|
Zu Gast bei …
Heute: Monofil-Technik GmbH (PLATIL-Angelschnüre)
Angeregt durch eine Firmenumfrage der Anglerpraxis für die Juliausgabe zum Thema „Angelschnüre“ ergab sich die Möglichkeit, einmal bei einem deutschen Hersteller einen Blick hinter die Kulissen der Produktion monofiler Angelschnüre zu werfen. Herr Dirk Sowietzki von der Firma Monofil-Technik GmbH war uns dabei ein kompetenter Gesprächspartner.
Nach dem Interview konnte Anglerpraxis die Herstellung der monofilen Angelschnüre vom Granulat bis zur fertigen Spule in den einzelnen Produktionsschritten im Betrieb besichtigen und interessante Fotos machen. Dabei hatte Anglerpraxis Gelegenheit, die Produktionsabläufe mitzuverfolgen, Schnurdurchmesserprüfungen und Zerreißtests im Labor zu beobachten und auch einen Blick in das Lager zu werfen.
 Dirk Sowietzki, Firma Monofil-Technik GmbH
Das Interview
(Gesprächsinhalt leicht gekürzt)
Anglerpraxis: „Können Sie uns Ihre Firma kurz vorstellen?“
Sowietzki: „Die Firma hat ihren Sitz und ihre Produktionsstätten ausschließlich hier in Hennef (Sieg). Unser mittelständisches Unternehmen hat ca. 60 vollbeschäftigte Mitarbeiter, ungefähr 50% der Belegschaft sind ausländische Mitarbeiter. Gearbeitet wird in einem 3-Schicht-Betrieb rund um die Uhr, wobei ab Samstag Mittag bis Montag früh pausiert wird. Wir produzieren mit 13 Produktionslinien (Maschinenstraßen). Das jährliche Umsatzvolumen beträgt ca. 50 Mio. EURO. Die PLATIL-Angelschnüre sind ein kleinerer Bestandteil der Gesamtproduktion. Überwiegend werden technische Spezial-Monofile für die Industrie hergestellt. Die Firma Monofil-Technik entstand 1984 durch Abspaltung eines Produktionszweigs von der Firma Dynamit Nobel AG. 1993 fusionierte Monofil-Technik mit der Firma Plate („PLATIL“). Seither wird PLATIL-Angelschnur bei Monofil-Technik produziert. Seit 1995 ist der Betrieb DIN-ISO-9001-zertifiziert.“
Anglerpraxis: „Sind einige Mitarbeiter der Firma auch selbst Angler?“
Sowietzki: „In der Belegschaft gibt es 10 bis 15 Angler. Selbst in der Administration haben wir 2 Mitarbeiter, die Angeln gehen.“
Anglerpraxis: „Unter Anglern wird über geflochtene Angelschnüre viel öfter wegen falscher Tragkraft- und Durchmesserangaben kritisch diskutiert als über monofile Angelschnüre. Sehen Sie bei Ihrer Firma und Konkurrenzherstellern von Monofilschnur auch in so starkem Maße diese Problematik?“
Sowietzki: „Ja. Um z.B. 50% mehr Reißfestigkeit zu erhalten, ist ein sehr hoher Aufwand erforderlich. Dem Angler bleibt im Geschäft meist nur die Möglichkeit, unterschiedliche Angelschnüre anhand ihres Etikettenaufdrucks zu vergleichen. Gerade hier wird von manchen Firmen manchmal geschwindelt und ein Durchmesser angegeben, der beim Nachprüfen eine tatsächliche Dicke von manchmal mehr als 0,05mm ergibt, was wohl nicht mehr mit Produktionstoleranzen begründet werden kann. Das bedeutet schon eher Betrug! Auf den Etiketten wird meistens leider nur die lineare Tragkraft ohne Knoten angegeben, das ist etwas praxisfremd. Mittlerweile werden sogar schon doppelte Tragkraftangaben aufgedruckt, als dies reell ist. Gegen diese Firmen laufen bereits Abmahnungen.“
Anglerpraxis: „Wie messen Sie Durchmesser und Tragkraft ihrer Angelschnüre?“
Sowietzki: „Die Angaben ermitteln wir auf unterschiedliche Weise. Der Durchmesser kann z.B. mit einer Handmessuhr festgestellt werden. Das Gerät funktioniert ähnlich wie eine Lehre. Oder durch genaues Wiegen eines 1m langen Schnurstücks im Labor. Wenn das spezifische Eigengewicht des Materials bekannt ist, kann so auch der Durchmesser bestimmt werden. Außerdem wird in den Produktionsstraßen hochgenau mit einem Abtast-Laser gemessen. Die Tragkraft kann durch ein einfaches, aber genaues Handmessgerät der Firma „WAKU “, den Schnurtester, gemessen werden. So ein preiswertes Gerät sollte übrigens jedem Angler im Angelgeschäft zur Verfügung stehen, um auch einmal selbst die Tragkraft verschiedener Angelschnüre vergleichen zu können! Im Labor kann die lineare Tragkraft ohne Knoten oder auch die Knotentragkraft in einer computergesteuerten Reißmaschine dann ganz genau ermittelt werden. - Im englischsprachigen Raum wird übrigens mehr Wert ausschließlich auf die Tragkraftangaben der Schnüre (lt. IGFA) gelegt und weniger auf den Durchmesser.“
...
