|
Nordkapptour 04.05. - 19.05.2005
Teil 2
10.05.2005
Nach dem Frühstück fahren Ingo und ich wieder auf kleine Tour, zwar regnet es ein bißchen, aber das stört uns nicht. Die erste Stunde ging es noch mit dem Wind, aber dann wurde er zu stark und wir geben mal wieder auf, das was wir gefangen haben, haben wir wieder frei gelassen, wir sind schließlich keine Räuber. Im Laufe des Tages wird der Wind zum kleinen Sturm und die Kutterfahrt muß wieder verschoben werden. So haben wir uns heute einen ruhigen Tag machen müssen und sind gegen 20.30 Uhr zum Nordkappfelsen gefahren. Nach 10 Minuten fahrt haben wir wieder eine geschlossene Schneedecke erreicht, sehen ein paar Rentiere und fahren über Berg und Tal. Am Nordkappfelsen angekommen, verschlägt es uns den Atem, es ist eisig kalt und der Wind ist sehr stark, teilweise müssen wir uns richtig in den Wind reinlegen, um vorwärts zu kommen. Die Aussicht war einfach super, hinter den dunklen Wolken strahlte die Sonne hervor, so ein Licht habe ich noch nicht gesehen.
Auf der Rücktour fahren wir noch durch das nördlichste Dorf Europas und kehren in der Souvenirhütte der Samen ein. Dort werden noch ein paar Andenken gekauft. Müde vom Nichtstun gehen wir um 0.40 Uhr ins Bett und hoffen, dass die Kuttertour morgen stattfinden wird.
11.05.2005
Über Nacht hat sich der Wind verzogen und wir fahren bei Sonnenschein und ca. 11 Grad zu viert raus. Es ist absolut klasse das Wetter. Sonne und kaum Wind. So kann ich auch Richtung Helnes Feuer mit rausfahren und komme auf meine Kosten. Kaum, dass wir die Pilker auf ca. 20 - 30 Meter unten hatten, ging der Trubel los. Alle Ruten krumm und Fun ohne Ende. Wir stehen über einem Dorschschwarm und haben zwei Stunden Kampf pur. Ich habe den Beifänger von vornherein wieder weggelassen. Bis jetzt ist aber die 1-Meter-Marke noch nicht geknackt. Die Hälfte der Dorsche leben heute noch. Wir sind ja noch ein paar Tage hier und haben die Kisten schon ausreichend gefüllt, wir brauchen ja noch Platz für die richtig großen Brummer. Wir haben also drei Kisten Dorsch gelandet und sind um 16.00 Uhr im Haus. Martin hat heute leckeren Lachs zubereitet und wir lassen es uns schmecken.
Um 19 Uhr machen sich Ingo, Andreas Mathias, Martin und Sven für die Kuttertour fertig, um 20.00 Uhr geht es endlich los. Das Wetter könnte nicht besser sein. Ich traue mir die weite Strecke nicht zu, der Kutter braucht ca. 1,5 Stunden bis zum Fangplatz, dann 4 Stunden Schwarmangeln und wieder zurück? Nicht mit mir, dass ist doch eher was für die Männer, aber nicht für "Klein-Kiki".
Sven hat sofort Glück, kaum ist seine Montage bei ca. 100 m angekommen, ein kräftiger Ruck und ein kurzer Drill, der Fisch hängt wie ein nasser Sack am Haken und setzt zu einer kleinen Flucht an, wobei sich die Schnüre von Martin und Sven verfuzen. Die beiden brauchen fast eine halbe Stunde, um das Malheur zu entwirren, zum Glück kann Sven dann seinen Fisch endlich landen. Er hat einen Dorsch von 1,18 m und 19 kg verhaften können. Der erste Fisch der auf dem Kutter landete, war auch der größte und schwerste der gesamten Tour.
Es wurden mehrere Dorsche über einem Meter gefangen. Ingo war ein kleiner Pechvogel, er hat drei Dorsche hintereinander gelandet und alle haben "nur" 98 cm gemessen. Er wurde schon ein wenig belächelt, aber egal, es war trotzdem eine geniale Ausfahrt für alle Beteiligten. Es wurden größtenteils Dorsche um 90 cm und Köhler gefangen. Nach ca. 4 Stunden hatten die fünf knapp 500 kg Fisch gefangen und konnten sich auf der 1,5 stündigen Rücktour etwas ausruhen. Selbst für eine Zigarette haben die Männer die Ruten nicht aus der Hand gegeben. Thor-Sverre hat auch nur zwei mal umsetzen müssen. Die Männer waren begeistert.
