Möhnesee - Barsche satt?
Möhnesee - Barsche satt?
An einem kleinen Café, unweit der Möhneseefähranlegestelle, warte ich auf Robin. Wir haben uns zum Barschangeln verabredet. „Am Dienstag hab ich es fast geschafft, die 50 voll zu machen", hatte Robin mir zuvor stolz erzählt. Heute Nachmittag wollen wir gemeinsam einen Versuch starten.
Jetzt kommt Robin angefahren, Wir verlieren keine Zeit und kurz darauf haben wir den Schuppen mit den Booten erreicht. Schnell schieben wir das Boot mit einem Handtrailer ins Wasser. Ich krempele meine kurze Hose noch ein Stückchen hoch, ziehe die Schuhe aus und steige ins Wasser. Das kühle Nass ist eine Wohltat bei den aktuellen, hochsommerlichen Temperaturen. Robin bringt den Trailer zurück während ich das Boot belade und kurz darauf gleiten wir, begleitet vom „schnurrenden" E-Motorgeräusch über den See.
„Schon ist seine Rute krumm!"
In Sichtweite der Talsperrenmauer stoppen wir genau dort, wo nachts die Möhneseefähre festmacht. Robin greift zielsicher zu seinen Japanwobblern und wirft aus. Schon ist seine Rute krumm! „Hier habe ich vor ein paar Tagen mit meiner Freundin schon gut gefangen", kommentiert er mit einem Grinsen. Ich montiere einen kleinen Pointer an meiner Rute und ziele, motiviert von Robins schnellem Erfolg, die Uferpartie an. Der Wobbler taucht kurz vor der Steinpackung ins Wasser ein. Mit kurzen, schnellen Schlägen führe ich den Kunstköder zurück. Wie aus dem nichts tauchen einige dunkle Barschrücken auf und nehmen die Verfolgung auf. Neugierig stupsen sie nach dem Köder, mit meiner Polbrille kann ich alles genau sehen. Leider bleibt keiner Hängen. Robin landet derweil den nächsten Stachelritter. Ein paar Würfe später kann auch ich endlich einen kleinen Barsch verhaften. „Das fängt ja gut an", meine ich. Mittlerweile habe ich einen kleinen Gummifisch montiert. Prompt verhängt er sich am Grund. Wir sind also gezwungen den Anker zu lichten und den Köder zu retten. Ich bekomme den Gummifisch wieder frei und wir ankern erneut. Leider können wir in den nächsten Minuten keine Nachläufer mehr ausmachen oder Bisse verzeichnen. „Lass uns mal weiter fahren", denkt mein Bootspartner und so gleiten wir kurz darauf Richtung Stauwurzel.
„Das Adrenalin steigt, als ich meinen Wobbler über den Pulk raubender Fische werfe"
Die Fahrt führt uns unter den Brücken hindurch in den nordöstlichen Teil des Sees. Dort befischen wir jetzt die Umgebung der Bootsstege. Wir können in der nächsten Stunde einige kleinere Barsche verhaften. Dabei arbeiten wir uns Spot für Spot voran. Mittlerweile stehen wir am Rand eines Krautfeldes. Robin bekommt jetzt immer wieder kurze „Anstupser" auf einen kleinen silbernen Twister. Dann passiert es. Ganz unvermittelt brodelt das Wasser am Rand des Krautfeldes. Ganz klar, hier rauben die Barsche. Das Adrenalin steigt als ich meinen grün/weißen Wobbler über den Pulk raubender Fische werfe. Mit scharfen Rucken führe ich den Köder durchs Wasser. Einschlag! Ich sehe wie ein kleiner Barsch am Köder zerrt. Doch er ist nicht alleine! Ein ganzer Pulk Barsche verfolgt den vermeidlich erfolgreichen Artgenossen. Sie attackieren ihn und den Wobbler in seinem Maul. Wie aus dem nichts schmeißt sich plötzlich ein richtig dicker Stachelritter ins Getümmel. Dank Polbrille kann ich alles staunend verfolgen. Das alles passiert so schnell, dass ich erst realisiere, dass der Dicke jetzt an meiner Rute hängt, als der Rest der „Barschgang" schon wieder abgetaucht ist. Meine Skeletor-Rute federt die Fluchtversuche des Barsches sicher ab während Robin sich geistesgegenwärtig den Kescher krallt. Ich führe den Fisch zum Netz, geschafft! Ich werfe ein „Jawooohl!" über den See und klatsche mit Robin ab. Ein tolles Erlebnis.
Danach geht leider nicht mehr viel an diesem Spot, die Barsche sind wohl weiter gezogen. Das ewige „Hit and run"-Spiel der Stachelritter nimmt somit seinen Lauf. Dem schließen auch wir uns an und wechseln abermals die Stelle.
