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Der Zielfisch
Wieder ein Fundstück aus dem Forum vom Anglerboard, das es wert ist, auch im Magazin veröffentlicht zu werden. Wir danken unserem Mitglied „lagerfehltrolle“ für diesen amüsanen Beitrag:
Tag 1
Es war der 18. März und das Unheil nahm von nun an seinen Lauf. Ich war zu einem 1-wöchigen Angelurlaub an der Talsperre aufgebrochen und hatte einen Bungalow direkt am Wasser gemietet. Meine Recherchen in verschiedenen Foren im Internet hatten ergeben, dass im Moment in ufernahen Flachbereichen mit Seeforellen zu rechnen sei. Also war ich hochmotiviert, diesen nachzustellen. Am Haus angekommen, lud ich schnell mein Auto aus, um danach zügig meine Ruten klar zu machen. An der ersten montierte ich eine Wasserkugel ohne Schnurstopper und Verbleiung. Als Köder diente ein Rotwurmbündel. Diese Montage platzierte ich in ca. 6-7m Abstand vom Ufer. Die andere Rute bestückte ich mit einem blauen Mepps 2-Spinner um damit die Flachwasserzonen „abzugrasen“. So verging Stunde um Stunde und ich ließ nichts unversucht, um mit wechselnden Spinnern und Blinkern endlich die heißersehnte Forelle zu erhaschen. Zwischendurch fixierten meine hektischen Blicke immer wieder die Wasserkugel, welche mit zunehmender Dauer immer häufiger abzutauchen schien. Die auf den Anhieb folgenden Kontrollen der Montage ergaben jedoch, dass nicht einmal ein Zupfer erfolgt war. Die Kopfgepiercten Würmer erfreuten sich ansonsten noch bester Gesundheit. So verging der erste Tag und als die Dämmerung hereinbrach, packte ich ein um mich in mein Domizil zurück zu ziehen. Dort entwarf ich einen „Schlachtplan“ für den nächsten Tag, um endlich einige dieser zahlreichen Salmoniden zu erhaschen. Ich beschloß also, auch die zweite Rute mit Wasserkugel und Rotwurm/Made-Kombi zu bestücken. Diese wollte ich in etwas größerer Entfernung platzieren, denn die Wetterprognose für die nächsten Tage verhieß, dass es erheblich wärmer werden sollte. Geschafft durch den anstrengenden Angeltag und müde durch den Genuß einiger Biere schlummerte ich ein und träumte von einem Ballett von tanzenden Wasserkugeln.
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Tag 2
Die Morgensonne weckte mich aus meinen anglerischen Träumen und mein erster Gedanke war „heute kriegst du sie“. Ich begab mich also ins Bad, um nach einer hektischen Katzenwäsche meine Montagen ins Wasser zu befördern. Gesagt-getan…..die erste landete in ca. 7m, die zweite in ca. 20m Entfernung vom Ufer in dem spiegelglatten See. Dann ging ich in die Küche, um mich für die bevorstehende Schlacht zu stärken. Ich machte mir einen starken Kaffee und zwei belegte Brote und platzierte mich mit meinem Frühstück im Wohnzimmer direkt hinter der Panoramascheibe, von wo aus ich die Szenerie am Wasser verfolgen konnte. Ich nippte gerade an der Kaffeetasse, als ich aus dem Augenwinkel heraus eine Wasserkugel abtauchen sah. Im stillen dachte ich an meinen Traum und mir schoß der Gedanke „nicht schon wieder“ durch den Kopf. Aber dann sah ich sie auftauchen und sie wanderte schnell nach rechts, um dann wieder abzutauchen. Wie von der Tarantel gestochen rannte ich zum Ufer, um den Anhieb zu setzen. Peng….ich hatte sie und mein Herz klopfte an die Schädeldecke, als ich den zappelnden Fisch an Land zog. Es war eine wunderschöne Regenbogenforelle, mit 42cm leider noch untermäßig. Sie hatte jedoch sauber gehakt und durfte wieder schwimmen. Daß ich in dieser Hektik vergessen hatte, ein Foto zu schießen, sollte ich später noch bitter bereuen. Ich machte die Montage wieder klar und warf sie wieder ufernah aus, bevor ich auch die andere Pose im flachen Bereich platzierte. Dann ging ich ins Haus, um Nikmark anzurufen. Er wollte ab Sonntag zu mir stoßen und ich hatte Ihm versprochen anzurufen, sobald ich „erfolgreich“ war. Meine Schilderung machte ihn merklich nervös und man konnte spüre, wie gern er jetzt auch hier wäre.
Ansonsten geschah bis zum Abend nichts mehr, aber die Gewissheit um einen schönen Angelplatz an einem solch „Forellenverseuchten“ Gewässer ließ diesen Tag für mich halbwegs zufrieden ausklingen.
