Ausgabe Mai 2012

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    DER Fisch des Lebens - Blue Marlin

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    DER Fisch des Lebens...anzeige_kingfisher_50x100

     

    Alles hat seinen Ursprung bereits im letzten Jahr.

    Mit der Zustimmung zum dreiwöchigen Schweden/Norwegenurlaub erkauft sich meine bessere Hälfte die Option, den nächsten Urlaub weit südlicher des Polarkreises zu verbringen...

     

    Ich stimme im Überschwang der Vorfreude auf „Norge" zu und muss dies nun „ausbaden"!

     

    Wir buchen nach verschiedenen Überlegungen zwei Wochen Madeira.

    Meine erste Amtshandlung ist natürlich das „googlen" nach den Angelmöglichkeiten vor Ort.

    Ich finde neben recht guten Aussichten auf erfolgreiches Big Game Fischen sogar Angebote zum Fliegenfischen!!! Also willige ich schnell ein und es kann losgehen.

     

    Auf der Insel angekommen, besuche ich in den ersten Tagen den Hafen von Funchal und erkundige mich vor Ort, was geht.

    Fliegenfischen ist wohl derzeit nicht möglich, zu wenig Wasser führen die wenigen Flüsschen.

    Also wird es wohl doch eine kleine Bootsfahrt!

    Mein Wunsch ist es, einen netten Fisch zu fangen. Es muss auf keinen Fall ein Marlin sein, die Erfolgsaussichten auf ihn vergleiche ich sowieso mit einem Lottogewinn. Also dann doch lieber Thun, Dorado oder Wahoo, was ja auch schon recht hochgegriffen ist...

    Die ersten Gespräche mit lokalen Anbietern versprechen nichts Gutes - außer Blue Marlin wäre derzeit nichts da! Keine Futterfische in der Nähe, da fehlen auch die Räuber. Klingt logisch.

    Neben dem „Offshorefishing" wird auch sog. „Bottomfishing"  mit Fanggarantie angeboten.

    Mal sehen, das wär' vielleicht was.

    anzeige_geoff-anderson_50x5 Schließlich habe ich noch einen Tipp von zu Hause mitgebracht. „Such doch mal die „Freed'em" mit Captain Mark (ein Engländer, der schon überall auf der Welt gefischt hat - www.biggamecharters.com) auf", gab man mir mit auf den Weg. Er soll wohl sehr professionell arbeiten und sich wirklich um Fisch bemühen.

     

    Ein Besuch bei Mark scheint dies auch zu bestätigen. Er hat die letzten Tage vier Fische gesichtet, einer ging nach kurzem Kontakt verloren. Er ist sich aber sicher, dass es morgen klappt! Nun gut, Zweckoptimismus gehört wohl zu seinem Job und Kunden will er natürlich auch finden. Auch er sagt mir, dass nur mit dem Big Blue zu rechnen sei, was anderes interessiere ihn eh nicht! Er ist hinter dem Weltrekordfisch her! Dieser muss es nun wirklich nicht gleich sein, denke ich, habe aber bei Mark ein gutes Gefühl. Wir chartern also einen „full day" bei ihm!

    Wie der kommende Tag zeigen wird, kein Fehler...

     

    Am nächsten Morgen begrüßt uns Mark und sein Crewmitglied Andre auf der Freed'em.

    Mit uns ist nur noch ein englischer Angler an Bord. Also teile ich mir mit ihm die sechs Ruten. Das ist doch ganz passabel. Noch schnell getankt, dann kann es losgehen.

     

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    Bereits kurz nach der Hafenausfahrt macht Andre das Tackle startklar. Es kommen vier mal 130 lbs - Gerät an den beiden Auslegern zum Einsatz. Die Marlin Lures sind echt der Hammer! Solche Köder habe ich noch nie gesehen. Gut 40cm groß, unglaublich! Die Lures laufen auf einem gut 3mm starken Fluocarbon-Vorfach. Die Haken - zwei Einzelhaken der Größe 12/0 komplettieren den Köder.  

