|
Artikel als .pdf herunterladen (207 KB) !?
Uschis Angelerlebnisse Teil 6
Wie mir der erste Hecht, der erste Zander und der erste Aal an den Haken gingen
Endlich besaß meinen Fischereischein! Nun fehlte nur noch die Mitgliedschaft in einem Verein. Da Achim schon seit einigen Jahren der Mindener Interessengemeinschaft angehörte, trat auch ich diesem Angelverein bei. Telefonisch hatte ich mir den Mitgliedsantrag zukommen lassen und wartete etwas ungeduldig auf den Fischereierlaubnisschein für die Weser und den Mittellandkanal.
Als ich die Papiere endlich hatte, wollte ich jede freie Minute am Wasser verbringen.
Ich friere zwar sehr schnell und würde freiwillig bei nassem oder kaltem Wetter nicht aus dem Haus gehen, aber wenn es zum Angeln ging, nahm ich alles in Kauf. Hauptsache es ging ans Wasser!
Im Februar 2002 fuhr ich mit Achim zum ersten Mal zur Mitgliederversammlung des Mindener Vereins. Dort erfuhren wir u.a., dass sie einen weiteren See gepachtet hatten, nämlich den Frillesee bei Minden.
Anfang April fand das Anangeln am Gevattersee statt und durfte zum ersten Mal daran teilnehmen. Klar, war ich aufgeregt, ob ich wohl eine Forelle (oder vielleicht gar mehrere?) fangen würde. Der See war extra eine Woche vorher für diese Besatzmaßnahme gesperrt gewesen. Ich freute mich riesig auf Anangeln, aber als es soweit war, fing ich leider keinen einzigen Fisch. Einige Zeit vorher (Ostern) waren Achim und ich in Mollbergen/Ermke an einem Forellensee gewesen, wo ich zum ersten Mal eine Forelle fing. Es hatte mir so großen Spaß gemacht, diese kämpferischen Fische zu fangen, dass ich ganz schön enttäuscht war, als ich beim Anangeln leer ausging. Etwas tröstete ich mich, dass unser Angelfreund Willi, der mitgekommen war, ebenfalls keine fing. Es lag also nicht an mir. Willi meinte, dass der Mindener Verein wieder einmal alle Fische an einer einzigen Stelle ausgesetzt hatte, wo sie von den Anglern, die genau dort saßen, weggefangen wurden. Das konnte gut möglich sein. Tagelang rätselten Achim und ich noch, warum wir keine an den Haken bekommen hatten.
Da die Raubfische gerade Schonzeit hatten und ich endlich wieder einmal einen schönen Drill erleben wollte, überlegten Achim und ich, wo wir – außer am Gevattersee – ebenfalls Forellen fangen könnten. Bis nach Mollbergen zu fahren war uns zu weit. Und hier in der Nähe kannten wir keinen Forellensee.
Während wir hin und her überlegte, fiel uns der neue See (Frillesee) ein, wo es ebenfalls Forellen geben sollte. Hier wollten wir es einmal probieren.
Als wir ankamen, sahen wir, dass es dort zwei Seen gab. Welcher davon gehört zum Mindener Verein? Wir entschieden uns für den ersten. Als wir dort ankam, war weit und breit kein anderer Angler zu sehen.
„Das ist ja toll“, sagte ich zu Achim. „Dann haben wir ja noch bessere Chancen eine Forelle zu fangen.“ In aller Ruhe packten wir unsere Angelsachen aus. Links von meinem Platz sah ich etwas weiter draußen einen Fisch aus dem Wasser springen. Ohne groß zu überlegen beköderte ich den Haken mit einem dicken Tauwurm und warf genau dorthin, wo ich den Fisch gesehen hatte. Es vergingen vielleicht 15 Minuten, als sich das Glöckchen an meiner Rute meldete. Hurra! Ich hatte einen dran! Blitzschnell war ich bei meiner Rute, nahm sie hoch und schlug an. Ich war sicher, dass ich eine Forelle am Haken hatte. Der Fisch kämpfte ganz schön und der Drill machte mir unheimlichen Spaß.
Als ich die „Forelle“ in Ufernähe hatte, hielt Achim schon einmal den Kescher ins Wasser. Nun konnte ich den Fisch zwar schon im Wasser ausmachen, aber immer noch nicht genau erkennen, um was es sich wirklich handelte. Aber das konnte doch nur eine Forelle sein, was denn sonst? Als Achim den Kescher unter den Fisch hielt meinte ich zu ihm: „Ist das aber eine große Forelle!“ Er sah mich an und lachte: „Mein Schatz! Schau mal genauer hin. Das ist keine Forelle, das ist ein Hecht.“ Ein Hecht? Das konnte nicht sein! Ich sollte einen Hecht gefangen haben? Einen Hecht, so einen gefährlichen Fisch, wollte ich (jedenfalls zu der Zeit) niemals am Haken haben! Außerdem fürchtete ich mich vor seinen scharfen Zähnen.
