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Hopfen und Malz – Gott erhalts oder die spinnen die Rheinländer!
Es begab sich im Frühjahr letzten Jahres, da erschütterte eine Hiobsbotschaft die kleine Gemeinde Monheim am Rhein, meine Heimatstadt. Die örtliche Privatbrauerei Peters, immerhin seit 1779 in Monheim ansässig und Hersteller eines trinkbaren Kölschbieres, eines weniger trinkbaren Altbieres und eines hervorragenden hefetrüben Pils – meine Moderatorenkollegen, die letztes Jahr am Edersee waren können das bestätigen, gelle? – wurde vom Bierkonglomerat Brau und Brunnen aufgekauft und sollte im Sommer stillgelegt werden. Das schmerzte die Monheimer Bevölkerung und traf die Bierfreunde unter ihnen bis ins Mark. Nicht wegen dem Bier, aber es ging ja ums Prinzip, welche Kleinstadt im Rheinland hat schon seine eigene Brauerei? und da sind wir Rheinländer eigen.
Die Stilllegung der Brauerei, die damit verbundene Entlassung der Belegschaft – unter ihnen auch mein Onkel – und der Verkauf der „Hardware“ an eine Firma in der Ukraine waren eine Zeitlang das Tagesgespräch. Auch in meinem Freundeskreis wurde darüber gesprochen und diskutiert. Das Bier war nicht das Beste der Welt, doch, da waren wir uns einig, immer noch besser als ein Grossteil der Plörre, die es überall zu kaufen gibt. Tief in unsrer Ehre als Monheimer Biertrinker getroffen, beschlossen wir, im Sommer 2004, eine Abschiedsparty zu Ehren der Monheimer Brauerei zu veranstalten und so wurden die letzten Biervorräte gekapert und wir trafen uns im Herzen der Monheimer Altstadt, im Schatten des Monheimer Wahrzeichens, dem Schelmenturm, in der ausrangierten Schmiede meines Freundes Elmar. Der Grill wurde angeschmissen und wir machten uns eifrig an die Vernichtung der letzten Fässer, die wir noch käuflich erwerben konnten. Der Abend wurde lang und da auch einige Freunde von außerhalb zu Gast waren, habe ich die Geschichte der Brauerei und der feindlichen Übernahme bestimmt ein halbes Dutzend mal zum Besten gegeben. Warum ich? Wie schon erwähnt, war mein Onkel Kalla als Hausschlosser und Brauer in der Brauerei angestellt gewesen und hatte als einer der wenigen auch bis zum Schluss in der Brauerei gebraut und abgefüllt – sehr zum Vorteil meines Vaters, meines Bruders und mir, denn wir bekamen einige Sonderrationen des leckeren und letzten Monheimer Bieres – außerdem war mein Vater als Rentner auch noch bei der Brauerei beschäftigt, als eine Art Hausmeister, der nun mit ansehen musste, wie Arbeiter aus der Ukraine, die Brauerei auseinanderpflückten, auf Paletten packten und in riesigen Containern in die ehemalige Sowjetunion schafften.
Wir leerten also einige Fässer des Gerstensaftes und zu vorgerückter Stunde, ein Grossteil des Freundeskreises war schon nach Hause, setzte sich ein Teil meiner Kumpels, die einige Zeit konspirativ diskutierend in der Schmiede verbracht hatten, zu mir und meiner Tabakspfeife an den Tisch.
X: Hör mal Lang…..
A: Watt ess loss?
X: Wir haben da eine Frage….
A: Ach? Schieß los
Y: Ähhhh, na ja, ähhhh……
A: ????
X: Also…….
A: Spuck et us!
Y: Dein Vater arbeitet doch noch für die Brauerei, oder?
A: Dat han ich Euch doch schon hundertmal verzällt.
Y: Jaja, okay, wir wollten nur sicher sein…..
A: Also watt ess?
X: Okay, kannst Du leere Fässer besorgen???
A: ???
Y: Also leere Bierfässer, meinen wir
A: Soso, leere Bierfässer: wie viele?
X: So 10 – 15 20 Liter Fässer?
A: Wofür, wollt ihr ein Brauereidenkmal bauen?
X: Nöö, wir wollen selber Bier brauen.
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Ein Blick auf die Uhr: 01.45 Uhr - okay, die Jungs sind voll, also keine wilde Diskussion.
