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Doppelt fängt besser
"Wie wird man die Schuppenträger wohl heute am besten fangen?" Diese Frage stellt man sich wohl fast immer zu Beginn eines Angeltages. Gerade beim Friedfischangeln steht man nicht selten vor der Qual der Wahl zwischen Posen- und Grundrute. Für mich ist die Entscheidung ganz leicht, denn ich nutze die Vorteile beider Techniken.
Wenn die Friedfische in den Morgenstunden eines kühlen Frühjahrstages noch nicht sehr munter sind, dann muss man sie suchen. Das bedeutet, man muss aktiv fischen und dies klappt sehr gut mit einer Futterkorbmontage. Anstatt wie üblicherweise den Futterkorb immer an den selben Platz zu befördern, wird er jedes Mal an eine andere Stelle geworfen, in der Hoffnung, dass man bei dieser "Suche" auf einen Fischschwarm stößt. Das Futter im Korb hat dabei den Zweck, den Fischen die Scheu vor dem Hakenköder zu nehmen und sie gegebenenfalls auch ein wenig anzulocken.
Geangelt wird jedoch nicht mit einer üblichen Feederrute sondern mit einer Grundrute (3 bis 3,6 m Länge, Wurfgewicht bis maximal 80 g) und einer Freilaufrolle (kleineres bis mittleres Modell). Die Montage ist eine einfache Laufmontage mit Anti-Tangle-Röhrchen, ersatzweise auch mit Futterspirale. Ansonsten sind einfache Drahtfutterkörbe bei dieser Methode völlig in Ordnung. Nach dem Auswurf wird der Freilauf der Rolle aktiviert und die Angelschnur läuft über einen elektronischen Bissanzeiger. Um mit der Grundrute auch tatsächlich aktiv angeln zu können, sollte man sie etwa alle 10 Minuten neu auswerfen.
An der anderen Front wird mit einer Matchrute "gekämpft". Eine sensible Posenmontage ist dabei genau richtig, um vorsichtige Frühjahrsfische nicht misstrauisch werden zu lassen. Zunächst wird ein großer Futterplatz mit etwa einem Kilogramm Grundfutter angelegt und dazu kommt dann noch eine große Portion des verwendeten Köders. Alles Futter wird zu Angelbeginn eingeworfen, so dass die scheuen Friedfische später ungestört gründeln können. Es kann jedoch eine ganze Weile dauern bis die erhofften Besucher auf dem Futterplatz ankommen, denn sie ziehen bei weitem nicht so aktiv durch die Fluten wie im Sommer.
Und die Fische sind auch bei der Köderaufnahme wesentlich vorsichtiger. Dementsprechend sollte man sehr fein fischen. Eine 0,18 oder 0,20 mm dicke Schnur auf den Rollen ist völlig ausreichend, um auch einen ordentlichen Karpfen ausdrillen zu können. Das Vorfach muss noch etwas feiner gewählt werden. Schwere Posen können im Gerätekasten bleiben, es eignen sich besonders vorbebleite Waggler. Weiterhin sollte man auf große Köder wie Maisketten oder gar Kartoffeln gänzlich verzichten. Es gibt im Frühjahr kaum bessere Friedfischköder als ein quirliges Madenbündel oder einen zappeligen Wurm.
Was sind nun die Vorteile meiner "Doppeltaktik"? Wohl am ehesten die Unterschiede der beiden Methoden. Beim aktiven Angeln mit der Grundrute kann einem eigentlich immer ein guter Fisch an den Haken gehen. An der Matchrute darf mit zahlreichen Bissen gerechnet werden, wenn die Fische erst einmal am Futterplatz eingetroffen sind.
Doch nicht immer geht diese Rechnung so auf. Es gab auch schon Tage, an denen meine Pose nur ab und an von kleinen Rotfedern auf Tauchstation gebracht wurde, während an der Grundrute öfters schöne Karpfen bissen. Obwohl mit zwei Ruten gefischt wird, kann man sich während der Angelzeit immer auf die Pose an der Matchrute konzentrieren, da Bisse an der Grundrute durch den elektronischen Bissanzeiger gemeldet werden. Angeln kann man mit den beiden Ruten im Duett vor allem an Teichen und Seen, aber auch an Flussaltarmen, Kanälen und langsam fließenden Flüssen.
Bei einem Biss weiss man nie, wer gerade den Köder geschluckt hat. Eigentlich kann man auf alle möglichen Friedfischarten hoffen, vor allem aber Karpfen, Schleien, Giebel, Brassen und Döbeln.
Veit Wilde
Anglerboard-Magazin Mai 2003
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