12.05.2005
Gegen 03.00 Uhr sind die Jungs wieder zurück. Nach dem Entladen der Fische, dem Säubern des Kutters und dem Umziehen wird gegen 04.00 Uhr gefrühstückt und danach bis 08.15 Uhr filetiert. Wir haben es während der gesamten Tour so gehalten, dass der gefangene Fisch durch die Anzahl der Fänger geteilt wurde, wer einen besonderen Fisch oder einen besonders großen gefangen hatte, konnte diesen natürlich behalten. Mit dieser Art und Weise sind wir sehr gut gefahren und die Arbeit wurde ja auch aufgeteilt. Um 09.00 Uhr hat Mathias eine Probe Dorschfilet in die Pfanne gehauen. Teilweise wurde bis 17.00 Uhr geschlafen. Viel mehr ist heute auch nicht mehr gelaufen, nach 1,5 Stunden angeln sind wir vor der Kälte geflüchtet, im Schatten ist es halt nicht so spaßig. Um 1.00 Uhr lagen wir dann wieder im Bette.
13.05.2005
Ingo und Mathias sind um 4.00 Uhr aufgestanden und sind wieder rausgefahren, es sollte auf die gegenüberliegende Seite von Helnes Feuer auf Steinbeißer gehen. Andreas hat kapituliert, Arme und Rücken schmerzten von der Kuttertour noch zu sehr. Gegen 14.30 Uhr sind sie wieder da und haben 5 Steinbeißer, einer 89 cm einer 90 cm, die anderen drei um 70 cm. Ingo war zudem auch noch mit Glück versehen, er fing den einzigen Heilbutt der gesamten Tour unserer Gruppe, dieser war genau 60 cm lang.
Um 20.00 Uhr fahren Martin, Andreas und Mathias wieder raus, für das morgige Mittagessen soll Dorsch gefangen werden. Ingo und ich sind um 20.30 Uhr ins Bett gefallen.
14.05.2005
Nach 11,5 Std. Schlaf stehen Ingo und ich gegen 8.30 Uhr auf und frühstücken mit Martin in aller Ruhe. Ingo und Martin fahren gegen 10.30 Uhr nach Honningsvåg und ich schlafe im Wohnzimmer nochmals bis 12.30 Uhr im sehr gemütlichen Schlaf-Ledersessel über meinem Buch ein. Die beiden kommen gegen 13.45 Uhr wieder und Mathias und Andreas sind erst um 14.30 Uhr aufgestanden, sie waren um 03.30 Uhr auch erst im Bett. Ingo und ich fahren gegen 15.15 Uhr alleine raus und fangen in 2 Stunden 5 Steinbeißer und ich fange meine langersehnte Scholle von 50 cm.
Mein Steinbeißer mißt 82 cm und ich bin glücklich.
Es frischt wieder auf und wir lassen es für heute gut sein. Während des Essens kam Thor-Sverre vorbei und hat gebeten, heute nicht mehr rauszufahren. Sturm bei Windstärke 15 - 20. So machen wir uns zusammen einen ruhigen Abend und wir bekommen von Thor-Sverre einen Buch über das Nordkapp überreicht. Er signiert es für uns in englisch und norwegisch und wir alle freuen uns.
15.05.2005
Um 7.00 Uhr frühstücken wir und ein Blick aus dem Fenster läßt meine gute Hoffnung schwinden. Alle paar Minuten ein Schneeschauer, aber trotzdem Sonne. Ingo, Matthias und Andreas wollen auf die andere Seite von Helnes und da habe ich mal wieder Bedenken und Angst vor höheren Wellen. Also fahren die drei mal wieder alleine, es hätte ja auch in die Bucht gehen, können, oder? Ingo will dann nachmittags mit mir raus. Gegen 9.00 Uhr lege ich mich wieder hin und schlafe bis 11.20 Uhr. Danach spaziere ich 1,5 Stunden durch den Ort und genieße das tolle Wetter. Obwohl es nur 13 Grad sind, ist es in der Sonne einfach nur herrlich. Ich sitze sogar länger als 1 Stunde auf der Terrasse und lese im Sonnenschein mein Buch. Um kurz nach vier sind die drei wieder im Haus. Eine Kiste Dorsch haben sie gefangen, damit die zweite Transportkiste auch noch fast voll wird, ein kleines bißchen brauchen wir ja noch Platz.
