Ausgabe Mai 2012

Linktipps

    Auf Heilbutt am Hestøysund

    Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

    Auf Heilbutt am Hestøysund

     


    Es ist November 2007, als ich nach wochenlangem hin und her bei Din Tur anrufe, und Mathias Ullrich mitteile, daß er Hestøysundet für die letzte Juniwoche und die erste Juliwoche bitte für mich buchen solle. Er ist derjenige, welcher mir dieses Ziel anbietet, auf die Frage von mir nach der gezielten Heilbuttfischerei und das verträgliche Maß, mit dem eigenem Auto noch nach Norwegen zu reisen....
    nur das ist erst der Anfang, denn gezielt auf Kveite zu fischen war für mich bis dato totales Neuland. Ging es bis jetzt immer nur tiefer, schwerer (vom Bleigewicht), musste ich jetzt schon im Vorfeld andere Stelle markieren und ins GPS hacken, beispielsweise Sunde, flachere Plateaus, Buchten und und und, mit dem Hoffen, vor dann auch noch etwas (oder etwas mehr Strömung vorzufinden).....alles nicht so einfach.

    Vor Ort angekommen machte uns der Wind die ersten zwei Tage zu schaffen, bevor wir am dritten Tag das erste mal überhaupt erst dem Hippo gezielt nachstellen konnten.
    Hütte war Top, Ersteinweihung erfolgte erst im April diesen Jahres




    Die Vermieter Stig und Frid waren Super Hilfsbereit und Stig als Fischer ist natürlich auch für jeden Tip zu haben.







    Allerdings konnte er sich mit meinem großen Gummifischen auch nicht so recht anfreunden auf meine Andeutung, es gezielt auf Kveite zwei Wochen zu versuchen.
    Norwegische Fischer schwören wohl eher auf Sild (Hering) an der Langleine, was ja auch logisch ist, macht sich ja ein Giant Jighead - Royber Jig und ähnliches schlecht am Circle Hook an der Langleine....zumindestens lag ich im Vorfeld schon mal mit meinen Buttstellen nicht soooo verkehrt, denn Stig hörte in den von mir anvisierten Gefilden mehrfach von Buttfängen . Natürlich gab er mir dann auch noch den einen oder anderen Hot Spot.
    Die Boote waren 1a, vom grossen 21 Fuß,36Ps starken Kutter



    über ein Oien 17,5Fuß mit 30PSer



    bis zum französischen Hersteller Antioche mit seinem 17,5Fuß Kabinenboot mit 50PSer Mercury

    O.k, dann kanns ja losgehen. Fischen auf Heilbutt, so hatte ich gelesen, ist auch Fischen weit vom Grund, d.h wir servierten unsere Gummifische bei 30 Meter Wassertiefe in ca. 20 an, mal ließ ich den Köder wieder zum Grund ab, mal kurbelte ich ihn langsam bis zum Boot heran um ihn dann wieder zum Grund abzulassen....
    Die ersten Tage stellten wir fest, daß es hier nach Stigs Ansage "Torsk is everywhere" von Dorschen hier nur so wimmelte, und die stürzten sich mit allen Eifer auf unsere Gummifische





    ja selbst 2 pfündige Dorsche stürzten sich auf unsere 23-26cm langen Gummifische, welche nach paar Tagen schon sehr lädiert waren.....
    Die ersten Tage war es ja noch lustig, nur beim gezielten Fische auf die großen Butts nervt es dann doch irgendwann, weil jedes mal, wenn Dorsche am Köder zuppelten, der Köder ja nicht für unseren Zielfisch im Wasser hing...
    So war es auch am 5.ten Tag, als wir wieder mal seit über 2 Std. einen der zahlreichen Straumen um Herøy herum befischten. Meiner Meinung nach , so genau weiß ich es nicht mehr, war ich gerade dabei, meinen Giant Jighead ans Boot zu kurbeln, wurde dieser mit vehementer Gewalt gestoppt, und nachdem ich diesem Stop mit einem ordentlichen Anschlag quitierte, schoß mein Gegenüber wie von der Tarantel gestochen auf und davon......
    Kveite......rief ich meiner Frau zu, ...YEESSSS,....Tage hatte ich mit Warten und Hoffnung auf diesen Moment gewartet, musste mich immer wieder zusammenreißen, wenn meine Nachbarn mit prall gefüllten Boxen voll Schellfisch,Rotbarsch, Pollack, dem einen oder anderen schönen Lumb, Steinbeißern usw reinkamen,,, nur ich hatte immer nur ne handvoll bessere Dorsche parat, wenn ich nach dem stundenlangen Fischen mit Frau heimkam....zum Glück hat sie auch diesen unbedingten Willen, daß dies was wir machten wohl mit das Beste war, wohl einen Halibut ans Band zu bekommen....

