Pressemeldung: Fischkot lernt schwimmen...
Pressemeldung
26. März 2009, Nr. 24/2009, AZ 26128
Langenargen. Der Fischkonsum steigt stetig an. Weltweit sind 75 Prozent
der natürlichen Bestände überfischt, teilweise erschöpft. Deshalb wird
die kontrollierte Fischzucht in sogenannter Aquakultur und insbesondere
die umweltschonende Produktion in geschlossenen, Wasser sparenden
Kreislaufanlagen immer bedeutender. Doch die vollständige Reinigung und
Aufbereitung des Wassers ist technisch schwierig. Die
Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg will jetzt gemeinsam mit der
Zordel Fischhandels-GmbH (Neuenbürg) und der Fischzucht Peter Störk (Bad
Saulgau) ein spezielles Futtermittel entwickeln, nach dessen Aufnahme
die Fische schwimmfähigen, festen Kot erzeugen, der sich leicht von der
Wasseroberfläche abschöpfen lässt. „So könnte bereits über die Fütterung
eine aufwändige Entsorgung vermieden und die umweltfreundliche
Fischerzeugung verbessert werden“, sagt Dr. Fritz Brickwedde,
Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Sie fördert
das Projekt mit 350.000 Euro.
„Nicht nur der zunehmende Wildfischfang, sondern auch die traditionelle
Fischzucht birgt Gefahren für das Ökosystem“, so Brickwedde: „Durch
das vermehrte Vorkommen von stickstoff- und phosphathaltigem Fischkot
kann es in den Gewässern zu einer Überdüngung und damit langfristig zu
Umweltschäden kommen.“ Die Fischerzeugung in Kreislaufanlagen biete
den entscheidenden Vorteil, dass das Wasser in einem geschlossenen
System zirkuliere und die nährstoffreichen Fäkalien nicht in offenes
Gewässer gelangten. Diese bislang wenig eingesetzte Technologie sei
deshalb deutlich umweltverträglicher und gerade im Hinblick auf eine
steigende Nachfrage zukunftsweisend.
„Die sichere und nahezu vollständige Entfernung der Ausscheidungsstoffe
aus dem Kreislaufsystem ist allerdings eine echte technische
Herausforderung“, erläutert Dr. Alexander Brinker von der
Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg. „Die feinen
Fischkotpartikel verteilen sich gleichmäßig im gesamten Wasser und
lassen sich nur bedingt und mit großem Energieaufwand herausfiltern.“
Eine unzureichende Filterung wiederum wirke sich negativ auf die
Wasserqualität und auf die Gesundheit der Fische aus. „Im schlimmsten
Fall gerät das gesamte Kreislaufsystem aus dem Gleichgewicht, und der
Betrieb der Anlage lässt sich aus Sicherheitsgründen nicht mehr aufrecht
erhalten“, führt Brinker aus.
