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Welsfieber

Seid ich vor 4 Jahren im Altwasser der Altmühl zufällig einen Wels am Haken hatte, bin ich von dieser Fischart begeistert. Letztes Jahr waren meine Frau und ich in Ramspau um im Regen gezielt auf Waller zu angeln. Der erste Angeltag war auch insoweit erfolgreich, als Uschi nach einem kurzen Gewitterregen einen kleinen Wels von 40 cm Länge fing.

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„Das sind ja schon gute Aussichten. Wo kleine sind, da sind auch große. Und die fangen wir in den nächsten Tagen“, meinte ich zu ihr. Aber als sich nach einer Woche immer noch nichts tat, fuhren wir nach Regenstauf in gingen ins „Helmut’s Angelshop“. Helmut ist ein passionierter Welsangler und hat bereits so manchem dicken Fisch den Weg an Land gezeigt – unter anderem einen Wels von 1,89 Metern. Er beriet uns bei der Auswahl der Haken, knüpfte das Vorfach an die Drillinge und gab uns weitere gute Tipps fürs Wallerangeln. Er wohnte in der Nähe von Regendorf und angelte überwiegend an einer Privatstrecke. Als er uns erzählte, dass er und sein Freund dort am Wochenende gerade 4 (!) Waller gefangen hätten, wurden wir unruhig. „Ich kann euch eine Tageskarte besorgen, wenn ihr wollt“, meinte er. Und ob wir wollten! Mehrmals angelten wir an dieser Privatstrecke, aber auch da ging uns kein Waller an den Haken. Enttäuscht fuhren wir nach 3 Wochen nach Hause. Im Internet suchte ich mich weiter, wo man in Deutschland gut auf Waller fischen kann. Plötzlich las ich etwas Positives über den Neckar. Er zählt zwar nicht an erster Stelle als „Welsgewässer“, aber es sollen dort viele und auch große drin sein. Also entschlossen wir uns in diesem Sommer an den Neckar zu fahren.

Uschi hatte sich zwar letztes Jahr extra fürs Welsangeln einen Ugly Stick gekauft, aber nach einigen Würfen mit einem schweren Blei und einer großen Rolle wollte sie davon nichts mehr wissen. „Die kannst du gerne haben. Ich kann damit nicht werfen. Die Rute ist mir einfach zu schwer“, meinte sie.

Als wir im Januar in Dortmund auf der Messe Jagd und Hund waren, kaufte sie sich doch wieder eine Wallerrute. Dieses Mal die Sänger Walle Kalle Dream Fish von 3 m Länge und mit einem Wurfgewicht von 100 bis 400 g. „Meinst du, dass du damit werfen kannst? Die wiegt auch allerhand“, sagte ich zu ihr. Uschi antwortete: „Ich werde damit zuhause so lange üben, bis es klappt. Schließlich möchte ich im Neckar auch einen Wels fangen!“ Nun gut, wenn Frauen sich etwas in den Kopf gesetzt haben, kann man sie nicht davon abbringen.

Inzwischen waren wir beide vom Welsfieber befallen und beschlossen, schon einmal ein paar Tage über Ostern an den Neckar zu fahren. Und da ihre Tochter Heike am Ostersamstag Geburtstag hatte, bekam sie von uns als Geburtstagsgeschenk diesen Kurzurlaub. Als unser Angelhändler vor Ort (Fangplatz Oerlinghausen) im März sein 10jähriges Geschäftsjubiläum feierte, bot er auch Ruten zum Sonderpreis an. Außerdem gab es auf alle anderen Artikel 20 % Rabatt. Zuerst wollte Uschi für ihre Tochter Heike eine Welsrute kaufen, die diese zum Geburtstag bekommen sollte. Dabei dachte sie an die Spro Triple XXX in 3,20 m Länge. Für diese Rute wollte der Händler jedoch 75 Euro haben, was ihr zu teuer war. Deshalb ließ sie den Gedanken an die Rute wieder fallen.

