Die Krebspest - ein für alle verständlicher Artikel
Anmerkung der Red.: Ist immer wieder interessant was alles an wissenswertem im Forum vom Anglernboard so auftaucht. Wen wir sowas finden, "kapern" wir uns das natürlich (jeweils in Absprache mit dem Autor) fürs Magazin hier. So auch in diesem Fall mit dem folgenden Artikel von fhstutti :
Da ich -wie viele Krebshalter auch- immerwieder im
Netz und Büchern nach ausführlichen und vorallem verständlichen Erklärungen über
die Krebspest suche und ich so allmählich über die Krankheit Bescheid zu wissen
glaube, möchte ich euch die lange Suche ersparen und euch einen Bericht darüber
mit meinen eigenen Worten verfassen!
Herkunft und Entdeckung:
1860 trat die Krankheit das erste Mal im Europäschen Bereich
auf und von da an forschte man immerweiter nach der
Ursache, Krankheitsverlauf,
Verbreitung usw.
Die Seuche breitete sich unterdessen unaufhaltbar aus
und rottete die einheimischen Flusskrebsarten sämtlicher Länder -angefangen 1875
in Frankreich, Mitteleuropa, Russland, bis über 1982 Griechenland, Türkei und
Norwegen- aus, oder führte zu deren Zusammenbruch der ertragreichen
Speisekrebsbestände.
Erst in den Jahren von 1969 - 1975 wurde
herausgefunden, daß der Erreger aus den Nordamerikanischen Gebieten kommt und
daß er mit der Einfuhr der nordamerikanischen Flusskrebsarten eingeschleppt
wurde.
Träger der Krebspest
Alle
nordamerikanischen Flusskrebse sind Träger und Verbreiter der Krebspest. Dazu
gehören alle Procambarus-, Cambarus- und Cambarellusarten. Dem beliebten
Speisekrebs (und mittlerweile auch beliebter Aquarienbewohner
) haben wir es also zu verdanken, daß es unsere einheimischen Krebse
wie den Edelkrebs nur noch selten gibt.
Der Erreger
1906 beschrieb Schikora den Erreger als einen
Vertreter der parasitären Pilze (Aphanomyces astaci), was erst 1934 durch
die Kultivierung des Erregers bewiesen wurde.
Die Infektion
Die Ansteckung erfolgt durch mikroskopisch kleine Zoosporen,
die sich mit Hilfe zweier Geißeln frei bewegen können. Haben die Sporen einen
Wirt >also einen Krebs< erreicht, werfen sie ihre Geißeln ab, bilden eine
Zyste und dringen so in das Innere des Körpers ein.
Sobald die Spore
jedoch erkennt, daß sie sich gar nicht auf einem Krebs befindet, bildet sie
wieder neue Geißeln und macht sich erneut auf die Suche nach einem Wirt. Findet
sie jedoch keinen Krebs, verliert die Spore mit jeder neuen Geißelbildung immer
mehr an Substanz und geht ein.
Krankheitsverlauf
Ist der Pilz in den Körper des Krebses eingedrungen, so
breitet er sich rasch in nahezu alle Bereiche des Körpers aus und befällt alles
Gewebe und die Muskulatur.
Der Tod des befallenen Tieres tritt bei einer
Wassertemperatur von ca. 20° C innerhalb 6 Tage nach Infektion ein.
Mögliche Symptome kann man frühestens 1 Tag nach der Infektion erkennen:
> Kratzbewegungen mit den Schreitbeinen an Augen, Schwanzunterseite
und Gliedmaßen
> starke Tagaktivität, versteckt sich nur noch selten
und nicht von langer Dauer
> Aussetzen des Fluchtreflexes
> Verlust von Gliedmaßen
> Seitliches Umkippen
> dreidimensionale Pilzhyohem in der weichen Haut der Abdomen-
(Schwanz-) Unterseite (was erst nach dem Tod feststellbar ist)
Hat
mein Krebs die Krebspest in sich und muß er sterben?
Ja und
nein!
Alle nicht aus Nordamerika stammenden Krebsarten können daran
sterben! Wird z. B. ein Edelkrebs oder Cherax infiziert, so bildet er zwar an
der befallenen Stelle Melanin (ja, der Farbstoff!), jedoch kann dieser Wirkstoff
den Pilz nicht erkennen und somit einkapseln.
Cambaraus-, Procambarus-
und Cambarellusarten bilden ebenfalls dieses Melanin an den Befallsstellen,
sodaß der Erreger nur an der äußeren Hautschicht bleibt. Mit jeder Häutung des
Krebses werden wieder Sporen freigesetzt, die sich umgehend ein neues Opfer
suchen (So wird man auch den Pilz bei einem z. B. Proc. Clarkii nie los!!!)
Jedoch kann auch ein nordamerikanischer Krebs an der Krebspest sterben,
wenn zu dem Erreger noch eine weitere Infektion oder großer Stress hinzukommt!
Dies kann dann auch unter den Nordamerikanern zu Massensterben führen!
Können meine Fische und Garnelen auch daran sterben?
Nein!
Die Sporen setzen sich zwar auf alles, was
sich im Becken befindet, jedoch erkennen sie noch vor der Zystenbildung, ob es
sich wirklich um einen Krebs handelt! Ob auch Bachflohkrebse potentiell
gefährdet sind, ist noch nicht bewiesen, jedoch können sie auch als Überträger
auftreten!
Ich hatte/ habe nordamerikanische Krebse in meinem
Aquarium, möchte aber jetzt Cherax in diesem Becken pflegen. Was muß ich
beachten?
Am allerbesten ist es, wenn man das Becken und den
gesamten Inhalt über Wochen desinfiziert, auskocht und austrocknen lässt.
Alte Filtermedien sind durch Neue zu ersetzen.
Ist dies nicht
möglich, weil sich noch artfremde Tiere in dem Becken befinden, sollte man
möglichst alle Pflanzen und Wurzeln entfernen und nicht wieder in das Becken
einsetzen.
Über eine Zeit von 4 - 6 Wochen sollte ein wöchentlicher,
großer Wasserwechsel (mindestens 80 %) gemacht werden, wobei der Sand
immer wieder leicht durchgerührt und Mulm abgesaugt werden sollte! Hier wird oft
behauptet, daß es ausreicht, wenn das Becken ca. 4 Wochen lang leerläuft -
stimmt aber nicht!
Täglich muß man das Aquarium auf (anderweitig)
verstorbene Tiere überprüfen und sie müssen umgehend herausgeholt werden.
Auch muß man beim Händler darauf achten, daß die Krebse nicht zusammen
mit den Nordamerikanern gehalten wurden/werden und am besten ist es, wenn man
den Händler darauf anspricht, ob er mit der Krebspest vertraut ist. Ein
richtiger Züchter kennt die Probleme, jedoch muß man bei Händlern und
Zoofachgeschäften immer wieder eine Hälterung der verschiedensten Krebsarten
miteinander erkennen!
Eric Grolig
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