Andal stellt vor: Die Barbe
Andal stellt vor: Die Barbe
Für den Monat April möchte ich euch einen Fisch vorstellen, der es in sich hat. Die Barbe. Gerade jetzt, wo die steigenden Temperaturen wieder zu einem Ansitz am Fluss animieren ist dieser betont kampfstarke Fisch eine echte Bereicherung des Anglerlebens.
Die Barbe (Barbus barbus)
Die Barbe mit ihrem bulligen Schädel und dem perfekt an die Strömung
angepassten Körper gilt als der typische Fisch der Strömung. Sie ist Leitfisch
einer ganzen Gewässerregion. Mit ihrer kompromisslosen Kampfkraft gilt sie
sogar dem Lachs als ebenbürtig!
Merkmale:
Die Barbe hat einen beinahe drehrunden Körper, der an der Bauchseite etwas
abgeflacht ist. Der Kopf ist keilförmig und lang ausgezogen. Die Augen klein,
mit marmorierter Iris. Das Maul ist unterständig, leicht rüsselartig, mit einem
Paar Barteln in den Mundwinkeln, sowie zwei weiteren, kürzeren an der
Oberlippe.
Sie ist durchgängig beschuppt; die Schuppen sind mittelgroß. Der Rücken ist
braungrau, etwas heller die Flanken. Der Bauch weiß, gelegentlich mit einem
rötlichen Anflug. Die paarigen Flossen tragen einen leicht rötlichen Ton,
ebenso die Afterflosse, die zudem einen „fleischigen" Eindruck erweckt. Der
dritte Strahl der Rückenflosse ist verdickt, der längste und an der Rückseite
sägeartig.
Entlang der Seitenlinie finden sich 55 - 65 Schuppen.
Durchschnittlich erreichen Barben 30 - 70 cm. Für Mitteleuropa gelten 100 cm
und 10 kg als Maximum.
Biologie und Besonderheiten:
Die Barbe ist von Natur aus ein reiner Flussfisch. Besatz in stehenden
Gewässern ist als absolut nicht artgerecht einzustufen. Sie liebt die scharfe
Strömung, wo sie gerne gesellig lebt. Hier ernährt sie sich vorwiegend von
Kleinlebewesen, Krebschen und verschiedenen Larven, die im Algenbewuchs, oder
dem grobkiesigen Sediment vorkommen. Gerne nimmt sie auch Schnecken, Würmer und
Insekten, die bei Regenfällen ins Gewässer eingetragen werden. Gar nicht so
selten vergreifen sich vor allem größere Exemplare auch an Kleinfischen. Erst
mit abnehmenden Wassertemperaturen ziehen sich Barben in größeren Verbänden in
tiefe Flussbereiche, wo sie relativ aktionslos auf bessere Tage warten. Eine
echte Winterruhe können sie sich als reine Flussbewohner nicht leisten.
Trotzdem reduziert sich ihr Stoffwechsel erheblich.
In den Monaten Mai bis Juli ziehen die Barben in kleinere Nebengewässer, wo sie
über kiesigem Grund laichen. Die Rogner setzen dabei ca. 10.000 klebrige Eier
pro Kilogramm Körpergewicht ab. In dieser Zeit tragen die Milchner einen
knotig-hornigen Laichausschlag am Kopf. Der klebrige Laich setzt sich zwischen
den Kieseln ab, wo die Brut nach 10 - 15 Tagen schlüpft. Barben sind im
Jungendstadium sehr langsamwüchsig. Im ersten Jahr erreichen sie gerade einmal
7 cm! Die Geschlechtsreife erreichen sie nach 4 - 5 Jahren.
Barben verfügen über eine Besonderheit. Ihr Laich gilt als giftig. Ebenso die
Bauchlappen der Rogner in der Zeit der Laich. Vermutlich dient dies als Schutz
vor Fressfeinden. Allerdings ist bisher kein Mensch an diesem Toxin gestorben.
Erstens ist es relativ übel schmeckend und zweitens verursacht es maximal
Magen- und Darmkrämpfe, sowie einen gepflegten Dünnpfiff.
Die Barbe galt sehr lange als ernsthaft bedroht. Blindwütige Flussverbauungen
machten ihr das Leben schwer. Viele Populationen erloschen, da die Fische ihre
Laichgründe nicht mehr erreichten, oder diese von den Baggern der
Wasserwirtschaftsämter zerstört wurden. Mittlerweile verbessert sich dieser
Trend etwas. Dafür setzt der Kormoran ihnen jetzt verstärkt zu, was an völlig
verschwundenen, oder restlos überalterten Beständen zu erkennen ist.
