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Uschis Angelerlebnisse Teil 9
Ein neuer Verein – ein neues Gewässer
Schon länger hatte ich mir gewünscht, doch einem Verein in der Nähe beitreten zu können. Doch die, die infrage kamen, sagten mir irgendwie nicht so richtig zu. Entweder waren die Beiträge zu hoch oder die Gewässer gefielen mir absolut nicht. Eines Tages las ich in unserer Tageszeitung einen Artikel mit dem Titel „Kochtopfangler unerwünscht“. Was konnte das wohl auf sich haben?
„Hast du diesen Artikel schon gelesen?“ fragte ich Achim. „Welchen meinst du denn?“ fragte er zurück. „Den über die Kochtopfangler.“ „Nee. Lies mal vor“, meinte er, was ich dann auch tat.
Unter anderem stand dort, dass viele Angler und auch andere Besucher ihren Dreck und Unrat an den vom Verein (ASV Dalbke) gepachteten Seen liegen ließen, wenn sie ihren Angelplatz verließen. Diese Erfahrung hatten wir auch schon des Öfteren gemacht. Manches Mal, wenn wir angeln waren, hatten wir den Abfall von fremden Leuten mitgenommen, damit man uns nicht verdächtigte, ihn hinterlassen zu haben. Der Bericht endete mit dem Hinweis, dass der Verein noch gerne weitere Mitglieder aufnehmen würden, jedoch sollten es keine „Kochtopfangler“ sein.
Wie gesagt, wir hatten schon seit Längerem nach einem Angelverein in der Nähe gesucht, aber bislang nichts Passendes gefunden. Gerne wären wir mal spontan nach Feierabend für ein paar Stunden angeln gegangen, aber die Fahrt bis nach Minden hielt uns davon meistens ab.
„Schade, dass es kein Gewässer hier in der Nähe gibt“, hatte ich noch vor einigen Tagen zu Achim gesagt. Der Name des Sees (Sennesee), der in der Zeitung erwähnt wurde, sagte mir bzw. uns überhaupt nichts. Wir holten unseren Städteatlas raus und schauten nach, wo er wohl liegen könnte. Endlich fand ich ihn. Aufgeregt sagte ich zu Achim: „Du, das ist ja ganz in der Nähe. Nur 5 Autominuten von hier entfernt. Wäre es nicht toll, wenn wir dort angeln könnten? Wir müssen ja nicht gleich eintreten. Vielleicht kann man ja auch Tageskarten kaufen.“
Im Bericht stand zwar der Name des Sportwarts, aber leider war keine Telefonnummer angegeben. Ich kramte mein altes Telefonbuch vom Kreis Gütersloh heraus und fand auch bald eine Telefonnummer. Sofort griff ich zum Hörer und rief an. Die erste Frage, die ich stellte, war, was wir unter dem Ausdruck„Kochtopfangler“ zu verstehen hätten. Ob damit vielleicht gemeint sei, dass die gefangenen Fische wieder reingesetzt werden müssten, damit sie nicht im Kochtopf landeten. „Nein“, war die Antwort. „So ist das nicht gemeint. Mit Kochtopfangler sind die Leute gemeint, die keine Rücksicht auf Fangbegrenzungen oder Schonzeiten nehmen. Leute eben, die einfach alles mitnehmen, was sie an die Angel kriegen.“ Wir unterhielten uns noch eine Weile weiter und erfuhren u.a., dass der Verein auch den Südstadtteich in der Sennestadt gepachtet hatte. „Da kommt man ja noch schneller hin, als zum Sennesee. Ach wäre das klasse, einen oder mehrere Seen gleich hier in der Nähe zu haben“, sagte ich zu Achim. In Gedanken sah ich uns schon als neue Vereinsmitglieder, die sehr oft nach Feierabend ihr Glück an den neuen Gewässern versuchten.
Achim war auch neugierig geworden und so fuhren wir gleich am nächsten Tag zum Sennesee um ihn uns erst einmal anzuschauen. Es war schon kurz vor Wintereinbruch und die Landschaft war in ein trübes Grau und Mischmasch von Farben getaucht. Trotzdem machte der erste Anblick des Sees einen positiven Eindruck auf uns. „Ich stelle mir gerade vor, wie schön es hier erst im Frühjahr und Sommer sein muss“, sagte ich zu Achim. „Und erst die kurze Entfernung! Von zuhause sind das nur 7 km Fahrtweg. Da könnten wir ja fast täglich zum Angeln fahren!“ „Der See gefällt mir auch sehr gut. Da sind bestimmt jede Menge Fische drin“, meinte er noch etwas zurückhaltend.