Zwei Tage vor dem Geschäftsjubiläum fiel ihr im Laden eine andere Rute ins Auge: die Zebco Rhino Base X Big Fisch. Diese gab es u.a. in 3,00 m Länge und einem WG bis 300 g. Diese Rute, so erzählte ihr der Zebco-Vertreter am Samstag, sei sehr gut zum Fischen in Norwegen im Fjord geeignet, aber man könne sie ebenfalls zum Welsangeln nehmen. Also überlegte sie nicht lange und ließ sie sich von Dirk erst einmal für ihre Tochter als Geburtstagsgeschenk zurücklegen. Doch als Heike sich eine Rute fürs Zanderangeln wünschte, tauschte sie die Rhino Big Fish nicht gegen eine Zanderrute ein, sondern behielt sie für sich selbst! „Letztes Jahr konnte sie noch nicht einmal mit der einen Wallerrute werfen und nun besaß sie sogar zwei Stück. Wenn das mal gut geht“, dachte ich still für mich.

Doch damit nicht genug: Als sie in einem Bericht las, dass ein Angler, der am Rhein auf Wels mit einer Bojenmontage gefischt hatte, einen Wels an der Oberfläche rauben sah und sich ärgerte, dass er in diesem Moment keine Spinnrute dabei hatte, brauchte sie auch noch unbedingt eine Spinnrute zum Welsangeln, denn, so hatte sie gehört, sollten am Neckar die größeren Waller sehr gut mit Blinker und Wobbler zu fangen sein. Also kaufte sie eine weitere Rute und zwar die Quantum Hypercast Cat Fish Spin3000 in 3 Meter Länge und mit einem WG von 100 – 200 g. Für diese Rute brauchte sie natürlich noch eine vernünftige große Stationärrolle. Freilaufrollen hatte sie zwar, aber zum Spinnfischen waren die doch etwas zu schwer. Ein paar Tage später zeigte sie mir stolz eine neue Rolle: die Spro Rock Tuff Body S/W 660. „Diese Rolle ist auch salzwassergeeignet, d.h. man kann sie auch gut für die Zebco Rhino Base X Big Fish nehmen, wenn wir mal in einem Fjord angeln sollten!“, meinte sie.

„Na, mein Schatz, jetzt bist du aber super fürs Welsangeln ausgerüstet“, gab ich ihr zur Antwort.

Auch mich hatte das Welsfieber gepackt. Ich besorgte mir bei Dirk und übers Internet alles andere, was wir zum Welsangeln brauchten. Dazu gehörten z.B. Seabooms, Bleie von 150, 200 und 300 g, Posen fürs Welsangeln, Unterwasserposen mit Geräuschkugeln, Haken, Ösen, dicke Gummiperlen usw.

Als wir alle Dinge fürs Welsangeln zusammen hatten, stellte sich uns die Frage wohin damit? Wenn wir an den Kanal fahren, brauchen wir sie nicht und auch wenn wir am Südstadtteich auf Karpfen, Schleien und Hechte angeln, brauchen wir auch kein Wallerzubehör. Wieder kam uns das Wallerforum zur Hilfe. Dort schrieben einige Angler, dass sie ihre Sachen in einer „Welstasche“ untergebracht hatten. Also kauften wir uns auch so eine Welstasche.

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Damit wir gleich am ersten Tag, also Karfreitag, angeln konnten, hatte uns unser Vermieter in Eberbach freundlicherweise schon vorab die nötigen Angelkarten gesorgt. Er selber angelt auch schon seit vielen Jahren und wollte uns gleich bei unserer Ankunft seine bevorzugten Stellen zeigen, sagte er uns am Telefon. Wir sagten ihm, dass wir gleich Jahreskarten haben wollten, da wir im Juni in Rockenau Urlaub machen würden.

Gründonnerstag machten wir schon gegen 13 Uhr Feierabend und packten erst einmal unsere Angelsachen ins Auto. Wenn Uschi und ich alleine zum Angeln fahren, ist der Wagen ja schon ganz schön voll gepackt, aber nun waren wir sogar zu Dritt! Das bedeutete eine Rutentasche mehr, ein Angelstuhl mehr, ein Gerätekasten mehr und auch eine Reisetasche zusätzlich. Uschi geriet in Panik und meinte, dass wir bestimmt nicht alle Sachen im Wagen unterbringen könnten.

