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Ich freue mich besonders, dass wir Dieter Dotzel - der in Deutschland von Baleno, Pinewood und Tretorn vertritt - den ja schon viele vom Norwegentreffen in Berlin kennen, dazu gewinnen konnten, dass er sich mal die Mühe gemacht hat um etwas Licht in den ganzen Dschungel rund um Sicherheitsanzüge, Schwimmanzüge, wasserdicht, was ist eine wirkliche Norm, was nur Marketingeklüngel, gebracht hat.

Denn wer Geld für einen Schwimmanzug ausgibt, bei dem kann es mal ums Leben gehen, da sollte man wenigstens wissen, was man sich da kauft. Nochmals herzlichen Dank an Dieter Dotzel, hier sein Artikel:

Wasserdicht – Winddicht – Atmungsaktiv

Wasserdicht??

Textilien welche eine Wassersäule von über 1300 mm erreichen gelten nach DIN Norm als wasserdicht, alles darunter maximal als wasserabweisend.

Eigenschaften wie „regendicht“ oder „hält Sie bis zu 10 Stunden im stärksten Regen trocken“ sind Werbetricks um von der geringen Funktion abzulenken.

Ganz heikel wird es wenn solche Textilien nicht gewaschen werden dürfen. Der Grund kann eine Teflonbeschichtung sein, diese Beschichtung verleiht dem Produkt im Neuzustand eine höhere Wassersäule, wäscht sich aber aus und verliert seine Funktion gänzlich nach 3 – 4 Wäschen. Weiterer Grund können die Nähte sein, wurden die Nahtabdichtungen verklebt löst das Waschmittel den Kleber auf und nach zwei – drei Wäschen kann man die Dichtbänder mit den Finger abziehen - Funktion ade.

Leistungsfähige Textilien sind maschinenwaschbar. Man verwendet hier bereits als Rohware Materialqualitäten mit Wassersäulen von über 2000 mm. Erstens braucht man hier nicht mit Teflon nachzuhelfen und zweitens reduziert selbst häufiges waschen die Wassersäule nur um ca. 25 % somit hat man dann immer noch 1500 mm. Die Nähte werden hier nicht verklebt, sondern hochfrequent verschweißt – Fachjargon „verheiratet“ - diese Verbindung ist waschmittelresistent und auch Wasser kann selbst bei sehr hohen Drücken nicht zwischen Dichtband und Textil hindurchkriechen.

Wir haben das bei einer Präsentation für einen großen bayerischen Auto und Motorradhersteller in dessen Windkanal bei einer Testreihe gezeigt. Dort wurden Anzüge bei 180 km/h Windgeschwinddigkeit über 3 Stunden lang durch 12 Wasserdüsen geflutet/brachial getestet. Wir haben denen unser preisgünstigstes Anzugmodell mit reingestellt, bereits nach 15 Minuten leuchtete bei dem ersten Anzug die Signallampe Wassereinbruch rechte Achselpartie. Es war klar umso länger das Gezerre an der Bekleidung anhält umso mehr Signallampen werden leuchten. Wir waren uns auch nicht mehr so sicher
 
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Wir waren auch heilfroh als nach 3 Stunden die Windmaschinen abgestellt wurden und an keinem unserer 4 Anzüge Wassereinbrüche angezeigt wurden. Als wir dann den Prüfingenieuren auch noch sagten das unser „billigster“ Anzug aus der Testreihe gerade mal 50,- € im Angelladen kostet hatten wir den Auftrag.

Winddicht/Atmungsaktiv?

Winddichte Textilien sollen ein zu schnelles Auskühlen durch Wind verhindern. Umso höher die Windgeschwindigkeit umso kälter die gefühlte Temperatur – wird neudeutsch als Windchill bezeichnet. Eine Außentemperatur von -1° C wird bei einer Windgeschwindigkeit von 64 km/h wie -21° C gefühlt/erlebt, bei Winddichtem nicht.

