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Die dümmsten Bauern...
... sollen ja angeblich die dicksten Kartoffeln ernten. Auf Angler umgemünzt würde dies heißen, die dümmsten Angler fangen die größten Fische. Stimmt so natürlich beides in keinster Weise. Aber auffallend ist es schon, dass oft genug der Anfänger den größten Fisch des Tages fängt, der Rentner, für den eine 40er Schnur die unterste Grenze zum Karpfenangeln ist, am Freollensee der die größte Forelle zieht, der abseits von sbirolinoführenden Experten seine 20 – Gramm – Pose am leichten Pilkgeschirr badet, oder der noch traditionell mit Teig und Kartoffel angelnde dem Experten mit den Boilies den Rang abläuft – was die Fischgröße angeht.
Dann steht man da als „fortschrittlicher“ Angler, mit den jeweiligen Bedingungen und Angelmethoden bestens angepasstem Gerät, hat wahrscheinlich auch mehr Fische als die anderen gefangen – nur eben den großen nicht – den hat der wieder mal der Schüler mit seinem Billigset rausgezogen. Dazu ein paar Erlebnisse, ich bin mir sicher, dass der eine oder andere von Euch Ähnliches erlebt hat.
Pilken Norwegen
2 Ehepaare auf dem Kutter, die Männer erfahrene Norwegenangler, die Frauen anglerisch eher unbeleckt. Trotz der Mahnung von Rolf, bei der hohen Dünung nur sehr sanfte Pilkbewegungen zu machen, wollten die Herren den Damen zeigen wie man richtig angelt. Gott sei Dank waren die Damen zu faul, das Geschirr zu schwer, alles überhaupt zu mühsam. Daher ließen die Damen nur den Pilker runter und hielten ohne Pilkbewegungen Grundkontakt – und fingen nicht nur mehr, sondern auch größere Fische als die „erfahrenen“ Männer.
Kutter schwerer Pilker
Die Experten auf dem Ostseekutter hatten sich wie üblich an Bug und Heck versammelt, feuerten mit einem Geschirr Richtung Horizont und fingen auch zahlenmäßig deutlich mehr Fische als die „Plumpsangler“ mit den 150 – Gramm – Pilkern an der Seite. Interessanterweise war darunter ein älterer Herr, ein durchaus auch erfahrener Angler, der zwar wesentlich weniger, aber deutlich größere Fische als der Durchschnitt fing. Indem er einfach gegen die Regeln seinen schweren Pilker kaum bewegte.
Großbarsch grobes Gerät
Normalerweise verwendet man zum Barschangeln ja feines Gerät, eine 20er monofile Schnur ist schon als dick zu betrachten, kleine Spinner und Twister kommen zum Einsatz. Jeder kennt ja aber das Spiel, das oft beim Hechtangeln kapitale Barsche Beifang sind. Ein Bekannter von mir hat daraus eine Methode gemacht und fängt regelmäßig große Barsche – neben guten Hechten als Beifang. Statt der feinen Rute mit kleinen Barschködern verwendet er mittleres Gerät, Gufis oder größere Blinker (da scheint der Effzett immer noch unschlagbar zu sein). Und im Gegensatz zu der bei Barschen beliebten „aktiven“ Köderführung bevorzugt er eine eher ruhige.
Karpfen Teig
Während die Spezialisten mit Lagern am Gewässer zelten, vollgestopft mit Elektronik, angefüttert mit Partikeln und den Boilie als den Wunderköder benutzt ein Bekannter von mir nach wie vor Teig als Karpfenköder. Im Gegensatz zu den Spezialisten füttert er wenig an, fischt lieber stromab abgefütterter Stellen und fängt. Nicht so viele Karpfen, auch immer wieder Barben und Döbel als Beifang, interessanterweise sind aber seine Karpfen im Schnitt größer als die der Experten.
Barben mit Sargblei statt Feeder
Das gleiche Spielt treibt er beim Barbenangeln. Wo andere Futterkörbe mit speziell zusammen gestelltem Futter und Maden oder Würmern auf Barben angeln, feuert er sein 80 – Gramm – Sargblei in die Strömung und harr der Dinge die da kommen. Die kommen auch, und zwar in Form großer Barben. Auch er fängt deutlich weniger als die Feederangler – aber eben auch deutlich größerer Fische.
Stippen contra Brot/Teigbrocken (Rotaugen)
Ich selber bin ja nicht gerade der Stipper, wenn ich auf Rotaugen angle verwende ich am liebsten einfachen Brotteig oder Brotflocken an der Pickerrute. Und zwar ohne anfüttern. Auch hier gilt wieder das Gleiche wie schon mehrfach geschrieben: Ich fange deutlich weniger Rotaugen als die Stippexperten, aber dafür im Schnitt auch deutlich größere.
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Wie man sieht sind das ja keine einmaligen Erlebnisse. So was kommt zumindest bei mir häufiger vor, sicher auch bei anderen Angler, da kann man fast schon eine Gesetzmäßigkeit draus machen. Ich habe nun aber einfach mal angefangen mir Gedanken zu machen, statt immer nur ungläubig den Kopf zu schütteln.
Als fortschrittliche Angler informieren wir uns in Zeitschriften, Büchern und nicht zuletzt im Anglerboard oder hier im Magazin. Wir saugen die Informationen auf, wir bauen unser Gerät entsprechend der Tipps auf, wir probieren neue Köder und Methoden. Die oben beschriebenen Angler dagegen hatten entweder noch gar keine Erfahrung oder sie vertrauen ihren langjährigen Erfahrungen – auch mit ihrem alten, robusten Gerät, weil sie wissen, wie werden auch damit Fische fangen.
Der Unterschied in meinen Augen: Der fortschrittliche Angler ist noch voll im Jagdfieber, möchte gerne mehr und größere Fische fangen, probiert deswegen auch immer wieder andere Methoden und Plätze aus. Die anderen gehen einfach angeln, ihnen ist es egal, ob sie an einem Tag mal Schneider bleiben, weil sie wissen dass sie mit ihren Methoden in den kommenden Tagen wieder fangen werden. Sie betreiben ruhig – auch bei schlechten Tagen – ihre bewährte Methode. Und sie werden früher oder später wieder ihren Fisch fangen, und dann auch oft den größeren. Warum aber gerade die größeren???
Weil scheinbar bei fast allen Fischarten die größeren Exemplare ein anderes Verhalten an den Tag legen als die kleineren Artgenossen. Und dieses Verhalten scheinen die „ruhigeren“ Angler eher zu treffen. Das ist jedenfalls meine Erklärung, vielleicht kennt ja jemand noch andere??
Thomas Finkbeiner
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