„Wo sollen wir denn die Kühlbox und unsere Reisetaschen noch hinstellen? Da ist ja gar kein Platz mehr!“ jammerte sie.

„Mach dir keine Gedanken, das kriegen wir schon hin“, antwortete ich ihr und so war es auch. Voll gepackt bis zum Stehkragen fuhren wir morgens um 4.30 Uhr Richtung Neckar los. Wir saßen gerade im Auto, als es in Oerlinghausen zu regnen anfing. Die ganze Fahrt hörte es nicht auf zu regnen. Erst als wir die hessische Landesgrenze hinter uns ließen, also kurz vor Eberbach, wurde es einigermaßen trocken.

Aus dem Fenster unserer Ferienwohnung hatten wir einen herrlichen Blick auf den Neckar.

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Nachdem wir unsere Sachen ausgepackt und unser Vermieter uns unsere Jahreskarten, ausgehändigt hatte, fuhren wir erst einmal ein Stückchen am Neckar entlang Richtung Zwingenberg, um nach guten Angelstellen Ausschau zu halten. Dann ging es zurück nach Eberberg und über die Neckarbrücke nach Rockenau, ein Stadtteil, der zu Eberbach gehört, wo wir im Juni eine Ferienwohnung gemietet haben. Bevor wir uns fürs Angelns umzogen, stärkten wir uns im Gasthaus „Zum Schiff“. Die Inhaberin ist die jüngste Wirtin Deutschlands! Das „Schiff“ liegt direkt am Neckar und lädt nicht nur Angler zum Einkehren ein. Das Gasthaus hat eine eigene Schlachtung und dementsprechend groß und lecker waren die Portionen. Aber auch die Salatbar konnte sich sehen lassen. Außerdem gab es eine regionale und internationale Küche und viele Wild- und Fischspezialitäten.

Dann fuhren wir in unsere Ferienwohnung zurück, zogen uns fürs Angeln um, packten unsere Rucksäcke und fuhren an einen Platz an der Schleuse Rockenau, der flussaufwärts in Richtung Zwingenberg lag. Hier saßen zwar schon einige andere Angler, aber für uns drei gab es auch noch Platz genug.

Nachdem wir unsere Ruten ausgeworfen hatten, bemerkten wir beim Einholen, dass sich sehr viel Kraut an der Schnur und auch am Köder angesammelt hatten. Nach meinem Dafürhalten war das Angeln hier zwecklos. Als ich meinen beiden Mädels sagte, dass es sich hier nicht lohnte zu angeln und wir es woanders probieren sollten, maulten beide herum. „Erst haben wir alles ausgepackt und jetzt sollen wir wieder einpacken!“

„Ihr könnt ja gerne hier bleiben. Ich fahre an eine andere Stelle, wo es nicht so viel Kraut gibt“, meinte ich.

Doch das wollten sie auch nicht. Unter Murren packten sie ihre Sachen wieder zusammen und wir fuhren ein Stück zurück Richtung Rockenau. Hier, ganz in der Nähe der Schleuse, waren weit und breit keine anderen Angler zu sehen. Wir parkten das Auto oben an der Straße und trugen unsere Angelsachen über die Straße zum Ufer runter. Ich suchte mir gleich in der Nähe der Schleuse einen Platz aus. Die Frauen saßen ca. 50 m weiter entfernt von mir. Das ist auch gut so, denn wenn die beiden Mädels zusammen angeln, gibt es öfter Stress unter den beiden und ich möchte beim Angeln meine Ruhe haben.

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Die Angelbedingungen waren hier zwar besser als an der ersten Stelle, aber insgesamt auch nicht besonders gut, denn obwohl der Wasserstand des Neckars am Morgen gefallen war, hatte er immer noch 20 cm über Normal. Die Strömung war hier zwar etwas ruhiger aber auch ein 300 g-Blei, das ich zuerst benutzte, wurde von der Strömung weggetrieben, als wenn es eine Feder wäre. Außerdem war das Wasser recht trübe. Teilweise schwammen sogar Äste und Baumstämme im Fluss.