A: Ich froch mol minge Papp, kein Problem. Wie wollt Ihr denn brauen, nur so interessehalber?
X: Also wir machen uns selber zwei Braukessel, der Dieter überlässt uns seine Doppelgarage und der Dietmar besorgt nen Braumeister von der XXXXXX- Brauerei.
A: Alles klor, dat ist jo total easy………….hatt Ihr noch alle Latte aufm Zaun???
Y: Das wird super, wir brauen wieder Monheimer Bier, nur für uns.
Wir haben also noch ein bisschen gequatscht und getrunken und am nächsten Morgen hatte ich die Sache schon wieder vergessen.
Ungefähr einen Monat später, ich habe meinem Papp geholfen einige Sachen in der Brauerei zu verladen, da fällt es mir wieder ein.
A: Vatter, wir brauchen ein paar leere Fässer
V: Wie viele?
A: Ein paar Zwanziger………so 10-15 Stück.
V: Habt ihr noch alle Latten aufm Zaun? Wofür?
A: Wir….ähh, wollten unser eigenes Bier brauen
V: ???
A: Kann ich ein paar Fässer einpacken?
V: Da hinten stehen noch ne Menge rum. Und ich hab auch noch einige zu Hause….. das müsste reichen…..
A: Danke!
V: Ihr habt se doch nicht mehr alle
Ich kratz also ein paar Fässer zusammen, damit ich gewappnet bin und tatsächlich, in der darauf folgenden Woche rufen mich die Jungs an und verkünden stolz, die Anlage wäre fertig und am Wochenende ginge es los.
Ich fahr also am darauf folgenden Samstag zum Dieter und staune nicht schlecht, als der das Tor seiner Doppelgarage lüftet. Zwei 150 Liter Braukessel aus Edelstahl, ein Rührwerk, ein Gasbrenner, Siebe, Thermometer, Hopfen, Malz, Hefe, vier weitere Kumpels und mittendrin der Braumeister. Ein netter Typ in unserem Alter, also Mitte Zwanz…… ähhh Dreissig. Wir also den ganzen Tag gebraut, Fässer gereinigt, umgefüllt und geschwitzt.
Der ganze Brauvorgang wurde akribisch und minutiös festgehalten und dokumentiert. Rastzeiten, Aufheizzeiten, Pausenzeiten – es gibt ne Menge zu beachten für Brauanfänger doch nach acht Stunden war es vollbracht. Vor uns standen 90 Liter einer trüben Brühe, die nicht mal annährend nach Bier aussah und auch nur im Entferntesten so roch. Es kam die Zeit der Kesselgärung, danach wurde der Saft in die Fässer umgefüllt und in das Kühlhaus eines befreundeten Metzgers gebracht. Und dort sollte es dann noch fast drei Wochen lagern bis zum Tag der Geburtstagsfete meines Freundes Dietmars, der diese Schnaps- bzw. Bieridee - damals im Schatten des Schelmenturms mit ca. zwei Promille Alkohol im Blut - gehabt hat. Am Donnerstag vor der Party geht bei mir auf der Arbeit das Telefon
A: Hallo, hier ist der Achim
D: Hi hier ist Dieter!
A: Hi Dieter, watt es?
D: Wir befürchten, das Bier ist nix geworden!
A: Hä, wieso?
D: Eins der Thermometer ist wohl im Eimer gewesen…
A: Und jetzt?
D: Heute Abend stechen wir eins an, zur Probe!
A: Ahh, darum geht’s….wann und wo?
D: Um 21.00 Uhr bei mir
A: Scheiße, schaffe ich nicht. Ich bin frühestens um 22.00 bei Dir!
D: Okay, wir warten
A: Klar, ich verlass mich drauf…wer es glaubt wird selig. Lasst mir was über!
Ich kreuze also abends um kurz nach zehn bei Dieter auf und klingel. Drinnen herrscht bedrücktes Schweigen. Als ich reinkomme sitzend sechs Leute am Tisch und schauen in Ihr Glas. Ich frage was los ist und erfahre, daß am Morgen Elmars Mutter überraschend gestorben ist. So ein Mist, die Frau war wie eine Tante für mich, da ich mit Elmar seit frühester Kindheit befreundet bin.
A: Und jetzt?
D: Setz Dich und trink dir einen.
A: Wie ist denn das Bier?
D: Zuwenig Kohlensäure, weil die Temperatur nicht gestimmt hat
A: Scheiße!