Ich schaute noch einmal den Fisch im Kescher an und erkannte nun, dass es tatsächlich ein Hecht war. Als er vor mir im Kescher lag, war ich doch ganz stolz auf meinen Fang. Er ging zwar, was die Größe betraf, nicht in die Rekordliste ein, aber mit seinen 58 cm und einem Gewicht von 1300 g konnte er sich schon sehen lassen. War es nun Anfängerglück oder schon Können???
Ein paar Tage später hat Achim ihn als „Badischer Hecht“ zubereitet. Er hat super geschmeckt! Das Rezept steht auf meiner HP.
Als wir einige Tage später Willi und Christian von meinem Hechtfang erzählten, meinten beide, dass wir am „falschen“ Frillesee geangelt hatten. Der See, den der Mindener Verein gepachtet hatte, lag genau dahinter. Ein Irrtum mit schönen Folgen!
Eine „Begegnung besonderer Art“ hatte ich im Mai am Mittellandkanal. Dieses Mal wollte ich keine Forelle, keine Barbe, keinen Zandern fangen, nein, ein Aal sollte es sein.
Achim hatte schon eine große und eine kleine Brasse auf Wurm gefangen, aber an meinen Ruten tat sich absolut nichts. Also entschloss ich mich, dieses Mal auch einen Köderfischfetzen auf den Haken zu tun. Raubaale, so hatte ich gelesen, fraßen ja bekanntlich auch kleinere Fische.
Ich schnitt ein kleines Stückchen vom Köderfisch ab und montierte es auf einen Zanderhaken. Dann warf ich den Köder fast bis zur Spundwand auf der anderen Seite des Kanals. Kaum lag der Köder auf Grund, bimmelte auch schon das Aalglöckchen heftig. Sofort schnellte mein Puls in die Höhe und ich hielt den Atem an. Das war sicher der gewünschte Aal, der den Fischfetzen geschluckt hatte. Am liebsten hätte ich sofort angeschlagen, aber ich wartete doch noch einen Moment, denn die Rutenspitze rührte sich nicht mehr. Doch dann klingelte erneut das Glöckchen. Nun überlegte ich nicht lange, sondern schlug sofort an. Gespannt drillte ich. Der Aal, den ich am Haken glaubte, verhielt sich relativ ruhig. Erst als ich den Fisch am Ufer hatte sah ich, dass es doch kein Aal war. Statt dessen hatte ich einen Zander dran! Meinen ersten Zander! Da er jedoch noch Schonzeit hatte und außerdem untermäßig war (35 cm) musste ich ihn leider wieder reinsetzen.
Es wurde Mitternacht und weil sich nicht tat, wurde ich immer müder. Es fiel mir immer schwerer meine Augen offen zu behalten. Doch plötzlich sah ich, wie sich meine Rutenspitze ab und zu ganz langsam nach vorne bog. Aber das Glöckchen gab keinen Ton von sich. Das konnte also kein Biss sein, das waren bestimmt Halluzinationen oder Wunschdenken, dachte ich mir.
Eine halbe Stunde später sagte ich zu Achim, dass mir kalt sei und fragte ihn, ob wir nicht einpacken und nach Hause fahren wollen. Er schien davon nicht so begeistert, also sagte ich weiter: „Ich hole schon einmal meine Ruten rein. Du kannst ja noch ein bisschen weiterangeln.“ Ich nahm die Rute, die sich einer halbe Stunde vorher ganz langsam bewegt hatte in die Hand und schlug, obwohl ich mir sicher war, dass kein Fisch dran war, vorsichtshalber doch an. Dann holte ich zügig die Schnur ein. Aber es ging nicht so leicht wie sonst.
„Irgendetwas ist in die Schnur geschwommen“, sagte ich zu Achim.
Als Achim das hörte, nahm er sogleich den Kescher in die Hand und kam damit zu mir.