Die Barbe kommt in ganz Mittel- und Osteuropa vor. Teilweise in England. In
Südosteuropa gibt es lokale Unterarten. Sehr erwähnenswert sind auch die
spanischen Riesenbarben (Barbus comizo), sie erreichen fast um 50% mehr an
Größe und Gewicht!
Barbenfang mit unterschiedlichen Methoden und Ködern:
Grundsätzlich ist Barbenangeln Grundangeln. Dabei entwickelten sich sehr
unterschiedliche, regional und national geprägte Methoden. Auf die
althergebrachte Plumpsanglerei mit Sargbleien an derben Ruten gehe ich hier
nicht näher ein, da es vollkommen uneffektiv ist.
Mit der Posenrute:
Mit der treibenden Posenmontage kann man vor allem in kleineren und mittleren
Flüssen eine sehr anspruchvolle Fischerei erleben. Ganz im Stile des
klassischen Trottings angelt man hier die bevorzugten Standorte der Barben ab.
Es hat den großen Vorteil, dass man hierbei einen großen Abstand zu den
teilweise recht schreckhaften Fischen einhalten kann. Wichtig ist dabei, dass
der Köder möglichst über den Grund schleift. Das geht mit übertief
eingestellten Montagen am besten, setzt aber einen einigermaßen sauberen Grund
voraus, will man nicht andauernd mit Hängern kämpfen. Das gelingt auch gut,
wenn man das Angelrevier watend befischen kann.
Als Köder kommen hier vor allem Maden und Wurmköder zum Einsatz. Viele Angler
schwören beim Posenfischen auf Barben auf eine sehr reichliche Fütterung mit
losen Maden, oder noch lieber mit gekochtem Hanf, der Barben in einen
regelrechten Fressrausch versetzen kann. So kann man regelrechte Massenfänge,
in Abhängigkeit zum Bestand, erzielen. Eine klassische Specimen-Fischerei ist
das Posenangeln nicht unbedingt. Köder und Futter wirken auch sehr anziehend
auf andere Fischarten, die ein selektives Angeln manchmal unmöglich machen können.
Mit der Feederrute:
Mittlerweile ist das Feederfischen auf Barben in unseren Breiten die gängigste
Methode. Gerade an den großen Strömen (Rhein, Donau etc.) ist es oft die
einzige Möglichkeit Köder und Futter in der tiefen und scharfen Strömung an den
Fisch zu kommen. Dementsprechend sollte dann auch die Rute dimensioniert
werden. Je länger diese ist, desto besser und mehr Schnur kann man bei steil
aufgestellter Rute aus der Strömung halten.
Neben den üblichen Maden und Würmern wird sehr viel mit größeren Käsewürfeln
auf Barben gefischt. Dieser Köder wirkt einerseits relativ selektiv auf Barben,
andererseits haben Barben eine ausgesprochene Vorliebe für diese Milchprodukte.
Als Beifang muss man lediglich mit größeren Döbeln rechnen, was ja auch nicht unbedingt
als schlimm zu bezeichnen ist.
Mit dem rollenden Grundblei:
Diese aus England kommende Methode eignet sich ganz besonders für nicht zu
große Flüsse und zum Suchen der Barben. Die Montagen und die Technik sind
denkbar einfach, wenngleich auch nicht so auf die Schnelle erlernbar.
Der Haken wird direkt an die Hauptschnur gebunden. Das Blei befestigt man rund
einen halben Meter oberhalb. Mehr ist dazu nicht nötig. Sinnvollerweise benützt
man dazu fast nur Schrotblei, oder Tungsten-Putty, da man so am schnellsten auf
unterschiedliche Strömungsverhältnisse reagieren kann. Die Bleimenge sollte
gerade so groß sein, dass die ganze Montage gerade so eben liegen bleibt. Man
wirft leicht quer zum Strom und lässt die Montag zu Boden sinken. Strafft man
nun kurz die Schnur, so löst sie sich vom Grund und driftet ein kleines Stück
weiter. Auf dieses Weise fischt man einen sehr großen Bereich nach den Barben
ab und man kann, bei entsprechender Übung, den Gewässergrund quasi lesen.
Als Bissanzeiger nutzt man dabei die feinste aller Möglichkeiten. Die Finger
der Rollenhand. Man lässt einfach die leicht gespannte Schnur über den
Zeigefinger laufen. So bekommt man auch den kleinsten Zupfer mit und spürt das
Blei über die Kiesel kullern.