„Das ist was besseres!"
Die nächste Stunde geht leider herzlich wenig. Robin ist mittlerweile wieder auf kleine Gummifische und Twister umgestiegen, nachdem er zwischenzeitlich wieder zu seinen Lieblingsjapanwobblern gegriffen hatte. „Da, schon wieder ein Biss", sagt mein Bootspartner. Er befischt grade einen Krautrand. Offensichtlich stehen dort ein paar halbstarke Barsche, die aber nicht hängen bleiben. Doch dann erwischt Robin einen und hält ihn mir grinsend entgegen. Während ich in Richtung offenem See fische, wirft Robin jetzt in Richtung der Bootsstege. Ich bin jetzt ganz vertieft in meine Köderführung, als Robin mich aus meiner Konzentration reist: „Das ist was besseres!", ruft er. Ich drehe mich zu ihm um und erblicke seine ausschlagende Rutenspitze. „Ist das schon wieder so ein Riesenbarsch?", frage ich ihn und muss an seinen über drei Pfund schweren Barsch von unserer ersten gemeinsamen Angeltour denken.
Jetzt explodiert das Wasser vor uns. Robin und mir ist schnell klar, das ist kein Monsterbarsch sondern ein Hecht. „Schönes Tier", rufe ich zu Robin und schieße schnell ein paar Fotos vom Drill. Nach ein paar Fluchten zeigt der Esox die Breitseite. Im Maulwinkel ist der kleine, grüne Barschtwister zu sehen. „Gut, dass ich ein kurzes Stahlvorfach dran habe", meint Robin. Jetzt greift mein Angelpartner ins Wasser nach dem Fisch. Schon hat er ihn gelandet und hält ihm mir lächelnd entgegen. Kein Riese, aber uns freut der Fisch trotzdem.
„Warum beißen die nicht?"
Langsam aber sicher werden die Schatten länger und es wird Zeit den Rückweg anzutreten. Wir halten noch jeweils kurz an ein paar Ufernahen Stellen. Schließlich ankern wir unweit einer „Grillgemeinschaft" badender Möhneseekurzurlauber. Diese erfreuen sich grade an einem leckeren Abendessen während Robin und ich den Endspurt in Sachen Barschjagd hinlegen. Wir arbeiten jetzt beide mit kleinen Wobblern als wir plötzlich verstärkt Nachläufer beobachten können. Die Spannung steigt wieder. Grade ziehen ein paar Nachläufer zurück in die Tiefe, als den Wobbler einfach direkt am Boot absinken lasse. Im nächsten Augenblick sehe ich im Restlicht nur noch seine Umrisse, dann wird er vom tiefen See verschluckt. Jetzt rucke ich den Köder mit schnellen Schlägen nach oben. Sofort schießen einige Barsche aus der Tiefe! Doch sie beäugen den Köder lediglich und stoppen immer kurz vor den Haken. „Warum beißen die nicht?", frage ich Robin, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. „Manchmal ist das wie verhext. Die Barsche brauchen immer möglichst gleich bleibende Wetterverhältnisse. Sonst werden sie zickig. In den letzten Tagen hat es ja gewittert. Den Hechten schlägt so was weniger auf den Magen", antwortet Robin dennoch. Die Barsche machen uns rappelig. Immer wieder schissen sie den Ködern nach, ohne richtig zuzupacken. Dann können wir doch noch je einen haken. Robin und ich landen gleichzeitig je einen kleinen Stachelritter.
„Jungs, worauf beißen die Fische?"
Unter den Kurzurlaubern am Ufer ist auch ein kleiner Junge. Der versucht ebenfalls einen Barsch zu fangen. Mit großen Augen verfolgt er uns. Robin landet vor seiner Nase einen weiteren kleinen Barsch. Jetzt versucht der Junge mit einem Blinker bewaffnet auch erfolgreich zu sein. Als wir aufbrechen um unseren Angeltripp langsam aber sicher zu beenden, fragt uns der Vater des kleinen Anglers am Ufer: „Jungs, worauf beißen die Fische?" Ich antworte: „Auf Wobbler. Am besten durchs Wasser rucken!" Robin grinst und beschleunigt den E-Motor.
Als wir den Bootsschuppen im schwindenden Abendlicht erreichen, resümiere ich: „Immerhin hast Du locker zweistellig gefangen". Doch Robin meint, dass an der Möhne an guten Tagen noch mehr drin wäre. Vielleicht war das heute nicht „Barsche satt". Aber gefangen haben wir trotzdem in den letzten sechs Stunden. So fahre ich zufrieden nach Hause und habe einen Grund mehr noch einmal wieder zu kommen. Beim nächsten Mal wird bestimmt noch mehr gefangen, ich freu mich schon drauf!
Clemens Strehl
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