Auf dem Nachhauseweg überlegten wir uns, für das kommende Wochenende eine Tageskarte zu holen und trotz des kalten Wetters dort einmal zu angeln. Tageskarten, so hatten wir inzwischen erfahren, bekamen wir beim Fangplatz (Inh. Dirk Pentalski), Steinbruchstraße 1 in Oerlinghausen. (Tel. 05202/1849)
Als wir jedoch Samstagmittag beim Fangplatz nach Tageskarten fragten, erhielten wir die Auskunft, dass das Angeln an beiden Seen nur in Begleitung eines Vereinsmitgliedes erlaubt sei. Einerseits fand ich das sehr schade (denn nun konnten wir dort doch nicht angeln – und ich hatte mich schon so sehr darauf gefreut!), andererseits fand ich es gut, denn so konnte man sicher sein, dass sich ein Gastangler in Begleitung des Vereinsmitglieds richtig verhielt. Der Inhaber des Fangplatzes, Dirk Pentalski, muss uns unsere Enttäuschung wohl angesehen haben. „Wenn ihr Interesse habt dem Verein beizutreten, dann kann ich euch ein Aufnahmeformular geben“, meinte er. Soweit waren unsere Überlegungen noch nicht gegangen. Wir bedankten uns und nahmen „vorsichtshalber“ gleich für jeden ein Formular mit.
Am nächsten Tag sprachen wir immer wieder über den neuen Verein. Die Aufnahmegebühr betrug 100 € und die Jahresgebühr lag bei 125 €. Das waren für uns zwei insgesamt 450 €, die wir auf einen Schlag hinblättern müssten! Außerdem war auch bald der Jahresbeitrag für den Mindener Fischereiverein fällig. Ob wir das wirklich machen sollten, so kurz vor Jahresende? Wir überlegten hin und her. Ich war mir schon sicher, dass daraus nichts werden würde, als Achim sagte: „Was hälst du von dem Gedanken, wenn wir uns zu Weihnachten nichts schenken? Statt dessen treten wir dem Dalbker Verein bei? Oder wir schenken uns zu Weihnachten gegenseitig den Vereinseintritt.“ „Schatz, das ist die beste Idee, die ich je gehört habe! Und ein schöneres Weihnachtsgeschenk kann ich mir auch nicht vorstellen“, platzte ich heraus und umarmte ihn heftig. Gleich am Montagmorgen waren die Formulare ausgefüllt und zum Briefkasten gebracht. Einen Tag später rief der Vorsitzende bei Achim an und fragte ihn, ob wir sofort in den Verein aufgenommen oder bis zum 1. Januar warten wollten. Was für eine Frage! Klar wollten wir sofort die Möglichkeit zum Angeln haben. Zwei Tage später hielten wir unsere Papiere nebst einer Einladung zur Jahreshauptversammlung in der Hand.
Am Samstag, dem 16.11.02 saßen wir gegen 14 Uhr zum ersten Mal an „unserem“ neuen See in Schloss Holte-Stukenbrock. Da wir das Gewässer ja noch nicht kannten, wussten wir auch nicht wo dort die fängigsten Stellen lagen. Wir entschieden uns für einen Platz, an dem wir bequem nebeneinander sitzen konnten und warfen voller Spannung unsere Ruten aus. Natürlich fingen wir am ersten Tag nichts, aber das machte uns nicht viel aus. Schneidertage kannten wir auch von unseren anderen Angeltagen. Das hat nicht unbedingt etwas mit dem Gewässer zu tun. Am Abend fand um 19 Uhr die Jahreshauptsversammlung statt, zu der wir selbstverständlich hinfuhren. Außerdem fand ich es gut, gleich zu Beginn unserer neuen Mitgliedschaft einige andere Vereinsmitglieder kennen lernen zu können.
Wie merkten gleich, dass in dem ASV Dalbke ein freundschaftliches Klima herrschte. Und auch die gemeinsamen Veranstaltungen mussten ihnen sehr viel Spaß machen. Wir erfahren, dass das An- und Abangeln des Vereins am Südstadtteich sei. Außerdem würde in den Sommermonaten noch ein Königs- und ein Nachtangeln am Sennesee stattfinden.
Die Fänge, so erfuhren wir, waren bei den gemeinschaftlichen Veranstaltungen im laufenden Jahr zwar nicht sehr groß ausgefallen, aber wie es schien, störte das keinen. Allen Mitgliedern kam es auch mehr auf das Zusammensein und die Geselligkeit an. Weiter hörten wir, dass dem Sieger, obwohl es sich um kein Wettangeln handelte, ein Pokal winkte.
Da ich die erste Frau im ASV Dalbke war, meinte der Sportwart, dass der Verein jetzt wohl noch einen Frauenpokal anschaffen müsste. Aber das war nur spaßig gemeint, wie ich schnell fest stellte. Ansonsten wäre ich auch sauer gewesen. Schließlich meinte ich von mir behaupten zu können, dass ich mich mit den männlichen Anglern messen konnte. Und in Gedanken sagte ich mir: Denen werde ich es schon zeigen!
Ursula Kluck
Uschis Angelseiten: http://www.angelberichte.de
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