    Petra holte sofort ihren Gummifisch rein und fuhr dem Fisch hinterher, welcher meiner Meinung nicht zu stoppen war. Ich gab ihr Kommandos, und mir kam es so vor, als wenn Sie nichts anderes den ganzen Tag macht, einfach Perfekt....
    Es vergingen bestimmt 20 Minuten, bis wir einen braunen Schatten sahen...mein Gott, was für ein Fisch, rief ich lauthals, Petra hatte die Kamera in der Hand..."Wenn der jetzt abgeht Schatz, hatten wir ihn zumindestens auf Band" sagte ich. Der Fisch indes verweilte vielleicht ein , zwei Sekunden am Boot, als er sich mit mächtigen Schwanzschlägen wieder von uns verabschiedete Richtung Grund, zak waren wieder 30 Meter Schnur weg....wir grübelten schon wie schwer der sein mag, der Gummifisch kam mir zumindestens klein vor im Maul. Nach weiteren Minuten, welche mir wie Stunden erschienen kam der Butt das zweite mal ans Boot "den musst Du harpunieren Maus", gesagt getan, alles war vorbereitet, Petra nahm die Harpune in die Hand, der Fisch lag gut und jagte Sie sie am Brustflossenansatz in den Fisch hinein..."geht ja wie in Butter"...der Fisch allerdings war ausser sich und schoß wieder auf und davon...flups schoß der Fender zwischen Petras Beinen dem Fisch hinterher....
    Ich glaube, solche Augenblicke vergißt man nicht mehr im Anglerleben...
    der Fender allerdings verblieb ne Ewigkeit unter Wasser, Wahnsinn, irgendwann aber tauchte er ca. 20 Meter neben den Boot auf und der Butt zeigte bald später weiß....
    nach wohl drei Gaffversuchen konnte ich den Fisch ins Boot hieven, Wahnsinn, welch knochiges Maul ein Heilbutt hat....ich schrie meine Freude aus dem Leib, war ausser mir...vor mir lag mein erster Butt...1,30m und die Waage pendelte irgendwo zwischen 23-24kg.......

    nach dem Kehlschnitt floß viel Blut, man möge mir deshalb das viele Blut verzeihen....











    der Druck war weg, und wir hatten erst den 5.ten Tag. Der Fisch wurde filetiert, wobei mir Stig beiseite stand. Zwar ist es ja relativ einfach, so einen Fisch zu filetieren, aber wenn man das erste mal davor steht, baut sich jedenfalls bei mir ein kleines Fragezeichen auf...
    Klappte auf jeden Fall sehr und dazu gab es abends den Kopf im Backofen gegart mit einem lecker Glas Rotwein und den einen oder anderen Schnäpsle dazu....




    lecker, in Norwegen eine Delikatesse, auch muss man sagen, daß beim Wort "Kveite" sogar die Norweger hellhörig werden.
    Viele kamen an, und bestaunten den "heiligen Fisch", wie sie sagen, denn ein Heilbutt hat auch in Norwegen einen kleinen Mythosstatus!!!

    Die nächsten Tage waren wir natürlicher umso motivierter, aber so schnell bekommt man nun ja auch nicht einen zweiten Butt ans Band.
    Ab und an kamen dann auch mal bessere Dorsche ans Tageslicht wie dieser 13 pfünder,




    der wie auf dem Foto zu erkennen ist, den 23er Gummifisch voll inhalierte....

    Wir waren mittlerweile am 10.Tag , als ich nachmittags am Steg mit meinen Nachbarn stand. Wir faselten ein bisschen übers Angelgeschirr, und man zeigte mit den neuen Royber Jighead...ich war ganz angetan von dem Ding, der ja wie ne Weiterentwicklung des Shimano Storm Giant Jigging Shad erinnert, nur halt mit zwei Drillingen ausgestattet ist