Tag 3
Motiviert bis in die Haarspitzen hatte ich früh morgens die frisch bestückten Montagen ausgelegt, nachdem ich mich zuvor im örtlichen Angelladen mit Rotwürmen und der guttuenden Bestätigung für die Richtigkeit meiner Montagen „beladen“ hatte. So verging bis zum Mittag die Zeit ohne auch nur einem einzigen Zupfer. Ein die Stille zerreißendes „Mahlzeit“ aus dem Hintergrund ließ mich zusammenschrecken. Nikmark hatte es wohl nicht mehr ausgehalten und war nach dem OK seiner Familie schon einen Tag ehr als geplant angereist. Nach einer kurzen Begrüßung verstaute er sein Gerödel im Bungalow, um dann auch seinen Angelplatz einzurichten. In Gedanken war ich mir sicher, dass wir jetzt mit vier Angeln erfolgreich sein mussten. Doch bis zum Abend blieben unsere Anstrengungen erfolglos, was uns zu dem Plan veranlasste, am nächsten Tag alle möglichen Montagen zu testen, um eine Forelle zu verhaften.
Tag 4
Am frühen Morgen begannen wir mit der Umsetzung unseres Planes, indem wir wirklich alles erdenkliche versuchten. Bis zum Mittag und nach etlichen Sprüchen von Nikmark wie „wo ist eigentlich der Beweiß für deine Refo“ oder „ist die Digicam eigentlich echt?“ passierte wieder mal gar nichts. Erst als Nikmark kurz verschwunden war, um sich eine Schale Fritten zu organisieren, zog plötzlich meine Pose ab, ohne allerdings abzutauchen. Der Anhieb saß und ich konnte eine mit ca. 22cm erheblich untermäßige Seeforelle landen. In diesem Moment kam Nikmark zurück und fragte „was machst du denn da?“. Lediglich der Beweiß für die Anwesenheit unseres ersehnten Zielfisches ließ unsere Motivation wieder ansteigen. Bis zum Abend hatte sich dieser Schub jedoch aufgrund des fehlenden Erfolges wieder in Luft aufgelöst und wir ließen den Tag mit Grillfleisch und Hopfenkaltschale ausklingen.
Tag 5
Am Abend zuvor hatte ich beschlossen, mir heute fachkundigen Rat im Angelladen zu holen, um endlich einer schönen Forelle habhaft zu werden. Die Information war allerdings niederschmetternd. „Seeforellen im Bereich des Ufers sind aufgrund der gestiegenen Temperaturen im Moment eher Glückssache, aber eure Stelle ist ein hervorragender Platz für schöne Rotaugen und Brassen“ entfuhr es dem kompetenten Experten für dieses Gewässer. Ich bedankte mich brav für diese Info und begab mich zurück zum Ort des Geschehens, wohlwissend, wie hämisch Nikmark auf diese Aussage reagieren würde. Ich teilte ihm also mit, was der Mann aus dem Angelladen gesagt hatte. Nie zuvor habe ich in ein Gesicht geschaut, welches wohl von allen Muskeln befreit zu sein schien und ich war schon versucht, Ihm die Kinnlade zu stützen. „Schöne Brassen….gibt es so was?“, entfuhr es Ihm. Ich sagte „komm, laß uns Brassen jagen, schließlich haben wir hier ja wenigstens eine Dusche“ entgegnete ich ihm. Also wurde der beliebte Speisefisch „Brasse“ zu unserem neuen Zielfisch. Nikmark gab alles, er mischt Eimerweise Futter an und fütterte, dass in mir die Befürchtung aufkeimte, dass bald 20m vom Ufer entfernt eine neue Insel entstehen müsste. Es flogen also die Futterkörbe und die Bissanzeiger wurden eingestellt. Derweil wurde fleißig darüber diskutiert, was wir denn im Falle eines Fanges mit einer Brasse anstellen sollten. Einen Fleischwolf hatten wir nicht und ich machte den nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag, den ausgenommen Fisch mit Nikmarks Winterreifen in den Radkasten zu schleudern, um danach den Fischbrei herauszukratzen. So hatten wir wenigstens unseren Spaß und am Abend wurde Nikmark mit einem „schönen Rotauge“ belohnt.
Tag 6
Nikmark reiste am Mittag ab und ich blieb den ganzen Tag trotz ausdauernden Ansitzens erfolglos.
Tag 7
Jetzt packte auch ich meinen Kram ein und verließ diesen „Ort des Grauens“. Zurück blieb die Gewissheit, welche Abgründe sich auftun können, wenn es um die Wahl des Zielfisches geht.
Mein Fazit: Es war trotz allem eine absolut schöne Woche an einem schönen Gewässer, gespickt mit jeder Menge Zynismus und Selbstironie!
Lagerfehtlrolle
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