Es wird ein Kaffe getrunken und dann muß noch filetiert werden. Um 18.40 Uhr fahren Ingo und ich dann endlich raus.
Um 19.45 Uhr kommen Hans und Mathias mit dem andren Boot auf uns zu. "Kommt rein, wir wollen "Wal-Watching" machen". In der Bucht ist ein Wal am Sandstrang gestrandet und verendet. Ich steige aus dem Boot, auf einen toten Wal habe ich keine Lust. Ingo ist dann erst um 01.30 Uhr ins Bett gekommen.
|
| | Werbung
|
| |
|
Am nächsten Morgen erfahre ich, dass der tote Wal kaum noch als solcher zu erkennen gewesen war, ein paar verweste Speckschwarten und Knochen, das war's. Und dafür das Theater? Anschließend haben Sie noch geangelt und Ingo fing seinen erhofften Meterdorsch: 1,07 cm und 11,2 kg.
16.05.2005
Das Wetter ist heute echt klasse. Ingo und ich sind morgens 2 Std. rausgefahren, nur just for fun, die Kisten sind ja auch voll. Zum Mittagessen fahren wir wieder rein und gegen 15.00 Uhr mit Mathias wieder raus. Es ist herrlich, ohne Mütze, Schal und Handschuhe sitzen wir in der Sonne und schleppen ein bißchen. Wir fangen noch 10 Klieschen, 5 passen dank flacher Form noch oben drauf, die anderen werden geräuchert. Gegen 18.00 Uhr schrubben wir das Boot und räumen das Gerätehaus. Abends kommt Thor-Sverre vorbei, rechnet mit uns das Benzin fürs Boot (wir haben zu viert geangelt und pro Person 95,00 EUR bezahlt; wir haben kurz überschlagen und festgestellt, dass wir 1 l/km verbraucht haben) und die Kuttertour ab. Wir sitzen noch gemütlich beisammen, vernichten die letzen offenen Flaschen Alkohol und sind um 23.10 Uhr im Bett.
17.05.2005 Nationalfeiertag der Norweger
Um 8.00 Uhr stehe ich auf, dusche und wecke dann Ingo, wir frühstücken und packen alle unsere Siebensachen zusammen. Um 16.00 Uhr fahren wir ab. Die Heimreise wird anstrengend. Wir fahren ca. 28 Stunden nach Hanko/Finnland, diesmal ohne Zwischenübernachtung. Eigentlich sollte jemand von uns die Fahrer mal ablösen, aber dazu ist es doch nicht gekommen. Martin und Dirk sind viel zu lange am Steuer, aber wir können sie ja nicht zwingen.
Der Urlaub ist leider vorbei, trotz Kälte und Wind an manchen Tagen war es ein sehr schöner Urlaub. Gestern haben wir ganz leichte Sonnenbrände an Händen, Ohren und im Gesicht bekommen, ist aber nicht so schlimm.
Am 18.05.2005 legt um 21.00 Uhr finnischer Zeit die Fähre ab. Wir haben zum Glück ja wieder eine Kabine für uns und müssen uns nicht mit den "Monsterschnarchern" von Mathias und Co. rumschlagen. Wir trinken noch zwei Bier in der Bar und fallen frisch geduscht um 23.00 Uhr ins Bett. Am morgen des 19.05.2005 frühstücken wir wieder ein Sandwich und freuen uns auf das Buffet von 13.00 - 15.00 Uhr, welches wieder ganz hervorragend ist.
Donnerstag, 19.05.2005, 18.20 Uhr, wir verlassen fast als erstes die Fähre und müssen aber leider noch von Rostock erst wieder 3 Std. nach Schwedt Richtung polnische Grenze, von dort aus wieder 3 Std. nach Abstorf/Wittenberg und werden von Martin dann um 1.30 Uhr in Möhlau bei meinen Schwiegereltern abgesetzt.
Gegen 06.00 Uhr stehen wir wieder auf, frühstücken und fahren um 07.45 Uhr nach Hause, nach Hannover, wo wir gegen 11.00 Uhr angekommen sind.
