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Freie Leine
Der Spitzenangler findet immer wieder neue, noch fängigere Montagen, kauft sich immer neue Bissanzeiger um seinen Traumfisch zu erwischen. Gerade in den heutigen Zeiten, in denen sich Angler oft auf einen Zielfisch konzentrieren, dem sie dann mit allen zur Verfügung stehenden geistigen und materiellen Ressourcen nachstellen um möglichst viele oder möglichst kapitale Exemplare der Zielfischart zu erwischen, geraten altbewährte Methoden die nicht auf eine bestimmte Art ausgelegt sind in Vergessenheit.
Wer aber einfach mal angeln gehen will, sich überraschen lassen von dem was da beißen mag, der findet in vielen „alten“ Methoden und Ködern Möglichkeiten seinen Angeltag spannend zu gestalten.
Viele kennen sicher noch aus ihrer Jugend das Angeln mit dem Wurm an freier Leine in einem der vielen kleinen Bäche. Dieses Prinzip der freien Leine kann auch heute noch gute Erfolge bringen, beileibe nicht nur im kleinen Wiesenbach auf Forellen.
Der große Vorteil solch leichter Köderpräsentation
Der Köder wird von der Strömung dort „abgelegt“ wird, wo das auch das normale Futter normalerweise „hingespült“ wird – also zur natürlichen Futterstelle, so dass man sich das anfüttern sparen kann..
Ein zweiter Vorteil:
Man kann mit leichtestem Gepäck angeln gehen, da man werde komplizierte Montagen noch RodPods oder elektrische Bissanzeiger benötigt und diese zu Hause lassen kann.
Der dritte Vorteil:
Da der Köder sehr unverdächtig präsentiert wird, sind bei den Fängen oft genug kapitale Überraschungen dabei. Denn viele der vorsichtigen Kapitalen kennen inzwischen auch die ausgeklügelsten Montagen der Spezialisten.
Da man weder große Gewichte werfen muss, zudem für eine vernünftige Bissanzeige auch möglichst leichtes Gerät verwenden sollte, sollte man deswegen auch vernünftiges und hochwertiges Gerät verwenden. Nichts ist ärgerlicher als wenn man die kapitale Überraschung verliert, weil das Gerät eher zum „nebenbei angeln“ gedacht war, während man beim Gerät für seine normalen Zielfische immer auf Qualität achtet.
Sehr gut eignen sich längere Ruten so um die 3 Meter, das Wurfgewicht braucht eigentlich nicht über 10 Gramm rauszugehen. In kleineren Flüssen tun es auch entsprechend kürzere Ruten. Auf die Rolle spule ich eine ca. 3 Kilo tragende Monoschnur, die möglichst wenig Dehnung aufweisen soll. Normale Flechtschnüre schwimmen ja, und sind deswegen für diese Methode eher ungeeignet, da bei leichten Ködern die Schnur nicht absinkt und so der Köder von der Oberflächenströmung ganz woanders hingetrieben werden kann als zur „natürlichen Futterstelle“.
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Da man im allgemeinen auf eher kurze Entfernungen fischt, ist bei einer nicht zu weichen Schnur trotzdem eine gute Bisserkennung möglich.
Dann braucht man nur noch ein Vorfach und einen dem Köder angepassten Haken, schon kanns losgehen.
Als Köder kommen dabei alle natürlichen Köder in Frage, von Maden über Würmer bis hin zu Mais und Teig oder auch anderen Partikelködern.
Wichtig ist auch die Anköderung
Ich nehme am liebsten nicht zu kleine Haken, wobei die Spitze immer frei liegen sollte, um schnellstmöglich anschlagen zu können.
Die geeigneten Stellen sind auch leicht zu finden, sie werden aber oft einfach übersehen, da sie eigentlich zu unscheinbar und auch zu ufernah sind. Denn die besten Plätze findet man da, wo die Strömung das natürliche Futter direkt am Ufer am Übergang von der Flusssohle zur Böschung anspült und liegen lässt.
Dort findet man auch alle Fischarten die im Fluss vorkommen, da diese solche Stellen entweder besetzt halten oder zumindest regelmäßig nach Fressbarem kontrollieren.
Am geeignetsten sind als Köder in meinen Augen Maden oder nicht zu große Würmer, da dies universelle Köder sind, die auf viele Fischarten einen großen Reiz ausüben. Aber, vor allem im Sommer, gehen auch Teig und Partikelköder wie Mais sehr gut.
Um einigermaßen einfach das Vorfach wechseln zu können, verbinde ich Hauptschnur und Vorfach mittels Schlaufen. Das heißt: Ans Ende der Hauptschnur wird eine Schlaufe gebunden, in die man das Vorfach dann einhängen kann. Dann wird der Haken beködert und man ist schon „startbereit“.
