Alles gebacken
Als "altbackener" Köder
wird Brot oft bezeichnet, im Zeitalter von Boilies, Fertig- und Spezialteigen.
Dennoch hat Brot, und die daraus zu gewinnenden Köder wie Flocken, Krusten oder Teig gerade gegenüber solchen "modernen" Ködern Vorteile:
Es ist preiswert, es ermöglicht viele verschiedenste Angebotsvarianten und es ist vor allem erwiesenermaßen fängig.
Brot ist den Fischen in vielen Gewässern zumindest nicht unbekannt, in welcher Form auch immer: Anfutter aus oder mit Semmelbröseln. Brotreste vom Enten- und Schwänefüttern, weggeworfene Vesperbrote und vieles mehr landet in den Gewässern und damit auch in den Mägen der Wasservögel und eben auch der Fische.
Anfüttern
ist daher , wenn überhaupt, dann nicht in großem Umfange nötig. Es reicht etwas eingeweichtes Brot einzubringen, kurz bevor man mit dem Angeln beginnt. Kleinfische sind fast augenblicklich zur Stelle, die größeren werden durch den Aufruhr der "Kleinen" aufmerksam.
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Schwierigkeit oder Vorteil?
Von vielen wird es als Nachteil angesehen, daß man mit Brot als Köder nicht selektiv angeln kann, also nur die (möglichst großen) Karpfen zum Biß verleiten und nicht mit den unerwünschten "Weißfischbeifängen" zu kämpfen hat. Gerade das finde ich persönlich aber spannend. Denn das Angeln mit Brot, vor allem als Flocke und Kruste, ist ein aktives Angeln, bei dem man im Gegensatz zu Boilies immer mit Überraschungen rechnen darf.
Und wer mit Brot angelt, muß sich zwangsläufig mehr mit den Fischen beschäftigen, um wirklich die Art fangen zu können, auf die man aus ist. Da genügt es nicht über Tage oder Wochen Futterteppiche aus Partikeln und Boilies zu legen und beim Angeln im Sessel zu warten bis der elektronische Bißanzeiger piepst (sorry liebe Karpfenangler, das ist meine persönliche Meinung und damit will ich niemanden verunglimpfen!!). Angeln mit Brot geht schon mehr in die Richtung "Spinnfischen".
Mit wenig Gerät viel Fisch
kann das Angeln mit Brot bringen. Mir genügt eine Pickerrute mit einer Seitenbleimontage, natürlich ein Kescher, ein paar Bleie und Haken zum wechseln, eine Dose Bleischrot und eben ein paar Scheiben Brot.
Wer sein Gewässer kennt, kann und sollte sogar auf das Anfüttern ganz verzichten. Denn man lockt immer zuerst die Kleinen an, und ich befische dann lieber verschiedene Stellen wo ich weiß dass (hoffentlich) größere Fische stehen, um bei Mißerfolg dann besser die Stelle zu wechseln als an einer Stelle auszuharren, anzufüttern und lange zu warten bis die Großen die Kleineren vom Futterplatz verdrängt haben - ist aber sicher Geschmackssache.
Der Anfang
ist immer gleich: Ein Stück Brotkruste auf einen 10er Haken und ein Bleischrot um den Auftrieb des Brotes zu kompensieren ca. 20 cm vor den Haken. Einwerfen und warten - aber nicht zu lange: Beißt nach 5 - 10 Minuten nix, sollte man auf jeden Fall kontrollieren. Entweder ist auch die härtere Kruste schon vom Haken gespült worden, oder (Klein)Fische haben den Haken leergeputzt.
Meist versetze ich den zweiten Wurf dann zum ersten, da ich nicht passiv in einer Futterspur oder auf einem Futterplatz angle, sondern aktiv die (beißfreudigen) Fische suche. Nach dem Fang des ersten Fisches (sollte er zu der von uns gewünschten Art gehören) kann man meist mehrere Fische an diesem Platz fangen. Sie müssen ja aktiv sein, da sie ohne Füttern den Köder genommen haben.
Man kann auch mit dem Bleischrot experimentieren, indem man seine Stellung auf dem Vorfach verschiebt, um den Köder höher oder tiefer über dem Grund anzubieten. Oder bei Fehlbissen mit der Vorfachlänge und Hakengröße, genauso wie je nach Strömung und Tiefe mit dem Bleigewicht.
Viele verschiedene Arten
lassen sich so fangen: Rotaugen, Brassen, Barben, Döbel, Schleien, Karpfen etc..
Und das Schöne: Man fängt auch meist mehrere Arten.
Dies mag "Karpfencracks" stören, wenns viel Beifang gibt, mir persönlich macht das einen solchen Angeltag um so wertvoller.
Und wenn dann zwischen den Rotaugen, Döbeln, Brassen und Barben auf einmal ein breiter Karpfenrücken im Drill die Wasseroberfläche durchbricht, ist die Freude umso größer.
Und mir sind die dann (zugegebenermaßen) meist kleineren Karpfenexemplare lieber, da ich ja die Fische auch essen will.
Mehr große Fische
lassen sich normalerweise mit Brotködern fangen - wenns um Krpfen geht!!
Allerdings fängt man die größere Gesamtzahl an Fischen sicher mit anderen Ködeern.
Aber während es bei Karpfen eher die (schnelleren?) kleineren Exemplare sind, die auf Brot hereinfallen, sind es bei Weißfischen oft gerade die größeren. Vielleicht weil sie den leicht auftreibenden Brotköder ohne Futter und daher ohne Konkurrenz kleiner Artgenossen schneller finden?? Ich weiß es nicht, aber es funktioniert.
Keinen Frust aufkommen lassen
sollte man, wenn der Nachbar mit Maden und Futter einen Fisch nach dem anderen fängt, oder der Boilieangler Karpfen in Dimensionen, die sicher das leichte Gerät vom "Brotangler" auch bis über die Belastungsgrenze hinaus testen würden.
Denn vielleicht habe ich nur 4 oder 5 Rotaugen am Ende des Angeltages, dafür werden es oft Fische sein, die deutlich über der Pfundgrenze liegen. Was mir (auch kulinarisch in diesem Falle) allemal lieber ist als einen Eimer voll 200 - Gramm - Fische.
Und wenn ein 5 oder 6 - Pfünder Karpfen an meiner Pickerrute beißt, ist das für mich interessanter als mit einer 3 oder 4 lbs - Rute einen 20 - Pfünder zu drillen.
Versuch macht kluch
daher kann ich nur jedem empfehlen, diese Methode einmal auszuprobieren.
Thomas Finkbeiner
Anglerboard-Magazin März 2003
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