Von Atmungsaktiv bei mikroporösen Membranen zu reden ist so nicht richtig, gut es hat sich eingebürgert, es hört sich besser an, aber eigentlich ist es die Wasserdampfdurchlässigkeit welche in gr/m²/24h gemessen wird. Bedeutet wie viel Gramm Wasserdampf durch einen Quadratmeter in 24 Stunden entweichen können. Damit das Ganze aber funktioniert, muss innerhalb der Bekleidung eine höhere Temperatur und ein höherer Druck herrschen, erst wenn diese Gefälle besteht kann Feuchtigkeit in Form von Dampf nach außen entweichen.

Die Superfunktionsjacke mit bester Membrantechnik hat im Frühjahr oben auf den Lofoten noch einwandfrei gearbeitet, aber jetzt hier im Spätsommer bei der Pilzsuche im bayerischen Wald schwitze ich wie ein Pferd – wer weiß die Antwort?

An der Außenseite hydrophile, von innen beschichtete, Textilien arbeiten solange es nicht regnet, aktiv. Man kann es so erklären: Auf der Außenseite besteht die Beschichtung aus Millionen mikroskopisch kleiner wasserliebender Schwämmchen pro cm², welche die Feuchtigkeit aus dem Inneren der Bekleidung aktiv aufsaugen, nur wenn es bereits von außen regnet?

Bei guten Membranen sind die mikroporösen Poren so klein dass Salzwasserkristalle diese nicht verstopfen können, das sind dann Salzwassertaugliche. Bei weniger guten Membranen sind die Poren so groß, dass sich Salzkristalle darin festsetzen und so mit der Zeit die Wasserdampfdurchlässigkeit reduzieren bis blockieren. Und dann sind das meist auch die Jacken die nicht gewaschen werden dürfen aus den vorher genannten Gründen!

Eine der zur Zeit besten Membranen auf dem Markt hat über eine Milliarde Poren pro cm², sie machen fast 90% der Membranfläche aus, 25% atmungsaktiver als schon wirklich gute Membranen, gut Sie kostet auch etwas mehr. Wenn ich mir aber im Vergleich die billigste Membrane mit nur ein paar tausend Poren pro cm² anschaue denke ich unweigerlich an die Torwand in der Sportschau, da kannste Bälle durchschießen.

Jacken und Hosen mit Membranen NIEMALS schleudern!!!

Durch die enorm hohen Zentrifugalkräfte würde das Wasser durch die Poren gepresst, diese wären dann geweitet und das wars dann mit wasserdicht. Gute Jacken und Hosen kann man waschen, man verliert etwas an Wassersäule aber gleichzeitig steigt die Wasserdampfdurchlässigkeit – auch nicht schlecht.

Das Schneller – Höher – Weiter Prinzip:

Vor ein paar schönen Jahrzehnten hatte ein Herr Namens Gore eine Super Erfindung das erste Wasserdichte und gleichzeitig Atmungsaktive Textil, das Ganze ließ er sich sofort als Goretex patentieren, cleverer Mann.

Die Engländer versuchten Baumwolljacken mit Unmengen von Wachs irgendwie dicht zu kriegen, mit dem Ergebnis – tonnenschwer, gewöhnungsbedürftiger Geruch und nach längerer Anfahrt im Regen zum Motorradtreffen wurde man von den Kumpels nicht ins Schlammloch getrieben, weil man eh schon aussah wie die …..

Mann, und dann mein erster Goretex Anzug, irgendwie lief die Schüssel schneller, in den Kurven zogen mich die Klamotten nicht Richtung Straßenpfosten, man kam entspannt, nicht verschwitzt, richtig trocken und sauber an – klar die Kumpels änderten das aber schnell. Die Erfindung von Gore war und ist ein Segen, oder wollt Ihr immer noch in schwerem Ölzeug durch die Gegend latschen. Tja das war die erste Membrane mit einer Wassersäule von 8000 mm und einer Atmungsaktivität von 5000 gr/m²/24h.

Dann kamen die anderen Erfinder und hatten eine Membrane mit 12000er und 8000er Funktion. Heute sind wir bei 28000 mm Wassersäule und einer Wasserdampfdurchlässigkeit von 26000gr/m²/24h – marketingtechnisch möglich – technisch eher nicht. Es gibt weltweit keine seriöse Laboreinrichtung welche eine Wassersäule über 10000 mm messen kann, geschweige denn bestätigen würde – also wir kennen zumindest keine.

