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Sommerwaller

Wer an Waller denkt, denkt an den Po in Italien, an den Ebro in Spanien, an das Donaudelta oder ähnliche Gewässer, von denen in schöner Regelmässigkeit in der Angelfachpresse von gewaltigen Fischen geschrieben wird. Das dort meist verwendete Gerät könnte auch sicher locker einen grossen Heilbutt in Norwegen bezwingen, es wird normalerweise vom Boot aus, oft auch mit dem Wallerholz, geangelt.

Dabei muss man doch gar nicht in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nahe liegt. Was man an Wallern im Rhein, im Neckar oder im Main fangen kann, braucht sich sicherlich nicht verstecken. Wenn man auch gerechterweise zugeben sollte, dass die Fische in oben genannten ausländischen Gewässern doch höhere Durchschnittsgewichte haben und wohl auch „leichter“ zu fangen sind. Man hat ja den Guide, der weiss wo die Waller stehen und wie sie zu fangen sind.

In deutschen Wallergewässern muss man sich entweder die Kenntnisse um den Bestand, die Standplätze und die Technik selbst erarbeiten, oder man kennt einen Angelkollegen, der sich vor Ort auskennt. Wobei ich persönlich das interessanter finde, da es mit nicht auf den Rekordfang an sich ankommt, sondern ich das Erlebnis Angeln als solches schätze. Und das habe ich an Rhein, Main und Neckar auch – und zu wesentlich geringeren Kosten.

Zudem kann ich an unseren heimischen Gewässern mit guten Erfolgsaussichten meine geliebten Spinnruten einsetzen, was mir doch mehr Spass macht, als das Angeln mit Naturködern vom Boot oder gar an Bojenmontagen. Das erste Highlight der Saison ist immer das zeitige Frühjahr. Denn die grossen Waller „stehen“ meist früher auf als die kleineren Artgenossen. Dann hat man eine gute Chance auf einen grossen Waller. Gerade bei mir am Neckar fängt man im Sommer doch viele kleine Waller auf Grund des guten Bestandes, so dass selten einmal ein „Grosser“ überhaupt die Chance hat, vor einem der kleineren am Köder zu sein.

Aber gerade auch der Sommer bietet viele Möglichkeiten zum Fang von Wallern mit der Spinnrute – und wenn sie auch kleiner sind als im Frühjahr, so fängt man dafür mehr. Wallerangeln mit der Spinnrute heisst oft schwere Blinker, Wobbler oder Gummifische werfen zu müssen. Da man aber auch nicht mit jedem zweiten Wurf einen Biss hat, sollte das Gerät zwar den hohen Wurfgewichten standhalten, auf der anderen Seite aber nicht zu schwer sein. Straffe, nicht zu lange Ruten (2,70m halte ich für ideal) mit einem Wurfgewicht um oder leicht über die 100 Gramm haben auch genügend Reserven für grössere Waller.

Als Rolle bevorzuge ich Multirollen zum Werfen, wer das mal ausprobiert hat, wird nicht mehr davon loskommen. Wenn da so 250m einer Schnur drauf sind, die so zwischen 12 und 15 Kilo trägt, ist man schon gut gerüstet. Dabei bevorzuge ich geflochtene Schnüre.

Wichtig ist auch das Zubehör: Wer meint bei Wirbeln, Haken, Sprengringen oder Vorfächer sparen zu können, sollte sich hinterher nicht beschweren, wenn sein Traumfisch wieder abgekommen ist. Also lieber ein paar Teuro mehr in vernünftiges Zubehör investieren, als vielleicht den Traumfisch zu verlieren.

Ich tausche alle Drillinge an meinen Kunstköder gegen Einzelhaken aus. Diese kommen beim Anhieb besser durch und man verliert im Drill weniger Fische. Und man kann auch vernünftige und stabile Haken verwenden. Je nach Ködergrösse variieren diese bei mir zwischen 4/0 und 10/0.
Standardköder sind bei mir zuerst einmal der bewährte Effzett – Blinker in 40 Gramm sowie grosse Gummifische. Standard heisst: Ich beginne immer mit diesen Ködern zu fischen. Sollte sich nichts tun, habe ich noch eine ganze Reihe Köder parat, die ich dann ausprobieren kann. Je nachdem auf was die Waller gerade „stehen“, setze ich unterschiedliche Köder ein.

Der Doppeleffzett: Nein, nicht der berühmte „Klapperblinker“, bei dem man 2 Blinker aufeinander und mittels Sprengringen verbindet. Und der so durch die Geräusche die Waller besser locken soll. Ich benutze zwei unterschiedlich schwere Effzett Blinker. Diese werden mittels vernünftiger Sprengringe verbunden und bekommen statt des Drillings einen Einzelhaken spendiert. Der leichtere Köder zeigt zur Hauptschnur, der schwerere Blinker mit dem Haken sitzt „unten dran“ – weils so besser zu werfen ist.
Dieser Köder knallt zum einen recht heftig auf die Wasseroberfläche (Wallerholzeffekt), zum andern zeigt er ein äusserst lebhaftes Laufverhalten. An manchen Tagen rettet dies den Wallerangeltag, an anderen kann dieser lebhafte Lauf auch dazu führen, dass die Waller vergrämt werden. Auf Wunsch kann der Haken natürlich auch noch mit einem Twister garniert werden.

