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Zukunft der Kutterangelei, Teil 2
Nachdem wir in der letzten Ausgabe die mangelnde Bereitschaft der Reedereien und Kapitäne sich mit den von uns gestellten Fragen auseinander zu setzen, moniert hatten, nun etwas Erfreuliches: Kapitän Mielitz von der Heikendorfer Schifffahrts & Catering GmbH (für die Angler: Das ist die "MS Forelle"!!) hat sich bei uns von selbst gemeldet.
Er hat sich darüber beschwert, dass wir nicht auch seine Firma angefaxt hatten. Wir hatten, vielleicht zu unserer Entschuldigung, Reedereien und Kutter angefaxt, deren Faxnummern ohne grosse Schwierigkeiten zu ermitteln waren. Da kann durchaus sein, dass wir die eine oder andere Reederei oder den einen oder anderen Kutter nicht mit auf der Liste hatten.
Ebenfalls erfreulich finden wir, vor allem nach den tragischen Vorfällen, bei denen Kapitän Hans John von der "MS Antares" in Orth sein Leben verlor, dass sich die neue Reederei unter Leitung von Rainer Blickwedel auch spontan bereit erklärte, die Umfrage noch zu beantworten. Kapitän Blickwedel sucht nach eigenen Angaben auch die Diskussion mit den Anglern, da er seine Erfahrungen bisher hauptsächlich mit Mehrtagesfahrten gemacht hat.
Unser herzliches Beileid der Familie und den Freunden von Hans John.
Um so erfreulicher, dass sich Herr Mielitz und Herr Blickwedel dann doch noch zur Zusammenarbeit bereit erklärten. Daher haben wir auch einfach, als Dank für das Engagement, hiermit einen zweiten Teil der "Kutterumfrage" nach geschoben. Denn wir finden, dass auch diese Aussagen zu unseren Fragen für die Angler durchaus interessant sind. Scheinbar gibt es also doch noch Kutter, Kapitäne und Reedereien, die auch auf Fragen ihrer Kunden, der ganz normalen Angler, antworten und sich mit diesen auseinandersetzen.
Hier nochmal die Fragen und die Antworten der beiden Kapitäne:
Unsere Fragen:
1.: Sehen Sie auch langfristig die Möglichkeit den Anglern Ausfahrten in der jetzigen Art und Weise zu ermöglichen, oder sind alternative Konzepte gefragt??
2.: Welche Möglichkeiten sehen Sie, auch in Zusammenarbeit z.B. mit der Fachpresse, weitere Beschränkungen und neue Vorschriften seitens der Behörden zu kippen oder zu verhindern??
3.: Von vielen Anglern hört man immer wieder Klagen wegen Platzreservierung/Besenstiele anbinden etc.. Warum können die Reedereien hier kein allgemein gültiges System schaffen, so daß ihre Kunden nicht schon mitten in der Nacht auf die Kutter müssen um einen vernünftigen Platz zu erhalten???
4.: Was halten Sie von der Möglichkeit, Plätze zu numerieren und verschiedene Preise zu verlangen (höhere Preise für die begehrten Bug/Heckplätze, niedrigere für die Plätze an der Seite)??
5.: Warum wird auf vielen Kuttern nicht eingeschritten, wenn untermaßige Dorsche abgeschlagen werden??
6.: Warum schließen sich Reedereien nicht in einem öffentlichkeitswirksamen Verband zusammen, um die sowohl ökologischen wie auch ökonomischen Vorteile von Angeltourismus gegenüber der Berufsfischerei besser dar zu stellen??
Antworten Rainer Blickwedel, MS Antares, Orth auf Fehmarn:
Zu 1.:
Wir sehen auch weiterhin die Möglichkeit, Kutterausfahrten in der jetzigen Art und Weise zu gestalten, werden aber mit grosser Sicherheit versuchen neue Ideen zu verwirklichen die dem Sportangler zu gute kommen.
Zu 2.:
Im Moment gibt es keine Veranlassung, irgendwas zu kippen. Wir Arbeiten aber gerne mit der Fachpresse zusammen wenn uns jemand den Hahn zudrehen will
Zu 3.:
Da auf der MS Antares eine neue Reedrei tätig ist, wird auch meistens etwas Neues eingeführt. Für Gruppen, die nicht den ganzen Kutter gechartert haben wird ca. eine Kutterhälfte reserviert, aber auch nur, damit die Gruppe zusammen bleiben kann. Für Einzelfahrer besteht keine Möglichkeit einen Platz zu reservieren oder einen Stock anzubinden. Bei uns hat jeder Angler die gleiche Chance, wer zuerst kommt, malt zuerst. Das Schiff kann jeden Tag ab6 Uhr betreten werden, vorher kann niemand an Bord.
Zu 4.:
Kommt bei uns nicht in Frage und wird von uns auch nicht befürwortet.
Zu 5.:
Bei uns wird sehr viel Wert auf die Beachtung der Mindestmasse gelegt. Die meisten Angler kennen die Mindetmaße ansonsten werden sie freundlichst darauf hingewiesen.
Zu 6.:
Einige Verbände bestehen bereits. Wir gehören durch die Neustrukturierung unseres Unternehmens noch keinem Verband an, werden aber sicherlich in nächster Zeit einem beitreten.
