Lottes Antarktisabenteuer, Teil 5
Lottes Antarktisabenteuer, Teil 5
Paradiese Bay
Lemaire Kanal
Port Charcot
Heute morgen kamen wir in Paradiese Bay an und gegen 9:00 begann das ausschiffen.
Wir warteten ab und beschlossen nicht mit den anderen Gästen auszuschiffen, sondern wir warteten bis uns der Kapitän rief. Denn heute sollte ja unsere Trauung in der Paradiese Bay stattfinden.
Während wir darauf warteten machten wir jede Menge Witze über ein Kreuzfahrtschiff, welches ebenfalls in die Paradiese Bay einlief, aber nicht anlanden konnte, da sie einerseits viel zu viele Personen an Bord hatte und andererseits nicht über Schlauchboote verfügte. In der Antarktis dürfen sich max. 100 Pers. An einem Ort aufhalten, bzw. anlanden.
Wir fuhren mit dem Kapitän, dem Purser, dem Doktor und dem Hotelmanager rüber zum Festland. Richtig, nicht auf eine Insel, sondern richtig auf das Festland des 6. Kontinents!!! Dieses Möglichkeit besteht auf unserer Reise ausschließlich hier.
Nachdem wir die verlassene argentinische Station erreicht hatten, bestiegen wir einen kleinen Hügel von dem man einen herrlichen Blick über die ganze Bay hatte. Alle Offiziere waren dem Anlaß entsprechend gekleidet, nur das Brautpaar stand dort in der üblichen Antarktiskluft.
Die Zeremonie wurde vollzogen und nun sind Jule und ich vor Neptun getraut. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was ich für Aufgaben ab heute übernommen habe. Wenn ich es richtig verstanden habe, es war ja alles auf englisch, muß ich ab heute folgende Aufgaben übernehmen: täglich Jule mit Blumen überraschen, täglich Rücken und Füße massieren, bügeln und sie warm halten. Daran merkt ihr bereits, daß diese Zeremonie nicht ganz sooo ernst gemeint war. Nachdem ich die Braut küssen durfte, gab es lecker gletschereisgekühlten Champagner und die National Geografic Endeavour hat zum ersten Mal ihr Schiffshorn in der Antarktis erklingen lassen. Neben uns kalbte unter lautem Krachen dann noch ein Gletscher. Es war einfach alles perfekt.
Unsere Hochzeitsreise bestand aus einer kleinen Wanderung auf einen Felsen, von dem man einen noch besseren Blick hatte. Der Abstieg von dort gestaltete sich sehr einfach, da man sich einfach nur auf seinen Hosenboden setzten mußte und dann rutschte man in einer schmalen Rinne den ganzen Berg ab. Dabei Bekam man eine ganz schöne Geschwindigkeit und es machte einfach nur richtig Spaß.
Zum Lunch wurden wir heute in die Offiziersmesse beordert. Dort versammelte sich der ganze Staff des Schiffes und die Offiziere, die keinen Dienst hatten, waren ebenfalls anwesend. Der Bäcker hatte extra für uns eine kleine Hochzeitstorte gebacken und Shaun hatte einige Bilder zu einer kleinen Präsentation zusammengebaut. Dabei gab es wieder Champagner!!!
Nach dem Lunch legten Jule und ich uns für einen Kleinen Nap in unsere Koje. Gegen 15:00 liefen wir in den Lemaire Kanal ein, der bei der Crew und dem Staff einfach „die Kodak- Falle" genannt wird. Trotz des „schlechten Wetters" verstand ich sofort, warum er so genannt wird.
Der Wind frischte immer stärker auf und blies mittlerweile schon wieder mit 40 Knoten. Deswegen wunderten Jule und ich uns doch recht stark, als wir vor Port Charcot vor Anker gingen um noch eine Landung an diesem Tage durchzuführen. Dieses Ankermanöver hatte es ebenfalls in sich, da der Wind (wie immer bei solchen Sachen) aus der verkehrten Richtung blies. Wir gingen also dicht unter Land und es waren höchstens 100m Platz zwischen den Felsen und dem Schiff. Ich wäre wegen dem Wetter fast nicht mit auf diese Landung gegangen. Ich hätte mich aber bis in alle Ewigkeit verflucht, wenn ich an Bord geblieben wäre. Denn keine 300m vom Strand entfernt stand ein Kaiserpinguin!!! Dazu muß man wissen, daß Kaiserpinguine eigentlich hier gar nicht vorkommen und man schon ganz viel Glück haben muß überhaupt mal einen zu sehen. Dieser allerdings war in der Mauser und konnte deswegen nicht schwimmen. Wir hatten unvorstellbares Glück. In ein paar Tagen wird er nicht mehr dort sein. Jule hatte bis heute auch noch keinen gesehen und freute sich wie ein kleines Kind, daß eine riesige Tafel Schokolade geschenkt bekommen hat. Jeder machte seine Bilder und dann fuhren wir überglücklich wieder auf das Schiff.
Der Kapitän ist voller Hoffnung, daß der Wind das Eis weggeschoben hat, welches sich noch zwischen uns und dem südlichen Polarkreis (66,30°) befindet. Wenn alles klappt werden wir ihn morgen früh erreichen. Dafür nehme ich auch eine sehr unruhige Nacht in Kauf, da es doch recht laut ist, wenn das Schiff kleinere Eisberge wegschiebt um sich seinen Weg durch die Eisfelder zu bahnen. Wir lassen uns überraschen.
| < Zurück | Weiter > |
|---|