    auf jeden Fall bot mir Nachbar an, den Köder zu fischen, was ich mir nicht zweimal sagen ließ.
    Da das Wetter sehr gut war (sozusagen buttlastig), startete ich gleich mit Petra zu einem der vielen Sunde. Dort angekommen, hatte ich ein sehr gutes Gefühl. Es war soviel Strömung vorhanden, daß sich auf dem Wasser kleine Kräusel bildeten, auf jedenfall Top Wetter, dazu wenig Wind und Sonne pur.
    Es verging keine halbe Std., als mein Royber Jighead nach ein paar besseren Dorschen von einem richtig guten Fisch in die Tiefe gerissen wurde. Wieder eine hastige Flucht und wir waren uns einig , daß dies der zweite Hippo war....
    Schnell hatte Petra die Rute reingeholt, ich hatte das Echolot angemacht, und wir verfolgten die Spur des Fisches mit langsamer Fahrt. Teilweise schoß der Fisch über nur 5 Meter tiefen Wasser, Wahnsinn, wir hinterher....es dauerte wieder ein Ewigkeit, bis der Fisch das erste Mal am Boot auftauchte, und wieder kein schlechter Heilbutt. Er schoß wieder auf und davon und nachdem er das zweite mal am Boot hochkam, schoß er wieder 30 Meter Richtung Grund...beim dritten mal allerdings hatte er sich wohl verausgabt. Diesmal , wohl eher zu meinem Versetzen holte Petra gleich das Gaff mit den Worten "der ist fertig, den bekommen wir so ins Boot", na das kann ja was werden , aber anstatt eine Diskussionsrunde einzuläuten, tat ich nichts, sondern sah dem Geschehen zu. Ich weiß nicht, was meine Frau in Ihrem letzten Leben gemacht hat, aber besser hätte wohl kein anderer das Gaff so gut im Schlund des Buttes verankert, nur beim Reinziehen war ich Ihr behilflich!

    Der zweite Zielfisch, ich war, wenn es denn einen gibt im Anglerhimmel angekommen. Der Fisch hatte irgendwie die gleichen Ausmaßen wie der erste...1,30m und wieder pendelte die Digitalwaage irgendwo bei 23-24 Kilo....











    Nach diesem Fisch probierten wir es auch gleich weiter, da wohl Ort und Zeit stimmten. Keine 10 Minuten hatte ich meinen Fisch wieder im Wasser, dann durchfuhr ein heftiger Ruck meine Rute...Buttalarm, leider nur ein Anfasser, langsam kurbelte ich meinen Gummifisch Richtung Boot, da knallt es mit einem Mal an Petras 50 LBS Sportex....die Avet schreit Schnur frei, Petra hält dagegen und jubelt wahnsinnig, was denn da am anderen Ende so heftig wegschießt, das macht nur ein XXL Butt. Ich fuhr dem Fisch hinterher der meiner Meinung nach schneller heftiger und ausdauernder flüchtete als meine ersten beiden, leider nur drei,vier Minuten , dann war der Spuck vorbei....ausgeschlitzt, schade, ich hätte meiner Frau den Fisch gegönnt....

    Jetzt waren alle heiß in den anderen Häusern auf Butt, gleich abends kam der erste Nachbar vorbei und bat mich um einen Giant Jighead, oder irgendwas riesiges gummiges. Auch Stig war langsam vertraut mit unseren Ködern. "You are very famous here", das ging runter wie Öl...

    Vier Tage hatten wir dann noch Zeit zum Fischen, leider machten die nächsten drei durch Wind von über 12m/s einen Strich durch unseren 3. Kveiteanlauf...wir versuchten es dann mal in windärmeren Phasen aber bei 1,8 Knoten Drift trotz Treibankers war selbst mit 400Gramm schweren Köpfen nicht zu denken....der letzte Tag brachte dann auch keinen Butt mehr ans Tageslicht.

    Trotzdem hatten wir mehr als genug, die ersten Butt, und dann gleich zwei so schöne Fische, das macht süchtig, ich sags Euch!!!!
    Danke an dieser Stelle nochmal an DinTur, besonders an Matthias Ullrich, welcher mit seiner Einschätzung über buttlastige Ecken vollends ins Schwarze getroffen hat.

     


    Der Rekordbutt in der Anlage steht irgendwo bei 55 Kilo, da hab ich noch so einiges vor mir.


    Gezieltes Fischen auf Hippo ist, wenn man dann nicht den ganz langen Weg Richtung Nordnorwegen nimmt auf jeden Fall möglich hier!!
    Mich sieht die Ecke wohl wieder, ich glaub von meinen Kumpels sind jetzt auch so einige heiß auf Kveite.


    Und besonderen Dank an meine Freundin, ohne Dich hätte ich diese zwei schönen Fische schwer überwältigt,Dicken Kuß Mausi!

    Hauke Loof

     

    Kommentare 

     
    0 #1 Gunnar Klingelhof 2008-12-30 19:40
    Ich möchte hier an dieser Stelle noch einmal herzlich zu diesen tollen Fischen gratulieren.Mach weiter so Hauke!

    Angelsportsfreu nd, Klingelhof
    Zitieren
     

    Kommentar schreiben

    Sicherheitscode
    Aktualisieren


    Humminbird


    Alle Rechte und Irrtümer vorbehalten! - Ein Projekt von anglerboard.de.
    Alle Grafiken und Warenzeichen auf dieser Seite unterliegen dem Recht der jeweiligen Eigentümer.
    Das Kopieren von Bildern und Texten von Anglerpraxis.de ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung gestattet!

    © 2003-2011 Anglerpraxis.de
    Weitere Projekte: Angeln in Norwegen , Angeltreff.org
    Technical support by MLIT