|
Werbung
| |
 Handmessuhr |
 Schnurkraft-Tester der Firma „WAKU“ |
Anglerpraxis: „Sie bieten 9 verschiedene PLATIL-Angelschnüre an. Ist es sinnvoll bzw. lohnt es sich für den Verkauf überhaupt, eine so große Palette unterschiedlicher Angelschnüre vorzuhalten?“
Sowietzki: „Es ist ein Kombinationsgeschäft. Skandinavier angeln z.B. anders als Italiener. Da verwenden sie auch unterschiedliche Schnüre. Außerdem verkaufen wir Schnüre tonnenweise weiter an Umspulbetriebe.“
Anglerpraxis: „Was sind Umspulbetriebe?“
Sowietzki: „Diese Betriebe stellen keine Schnüre her, sondern kaufen in großen Mengen Schnüre von anderen Herstellern ein und spulen diese von Großspulen auf eigene bedruckte, kleinere Spulen auf.“
Anglerpraxis: „Kann es dann sein, dass ich im Angelgeschäft im Regal an der Wand womöglich Ihre PLATIL-Angelschnur neben der gleichen von Ihnen hergestellten Schnur finde, bei der bloß ein anderes Firmenetikett auf der Spule klebt und die Schnur ansonsten die gleiche ist?“
Sowietzki: „Das kann schon sein! Die Schnüre haben dann auch die gleichen Eigenschaften, sehen aber nicht völlig identisch aus und sind immer unterscheidbar. Für Umspulbetriebe färben wir Schnüre anders ein. Das Produzieren für Umspulbetriebe ist aber keine unlautere Sache, sondern ein ganz normaler Vorgang, den auch andere Hersteller praktizieren. Genauso ist es ja auch mit völlig anderen Produkten wie z.B. im Supermarkt, der seine Sachen auch nicht selbst hergestellt hat.“
Anglerpraxis: „Sieht Ihr Absatz am deutschen Markt ähnlich aus wie im Ausland und kaufen deutsche Angler bestimmte Angelschnüre besonders häufig, andere dagegen seltener?“
Sowietzki: „Der Absatz in Deutschland ist ungefähr wie im Ausland, nur etwas geringer.
2 Jahre gab es zwischenzeitlich (1993-1995) wegen Problemen mit einem früheren Großhändler gar keinen PLATIL-Verkauf. Seit 2-3 Jahren arbeiten wir im Vertrieb zusammen mit PENN. Das klappt sehr gut und wir sind sehr zufrieden damit. – Ja, Deutsche kaufen mit Vorliebe PLATIL Strong, weil viele Angler diesen alten Markennamen schon lange kennen und darauf vertrauen. Im Ausland ist es nicht so schwerpunktmäßig, aber dort hat auch jeder Markt seine Eigenarten.“
Anglerpraxis: „In welchen Ländern außer Deutschland verkaufen Sie ebenfalls PLATIL-Angelschnüre?“
Sowietzki: „In Polen, Russland, Finnland, Norwegen, Dänemark, Belgien, Niederlande, Frankreich, Luxemburg, Spanien, Portugal, Italien, Malta, Schweiz, Österreich, Bulgarien, Rumänien, Griechenland, Türkei, Saudi Arabien, Australien, teilweise Südamerika, … .“
Anglerpraxis: „Verraten Sie uns, woher Sie Ihre Rohstoffe (Kunststoffgranulate) beziehen, aus dem Ausland oder aus dem Inland und sind es immer die gleichen Lieferanten oder verarbeiten Sie Rohstofflieferungen verschiedener Qualitäten (eine etwas provokante Frage)?“
Sowietzki: (lacht) „Die Rohstoffe beziehen wir immer vom gleichen Hersteller, und zwar aus dem Inland. Es ist ein Hersteller mit 4 Buchstaben aus Ludwigshafen.“
Anglerpraxis: „Was halten Sie selbst für die wichtigste Eigenschaft einer Monofilschnur: Abrieb, Dehnung, Tragkraft, eine andere Eigenschaft oder eine Kombination mehrerer Eigenschaften?“
Sowietzki: „Die Magie ist, die ideale Kombination zu finden! Aber bestimmte Eigenschaften schließen sich aus. Je höher z.B. die Reißfestigkeit, umso geringer die Weichheit und Dehnung der Schnur.“
