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Betriebsblind - "Guiding" am Neckar



Viele Kontakte wurden schon übers Anglerboard geknüpft, wo sich dann "Boardies" nicht nur im Netz sondern auch im realen Leben trafen. So ging es auch im folgenden Falle zu. Knobbes sandte mir ne Mail, in der er anfragte, ob es nicht mal möglich wäre, dass wir zusammen am Neckar angeln gehen. Mail zurück, einige weitere hin und her, ein, zwei Telefonate und dann stand der Termin fest.

Am Vorabend habe ich alles so weit hingerichtet, das ich am nächsten Tag nur noch ins Auto springen musste und losfahren. Und dann kam das Gewitter mit Sturzbächen an Regen. Ich dachte schon, dass kann ja lustig werden, wieder Hochwasser und trübe Brühe, kaum Chancen auf einen Fisch. Als wir dann nach dem Treffen auf dem Parkplatz endlich am Fluss standen, war es sogar "noch schlimmer": Relativ niedriges und klares Wasser und kaum Strömung. So gut der Fischbestand im Neckar ist, so sensibel reagieren die Fische aber auch durch die vielen Schleusen und Wehre auf

Wasserstands/Strömungsänderungen. Und angeln tagsüber bei weit über 30 Grad und ohne Strömung (Sauerstoff), da hakte ich grosse Fänge schon mal ab. Aber es sollte ja auch nicht darum gehen, gleich jetzt viele und grosse Fische zu fangen, sondern Knobbes und Darry wollten einmal das Gewässer und die Möglichkeiten kennen lernen, weil sie sich evtl. nächstes Jahr ne Jahreskarte besorgen wollten.

Das Schöne an der Neckarstrecke in Heilbronn: Man hat viele verschiedene Stellen auf relativ engem Raum. Und da man zwar oft mitten in der Stadt angelt, das aber kaum merkt, weil man am Neckarufer praktisch im Grünen sitzt, kann man sich zwischendurch auch schnell mal mit zusätzlichem Angelgerät eindecken. Oder, so wie in unsrem Falle, dann schnell mal beim Türken um die Ecke nen Döner als Frühstück "einschieben".

Und viele Plätze sind gut zu erreichen, wenn man weiss wo die Parkplätze in der Nähe sind. So kann man an einem Tag viele Stellen absuchen und lange Strecken abangeln. Knobbes und Darry interessierten sich vor allem für Zander und Waller, so dass wir zuerst mal die Stellen angingen, welche auf diese Fische Erfolg versprachen. Bei Holger hatten sich die beiden das Anglerboardspinnsystem besorgt, welches für den Neckar mit seinen vielen hängerträchtigen Stellen geradezu massgeschneidert ist. Dass wir keinen Fisch fingen war die eine Sache - Dass wir auch relativ wenig Gufis verloren haben die andere. So konnten sich die beiden auch in der Praxis davon überzeugen, wie sehr das System durch weniger Hänger (die man dann auch noch besser lösen kann) den Geldbeutel schonen kann.

Mir selber fiel bei dieser gemeinsamen Tour wieder einmal auf, wie schnell man doch an seinem eigenen Hausgewässer auch "betriebsblind" werden kann. Als eingefleischter Spinnangler sind meine Zielfische natürlich Zander, Waller, Barsche und Rapfen, die man an den richtigen Tagen sowohl in grossen Stückzahlen wie auch grossen Exemplaren fangen kann.

Als Knobbes an einer Stelle uns auf einmal rief, weil er 2 Meter unter sich (direkt an einer Kaimauer) an der Oberfläche einen Karpfen schwimmen sah, der so zwischen 10 und 15 Kilo hatte, wurde mir nach langer Zeit wieder mal klar, welche Schätze mein Hausfluss ausser den Raubfischen noch zu bieten hat. Später fanden wir noch einen von einer Schiffsschraube ausser Gefecht gesetzten, zwischen 2 und 3 Pfund schweren Aal. Und konnten mitten am Tag und trotz hellsten Sonnenschein mehrmals grosse Fische an der Oberfläche platschen sehen.

Aber nicht nur Edelfische wie die Räuber, Karpfen oder Aale hat der Neckar zu bieten. Dort schwimmen auf Grund des grossen Futterangebotes auch Barben, Döbel und Rotaugen in Rekordgrösse rum - die ich natürlich mit der Spinnrute nicht so einfach bekomme. Das grosse Futterangebot kommt übrigens daher, dass der Neckar relativ flach ist und sich so schnell erwärmt. Und dass von den umliegenden Weinbergen und der Landwirtschaft viel Dünger eingebracht wird, der für ein üppiges Angebot an Plankton, Algen und Wasserpflanzern sorgt.

Der Nachteil des grossen Futterangebotes: Kaum ein Fisch hat es wirklich nötig, auf einen vom Angler angebotenen Köder zu beissen. Bei der Vielzahl an Lauben braucht ein Zander vielleicht einmal richtig das Maul aufmachen, um für den Tag satt zu sein. Entweder man erwischt sie also in den sehr kurzen Fressphasen oder muss die Fische durch "reizen" aggressiv machen und so zum Biss verleiten.

Nicht viel anders sieht das natürlich bei den Friedfischen aus. Wobei ich mich nach dieser Tour entschlossen habe, mich wieder etwas mehr dem Potential an grossen Barben und Döbeln zu widmen. Feeder oder Picker, ein gutes, nicht sättigendes Futter, da müsste es doch mit Teufel zugehen, wenn ich nicht langsam mal an die richtig grossen ran komme. Wenn ich nur sehe, was die Karpfenangler teilweise als "Beifang" an grossen Barben und Döbeln zurücksetzen. Da schwimmen im Neckar sicher Fische dieser Arten in Rekordgrösse rum.