Ich saß in meinem Stuhl und schaute gespannt auf meine Rutenspitze, als ich hörte, wie die Mädels sich immer lauter unterhielten. Plötzlich schrie Heike herum. Ich ging hin, um nachzuschauen, was dort los sei. Uschi erzählte, dass Heike ihre Rute zerbrochen hätte. „Wie ist denn das passiert?“ fragte ich.

„Heike wollte ihre Köder kontrollieren und hatte sie einen Hänger. Sie bekam die Montage nicht frei und riss etwas zu stark an ihrer Rute. Plötzlich krachte es und ihre Rute brach durch“, sagte Uschi.

Heike stand wütend und fluchtend am Ufer. Fast hätte sie geheult. „Mit was soll ich denn jetzt angeln? Meine Zanderrute bekomme ich erst morgen“, sagte sie.

Oh je, mit der Zanderrute wollte sie auf Waller angeln? Das konnte nicht gut gehen! Statt sie zu beruhigen, antwortete Uschi ihr, dass sie ihr Geburtstagsgeschenk zu Hause vergessen hätte, was jedoch nicht stimmte, denn die Rute lag schön verpackt mit einer dicken roten Schleife in ihrer Rutentasche!

„Das habe ich mir schon gedacht!“ war Heikes Kommentar.

Nun war ihre Laune erst einmal hin. Doch dann holte sie eine andere Rute aus ihrer Rutentasche und angelte weiter.

Ich ging wieder an meinen Platz und wartete auf die Dinge, die da kommen sollten.

Wir saßen ca. 2 Stunden am Fluss, als Uschi einen Biss bemerkte. Sofort geriet sie in Panik und rief mich laut zur Hilfe. Ich stand auf, holte die Kamera aus meinem Rucksack und lief hin. Als ich bei ihr war, hörte ich sie fluchen, weil ihr der Fisch kurz vorm Ufer angegangen war.

Sie erzählte mir, dass der Fisch sich ständig geschüttelt hätte, was sie bis in den Blank gespürt hätte.

„Du hast ihn auch gar nicht ziehen lassen“, meinte plötzlich Heike zu Uschi. „Du wolltest ihn unbedingt schnell in den Kescher kriegen.“

„Du spinnst ja. Ich habe ihn richtig gedrillt! Ich habe nur nicht gleich mit einem Wels gerechnet. Dafür war der Haken viel zu klein und das Vorfach zu dünn. Morgen hole ich mir andere Haken“, antwortete sie ihr.

Schon hatten sich die Mädels wieder in den Köpfen. Ich verzog mich und ging wieder an meinen Angelplatz.

Etwas später kam Uschi, immer noch ärgerlich über ihr Missgeschick, zu mir und meinte noch einmal: „Ich konnte ja nicht damit rechnen, dass ein Wels auf dieses kleine Wurmbündel beißen würde! Ich dachte ich könnte erst einmal eine Brasse oder einen anderen Weißfisch fangen, den ich dann als Köder nehmen wollte.“

Ich sagte ihr „Du musst aber immer damit rechnen, dass dir hier ein Wels an den Haken geht! Du hast doch gehört, dass es hier sehr viele gibt. Außerdem musst du es lernen, dich ganz auf den Drill einzustellen. Und du darfst nicht vergessen, dass du mit einer geflochtenen Schnur angelst. Die gibt kein bisschen nach! Jeder Fehler, den du machst, überträgt sich direkt auf den gehakten Fisch.“

„Du hast ja Recht. Aber morgen werde ich mir im Zwingenberg bei Sabine erst einmal vernünftige Haken besorgen. Und auch schwerere Bleie. Jetzt hatte ich ein 80 g Blei dran, aber das war viel zu leicht für diese Strömung!“ verteidigte sie sich.

