Morgen sah die Welt schon wieder prima aus. Ausgeschlafen, gut gefrühstückt und voller Tatendrang machten wir uns, nun nicht mehr frierend, mit unseren Gespannen zum Hafen von Melsted auf. Dort trafen wir wieder unsere Hamburger, und mit allen 7 Booten ging es hinaus auf See. Es herrschte ein absolutes "Ententeichwetter", eine spiegelglatte Wasseroberfläche bis an den Horizont. Zum Angeln war es fast schon zu ruhig. So sollte das Wetter dann auch die nächsten 8 Tage bleiben. Auf dem Echolot der "Anke" war jede Menge Futterfisch zu sehen, und wir schleppten unsere Trollingköder frohen Mutes dem ersten Fisch entgegen. Eigentlich war das Wasser auch für die Fische zu kalt, am ersten Tag erreichte es knapp unter der Oberfläche lediglich 1,3ºC. - Erst allmählich erwärmte es sich in den nächsten Tagen, bis es an unserem letzten Angeltag schließlich mollige, gute 4ºC betrug. - Da schlug auch schon die erste Rute am Downrigger aus! Schnell wurden die anderen Ruten und Downrigger eingeholt, und der Tanz ging los. Ich drillte den Fisch vorsichtig ans Boot heran, wo ihn Jürgen (Heringsbändiger) souverän mit dem Großfischkescher keschern konnte und ins Boot beförderte. Ein Lachs mittlerer Größe, das war ja ein gelungener Start! So machte ich mir außerdem das allergrößte Geburtstagsgeschenk gleich selbst, das passte! Danach tat sich nichts mehr. Nur auf 2 Tandem-Trawler, die parallel zueinander ein ca. 200m breites Netz zwischen sich herzogen, mussten wir aufpassen. Irgendwie hatten wir das Gefühl, dass sie uns einfangen wollten. Abends im Hafen angekommen, konnten uns Klaus und Uli von der "Lucky K" dann ebenfalls noch 2 richtig schöne Lachse präsentieren. Auch Hamburg fing gut.
 "Down Under" von 2 Schleppfischern verfolgt |
 Uli mit herrlichem Lachs! |
Von Alan vom Trollingcenter Melsted erfuhren wir übrigens, dass angeblich ca. 95% seiner Buchungsgäste für das in 3 Wochen stattfindende Trollingfestival wegen des Fährausfalls durch den Werftbesuch der Sassnitz-Rønne-Fähre ihre Reise storniert hatten. Für ihn bedeutete das einen herben wirtschaftlichen Ausfall.
 Allan Beyer vom "Melsted-Trolling-Center" |
 Jürgen mit Beifang-Dorsch |
Am nächsten Morgen ereilte unser Boot dann morgens im Hafen ein großes Fiasko: Motorschaden! Die Zündbox hatte sich verabschiedet, und alle Wiederbelebungsversuche des absolut fähigen Mechanikers halfen nichts mehr. Ein Ersatzteil wurde aus Belgien bestellt, und Jürgen und ich hatten den ersten Tag Landgang. Wir machten aus der Not eine Tugend, bildeten uns in Kultur und besuchten einige der berühmten Rundkirchen. Währenddessen lief es bei den anderen Booten besser: Gerhard von der "Venator Salmo" fing
Werbung
2 Lachse, und auch die Besatzungen der norddeutschen Boote "Porter Rixx II", "Down Under", Kai Tooh" und "Oma Thea" holten ein paar schöne Fische in die Boote.
 Abslippen der "Lucky K" |
 Gerhard mit Lachs |
Tags darauf bildeten wir neue Pärchen auf den Booten. Jürgen wurde von der "Lucky K" aufgenommen, und ich heuerte auf der "Venator Salmo" an, wo wir bereits früh morgens 5 Minuten nach Angelbeginn Glück hatten und Gerhard einen Lachs fing. Das sollte dann auch der einzige Fisch des Tages auf unserem Boot bleiben. Das machte uns aber nichts, wir erfreuten uns an der herrlichen Seefahrt weit draußen auf dem Meer bei schönstem Wetter und hatten uns viel zu erzählen und zu lachen! Beim abendlichen Hafen-Pow-Wow und Begucken der Kollegenfänge zeigten uns dann Klaus, Uli und die anderen weitere Lachse.
Uli, Klaus u. Gerhard freuen sich über ihre Lachse
Am ersten Mittwoch übten sich mehr oder weniger alle Boote in Geduld und Weisheit. Das Wetter war nach wie vor hervorragend, aber die Echolote zeigten kaum Futterfisch an und es biss außer einigen Dorschen kein Fisch. Selbst die Fischer in den Häfen erzählten, dass der Lachs wie vom Erdboden verschluckt war! Nach 10 Stunden beendeten wir mit einem mittleren Sonnenbrand im Gesicht unsere geruhsame Spazierfahrt auf See und fuhren müde in Richtung Hafen.
Beim Aufstehen am folgenden Morgen erschraken wir beim ersten hinausblinzeln zum Fenster. Es war dunkel, grau und nebelverhangen. Außerdem nieselte feiner Regen auf die Erde. Nur die Hasen hoppelten wie jeden Morgen übermütig auf den Feldern vor unserem Fenster. Nicht gerade begeistert über diesen extremen Wetterumschwung, fuhren wir nach dem Frühstück aber trotzdem gespannt wieder an die Küste und ließen die Boote besonders schnell zu Wasser. Wir vermuteten, dass mit dem anderen Wetter auch die Fische wieder zurückgekehrt waren. Doch bei einer wechselnden Sicht von 100 bis 200m auf See wurde unsere Fahrt zu einem wagemutigen Unterfangen. Da leider auch an diesem Tag nichts biss, betrieben wir einen makabren Sport; wir versuchten, anhand der Nebelhornsignale und Motorengeräusche fremder Schiffe, deren Identität, Größe und Nähe zu uns zu erraten. Ich hielt meinem Kapitän einen apellierenden Vortrag über Sinn und Vorteile eines Radarreflektors, und wie gut es wäre, gerade jetzt einen an Bord zu haben. Doch gab er mir seine eigene Meinung dadurch zu verstehen, dass er und sein Steuermann sich seine Pfeifen anzündeten und nur noch mehr Nebel verursachten. Nachdem aber zum 2. Mal ein Fischkutter in voller Fahrt ca. 100m an uns vorbeirauschte und uns offenbar nicht gesehen hatte, wurde es doch allen schließlich langsam mulmig und wir beschlossen, wieder zurückzufahren. Nur dank GPS und Seekartenplotter fanden wir dann auch, wie kurz danach die übrigen Boote, heil in den Hafen zurück.
Dort angekommen, hörten wir, dass sich die dänischen Angler über UKW-Funk untereinander verständigt hatten und allesamt an die Nordspitze der Insel gefahren waren. Angeblich hielten sich nun dort die verschollenen Lachse auf, die jetzt auch wieder an die Angel gingen. Dabei sollten riesige Fische gefangen worden sein, wir konnten es kaum glauben. Unser nächstes Tagesziel für die 3 Sauerland-Boote stand also fest: Der Hafen unterhalb der Festung von Hammershus!
Vorbereitungen in Hammershus
Anglerboard-Magazin Mai 2003 |