Ausgabe Mai 2012

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    Mein Leben als Hecht!!

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    Es ist doch immer  wieder erstaunlich, welche - auch "schriftstellerischen" Fähigkeiten - die Mitglieder aus dem Anglerboardforum  aufweisen. Unter anderem zu sehen in dem Thread "Das Hechtleben am See" im Raubfischforum, eröffnet von Sven Matthiesen:

    http://www.anglerboard.de/board/showthread.php?t=105743

     

    Nachfolgend die "Eröffnungsstory" von Sven. Bezeichnenderweise fühlten sich da viele des schreibens kundige Forumsmitglieder gleich herausgefordert, so dass inzwischen eine erstklassige Sammlung weitere "Fischartenstories" zusammen kam.

    Diese werden selbstverständlich im Laufe der nächsten Ausgaben auch alle hier erscheinen. 

    Aber nun wünsche ich Euch viel Spass beim lesen von Svens Story! Thomas Finkbeiner

     

    Mein Leben als Hecht!!

    Ihr Menschen, ihr fiesen, hinterhältige Menschen auch genannt Angler. Was fällt euch eigentlich ein? Was gibt euch das Recht über uns zu stehen und mich und meine Familie so erbarmungslos zu jagen?
    Seid ihr vom Fischgott bestimmt über uns zu herrschen und uns zu verspeisen?
    Einst waren wir die herrschende Rasse im Wasser. Wie entschieden über sein oder nicht sein in unseren Revieren. Geselle Barsch und Zander standen unter unseren Befehl, weil wir die vorherrschende Rasse waren. Auf der Jagd nach den Rotfedern, Brassen, Rotaugen und vielen anderen hielten wir so das Gleichgewicht an unseren Gewässern. Klar wurden wir auch immer wieder von euch gejagt, aber damals hattet ihr nur Netze, Reusen und Hechtspeere.
    Heute sieht es da anders aus. Ihr verfolgt uns mit täuschend echt aus sehenden Imitationen von unserer Beute aus Blech und Plastik. Sie taumelnd verlockend vor unserer Nase bis unsere unerfahrenen Kollegen auf sie reinfallen und zuschnappen.anzeige_pitsangelreisen_50x
    Nein so was von arglistig und hinterhältig. Ihr zerstört selbstherrlich das Gleichgewicht an unseren Gewässern.
    Auch ich wurde vor vielen Jahren so getäuscht. Ich kann mich noch genau erinnern. Es war ein schöner Maitag. Die Laichgeschäfte hatten wir erledigt und unsere gesamte Familie war heißhungrig an den Schilfgürteln hinter Beute her. Die ganzen Weißfische waren im Laichgeschäft und so unvorsichtig dabei, dass wir mühelos uns an ihnen schadlos halten konnten. Kugelrund konnten wir uns futtern. Was ja wohl selbstverständlich ist, denn die Laichzeit ist eine harte Zeit für uns Hechte.
    Ich hatte mein erstes großes Weibchen errungen.
    Mit 89 cm war ich auch ein stattlicher Kerl und toll anzusehen. Na ja, jedenfalls war ich auch hungrig nach der ganzen Werbung, Paarung als auf einmal mein Gehör ein viel versprechendes Platschen vernahm. Da sah ich zu meiner linken, einen unvorsichtigen scheinbar verletzten Plötz an mir vorbeischwimmen. Eine tolle Beute, an der ich nicht achtlos vorbei konnte. Also stieß ich aus meinen Unterstand auf ihn zu und schnappte ihn mir. Kaum hatte ich den Happen im Maul, als ein gewaltiger Schlag mir den Kopf herumriss. Meine Beute wollte ich sofort ausspucken aber der Fisch hing fest in meinem Maul. Jetzt erst sah ich, dass eine Schnur an dem Plötz hing. Ich konnte mich schütteln wie ich wollte, aber ich kam nicht los. Voller Panik schoss ich in die Tiefe Richtung meinen Unterstand. Knappe 5 Meter kam ich weit als wieder an mir gezerrt wurde. Kurz musste ich nachgeben, bevor ich es erneut versuchte. Diesmal gelang es mir, meinen Unterschlupf zu erreichen. Hier unter den Wurzeln des alten versunkenen Baumes würde mich keiner herausziehen. Zwar merkte ich, dass da noch jemand an mir zerrte, doch konnte ich auch sehen, dass sich die Schnur an den Wurzeln verwickelt hatte. Auf einmal hörte ich ein leichtes Knallen wie mit der Peitsche und die Schnur erschlaffte. Knappe 4 Wochen brauchte ich, um den Blechfisch aus meinem Rachen zu entfernen. Das jagen und erbeuten meiner Nahrung fiel mir schwer in dieser Zeit.
    Heute weiß ich auch, dass dieses Stück Blech Effzettblinker heißt. Darauf falle ich nicht mehr rein. Argwöhnischer denn je betrachte ich nun immer meine Beute zuerst, bevor ich zuschnappe.
    Alle eure weiteren Tricks mit so genannten Gummifischen, Wobblern, Spinnern und anderen Ködern konnte ich daher rechtzeitig erkennen und vermied es zuzuschnappen.

    Heute nach den ganzen Jahren bin ich Lehrer für unsere Junghechte. Ich zeige ihnen welche Köder sie vermeiden müssen und was wo und wann jagdbar ist.

    In der Sommerzeit räche ich mich für eure Arroganz und Selbstherrlichkeit an euren Familien. Ihr habt hier an unseren See einen so genannten Badestrand. Dort lauere ich den ganzen Tag und wenn viele von eurer Rasse im Wasser sind, stoße ich dazwischen und streife hier und dort ein Bein von euren Kindern und Weibchen. Gigantisch ist es anzusehen, wenn dann dort Panik entsteht und eure Rasse schreiend aus dem Wasser rennt. Da seht ihr auch, dass ihr eigentlich feige seid und nur mit Hinterhältigkeit uns bezwingen könnt.
    Noch einige Jahre habe ich zu leben und werde meine Erfahrung weitergeben. Vielleicht lerne ich noch in der Zeit einige neue Tricks von euch und kann sie an meine jüngeren Generationen weitergeben. Meinen Nachfolger weise ich inzwischen erfolgreich ein, damit meine Bemühungen nicht umsonst sind, wenn ich einmal nicht mehr bin.

    Überlegt euch gut, ob ihr uns weiter jagen wollt. Denn wenn ihr so weitermacht, zerstört ihr wichtige Biotope und letztendlich euch selbst damit. Denn wenn die Grundlage des Lebens nicht mehr existiert kann nichts mehr gedeihen. Doch entscheidet selbst, welchen Weg ihr beschreiten wollt.


    Gezeichnet: Karl Hecht
    Reviervorsitzender im Scharupsee


    Die Geschichte ist frei erfunden. Aber!!!!!!!!!
    Wer weiß, vielleicht denken die Hecht so!!!!!!!!!!!!!


    Euer Sven
    www.der-norden-angelt.de

    Kommentare 

     
    0 #1 Raubfischjäger 2007-08-30 16:35
    Einfach nur genial geschrieben!
    Bitte mehr davon!
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