„Das Gewicht des Bleis hat aber mit dem Drill nichts zu tun“, meinte ich. „Du musst den Drill genießen! Lass den Fisch doch ruhig ziehen, du hast genug Schnur auf der Rolle. Der haut dir schon nicht ab.“

Diesen Fehler, dem Fisch kein bisschen Schnur zu geben und ihn mit aller Gewalt ans Ufer zu drillen, hat sie schon öfter gemacht. Hoffentlich lernt sie einmal aus ihren Fehlern!

Am Samstagmorgen fuhren wir erst einmal nach Zwingenberg ins Angelfachgeschäft Zöller. Wir schauten uns ein wenig im Laden um, als Uschi plötzlich jemand ansprach: „Hallo. Bist du die Uschi aus dem Wallerforum?“ „Ja!“ antwortete sie. Schnell kamen sie ins Gespräch und nun gesellte sich auch die Inhaberin, Sabine, zu uns. Sie begrüßte uns sehr herzlich.

Ich war etwas überrascht, als Uschi ihr erzählte, dass Heike heute Geburtstag hätte und wir ihr eine Rute zum Wallerangeln schenken wollten. Davon war bisher keine Rede, aber wie gesagt, wenn Uschi sich etwas vornahm, dann führte sie es auch aus. Sie ließ sich von Sabine beraten und kaufte für Heike eine zweite Rute: eine Shakespear Spezialist KS Big Fish mit einer Länge von 3,40 m. Wir kauften noch einige Grundbleie von 100, 150 und 200 g, ein paar Päckchen 2er und 4er Stahlhaken in verschiedenen Vorfachlängen und frische Tauwürmer. Gegen 13 Uhr saßen wir wieder am Neckar.

Es war gegen 13.30 Uhr als ich einen Biss bemerkte. Beim Drillen merkte ich schon, dass es sich nur um einen Waller handeln konnte. Da Uschi den größeren Kescher hatte und ich damit rechnen musste, dass er über einen Meter lang war, rief ich aus voller Kraft. „Kescher! Ich brauche den großen Kescher!“

Doch keiner der Mädels hörte mich. Inzwischen hatte ich den Fisch in die Nähe des Ufers gedrillt und rief erneut „Kescher!“

Uschi war gerade dabei ihre 2. Rute auszuwerfen, als sie mich sah und hörte. Ich gestikulierte wild mit meinen Armen bis sie endlich kapierte, was ich wollte.

Sofort legte sie ihre Rute hin, schnappte sich den großen Kescher und lief zu mir. „Was ist? Hast du einen Biss?“ fragte sie mich.

„Ja sicher! Was denkst du denn, warum ich nach einem Kescher rufe? Ich habe ihn gleich am Ufer, weiß aber nicht, ob der kleine Kescher dafür ausreicht“ gab ich ihr zur Antwort.

Als der Wels in Ufernähe war, erkannte ich, dass ich den großen Kescher nicht brauchte. Der Wels war kleiner als ich zuerst dachte. Als er am Ufer lag holte ich das Maßband: 74 cm. Das war zwar nur ein kleiner, aber immerhin hatte ich den ersten Wels gefangen.

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Am Ostersonntag schliefen wir ein bisschen länger. Dann fuhren wir erst einmal zur Schleuse Ottmaring, um nach einer anderen Angelstelle Ausschau zu halten. Aber auch dort waren die Verhältnisse nicht besser. Also fuhren wir erneut zu „unserer“ alten Angelstelle. Kaum hatten wir unsere Montagen im Wasser, gesellte sich unser Vermieter wieder zu uns. Er selber wollte bei den schwierigen Verhältnissen noch nicht angeln, aber er gab uns ein paar gute Tipps. Wir blieben bis 21.30 Uhr, aber es gingen uns keine weiteren Fische an den Haken.