Anglerpraxis: „Nach ihren Angaben gibt es nur kleine Herstellungstoleranzen:
- technisch bedingte Produktionstoleranzen von 0,01mm und
- leichte Durchmesser-Erhöhung durch Feuchtigkeitsaufnahme aus der Atmosphäre (0,005mm). Damit kann jeder Angler ganz gut leben. Sind das von Ihnen eigene, selbst auferlegte Werte, oder gibt es eine einheitliche Toleranznorm, die alle Hersteller beachten müssen?“
Sowietzki: „Nein, die Werte sind selbst auferlegt. Der Betrieb ist ISO-zertifiziert, da müssen wir schon enge Grenzen einhalten. Und die technische Industrie, für die wir überwiegend produzieren, verlangt sowieso hohe Normen.“
Anglerpraxis: „Können Sie uns sagen,
wie viele Herstellerfirmen von monofilen Angelschnüren es überhaupt noch in Deutschland gibt und
in welchen Ländern die Mehrzahl der Herstellerfirmen des Weltmarkts produziert?“
Sowietzki: „In Deutschland gibt es nur noch 2 Hersteller: Monofil-Technik und BAYER. Die Mehrzahl der Firmen weltweit produziert hauptsächlich in Frankreich, Spanien, Italien, Osteuropa, USA und Japan. Außer in Deutschland werden auch in Japan qualitativ sehr hochwertige Angelschnüre hergestellt. PLATIL gehört zu den führenden Marken in der Welt. Aber vor ca. 30 Jahren gab es noch 5 Anbieter, jetzt sind es ungefähr 500! Und in den letzten 10-15 Jahren hat der Markt abgenommen. Am Weltmarkt wird allgemein weniger verkauft.“
Anglerpraxis: „Wie sehen Sie Ihre Zukunft, haben Sie besondere Pläne oder Ziele für die Firma?“
Sowietzki: „Ziel ist es, den Umsatz zu stabilisieren. Der Markt ist anstrengend geworden. Deshalb führen wir viele Re-Investitionen in immer neueste Anlagen durch. 1 Anlage kostet ca. 1-2 Mio. EURO. Wir beabsichtigen, die Verschiedenartigkeiten der Angelschnüre beizubehalten und Neuerungen auf dem Markt immer rechtzeitig herauszubringen. Morgen auf der Messe in Nürnberg wird übrigens eine neue Schnur präsentiert, die ähnlich wie eine geflochtene, aber eben doch keine eigentliche geflochtene Angelschnur ist.“
Anglerpraxis: „Wir danken Ihnen für das Gespräch“.
PLATIL ist seit 54 Jahren die älteste Angelschnurmarke der Welt. Aktuell werden folgende 9 Schnüre im Programm des Herstellers geführt:
| Souverän: | wasser-grün, hohe Tragkraft, relativ weich, wenig „Kringeln“ der Schnur
|
| Strong: | der „Klassiker“; dunkelbraun
|
| Match: | ähnlich wie Strong, dunkelgrün
|
| Xtra: | für Süß- und Salzwasser, geringe Dehnung, hellgrau
|
| Marine: | fürs Meeresangeln, in gelb, natur, orange und grün
|
| Universal: | besonders weiche Universalschnur, grau und blau
|
| Ghost: | die „Unsichtbare“, erhielt diesen Namen wegen ihrem dem Wasser ähnlichen Lichtbrechungsfaktor; gute Wurfeigenschaften durch hohes Eigengewicht, transparent
|
| Ice-Line: | fürs Eisangeln, fluoreszierend gelb
|
| Fly: | Vorfachschnur fürs Fliegenfischen
|
Maximale Tragkraftwerte heutiger Monofil-Angelschnüre:
(Die Tabelle wurde von der Firma Monofil-Technik zur Verfügung gestellt. In der letzten Juli-Ausgabe veröffentlichte die „Anglerpraxis“ eine ähnliche Tabelle der Firma „WAKU“. Die Werte der beiden Firmen stimmen nicht ganz überein, sind sich aber sehr ähnlich.
Da es sich um Anhaltswerte handelt, kann davon ausgegangen werden, dass diese Angaben auch zutreffen.)