Beködert wird der Haken mit allen gängigen Barbenködern: Käse, Maden, Würmer,
Teige & Pasten, Frühstücksfleisch, Wurst, Pellets, oder auch ganz
gewöhnlichen Mais.
Mit Fluchtmontagen:
Relativ neu unter den Angelmethoden auf Barben ist die Verwendung von
Fluchtmontagen, wie man sie vom modernen Karpfenangeln her kennt. Dabei wurde
nichts anderes gemacht, als die bewährten Karpfengeräte und Montagen zu
adaptieren.
Mehr als eine leichte Karpfenrute ist dazu nicht nötig. Gerten mit 1 ¾ - 2 lbs.
genügen vollkommen. Damit lassen sich auch noch Bleie bis zu 2 ½ oz. ordentlich
werfen; ausreichend um die Barbe sicher zu haken, zumal man auch keine so
extrem langen Sitzungen macht, dass man sich zu einem Nickerchen ins Zelt
verziehen müsste.
Wie beim Karpfen werden die Angelplätze vorgefüttert und anschließend befischt.
Lediglich die Köder unterscheiden sich etwas. Sehr beliebt bei den englischen
Barben sind spezielle Barben-Boilies, und eigens entwickelte Pellets, sowie
Chunks genannte Köder. Sie sind eine Mischung aus den beiden Erstgenannten.
Diesen Ködern ist zu Eigen, dass sie nicht besonders hart sind und laufen
kleine Partikel und Aromen absondern. Die Flavours sind irgendwo zwischen
fischig und fleischig angesiedelt. Leider sind sie auch in Deutschland noch
nicht, oder sehr selten erhältlich.
Dass diese Art des Barbenfangs sinnvoll ist beweisen nicht zuletzt die
plötzlich „gewachsenen" Rekordbarben aus den englischen Flüssen! Der aktuelle
brit. Rekord (20 lbs. 6 oz.) liegt 20% über dem deutschen Rekordfisch, der in
der Ems gefangen wurde und „nur" 8 kg auf die Waage brachte.
Mit der Freien Leine:
Mit der Freien Leine wird man in den seltensten Fällen fischen können. Trotzdem
bringt es bei ganz besonderen Bedingungen gute Fische an den Haken, wenn man
das Gewässer gut genug kennt. Bei sommerlichen Hochwassern ziehen sich sogar
die Barben in die ruhigeren Bereiche, wie Kehrwasser, zurück. Jetzt kann man
sie dort mit einer Schnecke becircen. Dazu einfach einen kräftigen Haken direkt
an die Hauptschnur binden und einer der dunklen Schnecken anködern. Unbedingt
darauf achten, dass die Hakenspitze dabei frei liegt! Nun wirft man an den Rand
der Kehrströmung und lässt den Köder an leicht gespannter Schnur treiben.
Gegebenenfalls kann man auch mit einem kleineren Bleischrot etwas nachhelfen,
dass der Köder nicht so schnell auftreibt.
Die Methode ist nicht sehr selektiv, da sich alle möglichen Fischarten an den
vom Regen in den Fluss gespülten Tieren gerne ihren Teil holen.
Besonderer Hinweis:
Barben sind ausgesprochen hart kämpfende Fische. Sie verausgaben sich im Drill
restlos. Fische, die man nicht entnimmt, sollten auf keinen Fall achtlos in ihr
Element zurückgesetzt werden. Sie würden, unfähig zu reagieren, von der
Strömung abgetrieben und dabei vermutlich verenden. Darum hält man so einen
Fisch vorsichtig mit dem Kopf gegen die Strömung, bis er sich von selbst erholt
hat und aus eigenem Antrieb davon schwimmt.
Andreas Grunert
| < Zurück | Weiter > |
|---|

Kommentare
danke für den schön zusammengetrage nen Artikel, von dem insbesondere (Barben) Neulinge eine Menge lernen können! Den Tipp mit Käse kann ich vom Rhein bestätigen. Es ist unglaublich, welche Brocken die Fisch verdrücken können :-)
Besonders gut hat mir auch Deine Anmerkung im letzten Absatz gefallen! Leider sieht man immer mal wieder Leute, die nur auf einen heissen Drill aus sind, wenn sie auf Barben angeln. Leider spielt hier die Rücksicht auf den Fisch oft eine untergeordnete Rolle...
Viele Grüße
Sascha