    Die ungläubig fragenden Blicke meiner Freundin kann ich nur mit leichtem Schulterzucken beantworten.

    Dazu schleppen wir noch zwei Ruten, ich schätze Gerät der 30 lbs-Klasse mit deutlich kleineren Lures in der Mitte hinterher. Sie sind für White Marlin gedacht.

     

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    Mark fischt streng nach Regeln der IGFA. Das bedeutet, das keiner außer der Angler bei einem Biss an das Gerät geht. „Du bist der Angler und nur du fängst den Fisch" macht er mir klar. Das setzt natürlich eine ausführliche Einweisung in Gerät und Ablauf bei einem Fischkontakt voraus. Das erledigt Mark umgehend. Wir spielen alle Handgriffe mehrfach durch, bis alles klar ist. Mark weist auch mit aller Deutlichkeit auf mögliche Gefahren hin.

    Jeder kleine Fehler kann verheerende Auswirkung haben, wie er an Beispielen erläutert. Mir wird doch etwas komisch und ich begreife, dass dies hier kein Spiel ist! Da erscheint selbst die Angelei in Norwegen entspannt und erholsam.

    Das Mark's eindringliche Hinweise noch Gold wert sein werden, beweist sich später!

     

    Bereits nach kurzer Zeit sorgen Delfine für Abwechslung und einen herrlichen Anblick!

    Sie springen in Bootsnähe und tauchen unter dem Boot durch. Einfach phantastisch, diese Tiere!

     

    Nach den Mittags-Sandwiches tauschen der Engländer und ich, wie vereinbart, die Seiten. Ich habe nun die beiden Ruten auf der linken Bootsseite.

    Am frühen Nachmittag stellt sich eine gewisse Ruhe ein. Die erste Aufregung nach Mark's Einweisung ist verflogen und wir schippern gemütlich dahin.

    Für mich ist es die erste „echte" Big Game Tour, nachdem ich vor einigen Jahren bereits in Fuerteventura eine Ausfahrt mitgemacht hatte. Damals waren wir jedoch unter Land und mit „Kleinstködern" J (Rapala-Wobbler) auf Skip Jack und Barracuda aus.

    Dies hier ist doch etwas anderes und ich wünsche mir, vielleicht wenigstens den Drill eines Fisches als Zuschauer zu erleben. Der Respekt vor den „Billfishes" ist schon recht groß...

     

    Mit einem Schlag ist es vorbei mit der Träumerei!

    Mark schreit nur von oben: „Fish on the right site", dass vorher vereinbarte Signal, wenn er aus erhöhter Position einen Fisch sieht! Ich springe sofort auf, denn der Fisch hat sich wohl doch für meine linke Seite entschieden! Die Schnur springt aus dem Clip des Auslegers, ein sicheres Zeichen, dass da jemand gesteigertes Interesse am Lure hat.

    Inzwischen ist auch Andre vom Deck herunter gesprungen und folgt Mark's wilden Anweisungen. Die Schnur wird ganz schnell wieder eingeclipt, nur so sei ein Fisch weiter für den Köder zu interessieren, erfahre ich später.

    Andre holt die zusätzlich ausgebrachten Lockköder ein, während Mark ganz außer sich zu sein scheint. Er schreit den Fisch regelrecht an den Haken, habe ich das Gefühl. Leider können wir ihn nicht sehen. Dann herrscht kurz Stille! Ist er weg? Mist! Mark dreht um und steuert das Boot zurück. Dann geht alles ganz schnell! „The fish is here.....im selben Moment springt die Schnur an meiner vorderen Rute aus dem Clip und rast von der Rolle! Ohje, denke ich, nein, du wolltest das doch gar nicht. Zu spät, keine Zeit zum nachdenken. Es läuft alles ab wie im Film. Ich habe Mark's Anweisungen noch genau im Ohr...Rute rausnehmen, zum Stuhl gehen, in den Gimbal stecken, hinsetzen und die beiden Karabiner des Kampfgutes an der „Shimano" sichern.