Genauso in die Abteilung „Gibt es nicht!“ gehört die Aussage 100 % atmungsaktiv, das würde nämlich bedeuten nackt.

Wer braucht eine Wasserdampfdurchlässigkeit von 26000 gr – das wäre ein Gewichtsverlust von 26 kg durch schwitzen in 24 Stunden pro Quadratmeter – auf die Intensivstation braucht man da nicht mehr. Gute und funktionelle Membranen arbeiten mit Wassersäulen bis zu 10000 mm und einer Atmungsaktivität von bis zu 8000gr/m²/24h, die halten einem Wasserdruck von bis zu 10 Metern stand und lassen noch bis zu 8 kg Körpergewicht durchdampfen in 24 Stunden - das wäre eine Diät – 8 kg in einem Tag, nur leider käme hier das Problem mit der Dehydrierung.

Die ganzen Schummeleien der Marketingleute in diesen Bereichern tun eigentlich keinem wirklich weh oder richten irgendwelchen Schaden an. Okay es kann einem schon stinken wenn die neue Jacke halt doch nicht wie versprochen 100 % wasserdicht ist. Oder die bessere Hälfte hat das Teil aus lauter Verzweifelung doch in die Waschmaschine gesteckt und nun hat mein ein besseres Nudelsieb - Shit happens.

Gefährlich wird das Ganze wenn sich solche Strategen ohne das nötige Know How oder Hintergrundwissen an Produkte wagen aus der Abteilung:

Maritime Sicherheitsbekleidung und maritime Normen für PSA

(Persönliche Schutzausrüstung)

Hier tummeln sich in der letzten Zeit Firmen mit Produkten die eher in die Kategorie gehören: „Lebensgefährliche Produkte welche vortäuschen etwas zu können von dem Sie meilenweit entfernt sind“.

Ich habe mal vor Jahren, aufgrund von Produktionsengpässen, einen mit mir befreundeten führenden deutschen Schlafsackhersteller gefragt, ob er mit seinen Produktionskapazitäten nicht aushelfen könnte bei der Herstellung von Floatationanzügen. Er hat mich lächelnd darauf hingewiesen, dass das so ähnlich wäre wie wenn ich Ihn als Autobauer beauftragen würde eine Mondrakete zu konstruieren – na ja war nur eine Frage.

Leider sehen das die Jungs aus Fernost nicht so eng. Da ist man richtig stolz weil seine Anzüge auch so schön bunt sind wie die aus Amerika und Europa, man hat sogar noch einen ganz besonderen Service im Angebot: Für 2,- $ extra näht man sogar eine viersprachige Kopie von einem geprüften Anzug rein, die Sprachen kann man sich aussuchen, man war schon sehr euphorisch in Anbetracht der möglichen Umsätze mit uns.

Nachdem wir Ihn darauf hingewiesen haben, bei seinem Besuch in unserem Hauptsitz in Belgien, das dieses illegal ist, hat man schnell gelernt und fortan nichts mehr vom Einnähen einer Kopie erzählt.

Durch eine neue und verfeinerte Verkaufsstrategie konnte man leider einige deutsche und holländische Firmen zum Kauf dieser Produkte überreden. Diese Firmen kauften im guten Glauben, man wusste ja jetzt was man nicht mehr erzählen durfte. Und der Preis wurde auch etwas erhöht, damit es nicht gleich auffällt, dass das zu dem Preis gar nicht möglich ist.

Die Firmen schulten im guten Glauben Ihre Vertreter, die Vertreter besuchten die Fachhändler und erklärten im guten Glauben das neue Produkt. Die Fachhändler übermittelten Ihr neues Wissen guten Glaubens an Ihre Kunden und die kauften die Anzüge ob der guten Beratung auch gerne. Die Sicherheit war vielen 150 – 200,-€ wert, kein Problem, man fühlt sich ja auch irgendwie sicherer.

Leider fühlten sich in der Folgezeit manche zu sicher und wurden übermütig, leider musste man damals von Bild bis Angelwoche immer wieder von schlimmen Tragödien lesen. Irgendwann hat sich dann auch die Kripo für das Thema interessiert – kausale Zusammenhänge, schließlich klinkte sich noch das Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht ein.

