Neues vom Ferkelfahnder..
Wenn ich in diesen Tagen aus dem Fenster schaue, gibt es vieles Faszinierendes zu entdecken, dass sich einzig und allein mit einem Wort zusammenfassen lässt und mich an das gleichnamige Gedicht von Eduard Mörike erinnert, dass ich als Schüler mal auswendig lernen durfte:
Frühling
Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!
Ja, wir haben ihn vernommen, den Frühling. Wer denn sonst, wenn nicht wir Angler und alle anderen Naturliebhaber? Vor allem, wo uns doch ein derart langer und schneereicher Winter mehr ans Haus gefesselt hat, als uns allen lieb war. An einem der letzten Wintertage hatte ich die Gelegenheit, mal wieder meinen Lieblingsbaum zu besuchen, eine alte Eiche, die weder von Kyrill
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noch von anderen Stürmen und Unwettern der letzten hundert Jahre oder mehr erschüttert wurde und mitten auf dem freien Feld ihre Äste der Sonne entgegen streckt. Ist sie nicht ein Prachtbild, wie sie sich da dunkel vom strahlend blauen Himmel abhebt? Jetzt, wo die Vögel in ihren Zweigen jeden neuen Tag mit fröhlichen Gesängen begrüßen und alles zu neuem Leben erwacht, was sich lange Zeit unter einer dichten Schneedecke verborgen gehalten hat, können auch wir wieder aufblühen. Zwar warten einige von uns noch auf das Ende diverser Schonzeiten, aber |
Fisch ist überall wieder da und wartet darauf, von uns gefangen zu werden. Noch ist unsere Natur in der Lage, den meisten von uns gelegentliche Erfolge am Wasser zu bescheren, mal mit und mal ohne die tat- und finanzkräftige Mithilfe der Angelvereine und ihrer Mitglieder, die durch ihre Besatzmaßnahmen den Bestand hoffentlich ökologisch sinnvoll und nicht nur im Sinne der fischgeilen Mitglieder erhalten oder ausbauen.
Hoffentlich, darin steckt das Wort Hoffnung, und auch das verbindet man ja gemeinhin mit dem Frühling und seiner Farbe grün, doch andererseits gibt es Vieles, was bei enger und kritischer Betrachtung einem die Hoffnungen gewaltiger verhagelt, als die letzten Aufmuckereien des vergehenden Winters. Immer mehr ist der Trend zu erkennen, die Natur nicht mehr als das zu akzeptieren, was sie ist und sich intensiv und neugierig mit ihr zu beschäftigen und auseinander zu setzen. Der sich über dem Wasser bildende Nebel im Sonnenaufgang, das unruhige Gehüpfe der Kohlmeise in den Büschen neben unserem Angelplatz, das überraschende Auftauchen einer Bisamratte quasi direkt unter unser Rutenspitze, alles sind in ihrer Art einmalige Erlebnisse, die man vielleicht mit der Digitalkamera festhalten kann, aber viel besser mit den eigenen Augen, Ohren und Herzen. Wer sich daran zu erfreuen weiß, der übersteht auch mehrere Schneidertage und gewinnt die Kraft zu der Geduld, die uns angeblich ja auszeichnet.
Doch dann gibt es die andere Seite der Betrachtungen, die uns durch unsere Leistungsgesellschaft mit ihrer ständigen Schneller-höher-besser - Mentalität aufgezwungen und aufgedrückt wird, ob wir es wollen oder nicht. Längst schon hat sie Einzug gehalten in unsere eigentlich harmonische und einträchtige Angelwelt, sei es durch immer mehr Innovationen der Geräteindustrie, immer neue und -selbstverständlich viel- fängigere Ködervarianten und natürlich der Suche nach immer neuen persönlichen Rekorden.
Und wenn uns Industrie und Technik nicht mehr alleine weiter helfen, weil uns die Natur einen Strich durch diese Rechnung macht, dann... naja, dann knöpfen wir uns diese widerspenstige Natur doch einfach mal selbst vor und basteln etwas daran rum. Der Bedarf ist ja offensichtlich da, es scheint ja genügend Angler zu geben, die gerne tief in die Tasche greifen für die Chance eines außergewöhnlichen Angelerlebnisses. Also sorgt man mitten in der Natur für Bedingungen, wie sie die Natur alleine nur in den seltensten Fällen zustande bringt, züchtet Fische in mehr als kapitalen Größen heran um diese dann in hermetisch von der Außenwelt abgeschlossenen Gewässern für die zahlungskräftige Anglerkundschaft bereit zu stellen.
So entstehen heutzutage Rekorde, nicht mehr durch das intensive oft jahrelange Befischen des eigenen Lieblingsgewässers, in dem man jede noch so kleine Mulde und alle strömungsabhängigen Nebenbedingungen besser kennt als die eigene Ehefrau, sondern durch das nötige Kleingeld für die richtige Anlage, die meist über Jahre ausgebucht ist, weil bekannt ist, dass der nächste Weltrekordfisch genau dort gefangen wird.
Und so spaltet sich unser Lager in Befürworter und Gegner derartiger Methoden, mit dem Ergebnis einer der intensivsten Diskussionen, die wir seit langem hier im AB hatten und die einer Vielzahl von Aspekten und Argumenten Raum geboten hat, bis hin zu einem wirklich beeindruckenden Schlusswort an unser aller Verständnis von Moral und Ethik.
Wie immer wird auch hier keiner so wesentlich von seiner ursprünglichen Einstellung abweichen. Das ist auch gut so, denn Einheitsmeinungen und Doktrine brauchen wir in einem Internetforum bestimmt nicht. Aber am Ende bleibt für jeden ein positives Fazit, das auch mit der größten Sturheit nicht zu verleugnen ist: Wir haben allesamt viel von einander gelernt, wenn es darum geht, unsere Vorurteile zu hinterfragen und einfach zu akzeptieren, dass anders Denkende so sind, wie sie sind und genauso das Recht auf ihre Meinung haben, wie wir es auch in Anspruch nehmen.
Auch der Ferkelfahnder lässt sich oftmals gerne anstecken von der Sucht nach Rekorden. Jeden Monat suche ich ja erneut das Rekordferkel, das alle bisherigen Monatssieger in den Schatten stellt und alles bisher Dagewesene übertrifft. Und -interessante Parallele- so wie es in einem hoffnungslos überfischten Gewässer von Jahr zu Jahr schwieriger wird, einen wahrhaft Kapitalen auf die Schuppen zu legen, werden auch die richtig großen Ferkel immer vorsichtiger. Da schwimmt im Ferkelteich so mancher, der sich früher immer wieder verleiten ließ und jetzt auf einmal ganz genau aufpasst, nicht irgend einen Köder unbedacht zu schlucken.
Und -zweite interessante Parallele- auch hierbei ringen mir die bewusst heran gezüchteten und zum Fang vorgesetzten Kapitalferkel höchstens ein mitleidiges Kopfschütteln ab, statt von mir auch nur im Geringsten als Rekord oder auch nur rekordverdächtig anerkannt zu werden.
In diesem Sinne einen schönen, frühlingsvollen April wünscht
Euer Ferkelfahnder
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