Ostermontag fuhren wir nach dem Frühstück nach Michelstadt. Der Marktplatz ist Ostern besonders schön geschmückt. Ein unbekannter Baumeister errichtete im Jahre 1484 ein Fachwerkhaus mit einem trapeztürmigen Grundriss. Seine repräsentative Front kehrt das Rathaus mit zwei spitzbehelmten Erkern und einem abgewalmten Giebel dem Marktplatz zu. Das nach drei Seiten hin offene Untergeschoß wurde als Markt- und Gerichtshalle genutzt. In dem darüber gelegenen Ratssaal finden wie früher auch heute noch festliche Veranstaltungen statt. Der hohe Dachraum mit zwei übereinander liegenden Dachböden diente als Fruchtspeicher. Die am Giebel zum Marktplatz hin angebrachte Uhr stammt vom 1838 niedergelegten Unteren Tor der Stadtbefestigung, in den mittleren Ständer der Nordtraufe ist das Erbauungsjahr 1484 eingeschnitten. Zwar befindet sich diese Jahreszahl auch am Mittelständer der Marktplatzfront, sie wurde hier aber erst 1903 angebracht. Vor dem Fachwerkhaus stand eine „Osterhasenkapelle“. Der Brunnen auf dem Marktplatz war mit grünen Kränzen an denen bunte Eier hingen geschmückt.

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Ein paar Meter weiter steht das Schloß Fürstenau. Die Gesamtanlage des Schlosses ist aus einer mittelalterlichen Wasserburg an der Mümling hervorgegangen. Südlich und östlich der Altstadt steht der Diebsturm. Er diente jahrhunderte lang als Gefängnis und erhielt daher seinen Namen. Der Diebturm ist ein Wahrzeichen des Städtchens geworden. Als wir auf den Turm zugingen, sahen wir im Fenster einen Falken sitzen.

Im oberen Teil des Turmes ist in der nach der Stadt zugewandten Seite ein römisches Merkurrelief eingemauert, dessen Fundort jedoch nicht bekannt ist. Das Original befindet sich im Odenwaldmuseum. Über zwei schmale Holzbrücken über den inneren Wallgraben kommt man zum Zwinger, welcher der alten Stadtmauer vorgelagert war und der in Michelstadt nur noch an dieser Stelle erhalten blieb. Die östliche Brücke führt direkt in den Kellereihof, die westliche Brücke am Diebsturm führt über die Häfnergasse zum Marktplatz oder durch den engen Storchenwinkel zurück zur Kellerei.

Das Städtchen hat uns so gut gefallen, dass wir im Sommer noch einmal hinfahren werden.

Auf dem Rückweg nach Eberbach wollten wir in Ottenbach im Restaurant „Zur Krone“ zu Mittag essen. Doch leider waren schon alle Tische besetzt, so dass wir hungrig nach Eberstadt zurück fuhren, um uns dort in eine Gaststätte zu setzen. Ich wäre gerne noch einmal in die Gaststätte „Zur Sonne“ gegangen, aber Uschi wollte unbedingt ins Restaurant vom Hotel „Zum Karpfen“ Das Haus sah von außen mit seiner Malerei sehr schön aus, aber die Speisekarte enthielt vielleicht eine Handvoll Gerichte, die zudem noch sehr teuer waren. Lediglich 3 preiswerte Schnitzelgerichte wurden angeboten.

Bevor wir wieder an unsere „alte“ Angelstelle fuhren, hielten wir vor der Schleuse an um ein bisschen zu blinkern. Dafür hatte Uschi sich ja auch extra die Quantum Hypercast Cat Fish Spin3000 und als Rolle die Spro Rock Tuff Body S/W 660 gekauft. Zuerst probierte ich es mit einem 90g-Blinker. Von der Wurf- und Drilleigenschaft der Rute, aber auch von der Leichtigkeit der Rolle war ich begeistert. Da hatte sie ja doch etwas Gutes gekauft! Nach mehreren Würfen war ich ins Schwitzen gekommen und fragte Uschi, ob sie es auch mal probieren wollte. Ich sagte ihr wie sie werfen und den Blinker führen musste, hatte jedoch etwas Bedenken, dass sie ihn verlieren könnte. Doch es ging alles gut.

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Während des Spinnfischens kam auch der Angler vom Vortag zu uns und schaute uns einige Zeit zu. Nach einer halben Stunde gaben wir es auf. Kein Wels wollte unseren Kunstköder. Als packten wir die Spinnrute ein und setzten uns wieder an unsere alte Angelstelle.