Die Herstellung einer Mono-Angelschnur
 Polyamid-Körnchen (Nylon)
Am Anfang eines Angelschnurlebens steht ein großer Sack Granulat aus ganz vielen weißlichen, ca. 3mm großen Polyamid-Plastikkörnchen (nur die PLATIL-Ghost- Angelschnur wird aus Polyfluorcarbon hergestellt). Polyamid, das auch als Nylon bekannt ist, besteht aus Molekülen, die fadenförmig wie ein Haufen Spaghetti ineinander verknäuelt sind.
Die Kunststoffkörner werden zu Beginn der Produktion in den Extruder gefüllt. Das ist eine Art „Fleischwolf“ mit einer sich in einem Rohr drehenden Schnecke, in dem die Polyamid-Körnchen auf 250ºC erhitzt und verflüssigt werden. Wird eine farbige Angelschnur gewünscht, werden vorher noch farbige Körner beigemischt.
 Farbkörnchen
Die flüssige Kunststoffmasse wird durch eine Metallplatte mit vielen kleinen Löchern (Spinndüsen) gepresst, wobei dann gleichzeitig die Struktur von je nach Durchmesser bis zu max. 80 Angelschnurfäden entsteht. Entsprechend der gewünschten Schnurstärke werden jeweils Vorsatzplatten mit unterschiedlichen Düsendurchmessern verwendet. Zur Abkühlung fallen die noch heißen, flüssigen Kunststofffäden in ein Wasserbad.
 Versch. Spinndüsen-Scheiben |
 Die flüssigen Kunststoffschnüre fallen ins Wasserbad |
Danach wird die Schnur durch sich 3-fach wiederholende Arbeitsgänge verstreckt, also jeweils wieder erhitzt und in die Länge auseinander gezogen, wobei die Polyamid-Moleküle aus ihrem Knäuel befreit und alle in Längsrichtung gebracht werden. Dabei wird die Angelschnur zwar immer dünner, aber im Verhältnis zum Durchmesser auch reißfester. Das Ausmaß der Verstreckung variiert je nach gewünschter Schnurstärke oder beabsichtigter Eigenschaft der Schnur. Je stärker aber die Verstreckung, umso weniger geschmeidig und abriebfest ist die Schnur.
 Verstreckungsanlage: Dehnen der Schnur |
 Reckofen |
Um der Angelschnur am Ende des Produktionsvorgangs eine dauerhafte Struktur zu geben, durchläuft sie schließlich noch einmal einen 170ºC warmen Heizofen, wobei das Material während des ständigen Weiterspulens „relaxt“ und ein bisschen schrumpft. Danach kontrolliert ein Lasermessgerät evtl. Abweichungen.
 Abtast-Laser |
 Gleichzeitiges Messen vieler Schnüre |
Vor dem Aufspulen auf kilometerlange Großspulen bekommt die Schnur noch eine schützende Oberflächenbehandlung.
Sind die Großspulen befüllt, gehen davon jeweils Muster-Schnurstücke an das Labor.
Dort wird die Angelschnur noch einmal auf 2 Arten, per Messuhr (Handlehre) mit einer Doppelmessung und per Laborwaage (spezif. Gewicht im Verhältnis zu 1m Schnur) auf ihren Durchmesser geprüft. Übrigens: Auch Monofil-Schnüre sind produktionsbedingt im Durchmesser nie ganz kreisrund, sondern leicht oval, daher die Doppelmessung hoch und quer(der Durchschnitt dieser 2 Messungen wird errechnet)!
 Messen mit Handmessuhr |
 Schnurtest an der Zerreißmaschine |
Mit der Zerreißmaschine werden an 1m-Schnurstücken Reißfestigkeits- und Knotentests mit einfachem Knoten oder 3-fach-Schlaufenknoten durchgeführt. Mit dem 3-fach-Schlaufenknoten wurden interessanterweise Werte bis zu 100% der linearen Tragkraft erreicht! Die Leistungskurven, die auf dem Computerbildschirm abgelesen wurden, werden mit ihren Ergebnissen und Zeitangaben archiviert.
Sind die Ergebnisse einwandfrei, wird die Angelschnur für den Verkauf freigegeben.
Schaubild einer ca. 50m langen Produktionsstraße
 (Skizze mit freundlicher Genehmigung der Firma Monofil-Technik)
Pflege- und Aufbewahrungstip:
Mono-Angelschnur sollte ausgetauscht werden, wenn sie starke Knicke, rauhe Stellen oder Verfärbungen zeigt. Da der Kunststoff Feuchtigkeit aufnimmt (und das auch soll!), aber auch wieder abgeben kann, ist die Schnur dunkel, aber nicht trocken zu lagern.
|