D: Kein Problem, wir improvisieren mit ‚nem Sodastreamer und führen Kohlensäure zu…..
A: Erzähle es mir besser nicht….her damit.
Der erste Schluck und…..es schmeckt! Na sauber, wenn doch nur der Anlass etwas erfreulicher wäre. Wir diskutieren, wie wir Elmar helfen können und was zu tun ist und trinken dabei unser Bier. So nach drei 0,33 Gläsern schlägt meine Blase an und ich erhebe mich um die Toilette aufzusuchen. Wow….was ist das??? Der Gang ist etwas unsicher und die Sicht lässt sich nicht so schnell scharf stellen…keine Frage ich hab einen im Tee!
Als ich vom Lokus zurückkomme, sehe ich mich mal in der Runde um: Keine Frage, wir sind alle angeschossen, das Zeug hat es in sich. Aber wie führen wir die Kohlensäure zu, auf der Party mit nem Sodastreamer zu arbeiten ist zuviel Stress und außerdem unter der Würde eines Brauers. Ich überlege und mir fällt ein, dass ich einen Durchlaufkühler im Keller habe und man damit Kohlensäure zusätzlich zuführen kann. Okay, die Party ist gerettet.
Und in der Tat, das mit dem Durchlaufkühler klappte und so haben wir uns auf der Party 80 Liter „Schelmenbräu“-Kölsch hinter die Binde gekippt. Und am Abend der Party war klar, wir brauen weiter und wir brauchen einen Namen. Da die Gründungsversammlung auf jener legendären Schmiedeparty im Schatten des Schelmenturms stattgefunden hatte, wurden wir uns sehr schnell einig Die Leute waren total begeistert und auch total schnell betrunken und genau das war auch unser Ziel. Nachträgliche Messungen ergaben einen Alkoholgehalt von mindestens 6,8 %...was zu einigen Totalausfällen führte.
Die nächsten Brautage wurden geplant denn wir hatten beschlossen, unsere traditionelle Sylvesterfahrt nach Holland mit 130 Litern Alt und 130 Litern Kölsch zu verpflegen. Und gesagt getan, wir haben Alt und Kölsch gebraut und gemerkt, das der einzige Unterschied zwischen den beiden Sorten, die Farbe des Malzes ist - ein herber Schlag für die Kölsch- bzw. Alt-Fanatiker - und haben beschlossen die beiden Biere nur Schelmenbräu Hell und Schelmenbräu Dunkel zu nennen. Der Kohlensäuregehalt ist vorbildlich und der Alkoholgehalt liegt bei 5,0 – 5,4 %. Am besten zu genießen bei einer Temperatur von 6° C.
Die Kosten pro Liter betragen 39 Cent, das Bier ist lecker und wir haben Anfragen von verschiedenen Vereinen und Gesellschaften. Allerdings haben wir keine Lust, das Ding ins Kommerzielle abrutschen zu lassen. Wir werden erstmal nur für unseren Freundeskreis brauen haben ein schönes Logo entworfen und werden für die Gründungsbrauer ein T-Shirt besticken lassen.
Und das Schönste war, als wir Schelmenbrauer uns auf der Sylvesterparty in Holland, nachdem wir reichlich Lob von verschiedensten Leuten kassiert hatten, auf der Terrasse gestanden haben und jeder mit einem Humpen selbstgebrauten Bier in der Hand in den Abendhimmel geguckt hat.
X: Ey Lang
A: Wat ess?
X: Wir brauchen mehr Fässer!
*Gelächter*
A: Ihr habt doch nit mehr alle Latten aufm Zaun!
Alle: Genau *Gelächter*
A: Okay, wie viele?
Und die Moral von der Geschicht? Klau einem Monnemer seine Brauerei nicht…
Spaß beiseite, nicht jede Schnapsidee ist schlecht oder unmöglich, schon gar nicht, wenn man ein verrückter Haufen ist... Da brauche ich mir nur den Dok anzugucken, als der vor Jahren mit der Idee zum Anglerboard ankam, haben auch viele gedacht: der hat sie nicht mehr alle… und was ist draus geworden????
Oder die Jungs von der CatchlessReleaseForce - die Typen sind genauso beknackt wie die Monheimer – und das ist hier durchaus als Lob zu verstehen!
In diesem Sinne
Maht et jot, sät de
Achim us Monnem am Rhing
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