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Der getunte GuFi: Gummifische verwendet man entweder „wie gekauft“, oder man versucht sie ein bisschen zu optimieren. Für mich heisst das aber nicht am GuFi rumzuschnippeln, sondern der Montage ein Spinnerblatt vorzuschalten. Auch das bringt mehr Bewegung ins Wasser und ist wie beim Doppelblinker an manchen Tagen unschlagbar.

Der doppelte Twister: Wird dann eingesetzt, wenn es die Walle etwas ruhiger mögen. Er soll also eigentlich das Gegenteil der vorherigen Köder bewirken. Ich benutze dazu grosse Einzelschwanztwister auf passenden Einzelhaken (ohne Bleikopf). Über die Hakenspitze des einen (fertig montierten) Twisters wird ein stabiler Sprengring (oder zwei oder drei, je nach Stärke der Ringe und Grösse des Hakens) gezogen. An diesen Sprengringen wird der zweite fertig montierte Twister eingehängt. Das ganze wir an ein Vorfach montiert, das als Wurfgewicht eine Bleikugel hat. Diese Montage ist alleine durch die geringeren Abmessungen gegen über den vorigen wesentlich leiser beim Auftreffen im Wasser. Und statt allzu lebhaft im Wasser zu spielen, „schlängelt“ sich diese Doppeltwister mehr wie Aal durchs Gewässer. Da Aale auf der Speisekarte der Waller ganz oben stehen, ist dies an manchen Tagen der Top – Köder.

Der getunte Wobbler: Oft stehen die Waller aber auch auf kleine Happen, gerade im Frühsommer, wenn es viel Fischbrut gibt. Dann ist man mit den ganz grossen Ködern natürlich aufgeschmissen. Die kleinen Wobbler, die man hier oberflächennah anbieten kann, sind aber natürlich nicht für Waller gedacht. Dementsprechend sieht die „werkseitige“ Montage mit Sprengringen und Haken aus. Damit kann man vielleicht noch einen dreipfündigen Döbel sicher landen, wer damit aber Waller fangen will, der muss umrüsten, wenn ihm der Fisch nicht Haken oder Sprengringe aufbiegen soll. Und zwar indem man die Sprengringe und Drillinge entfernt. Am Wobblerende wird mit einem starken Kevlarvorfach ein nicht zu grosser aber stabiler Einzelhaken angebunden. Der Abstand bei einem 5 cm langen Wobbler zwischen Wobbler und Haken sollte ca. 2 – 3 cm betragen.

Wer so ausgerüstet ist, der sollte auch früher oder später seinen Waller erwischen. Die besten Beisszeiten sind im Sommer zum einen die Mittagszeit. Wenn die Waller dann unterwegs sind, jagen sie oft auch an der Oberfläche. Sieht man keine „Aktivität“ im Wasser, fängt man aber eine Etage tiefer an. Dabei kann es durchaus sinnvoll sein, den Spinnköder bis zu 30 oder 40 mal an die gleiche Stelle zu werfen. Durch das ständige Platschen des Köders beim Eintauchen wird ein Effekt wie mit dem Wallerholz erzielt und kann so Fische, die in der Nähe stehen anlocken.

Aber auch in der Dunkelheit lassen sich Waller blinkern. Während sie mittags oft auch mal tiefer stehen, sind sie nachts fast durchgängig in der Nähe der Oberfläche zu finden. Hier sollte man bevorzugt die grösseren Köder mit lebhaftem Spiel einsetzen, die der Waller auch über grössere Entfernung wahrnehmen kann.

Alle Plätze, die zum einen Deckung und zum anderen in der Nähe Nahrung bieten, sowie auch im Sommer genügend Sauerstoff, sollte man abblinkern. Also alle Kehrwasser, die an die Hauptströmung direkt anschliessen, flachere Bereiche unterhalb von Wehren, Plätze an Brückenpfeilern oder grossen Steinen, und auch überall dort, wo tiefes Wasser mit Strömung direkt ans Flache anschliesst.

Oft beissen Waller unverkennbar vehement und mit einer Gewalt, die einem sofort klar macht, wer da den Köder genommen hat. Aber es kommt auch nicht zu selten vor, gerade wenn man mit kleineren Ködern fischt, dass man nur ein leichtes Zupfen oder Stoppen spürt. Wer jetzt nicht anschlägt, verpasst vielleicht den Waller seines Lebens!

Das wichtigste beim Drill: Den Fisch möglichst schnell aus der Strömung bringen. Das von mir oben beschriebene Gerät hat zwar viel mehr Reserven, als die meisten Angler das glauben würden, wenn aber ein grosser Waller in die Strömung kommt, braucht er nicht mehr viel zu tun, um die Rolle leer zu machen. Ich bevorzuge daher einen gerade am Anfang konsequenten Drill bei dem der Waller nur Schnur bekommt, wenns gar nicht anders geht. Was oft genug der Fall ist. Hat man den Fisch in einem ruhigeren Bereich, kann man ihn sich austoben lassen. Landen sollte man ihn am besten mit einem grossen Kescher. Die Handlandung (Wallergriff) verlangt sowohl Übung wie eigentlich auch einen Handschuh.

Man sollte sich also ruhig mal Italien, Spanien oder das Donaudelta zum Wallerangeln gönnen. Sicher ein Erlebnis für jeden passionierten Angler. Was man aber nicht vergessen sollte, sind die „Schätze“, die unsere heimischen Flüsse bergen. Versuchts mal mit den Tipps aus diesem Artikel. Und bei Erfolg hätten wir natürlich gerne einen Bericht fürs Magazin oder zumindest im Anglerboard – Forum.

Thomas Finkbeiner



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