Was ich dieses Jahr aus beruflichen Gründen verpasst habe, sind die 2 oder 3 Wochen im Frühjahr, in denen ich sonst regelmässig grosse Schleien bis über 2 Kilo gefangen habe - seltsamerweise werden relativ wenig Schleien, und diese meist im Frühjahr an bestimmten Stellen gefangen.

Bevor ihr Leser jetzt aber denkt, tolles Gewässer, nix wie hin, gleich die Warnung dazu: Der Neckar ist ein grosses Gewässer, an dem die Fische ein Riesenangebot an Futter haben und sensibel auf alle Waserstandsänderungen reagieren. Eigentlich können nur die Einheimischen, die viel am Wasser sind und die letztlich doch wenigen Tage erwischen können, an denen wirklich alles passt, das Potential ankratzen. Als Gast/Urlaubsangler mit nur wenigen Tagen Zeit hat man weder die Gelegenheit das Wasser richtig kennen zu lernen, noch die gute Chance, einen der wenigen richtig guten Tag zu erwischen.

Thomas Finkbeiner


Hier noch der Bericht von Knobbes von unserem gemeinsamen Angeln (findet Ihr auch im Anglerboardforum: http://www.anglerboard.doks-pages.com/board/showthread.php?p=420390#post420390)

Am Sonntag trafen sich unser Mod der Thomas, Darry und ich am Neckar, bereits auf der Hinfahrt von Boxberg nach Heilbronn wurde schon kräftig gefachsimpelt. Um 9.30 Uhr erreichten wir unseren Treffpunkt, wo uns der Thomas auch gleich herzlich begrüsste. Danach wurde erst mal über die Ausrüstung auf Raubfische, mit dem Anglerboardspinnsystem, 2 Effzets nacheinander geschaltet und dem Twin Turner (der fast parallel zum Ufer läuft) und die verschiedenen Ruten und Schnüre am Neckar geredet.

Anschließend fuhren wir zum Beginn des Neckarabschnitt 5 an die Theresienwiese. Da dort eine Baustelle war, mussten wir uns den Platz zum Wasser erst noch suchen. Dort angekommen sahen wir gleich ein paar Angler die bereits die besten Plätze belegten, macht aber nix, weil der Neckar ja noch genügend andere Stellen hat. Also, gings ein Stückchen weiter flussabwärts. Dort testen wir zuerst mal das Anglerboard-Spinnsystem vom Holger ( vom Top Shop) mit Shads bzw. Gufi, Kopyto, Twister und Spinner. Bei dem Spinnsystem merkte man genau, wann man Bodenkontakt hatte und konnte so den Köder wieder rechtzeitig vom Grund anheben ohne zu hängen.
 
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Ich muss sagen, eine Super Sache das Anglerboard Spinnsystem. Für die Shads und Twister verwendeten wir die Stabbleie, für die Spinner wurden die Birnenbleie Verwendet, da bei Verwendung der Stabbleie sonst die Rotation des Spinners eingeschränkt oder verhindert wird.

Kaum erzählte uns der Thomas, das diese Stellen auch gut für grosse Karpfen wären, schwamm auch wenige Minuten später schon einer mit ca. 20-25 Pfund parallel zum Ufer knapp unter der Wasseroberfläche vorbei. Nun zeigte uns der Thomas noch, wie der Twin Turner läuft, nämlich parallel zum Ufer. Daraufhin packten wir zusammen und luden unser Angelzeug beim Thomas ins Auto und fuhren dann nur noch mit einem Auto durch Heilbronn.

Da von uns noch keiner so richtig gefrühstückt hatte, gings um ca.11.30 Uhr zum Döner, wo neben dem Essen wieder reichlich gefachsimpelt wurde. Danach machten wir uns wieder auf und Thomas zeigte uns noch einige super Stellen am Neckarkanal und am Altneckar. Dabei zeigte er uns auch die Variante mit 2 Effzetts nacheinander geschaltet auf Wels.

Bei einer Stelle hatte ich auf einen Gufi einen Biss, dies könnte ein Barsch oder ein kleiner Zander gewesen sein. An der nächsten stelle sahen wir dann auch gleich vermutlich einen schönen Rapfen hopfen. Auf diesen probierten wir es dann und dort bekam ich erneut eine Biss, aber dieser schoss nur Kurz auf die Effzetts. An einer weiteren Stelle sahen wir dann, auch noch was größeres räubern, vermutlich ein Rapfen oder ein Zander.

Plötzlich fing es granatenmäßig an zu regnen. Wir entschlossen uns noch mal zum Döner zu fahren um etwas kaltes zu drinken, bei diesem warmen Wetter. Nach einer erneuten Fachsimpeln holten wir mein Auto wieder und Thomas zeigte uns noch ein paar Stellen und schließlich die Schleuse in Bad Friedrichshall, wo auch etwas unterhalb der Kocher in den Neckar mündet.

Leider hatte von uns an diesem schönen Angeltag keiner einen Fisch von uns landen können, dafür hatten wir aber das Spinnsystem super ausführlich getestet, wo lediglich der Thomas und der Darry jeweils einen Hänger nicht herausbrachten, dafür hatte ich dann 2 Effzett Blinker im Wasser verloren, die ohne das Spinnsystem gefischt wurden. Ca. um 18.30 Uhr verabschiedeten wir uns und machten mal was aus, das man sich eventuell nächstes Jahr mal im Frühjahr an der Tauber trifft und am Neckar, wenn der Darry und ich mal wieder unten sind.

Impressionen vom Neckar



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