Blei statt Gummi....
Blei statt Gummi....
Teure Wobbler, Twister oder Gummifische in allen Variationen, Ausführungen und Gewichten sind normalerweise die Köder der Wahl, wenn's um Barsche oder Zander geht, die man beim spinnfischen fangen will.
Abgesehen davon dass mir als Schwaben gerade aktuelle „Modeköder" meist zu teuer sind, bin ich auch ein klein wenig ein Traditionalist. Der Spinner in verschiedenen Größen wird von mir mindestens ebenso oft eingesetzt wie der Effzett. Und ich komme daneben immer mehr zum leichteren Angeln, weil's mehr Spaß macht und nicht zuletzt weil's erfolgreicher ist.
Da nimmt man dann gerne mal in Kauf, dass vielleicht nicht der Zielfisch Barsch gebissen hat, sondern dafür ein 3 - Pfund Döbel..
So kam ich auch zum angeln mit den Kleinpilkern im Fluß. Das erste Mal hab ich darüber im Oktober 2007 berichtet:
http://www.anglerpraxis.de/content/view/650/14/
Nun ist wieder einiges an Zeit ins Land gegangen - und ich konnte ein paar Erfahrungen mehr machen. Leider war dieses Jahr bis jetzt zum Angeln nicht so optimal, da wir fast immer sehr hohe Wasserstände bis hin zum Hochwasser hatten. Nicht gerade die Topbedingungen zum Barschangeln, die ja Augenräuber sind.
Aber die Döbel scheinen sich auch beim leichten pilken weniger an trübem Wasser zu stören. Bei fast allen Versuchen war der Döbel (das natürlich auch stellenabhängig) mit die Fischart, welche am besten auf die Pilker „ansprang...
Gefolgt von Barsch und Zander.
Aber der Reihe nach.
Zuerst fischte ich die Pilker mit der 2,10 langen Skeletor (WG2 - 12 Gramm). Nach Versuchen mit der 3m Skeletor (ebenfalls 2 - 12 Gramm WG) hat sich dann herausgestellt, dass die längere Rute die eindeutig bessere ist zum pilken am Fluss. Zum einen erreicht man mit der längeren Rute mit weniger Aufwand größere Wurfweiten, zum anderen bekommt man mit der längeren Rute mehr Schnur aus dem Wasser, was ein kontrollierteres Pilken möglich macht. Bzw. den Einsatz leichterer Pilker bei gleicher Tiefe und Strömung.
Da ich bisher immer wieder Probleme beim Einsatz sehr dünner geflochtener Schnüre hatte (auf den verschiedensten Rollen), bin ich im leichten bzw. ultraleichten Segment wieder zurück zu monofilen Schnüren gegangen (in dem Fall 0,20er Quattron). Das funktionierte auch dann ganz gut, wenn man zum einen nicht zu weit geworfen hatte und zum anderen die Strömung nicht zu stark war. Da dieses Jahr wie oben beschrieben wir ständig Hochwasser hatten, bin ich aber wieder reumütig zu einer geflochtenen zurückgekehrt. Auch wenn man beim werfen immer wieder Probleme hat (vor allem muss man beim vollen durchziehen richtig aufpassen, wenn man kein Getüddel will). Entschädigt wurde ich da aber für ein wesentlich kontrollierteres Angeln.
Lange hatte ich gesucht, welcher unserer Kunden und Partner solche kleinen Pilker überhaupt noch anbietet. Denn immerhin ist das ja kein „modernes Angeln", sondern eine eher altertümliche Methode. Nur bei der Firma Balzer wurde ich da fündig. Die bieten diese Pilker in Gewichten von 7 bis 18 Gramm an. Genau die Auswahl, die ich brauche. Die Farbe scheint dabei weniger eine Rolle zu spielen, ob einfach silber oder kupfer, ob lackiert in verschiedenen Farben mit Glitter und Holo - alles hat gefangen. Der einzige Nachteil (und da bin ich noch am suchen einer guten Lösung) ist, dass wie bei allen Kunstködern auch die Minipilker von Balzer nur mit Drillingen angeboten werden.
Ich suche da noch nach vernünftigen Einzelhaken und Sprengringen, um die kleinen Pilks umzurüsten. Zum einen vermeidet man dadurch doch den einen oder anderen Hänger, zum anderen bin ich persönlich überzeigt davon, dass ein Einzelhaken besser fasst und weniger Aussteiger produziert als Drillinge.
Auch das praktische Angeln hat sich bei mir inzwischen geändert. Es gibt ja wie fast immer beim Angeln nicht die „eine, optimale Methode". So bin ich auch weit entfernt davon, das Süßwasserpilken als die ultimative Methode anzupreisen. Aber: Es macht einen Riesenspaß und ist unter bestimmten Umständen auch den modernen Gummis an Fängigkeit zumindest gleichwertig und teilweise auch deutlich überlegen.