     

     

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    Mein Puls steigt ins unendliche, ich versuche ja keinen Fehler zu machen. Derweil gibt Mark genaue Order, was ich zu tun habe. „You are ready? Twenty Five" schallt es von oben.

    Auf der Tiagra sind extra Angaben zur Bremskraft der Rolle aufgezeichnet. Der Fisch zieht bisher bei 15lbs die Schnur von der Rolle. Die Geschwindigkeit erinnert mich an das Ablassen eines 800g Bleies zum Tiefseefischen in Norwegen!!!

    Ich erhöhe auf 25lbs! Im selben Moment kocht in ca. 200m Entfernung der Atlantik! Der Marlin tobt an der Oberfläche.

     

     

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    Ich kann nicht hinschauen, mein Blick ist nur auf das Gerät gerichtet. Jetzt nur nichts falsch machen, denke ich, als ich meine Freundin ganz leise „Ach du Sch..." . sagen höre! Der Fisch ist in voller Länge aus dem Wasser gesprungen! Auch das ist mir entgangen, egal du muss jetzt hier durch, wie auch immer.

    Mark schreit die ganze Zeit: „Oooh, big fish! It's a big fish. It's the fish of your life, common!"

     

     

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    Meinem Gegner scheinen die Kräfte nicht auszugehen. Unvermindert rast die Schnur von der Spule, die sich schon deutlich geleert hat. Mein Gott, was geht denn hier ab? Ich schiebe die Bremse bis auf 45lbs! Der Druck auf meinen Rücken nimmt spürbar zu. Jetzt wird auch der Marlin langsamer. „Common, fight! Put some line on", feuert mich Mark an. Dabei unterstützt er mich natürlich mit dem Boot. Er fährt etwas rückwärts und es gelingt mir tatsächlich, die ersten Meter zurückzuholen. Unglaublich, was da für ein Druck drauf ist. Noch ein, zweimal nimmt sich der Fisch, was er braucht. Dann erhöhe ich auf 50lbs und das pumpen beginnt.

     

     

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    Ein Blick auf die Spule veranlasst mich, Andre, der den Stuhl immer in die richtige Position dreht, zu fragen, wie viel Schnur den runter sind. „More than 500 meters!" antwortet er.

     

     

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    Ach du je, das darf nicht wahr sein. Die hol' ich mir nie wieder, sind meine Gedanken, bevor mich Mark in die Realität zurückruft, nein -schreit! J

     

     

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    Ich solle mich konzentrieren und nicht noch Fragen stellen. So eine Chance bekommst du nur einmal im Leben!!! Er hat wohl Recht, doch ich kann es immer noch nicht fassen. Zudem überkommen mich ernste Zweifel, aus diesem ungleichen Kampf als Sieger hervorzugehen.

    Bereits nach kurzer Zeit schmerzt mein Rücken. Ich hätte wohl doch das Rezept zur Physiotherapie vor dem Urlaub einlösen sollen..? Ich versuche den Rücken zu entlasten, doch es gelingt mir nicht. Die linke Hand sollte ständig gegen die Rolle drücken. Sonst schlägt bei einem Fischverlust die Rute zurück und kann wohl ernsthafte Verletzungen nach sich ziehen.

     

    Also erkämpfe ich weiter Meter für Meter zurück. Der Fisch geht immer mehr in die Tiefe, „first gear, first gear" höre ich. Alles klar, ich schalte in den ersten Gang. Auch das wurde vorher besprochen.

    Pumpen, Schnur gewinnen, Pumpen...so geht es immer weiter. Meine bessere Hälfte versorgt mich derweil mit Wasser. Dazu ständige Anfeuerung von allen Seiten.

    Ich versuche mich, so gut es geht zu konzentrieren und nicht an den „big fish" zu denken.

    Es wird immer mehr ein Kampf gegen mich selbst. Mir kommt es vor, als rinnen ganze Bäche von meinem Körper. Gut 25°C und pralle Sonne tun ihr übriges...

     

     

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    Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, als der Schnurwinkel immer spitzer und die Spule wieder voller wird.