Uschi muß wohl geahnt haben, dass das ein interessanter Tag werden würde, denn sie hatte „vorsichtshalber“ unsere Videokamera eingepackt. Beim Spinnfischen hatte sie mich und auch die Gegend an der Schleuse ein bisschen gefilmt, um den Umgang mit der Kamera zu üben.

Wir waren vielleicht eine Stunde am Wasser, als ich bemerkte, dass sich jemand zu Uschi und Heike gesellte. Einen Tag vor unserer Abreise hatten wir unsere T-Shirts und Sweatshirts aus dem Wallershop bekommen und an diesem Tag hatte Uschi das Sweatshirt angezogen, auf dem dick und breit „wallerforum.com“ stand.

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Als sein Blick darauf fiel meinte der Mann zu ihr: „Du bist doch die Uschi aus dem Wallerforum! Hallo, ich bin der Peter.“ Peter stammte aus Rockenau und sie hatte mit ihm vorher schon ein paar Mal gemailt. Sie unterhielten sich einige Zeit, dann kam Peter zu mir.

Auch wir unterhielten uns ausgiebig über das Fischen am Neckar und bei uns in Westfalen. Es war ein sehr interessantes Gespräch.

Als Peter wieder gegangen war, rief Uschi mir zu: „Heike hat einen Biss!“ Ich schnappte mir die Kamera und ging hin. Als ich bei ihr war, hatte sie den Wels schon im Kescher. Uschi holte die Filmkamera heraus und filmte Heike, während ich ein paar Fotos schoss.

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Heike war völlig aus dem Häuschen, was wir gut verstanden. Immerhin war es ihr erster Wels. Und das bei den schlechten Bedingungen! Während sie ihn maß (er war 65 cm lang), meinte sie: „Ich hatte gedacht, dass so ein Wels viel mehr Rabatz macht. Aber der verhielt sich ganz ruhig.“

„Warte mal ab, bis du einen dran hast, der größer als ein Meter ist! Dann wirst du schon merken, dass der Drill nicht so einfach ist!“ antwortete ich ihr.

Inzwischen hatte sich der Angler, der links von den beiden Mädels saß, auch zu uns gesellt. Auch er gratulierte Heike zu ihrem ersten Neckarwaller.

Nach einer Stunde später kamen zwei junge Männer, die sich zu den Mädels gesellten.

„Na, hier tut sich wohl nicht viel“, meinten sie.

„Doooooch!“ antwortete Heike. „Ich habe vor einer Stunde einen Wels gefangen“, meinte sie ganz stolz. Und vorgestern hat mein Vater – damit meinte sie mich - einen gefangen.

„Was? Mit was habt ihr die denn gefangen? Wo hast du hingeworfen? Welche Rute hast du?“ Fragen über Fragen prasselten auf Heike nieder. Bereitwillig gab sie Auskunft. Bevor die beiden wieder gingen meinten sie, dass sie es am nächsten Tag auch einmal probieren wollten.

Am nächsten Tag war der Neckar wieder etwas gestiegen und es schwammen noch mehr Baumstämme und Äste im Fluss. Trotz der widrigen Umstände wollten wir es noch einmal probieren. Außerdem war Uschi noch immer ohne Waller. Ich wünschte mir, dass auch sie einen fangen würde.

Die Stunden verrannen, aber es tat sich absolut nichts. In der Ferne zogen dicke, dunkle Wolken vorbei und kurz darauf blitzte und donnerte es auch. Aber das Gewitter verschonte uns. Als wir gegen 19 Uhr einpackten war Uschi sehr traurig, dass sie keinen Wels gefangen hatte.

„Komm Schatz, du fängst schon noch deinen Waller. Wenn nicht dieses Mal, dann im Juni. Und dann beißen sie bestimmt noch besser. Außerdem waren die Bedingungen dieses Mal nicht so günstig“, tröstete ich sie.



Mit einem Gruß aus Oerlinghausen

Achim Kluck


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