Der Vorteil von Pilks gegenüber anderen Kunstködern: Sie imitieren in meinen Augen das Verhalten eines verletzten und damit leicht zu erbeutenden Fisches am besten. Kein (verletzter) Fisch schwimmt monoton lange Strecken wie ein stumpf eingekurbelter Spinner, Blinker oder Wobbler. Wie bei Twistern und Gufis sind die Hüpfer am Gewässergrund, kurzes hochschiessen, wieder abtaumeln, die natürlichste Entsprechung vom Verhalten eines verletzten Fisches.
Dabei hat der Pilk gegenüber dem Gummifisch einen Vorteil:
Man kann viel leichter fischen, da er viel weniger „Angriffsfläche" hat - oder auch den Köder länger in der fängigen Zone halten.
Und genau da liegt auch der Vorteil des pilkens im Gegensatz zum Gummifischen: Dass man bestimmte Hotspots gezielt abfischen kann und den Köder (je nach Strömung) über eine lange Zeit im fängigen Bereich halten kann. Ist im Prinzip wie beim Dropshotangeln. Der Unterschied: Gerade im wärmeren Wasser reagieren die Räuber doch eher auf bewegtere Köder als die relativ ruhigen Dropshotköder.
Beispiele:
Bei uns am Neckar habe ich eine Stelle fast am gegenüberliegenden Flussufer, wo eine Kante ca. 30m flußab genau entlang der Strömung geht. Eine „todsichere" Döbelstelle, aber auch Barsche und Zander fange ich dort regelmäßig. Mit Blinker, Spinner oder Wobbler bin beim reinziehen (praktisch ja im rechten Winkel zur Kante) relativ schnell über den fängigen Bereich raus. Gummifische oder Twister kann ich etwas - aber eigentlich auch nur unwesentlich - länger im fängigen Bereich halten. Mit den kleinen Pilks dagegen kann ich die Kante richtiggehend „abklopfen - mit entsprechenden Fangergebnissen.
Das gleiche gilt für den einen Hafenbereich mit Spundwänden rund um den Hafen - bekannterweise ein bevorzugter Aufenthaltsplatz sowohl von Barschen wie auch Zandern. Auch hier eignet sich der leichte Pilker hervorragend gerade zum Barschangeln. Und das im Sommer mit wirklich „ausholenden Pilkbewegungen. Im ca. 3m tiefen Wasser ziehe ich da den Pilk bis fast an die Oberfläche, bevor ich ihn wieder abtaumeln lasse. Zum einen wegen der im wärmeren Wasser erfolgreicheren lebhaften Führung, zum anderen weil ich dadurch das Wasser von der Oberfläche bis zum Grund absuche.
Gerade beim angeln in der Strömung hat sich herausgestellt, dass eine Führung des Pilks mit hoch erhobener Rute (wie gesagt, die 3m - Variante der leichten Skeletor) das optimale zu sein scheint. Man hält viel Schnur aus dem Wasser und hat so weniger „Auftrieb" und kann den Köder länger im fängigen Bereich halten. Und- entsprechend lange Rute vorausgesetzt - man kann immer wieder kleine „Zwischenschläge" einstreuen, welches vor allem die Barsche mögen.
Die Bisserkennung erfolgt zum einen über das beobachten der Schnur, zum anderen habe ich auch immer einen Finger an der Schnur. Das ist wie beim Pilken auf der Ostsee.
Interessanterweise habe ich nach wie vor die meisten Bisse in der Phase, wenn der Köder an mir vorbeitreibt und die Strömung gerade beginnt in die Schnur zu greifen. Auch da wurde die Ausbeute durch das leichtere führen mit der längeren Rute deutlich verbessert.
Alles in allem:
Das Pilken mit den Kleinstpilken und Zockern ist zum einen eine absolut spannende Methode, die man zudem mit sehr leichtem Gerät ausführen kann. Bisher habe ich neben den „Hauptfischen" Barsch, Döbel und Zander auch schon einen kleinen Waller erwischt, sowie mehrere Rapfen (davon auch zwei, als ich den Minipilk gegen die Strömung eingeholt habe, aber auch drei, die den Köder beim normalen „pilken" nahmen).
Das Pilken mit den Kleinstpilkern ist nicht die immer und überall erfolgreiche Methode. Ich habe hier meine Erfahrungen über ca. 1 Jahr im Neckar geschildert. Das kann an anderen Gewässern durchaus anders aussehen. Aber ich kann jedem empfehlen, dies einmal auszuprobieren.
Thoma Finkbeiner
| < Zurück | Weiter > |
|---|


