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Der Großwallerdrill

Im Forum vom Anglerboard stellte Aali-Barba hier:

http://www.anglerboard.de/board/showthread.php?t=50170&page=1&pp=15

die Frage, wie sich ein Waller beim Biss und Drill bemerkbar macht. Weil er eben 2 mal große „Fische“ nacheinander gehakt, gedrillt und wieder verloren hat.

Das liess mich an eine Begebenheit zurückdenken, die mir schon vor Jahren passierte und die es wohl wert sein könnte, gelesen zu werden:

Am Neckar unterwegs, recht hohes und trübes Frühhjahrswasser, beste Voraussetzungen für nen aktiven Großwaller auf Spinnrute.

Tatsächlich, Biss, kam kurz mit, war dann aber schnell wieder weg.

Köder (2 nacheinander geschaltete 40 - Gramm - Effzetts mit 8/0er Einzelhaken) kontrolliert, Haken nachgeschärft und wieder an die gleiche Stelle gefeuert.

Kurzer Kontakt mit irgendwas, wieder weg.

Etwas weiter oberhalb eingeworfen, Köder etwas weiter absinken lassen, kurzer Kontakt, Anhieb, hängt!!!!!!

Geht sofort voll in die Rute und nimmt Schnur, aber praktisch keine Kopfbewegung spürbar, dabei aber immer leichtes "Wandern" der Schnur von links nach rechts.

Alles klar, Großwaller dran :-))))

Also Bremse soweit zu, dass wirklich nur noch bei voller Belastung Schnur freikam. Das "Scheissvieh" ist davon unbeeindruckt und geht in die doch beträchtlich schnelle Hochwasserströmung einfach flußab, immer noch ohne Kopfbewegung, aber mit seitlichen "Wandern" der Schnur. Gerät voll ausgereizt, Bremse mit der Hand blockiert, Bingo!!!

Der Fisch nimmt keine Schnur mehr sondern kommt quer über den Fluss auf meine Uferseite. Die Chancen steigen, weil bei der Hochwasserströmung an der Stelle direkt am Ufer eine dem Hauptstrom entgegengesetzte Strömung läuft. Dort wo die anfängt, also praktisch direkt an der Kante von Flusssohle zur Böschung legt sich das Vieh "erst mal ab". Nix mehr zu spüren, kein Schnurwandern mehr.

Muss ein richtig großer sein, das hatte ich schon mehrmals und danach meist die Fische nicht mehr halten können - und jetzt auch noch Hochwasser!!!! Also erstmal versuchen das Adrenalin runter und die Vernunft reinzukriegen. Den Fisch unter voller Spannung gehalten, die Bremse ganz wenig weiter geöffnet als "Sichherheitsreserve" für mein Vorhaben:

Bremse blockieren und volle Lotte pumpen, dabei muss man auf eine schnelle Flucht in die Strömung gefasst sein, daher die ganz leicht geöffnete Bremse (auch die beste Rolle hat bei der Bremse einen gewissen "Anlaufwiderstand".

Es klappt!!!!!!!!

Das Tier kommt mit, ganz schwer, ganz langsam, wieder ist das leichte seitliche auswandern der Schnur zu merken. Der Fisch lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, endlich mein erster 2 - Meter - Waller an der Spinnrute!!!!!!!!!!!!

Insgeheim dachte ich natürlich: Mindestens 2 Meter, eher mehr!!!

Immer wieder lässt sich der Fisch auf Grund absacken, aber Zentimeter für Zentimeter bringe ich den Fisch in der Gegenströmung am Ufer entlang näher zu mir, maximal noch 15 Meter, also Ruhe bewahren und weiter "arbeiten". Auf einmal geht der wieder kurz in die Strömung, kommt auch noch Richtung Oberfläche.

In ca. 10 Meter Entfernung ist nur ein riesiger Schatten, der auch noch recht breit zu sein scheint, im trüben Wasser unter der Oberfläche zu sehen, geht aber sofort wieder auf Tauchstation.

Fisch gesehen, alles klar, mit 2 Meter würde ich mich jetzt schon fast nicht mehr zufrieden geben.

Und unglaublich, durch ständiges konsequentes auslasten des Gerätes und stetiges Pumpen zwinge ich das Vieh tatsächlich immer weiter zu mir her, keine 5 Meter mehr. Und obwohl eigentlich seltsam, da er sich kaum gewehrt hat, scheint er auch müde zu werden und legt sich nach jedem Pumpen auf den Grund. Haken scheint auch gut zu sitzen - Der gehört mir!!!!!!!!!

Tat er auch tatsächlich!

Einen mit Wasser vollgesogenen uralten Schlafsack hatte ich ziemlich am Ende leicht aus der Mitte raus gehakt, gedrillt und gelandet.

Daher keine Flucht, daher das immer wieder leichte Schnurwandern, daher das "ablegen", sobald er aus der Strömung raus war, daher die riesige Silhouette als er von der Strömung hochgedrückt wurde.

Wie gesagt, das war der Drill meines Lebens, leider Gottes aber nicht der Fisch meines Lebens.

Was ich damit sagen will:

Wir können nun mal nicht sehen was unter Wasser wirklich los ist.

Und - bei solchen oder ähnlichen Umständen wie geschildert - wenn man im Drill noch richtig Nerven lässt, beurteilt man vielleicht auch nicht jede Bewegung richtig.

Anders gesagt: Es kann immer der Fisch des Lebens sein, ich möchte aber auch nicht wissen wie viele Äste, Eimer, Müll, Schlafsäcke oder ähnliches für nervenaufreibende und "untypische" Großfischdrills in der Strömung schon verantwortlich waren.

Thomas Finkbeiner


 
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