    Der Fisch muss nun fast unter dem Boot sein, nur wie viel Schnur noch draussen ist, mag ich nicht einzuschätzen. Zumindest sind die „letzten 250m" bereits unterschritten. Das konnte ich an der Monofilen erkennen.  

    Ich weiss nicht, wieviel Zeit bereits vergangen ist, ich merke nur, wie meine Kräfte schwinden. Egal, auch wenn ich bereits im „roten Bereich" laufe. An Aufgeben denke ich nun nicht mehr!

     

     

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    Mittlerweile sind es nur noch wenige Meter, Andre steht schon bereit um die Schnur zu greifen. Nach einer Markierung auf der Schnur, ist es soweit. Andre zieht den Fisch ans Boot und muss sich dabei kräftig gegen die Bordwand stemmen. Kein leichter Job, denke ich, als der Big Blue das erste Mal sichtbar wird.

     

     

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    Meine Freundin ist schon fleißig am filmen, als sie ihn zu Gesicht bekommt! „Ach du Schande., das ist ja ein Ungeheuer" entfährt es ihr aus tiefstem Inneren. Ich sehe noch nichts, kann aber endlich etwas verschnaufen. Mark steuert das Boot derweil weiter, es muss immer in Fahrt bleiben, sonst geht der Fisch verloren.

    Als der Marlin in Reichweite ist, muss alles ganz schnell gehen. Er wird mit einem sog. „Snooker" am Schwert gesichert. Ein abenteuerliches Unterfangen, die Anspannung bei Mark und Andre ist deutlich zu spüren.

     

     

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    Als es geschafft ist, kann ich auch aus dem Stuhl und die Rute zur Seite legen.

    Erst jetzt merke ich, wie platt ich bin. Arme und Beine zittern. Mark muss mich erst ansprechen, bevor ich den Marlin aus nächster Nähe betrachten und für die Foto's anfassen kann. Schnell werden die Haken gelöst und der Fisch wird vermessen. Dies sei wichtig, um das Gewicht gut schätzen zu können.

     

     

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    10ft (3,05m nach LJFL - Schwert und Schwanzflosse werden nicht mit gemessen) und geschätzte 750 lb (340 kg) sind die Maße dieses wunderschönen Blue Marlin's, der noch eine Marke verpasst bekommt. (22) Mit dieser „Tag Number" kann er stets wieder erkannt werden.

    Anschließend löst Mark den „Snooker" und der Fisch wird wieder in die Freiheit entlassen.

     

     

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    Bei mir löst sich so langsam die Anspannung. Derart erschöpft, begebe ich mich in den Schatten und fülle meinen Flüssigkeitsverlust auf. Nein, nicht mit Bier, nur mit Wasser.

    Alkohol könnte ich jetzt wirklich nicht vertragen.

     

     

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    Andre hat inzwischen die Ruten wieder startklar gemacht. Die Angelei geht weiter, nur ohne mich! Mich bringen heute keine 10 Pferde, geschweige denn ein Blue Marlin auch nur in die Nähe des Tackles.

     

     

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    Wir fischen noch ca. zwei Stunden bevor es zurück in den Hafen geht. Natürlich nicht ohne entsprechende Beflaggung!

    Im Hafen machen wir ein paar Foto's vor dem Aufsteller der „Freed'em".

     

     

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    Mark überreicht mir noch ein „Billfish Release Certificate". Eine schöne Erinnerung, an den Fisch des Lebens.

     

    So richtig realisiert, was an diesem Tag geschehen ist, hab ich erst in den restlichen Urlaubstagen. Der Drill lief dann noch unzählige Male vor meinem geistigen Auge ab.

    Unglaublich ist es aber heute noch.

     

    Abschließend noch einen Extra Dank an Mark und seine Crew für dieses einmalige Erlebnis und den perfekten Teamwork! Mark ist wirklich ein Vollprofi, bei dem nicht das Geld, sondern der Fisch im Vordergrund steht!

     

    Kai-Uwe Adner

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