Diese Reise hat uns sehr gut gefallen, es war einfach nur herrlich, sich um nichts kümmern zu müssen, als ums Schlafen, Essen und Angeln. Martin, unser Fahrer und Koch, hat uns hervorragend versorgt, "Dosenfutter" gab es nur dreimal, das konnten wir gerade noch verkraften. Es ist ja auch nicht einfach, für 12 Leute zu kochen, und das auch noch am besten zu Wunschzeiten. Aber wir sind sehr zufrieden und glücklich zuhause angekommen und werden auf alle Fälle wieder über Palm eine Reise buchen. Gerade die langen Touren wollen wir einfach nicht mehr selber fahren, sondern uns den größtmöglichen Service gönnen, wie auf dieser Tour geschehen.
Thor-Sverre stand uns als Vermieter der beiden Wohneinheiten jederzeit mit Rat und Tat zur Seite, er hat wirklich einen hervorragenden Service geboten. Der Bootssteg ist neu, zum Filetieren stand ein großes Partyzelt zur Verfügung, welches mit Süßwasseranschluss versehen war, zwar haben wir zum Säubern der Fische nur Salzwasser verwendet, aber zum Säubern des Tisches usw. war es hervorragend, da das Wasser ja über den Holzplankenboden sofort abfließen konnte. Fünf Schritte vom Zelt entfernt war auch gleich das Kühlhaus, und wir konnten unsere Filets gleich in die Transportkisten zum Tiefkühlen legen. Besser hätte es nicht sein können.
| | Werbung
|
| |
15.05.2005
Für die Ausrüstung stand ein weiterer Raum in der Gebäudeanlage der Berufsfischer zur Verfügung, dort konnten wir auch unsere nassen Anzüge in einen Trockenraum hängen.
Am 15.05.2005 sind noch zwei Männer und ein Junge aus Bayern in die untere Wohnung des Hauses eingezogen. Wir haben diese zwei- dreimal beim Filetieren getroffen und wie es nunmal so ist, bestaunt man erst mal gegenseitig seine Fänge und fragt nach dem Wo, Wie usw.
Was wir da sehen mußten, verschlug uns fast die Sprache, sie haben tatsächlich alles mitgenommen, was ihnen auf den Haken gegangen ist. Ein Trauerspiel, Dorsche von weniger als 40 cm lagen in deren Kisten. Die drei waren mit einem Transporter angereist und hatten sage und schreibe 6 Transportkisten dabei. Mehrere Worte erübrigen sich hiermit an dieser Stelle.
Der zweite Bus ist ebenfalls auf die Nordkappinsel gefahren, sie sind jedoch in Sarnes untergebracht gewesen. Von ihnen haben wir leider nicht so gutes zu hören bekommen. Sie konnten leider nur drei Ausfahrten machen, eine davon mußten sie sogar wegen extremer Wellen abbrechen, wobei fast alle schon mehrmals (einer sogar schon zum 15. Mal) in Sarnes gewesen sind und sich nun wirklich als "erfahren" bezeichnen konnten. Sie mußten also die zwei übrigen Ausfahrten nutzen, um die Fischkiste voll zu bekommen.
Fazit: Nach Sarnes fahren wir nicht, dort ist es alles zu offen und ungeschützt, da haben wir mit Kamöyvear doch ein echtes Glückshändchen gehabt. Jeder der im Mai nach Kamöyvear fährt, sollte daran denken, dass die kleinen Exemplare der Dorsche wirklich wieder freigesetzt werden sollten. Es warten überall die großen Dorsche die in der Kühltruhe landen können. Mit dem "Kleinkram" sind die Truhen zu schnell voll und dem Fischbestand ist damit auch nicht geholfen. Wir haben auf der Hintour eben diesen Rat von einem der Mitreisenden aus dem anderen Bus bekommen und haben uns auch glücklicherweise daran gehalten.
Es ist ein tolle Erlebnis, daß es hier nicht dunkel wird und man zu jeder Tages- und Nachtzeit angeln kann.
Für uns steht fest, dass wir 2007 wieder nach Kamöyvear fahren werden, natürlich mit Peter Palm. Nächstes Jahr wollen wir eine andere Ecke Norwegens erkundigen. Aber wir kommen wieder ans Nordkapp, keine Frage, hier wohnt der Fisch, woanders ist er zu Besuch.
Kirsten und Ingo Stiehler
|