Brinker: „Gelingt es nun, den Fischkot durch spezielles Futter fester
und leichter zu machen, so dass er sich an der Wasseroberfläche sammelt,
kann er von dort ohne großen technischen Aufwand mechanisch abgetragen
werden. In den hauseigenen Versuchsanlagen testen wir derzeit
verschiedene neuartige Futtermischungen. Der erfolgsversprechende Ansatz
soll sich dann unter kommerziellen Bedingungen in der Fischzucht Störk
bewähren, wobei ein neues, von der Firma Zordel konstruiertes Gerät zum
Abschöpfen der Fäkalien verwendet werden wird. Ein zielführendes,
verbessertes Fütterungsmanagement wäre ein wegweisender Schritt in
Richtung einer nachhaltigen Aquakultur. Der Verbraucher kann dann auch
in Zukunft guten Gewissens an der Fischtheke zugreifen.“
Franz-Georg Elpers, Pressesprecher
Deutsche Bundesstiftung Umwelt
26. März 2009, Nr. 24/2009, AZ 26128
Denn entscheidend ist, was hinten rauskommt: Fischkot
“lernt“
schwimmen
schwimmen
DBU fördert umweltschonende Aquakultur in Kreislaufanlagen mit
350.000
Euro
Euro
Langenargen. Der Fischkonsum steigt stetig an. Weltweit sind 75 Prozent
der natürlichen Bestände überfischt, teilweise erschöpft. Deshalb wird
die kontrollierte Fischzucht in sogenannter Aquakultur und insbesondere
die umweltschonende Produktion in geschlossenen, Wasser sparenden
Kreislaufanlagen immer bedeutender. Doch die vollständige Reinigung und
Aufbereitung des Wassers ist technisch schwierig. Die
Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg will jetzt gemeinsam mit der
Zordel Fischhandels-GmbH (Neuenbürg) und der Fischzucht Peter Störk (Bad
Saulgau) ein spezielles Futtermittel entwickeln, nach dessen Aufnahme
die Fische schwimmfähigen, festen Kot erzeugen, der sich leicht von der
Wasseroberfläche abschöpfen lässt. „So könnte bereits über die Fütterung
eine aufwändige Entsorgung vermieden und die umweltfreundliche
Fischerzeugung verbessert werden“, sagt Dr. Fritz Brickwedde,
Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Sie fördert
das Projekt mit 350.000 Euro.
„Nicht nur der zunehmende Wildfischfang, sondern auch die traditionelle
Fischzucht birgt Gefahren für das Ökosystem“, so Brickwedde: „Durch
das vermehrte Vorkommen von stickstoff- und phosphathaltigem Fischkot
kann es in den Gewässern zu einer Überdüngung und damit langfristig zu
Umweltschäden kommen.“ Die Fischerzeugung in Kreislaufanlagen biete
den entscheidenden Vorteil, dass das Wasser in einem geschlossenen
System zirkuliere und die nährstoffreichen Fäkalien nicht in offenes
Gewässer gelangten. Diese bislang wenig eingesetzte Technologie sei
deshalb deutlich umweltverträglicher und gerade im Hinblick auf eine
steigende Nachfrage zukunftsweisend.
„Die sichere und nahezu vollständige Entfernung der Ausscheidungsstoffe
aus dem Kreislaufsystem ist allerdings eine echte technische
Herausforderung“, erläutert Dr. Alexander Brinker von der
Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg. „Die feinen
Fischkotpartikel verteilen sich gleichmäßig im gesamten Wasser und
lassen sich nur bedingt und mit großem Energieaufwand herausfiltern.“
Eine unzureichende Filterung wiederum wirke sich negativ auf die
Wasserqualität und auf die Gesundheit der Fische aus. „Im schlimmsten
Fall gerät das gesamte Kreislaufsystem aus dem Gleichgewicht, und der
Betrieb der Anlage lässt sich aus Sicherheitsgründen nicht mehr aufrecht
erhalten“, führt Brinker aus.
Brinker: „Gelingt es nun, den Fischkot durch spezielles Futter fester
und leichter zu machen, so dass er sich an der Wasseroberfläche sammelt,
kann er von dort ohne großen technischen Aufwand mechanisch abgetragen
werden. In den hauseigenen Versuchsanlagen testen wir derzeit
verschiedene neuartige Futtermischungen. Der erfolgsversprechende Ansatz
soll sich dann unter kommerziellen Bedingungen in der Fischzucht Störk
bewähren, wobei ein neues, von der Firma Zordel konstruiertes Gerät zum
Abschöpfen der Fäkalien verwendet werden wird. Ein zielführendes,
verbessertes Fütterungsmanagement wäre ein wegweisender Schritt in
Richtung einer nachhaltigen Aquakultur. Der Verbraucher kann dann auch
in Zukunft guten Gewissens an der Fischtheke zugreifen.“
Franz-Georg Elpers, Pressesprecher
Deutsche Bundesstiftung Umwelt
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