Mit der leichten Rute und der dünnen Schnur lassen sich z. B. Madenbündel an einem 10er Haken mit etwas Übung problemlos ca. 4 – 6 Meter werfen, das genügt auch in den meisten Fällen. Ich werfe meist im rechten Winkel zur Strömung aus um dann bei geöffnetem Rollenbügel den Köder abtreiben zu lassen. Man darf dabei aber nicht zu weit in die Strömung rauskommen, da sonst zu viel Schnur von der Rolle gezogen und der Schnurbogen zu groß wird.
Man muss dabei die Schnur, wo sie ins Wasser taucht genau beobachten, um zu wissen wo der Köder sich momentan ungefähr befindet und wie er sich gerade verhält. Da hilft nur beobachten und Übung. Wenn dann die Schnur von der Strömung weg Richtung Ufer kommt, schließe ich die Rolle und lege die Rute so ab, dass die Spitze ca. so weit über das Ufer ragt, dass man quasi eine Linie bilden kann die parallel zum Ufer zwischen Rutenspitze und dem Eintauchpunkt der Schnur läuft.
Ob man die Rute nur an der Böschung ablegt oder einen einfachen Rutenhalter ist dabei egal. Denn man darf bei dieser Art zu angeln die Rute keinen Moment unbeaufsichtigt lassen. Genauso muss man ständig den Eintauchpunkt der Schnur im blick haben, denn dort wird man am ehesten den Biss sehen.
Da man nie genau weiß, wie viel Schnur lose zwischen Köder und Rutenspitze liegt, kurble ich meist ganz vorsichtig etwas ein, bis man merkt dass sich der Köder etwas bewegt. Auf diese Weise ist kein zu großer Schnurbogen da und man kann relativ gut erkennen, was sich am anderen Ende der Schnur so tut.
Bisse machen sich meist zuerst durch ein ganz langsames zuppeln und oder ziehen oder ganz leichtes auswandern der Eintauchstelle der Schnur bemerkbar. Das ist der Zeitpunkt, an dem man die Rute auch in die Hand nehmen sollte. Dabei sollte man darauf achten, dass man durch senken der Rutenspitze verhindert, dass dem beißenden Fisch der Köder aus dem Maulgezogen wird.
Dann nehme ich mit der linken Hand ganz vorsichtig etwas Schnur auf. Sobald ich den kleinsten Widerstand oder das zuppeln vom Biss merke, warte ich. Erst wenn ein deutliches Ziehen zu merken kommt der Anhieb. Dabei sollte man nicht zu zimperlich sein, da man nie genau weiß, wie viel Schnur lose draußen ist. Eine vernünftige Bremseinstellung ist dabei natürlich Pflicht, um nicht beim Anhieb Fische durch Schnurbruch zu verlieren.
Interessant ist bei dieser Methode, wie langsam und vertraut die Fische beißen, bis sie merken dass die Sache einen Haken hat oder bis sie den Widerstand der Rute spüren.
Mit dieser Methode fangt man bevorzugt Weißfische wie Rotaugen und Brassen, aber auch Döbel, Barben, Karauschen, Schleien und auch schon große Karpfen habe ich damit erwischt.
Und diese Methode eignet sich auch vorzüglich zum Raubfischangeln, wobei dann das Gerät entsprechend robuster ausfallen darf. Dabei wird dann der Haken mit kleinen bis kleinsten Fetzen beködert. Als Standard habe ich da einen 8er Wurmhaken mit einem knapp 3 Zentimeter langen Fetzen. Der wird ebenso präsentiert wie oben schon beschrieben und bringt vor allem an Stellen, die viel beangelt werden häufig noch den einen oder anderen Fisch an die Rute.
Meist sind es Barsche und Zander, aber auch einen Rapfen habe ich so schon gefangen. Und viele Döbel und auch Barben verschmähen den kleinen Fetzen nicht. Selbst „Friedfische“ wie Karpfen und Rotaugen nehmen vor allem im Sommer immer wieder gerne den Fetzen.
Dieses Jahr will ich Versuche mit der Fliegenrute und natürlichen Ködern starten. Denn die leichten „schwippigen“ Ruten müssten sich eigentlich großartig eignen, um damit die oben beschriebene Methode noch aktiver auszuführen. Ob dabei eine schwimmende oder sinkende Schnur vorteilhafter sein wird, wird sich noch herausstellen.
Auf jeden Fall ist das Angeln mit freier Leine all den Anglern anzuempfehlen, die sich nicht (nur) dem Specimenhunting auf bestimmte Arten verschrieben haben, sondern die einen Angeltag mit Überraschungen noch genießen können und die dabei gerne mit leichtem Gerät angeln.
Thomas Finkbeiner
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