Er muß wohl geahnt haben, dass ich einen Fisch am Haken hatte. Keschern brauchte Achim ihn nicht, denn ich bekam die Montage samt Anhang leicht aus dem Wasser. Als ich sah, dass tatsächlich ein Aal am Haken hing, konnte ich es nicht glauben. Der Aal hatte sich still und heimlich am Tauwurm zu schaffen gemacht und dann nicht mehr gerührt. „Das gibt es doch gar nicht! Jetzt habe ich auch noch einen Aal gefangen“ rief ich erfreut. Mein erster Aal hatte sogar die erforderliche Länge von 50 cm, so dass ich ihn nicht wieder reinsetzen musste. Ich konnte ich mitnehmen! Meine Freude war riesig.
Jetzt wäre ich doch noch gerne geblieben, aber nun wollte Achim nach Hause.
Bis zum 1. Juni mussten wir warten, dann durften wir wieder am Kanal auf Raubfisch angeln.
Am 06.06. rief ich Achim vom Büro aus an und sagte: „Ich hätte große Lust nach Feierabend an den Kanal zu fahren. Was meinst du dazu?“
Als er mir antwortete: „Ja, das können wir machen“ war meine Freude riesig. Eine Stunde nach Feierabend saßen wir im Auto und fuhren zum Mittellandkanal.
Da wir am dort mit 3 Ruten angeln durften, montierte ich an eine Rute eine kleine Pose. Auf den 14er Haken spießte ich 2 Maden und warf aus. Mit dieser Montage wollte ich zuerst ein paar Köderfische fangen.
An der zweiten Rute hatte ich Kompostwürmer und an der dritten einen Tauwurm an den Haken gehängt. Als ich genug Köderfische hatte, rüstete ich auch diese Rute um. Statt Pose kam ein Bodenblei auf die Schnur und an den Haken ein Regenwurm-/Madencocktail. Es dauerte nicht lange und ich hatte an dieser Rute eine Meldung. Aber es war nichts Besonderes, nur eine kleine Brasse, die sich über den Köder hergemacht hatte. Die Brasse legte ich zur Seite, um später daraus Fischfetzen zu machen. Erst wenn die Sonne unterging, wollte ich auf Aal und Zander angeln.
Die Tage davor war es recht warm gewesen, aber an diesem Tag war es richtig schwül und der Wetterbericht hatte Regen und Gewitter vorausgesagt.
Gegen 22 Uhr fing es zu nieseln an, aber von einem Gewitter war immer noch nichts zu merken. Nun waren wir schon fast 5 Stunden am Kanal, ohne das sich etwas tat! Langsam bekam ich Achim gegenüber ein schlechtes Gewissen, weil ich ihn quasi überredet hatte mit mir zum Angeln zu fahren. Jeder von uns hatte seine 3 Ruten mit den verschiedensten Ködern (Regenwurm, Tauwurm, Fischfetzen, Maden) im Wasser, aber die Fische wollten einfach nicht beißen.
„Lass uns einpacken. Wenn sich bis jetzt nichts getan hat, dann tut sich auch in den nächsten Stunden nichts“, meinte ich zu Achim.
„Warts ab. Das kann noch werden“ antwortete er.
Also blieben wir noch. Ich war schon etwas müde und döste vor mich hin, als ich plötzlich durch das Bimmeln des Aalglöckchens aus meinen Träumen gerissen wurde.
„Das ist die Rute, an der ich einen Fischfetzen habe“, rief ich aufgeregt. Wie ein Blitz war ich bei der Rute. Doch das Glöckchen meldete sich nicht mehr. Ich wartete noch etwas, doch als ich mich gerade wieder in meinen Stuhl setzen wollte bimmelte es erneut. Nun wurde auch Achim aufmerksam. Er nahm den Kescher (beides zugleich, Drillen und Keschern, konnte ich noch nicht) und kam zu mir. Er sah mir beim Drillen zu und sagte: „Wenn er zieht, gib ihm ruhig Schnur“. Und wie der zog! Als ich den Fisch endlich so nahe am Ufer hatte, dass wir erkennen konnten, um was es sich handelte, rastete ich vor Freude fast aus. Ich hatte meinen zweiten Zander gefangen! Dieses Mal war er sogar größerer als mein erster. Kaum lag er im Kescher, nahm ich das Maßband: Er war 55 cm lang. Dann nahm Achim die Waage und hing ihn ein. Sie zeigte 1,3 kg!
„Herzlichen Glückwunsch, mein Schatz. Da hast du aber einen schönen Fisch gefangen. Das wäre nicht passiert, wenn wir nach Hause gefahren wären.“
Achim hatte Recht gehabt: Das Warten hatte sich gelohnt.
Ursula Kluck
Uschis Angelseiten: http://www.unsereseite.de/uschi
|