Firmen welche solche Produkte anboten wurden überprüft, mussten die notwendigen Prüfzertifikate vorweisen, wenn nicht vorhanden oder gefälscht, musste das Produkt in der Form sofort vom Markt genommen werden. Manche Firmen haben dann aufgrund der großen Unsicherheit Ihr Produkt in der Form vom Markt genommen, manche haben Ihre Produkte schnell noch zu Schleuderpreisen unter die Leute gebracht.

Eine ganz uneinsichtige Firma, obwohl schon verwarnt, hat kräftig weiter verschleudert. Die wurde dann in einem Eilverfahren vor dem Landgericht München kurz vor Weihnachten dazu verdonnert bei jedem weiteren Einzelfallverstoß eine Strafe in Höhe von 250.000,-€ zu zahlen oder Ersatzweise 6 Monate Haft anzutreten. Die Firma hat dann doch wirklich ihre Händler irgendwann ein halbes Jahr später darüber informiert das Ihr Anzug so nicht mehr verkauft werden darf – also wirklich zeitnah.

Wie erkennt man gefälschte nicht nach EN 393 zertifizierte Anzüge als Händler und als Kunde:

Ein sicheres Zeichen ist, wenn im Anzuglabel kein Hersteller genannt ist oder der Hersteller Hongkong- oder Changhai-Chinese oder Pakistane ist.
Wenn im Label nur die Marke des Großhändlers genannt ist.
Wenn im Label mit Edding geschwärzte Textpassagen zu finden sind
Wenn die kleinen Größen weniger als die mindestens geforderten 50N Auftrieb haben.

Spätestens dann sollte man sich die Prüfzertifizierung vom Außendienst oder von der Firma oder vom Händler aushändigen lassen. Die Prüfzertifizierungen können nur von zugelassenen europäischen Prüflabors vergeben werden, Sie müssen genauso wie die Labels im Anzug in der jeweiligen Landessprache geschrieben sein. In der Prüfzertifizierung muss eine Baumusternummer genannt sein, anhand derer kann man leicht bei dem zuständigen Labor nachfragen und die wird deswegen nicht gerne mitkopiert.

Was mache ich als Händler oder Kunde wenn ich guten Glaubens einem solchen Produkt aufgessesen bin??

Als Kunde in erster Linie mit dem Händler reden und um Rücknahme bitten. Als Händler mit dem Außendienst oder mit der Firma direkt über eine Rücknahme verhandeln.
Der Händler steht hier in der Produkthaftung, das heißt er gewährleistet die dem Produkt zugeschriebenen Eigenschaften, Nicht der Großhändler und schon gar nicht der Hersteller in Fernost wird hier in Europa vor den Kadi gezerrt.

Ich kann PDF-Dateien zum downloaden hier bereitstellen. Insgesamt 9 Seiten mit den Themen:

Technische Einführung in Maritime Sicherheitsbekleidung
Gesetzgebung/Zertifizierungsorganisationen
Maritime Normen für PSA ( Persönliche Schutzausrüstung )
ISO/DIS 15027: Schutzanzug gegen Unterkühlung im Wasser
Vergleichende Tests
MSC/Circ. 922 Empfehlung bzgl. Performance Standards und Tests für Thermal Protective Lifejackets + Resulution MSC 81 (70) Revidierte Empfehlung bzgl. Tests nach LSA Kode.

Ist zwar ein ziemlich komplexes Thema, aber wer sich dafür interessiert weiß nachher wieso funktionierende Anzüge erst ab ca. 150,- € aufwärts zu haben sind. Der gibt dann gerne 50,- oder 100,- € bei seinem Händler mehr aus.

Ich konnte auf dem Norwegentreffen in Berlin mit einigen Leuten reden denen Ihre Sicherheit wesentlich mehr wert ist. Solche Anzüge stellen wir auch her, hauptsächlich für Industrie und Militäranwendung sowie Schifffahrt. Von Inshore bis Offshore EN 399 – 275N – neben den bewährten Anzügen für Angler.



Gruß

Dieter Dotzel (Raisingwulf im Anglerboard)
Firma Baleno




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