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Hohes Wasser – Hohe Chancen



Nach vielen verregneten Tagen lacht mich heute beim Blick aus dem Fenster mal wieder die Sonne an. Höchste Zeit um Angeln zu gehen! Schnell schnappe ich mir meine Spinnrute und fahre zum Fluss an mein Lieblingswehr. Diese Stelle ist immer gut für ein paar große Döbel, aber auch Zander und Hechte halten sich hier auf. Am Wasser angekommen muss ich frustriert feststellen, dass eine trübe, schäumende „Brühe“ über die Staustufe fließt. Zwar wage ich einige Würfe, doch schon bald wird mir klar, dass der Fisch, der hier seinen Einstand hat erst noch aus dem Ei schlüpfen muss. Schon will ich wieder nach Hause fahren, da komme ich an einem kleinen Teich vorbei, der erst durch das Hochwasser wieder Verbindung zum Hauptstrom bekommen hat. Einen sehr einladenden Eindruck macht dieser Tümpel nicht, denn an seinen Ufern haben sich Schlamm und große Äste gesammelt. Nur von einer Stelle ist das Angeln überhaupt möglich. Ich wage einen Wurf mit einem kleinen Spinner. Schon nach wenigen Kurbelumdrehungen bemerke ich einen Ruck am anderen Ende. Ich staune nicht schlecht als ich sehe, dass es sich um einen Barsch von weit über 30 cm handelt. Er sollte nur der Beginn eines erfolgreichen Angeltages darstellen...

Selbst experimentierfreudige Angler übersehen bestimmte Gewässer manchmal. So erging es auch mir lange Zeit. Doch seit einiger Zeit beangle ich gezielt kleine Hochwasserrestteiche und -gräben. Dabei konnten meine Angelkollegen und ich mehrfach bemerkenswerte Fänge erzielen. Eigentlich ist es logisch, dass derart unscheinbare Gewässer häufig gute Fischbestände aufweisen. Einerseits bieten sie den Fischen bei Hochwasser einen guten Zufluchtsort und andererseits herrscht in der Regel kaum Angeldruck.

Folgende Fischarten fristen gerne ein heimliches Leben an kleinen Restgewässern:

Karpfen

Manch einer wird erschrecken, wenn er herausfindet, welch große Karpfen teilweise bei Hochwasser in kleine Seitengewässer ziehen. Da die Karpfen keine großen Ansprüche an ihren Lebensraum stellen, können sie dort oft sogar noch weiter abwachsen. Um die großen Moosrücken zu überlisten sind nicht zwangsläufig lange Futteraktionen oder komplizierte Angelmethoden notwendig. Ich hatte häufig guten Erfolg mit Schwimmbrot an freier Leine oder auch beim Angeln mit der Matchrute und großen Madenbündeln an einer Posenmontage als Köder. Die Angelei mit dem Grundblei gestaltet sich an den oft sehr schlammigen Gewässern meist als schwierig, da der Köder nicht selten im Modder versinkt.
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Hecht

Kleine Gräben und Teiche sind ein Paradies für Hechte. Da die Entenschnäbel keine sonderlichen Strömungsliebhaber sind, finden sie hier ideale Einstände. Ein besonderes Augenmerk sollte man auf überhängende Büsche oder im Wasser liegendes Gehölz richten. Nicht selten kann man auch einen Esox beim Rauben beobachten. Die beste Methode um die Hechte zu fangen ist das Spinnangeln mit großen, flachlaufenden Wobblern. Kennt man den Einstand eines Hechtes und es gelingt nicht ihn mit Kunstköder zu überlisten, dann kann ein Versuch mit einem Köderfisch an einer Posenmontage doch noch zum Erfolg führen.
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Barsch

Viele Hochwasserrestgewässer sind verkannte Großbarschreviere. Barsche von mehr als 30 oder gar 40 cm sind auch an kleinen, unscheinbaren Teichen stets möglich. Voraussetzung ist jedoch, dass der Bestand nicht verbuttet ist. Dies passiert meist dann, wenn das Gewässer nur bei einem der seltenen Extrem-Hochwasser Verbindung zum Fluss bekommt, da sich die Barsche in diesem Fall über Jahre ungestüm vermehren können. Sind Fluss und Restgewässer hingegen schon bei leicht erhöhtem Wasserstand miteinander verbunden, stehen die Chancen erfahrungsgemäß gut, dass große Barsche vorhanden sind. Mit kleinen silbernen oder gestreiften Spinnern können sie die Stachelritter erbeuten. Besonders große Barsche sind sehr schnurscheu. Darum sollte man zum Barschangeln eine monofile Schnur oder eine geflochtene Leine mit vorgeschaltetem Fluorocarbonvorfach verwenden. Wer mit durchgehend geflochtener Schnur fischt, wird mit zahlreichen Nachläufern zu kämpfen haben. Gelegentlich kann auch ein kleiner Köderfisch an einer feinen Posenmontage die Barsche an den Haken bringen, falls sie auf Spinnköder nicht reagieren.
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Döbel

Vor allem große Döbel nutzen die Hochwasserrestteiche gerne als Zufluchtsort. Sie zu fangen ist allerdings nicht einfach, weil sie sich in den stehenden Gewässern wesentlich vorsichtiger verhalten, als wenn sie im Hauptstrom leben. Mit herkömmlichen Friedfischködern hat man nur geringe Chancen einen großen Döbel zu fangen. Darum ist die erste Wahl für mich ein kleiner Köderfisch an einer Posenmontage. Dieser sollte kurz über Grund angeboten werden. Für die Montage greift man auf verhältnismäßig feine Schnüre (maximal 0,20 mm dickes Vorfach) und schlanke, leichte Posen zurück. Ab und zu lässt sich auch mit kleinen, silbernen Spinnern ein Döbel fangen, allerdings sollte auch hier beachtet werden, dass die Dickköpfe noch schnurscheuer als die Barsche sind, weshalb nur eine farblose, Monofilschnur zum Spinnangeln in Frage kommt. Jedoch ist das Spinnangeln auf Döbel an den Restgewässern auch bei gutem Bestand nicht so erfolgreich wie im Fluss.
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Veit Wilde




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