Antworten Bernhard Mielitz, MS Forelle, Heikendorf:
Zu 1.:
Mit der Schiffszulassung als "Sportangelfahrzeug" sind die Möglichkeiten für Alternativen recht begrenzt. Alle unsere Schiffe dürfen nicht länger als 10 Stunden mit einer Besatzung auf See bleiben, dürfen sich nur 5 Seemeilen bzw. 10 Seemeilen mit 2 Kapitänen von der Küste entfernen, dürfen nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fahren, dürfen nicht bei Nebel oder bei Sturmwarnung, auch wenn bestes Wetter, fahren, dürfen nicht in ausländische Häfen einlaufen usw.
Das einzig Positive, was wir dürfen, ist steuerbegünstigten Schiffsdiesel beziehen. Bei einem Tagesverbrauch zwischen 400 und 1000 Liter ist dieses jedoch Grundvoraussetzung, um die größeren und schnelleren Schiffe überhaupt einsetzen zu können.
Was sich seitens der Angler ändern muss, ist die Zuverlässigkeit der Anmeldung. Im vergangenen Jahr hat diese Unart weiter zugenommen, sodass bei 50 Anmeldungen tatsächlich mit 35 - 38 Anglern gerechnet werden kann. Gerade an Wochenenden sind die Plätze der beliebteren Schiffe jedoch so gefragt, dass teilweise über 50 Angler gar nicht mehr angenommen werden können.
Also Leute: Steht zu eurer Anmeldung, sonst gibts künftig nur noch Angelplätze gegen Vorkasse oder Bankeinzug. Bei der Buchung von Urlaubsreisen ist da ja seit jeher so. Ist aber auch ungerecht den Kollegen gegenüber, die gerne einen Platz an Bord gehabt hätten aber sich erst nach euch vergeblich versuchten anzumelden.
Zu 2.:
Ein absolutes Fangverbot für alle Grundfischarten - wie es zur Zeit diskutiert wird, beträfe auch uns Angler. Berufsfischer erhalten hierfür ein Ausfallgeld aus Brüssel während für viele Angelkutter, die nicht die Möglichkeit einer Alternative wie Makrelenangeln haben, die Existenz vernichtet wäre.
In den USA wurde eine sehr ausführliche Berechnung über die Kaufkraft der Meersangler, die dort etwa 2% der gefangenen Fische anlanden, erstellt, die ergab, dass mit der geringen Fischmenge 10 mal mehr Geld bewegt wurde als mit 98% der Gesamtfangmenge der Berufsfischer. Hinzu kommt noch die touristische Zugkraft in die ohnehin strukturschwache Küstenregion. Eine entsprechende Studie für unsere Küste die vonm VDSF und DAV sowie von der Fachpresse gemeinsam vorgetragen würde, kann auch in Berlin nicht ignoriert werden. Der Staat verdient ja durch verschiedene Steuern auch kräftig mit.
Zu 3.:
Das Anbinden von "Besenstielen" wird auf der "MS Forelle" nicht geduldet und gegebenenfalls von der Besatzung entfernt. Es besteht die Möglichkeit einen Teil des Schiffes als Teilcharter für Gruppen ab 10 Personen zu buchen. Es wird aber pro Tag nur ein Bereich vergeben. Die restlichen Plätze können morgens von den Anglern frei gewählt werden. Wegen der Unfallgefahr darf das Schiff jedoch morgens erst nach eintreffen der Besatzung um ca. 5 Uhr betreten werden.
Zu 4.:
Ich bin gegen unterschiedliche preise für Spitzen- und Seitenplätze. Das würde zu einer Zwei - Klassengesellschaft führen,: Die "reichen" Angler fangen gut an Bug und Heck wehrend die weniger betuchten an den Aufbauten zusehen...
Die Vergabe von Plätzen mit Namensschild kann ich auch nicht gutheissen. Die Stammgäste haben immer die begehrten Plätze und andere nie eine Chance.
Zu 5.:
Auf "MS Forelle" werden die Angler von der Besatzung auf die Einhaltung der Mindestmaße hingewiesen. Untermassige fische werden zurückgesetzt. Sollte dennoch jemand uneinsichtig sein, wird dieser Angler öffentlich als Kinderschänder verspottet - eine einprägsame Lektion!
Zu 6.:
Fast alle Schiffe sind im Verband der "Hochseeangelschiff- und Bäderschiffeigner" organisiert. Der Verband führt gemeinsam mit der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein EGOH momentan sehr konstruktive Verhandlungen mit der SeeBG und dem Verkehrministerium über die Umsetzung der EG - Fahrgastschiff - Richtlinien ab 2006 und mögliche Ausnahmeregelungen für Sportangelfahrzeuge.
Gegenüber Berufsfischern besteht z.Zt. kein Vertretungsbedarf. Man kennt sich und ohnehin kommen fast alle Angelkutterkapitäne aus der Fischerei. Verständnis füreinander ist gefragt: Die Versorgung von 85.000.000 Bürgern mit einem so kostbaren Nahrungsmittel wie frischem Seefisch ist auch eine wichtige Aufgabe.
Anglerboard-Magazin Mai 2003 |