Ausgabe Februar 2012

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    Eigenbau einer (zweier) Fliegenruten, Teil 1

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    Loomis IMX Slate

    Oder: Eigenbau einer (zweier) Fliegenruten, Teil 1

    Teileliste:

    Blank 3-teilig

    REC Rollenhalter

    Western Griff

    Winding Check

    Hakenöse

    Leitring

    Einbeinringe

    Spitzenring

     

    5-min Epoxi

    Bindefaden

    Bindelack

     

    Bindestation mit Winder

    Klebeband

    Pinsel

     

    Es ist so wie immer: Die lange Winterzeit macht die Nase immer länger, man blättert in Fliegenfischerkatalogen, telefoniert und macht sich heiß. Nicht mit Glühwein sondern Begehrlichkeiten. So kommts wie es kommen muss:

    Wir (Uwe und ich) brauchen unbedingt (!) neue Ruten für unsere Hausbäche. Klar, nachdem man sich für alle Bereiche des Fischens entsprechend ausgerüstet hat fehlt noch die Ausrüstung für unser Standartgewässer: Bäche, im Schnitt 1,5 bis 3m breit.

     

     

    bild_1

     

     

    Sie entsprechen klassischer Definition der Forellen/Äschenregion. Teilweise mit Bewuchs aber auch mit weiten Wiesenstrecken. Als Köder sollen Nymphen, Streamer, Maifliegen und Trockenmuster geworfen werden können. Also brauchen wir wie immer die eierlegende Wollmilchsau! Nachdem ich Uwe überzeugen konnte dass es ein Eigenbau sein muß, war das Lastenheft in etwa definiert:

    Länge 7-8 Fuß, Klasse 4-5!

     

    Vorüberlegungen:

    In dieser Länge gibt es nicht viele Blanks (Die Amis scheinen nur große Gewässer zu haben, ebenso die Schweden...), aber nach längerem Suchen haben wir uns für einen (zwei) Loomis IMX Slate in der Länge 7,6 der Klasse 4 entschieden. Da es sich um eine Custom handelt mit einem sehr eingeschränkten Einsatzbereich fällt die Auslegung zugegebenermaßen auch sehr spezifisch aus:

    • Kleiner Bach
    • Wurfweite nie größer als 10 m
    • Kein Doppelzug, etc.

     

    Uwes Rute wird mit einer  5er WF (Cortland), und eine 5 er WF (Teeny) bei mir: Die Rute soll sich schnell aufladen. Bei o.G. Bedingungen wird es keine Schwierigkeiten geben bezüglich einer Überlastung (Zumal ich eine 2 er Loop auch mit 3er WF fische und gute Erfahrungen habe...)

    Zudem soll ein richtiges Konzept für diese Bedingungen gefunden werden.

     

    Der Bau:

    Blanks und Anbauteile wurden bei einem Importeur zussammen bestellt, sodass sich preisliche Vergünstigungen ergaben...

    Nach nervösem öffnen des Paketes und erster Inaugenscheinnahme haben sich der Blutdruck und die Nervosität dann auch mal gelegt.

     

     

    bild_2

     

     

    Ich wollte dann mal eben den Blank in den Rollenhalter zum Probewohnen stecken, und damit fangen die Schwierigkeiten an: Leider Ist der Blank mit ca. 8,5 mm 0,5 mm dicker als die Bohrung.Schade!

    Also wird der Rollenhalter auseinandergebaut, um ihn auf der Drehbank unserer Schreinerei aufzubohren.

     

     

    bild_3

     

     

    Hier würde sicherlich ein Bohren mit der Handbohrmaschine ausreichen, da das Loch nur 0,5 mm aufgebohrt werden muss und sich der Bohrer sicherlich selbst zentrieren würde. Aber, es genau zu machen kost nur etwas Zeit....Deshalb gehen die Teile morgen sicher verpackt mit zur Arbeit. Das Tape ist zum Vermeiden vom Kratzern beim Spannen im Backenfutter der Drehbank

     

    Vorher wurden noch "einschneidende Maßnahmen" ergriffen: Das Unterteil des Blanks war mit aufgestecktem Rollenhalter ca. 6mm länger als das zweite Teil. Deshalb wurde an der Unterseite des ersten Teils 6 mm abgeschnitten. Der Blank wurde, damit das Kohlefaser nicht einsplittert mit TESAKREPP getapert.(Blanks werden in Unidirektional mit Kohlefaser belegt. Ein splittern geht immer in die Länge. Flurschaden ist eine Untertreibung für den entstehenden Schaden....) Ein Schneiden mit der Säge würde nun unweigerlich dazu führen, dass der Blank zerfasert. Deshalb benutze ich eine Miniflex mit Diamanttrennblatt. Alternativ wär auch ne Diamantdreikantfeile möglich, mit der man den Blank ringsum ritzt. Nach zwei Umdrehungen (0,5mm tief) kann man den Blank dann vorsichtig abknicken. So der Blank ist jetzt nicht mehr umtauschbar, der "point of no return" ist überschritten. Es gibt kein zurück mehr...Der Blank passt nun saugend in den aufgebohrten Rollenhalter. Nun muß noch das Gewindestück mit dem Spacer verklebt werden.

     

     

    bild_4.1

     

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    Ich benutze hierfür 5 min Epoxi. Die Teile sind vorsichtig aufzurauen (ich habe an einer Kaufrute schon einmal Meine Redington - Rolle auf den Beton klatschen sehen müssen, nur weil ab Werk der Rollenhalter schlecht verklebt war, und sich unter der Last des Gewindedruckes auseinandergeschoben hatte...), und mit Aceton zu reinigen. Mit dem Aceton ist äußerste Vorsicht geboten, zum einen weil es Gesundheitsschädlich ist, zum anderen weil es den Lack am Spacer angreifen könnte. Also mit Vorsicht und nur an den Teilen, welche später unter dem Aluminium sind!

     

    Das 5min Epoxi wird gemäß Anleitung angemischt. Meist handelt es sich um eine 1:1 Mischung (1 Teil Harz, 1 Teil Härter ). Und weil dieser Typ Epoxi sehr reaktiv ist, ist er sehr sorgfältig zu mischen. Sonst bleiben Stellen, an denen sich der Überschuss einer Komponente befindet weich! Teile gut benetzen ( Vorsicht, dass nicht an Stellen Harz aufgetragen wird, an denen es später zu sehen ist ) und zusammenfügen. Kontrolle und zum trocknen aufstellen. So kann das Harz nach unten laufen, von der Bohrung weg, durch die später der Blank geschoben wird. Wichtig: Immer Aceton und ein paar saubere Tempo bereithalten! Falls ein Unglück passiert, ist so Hilfe griffbereit. Nach einem Glas Wein und einer Nacht des Trocknens können im nächsten Arbeitsschritt Spitzenring mit Spitzenteil und der Rollenhalter verklebt werden.

     

    Nach dem Festlegen des Springpunktes (Overlap), können die Teile festgeklebt werden.

     

    Exkursion Springpunkt:

    Auch Overlap, oder Spine genannt!

    Die Blankteile hierzu an den Enden mit Malertape abkleben. Auf der Tischplatte und Fingerrücken ablegen und mit der freien Hand durchbiegen. Drehen! Nun bemerkt man folgendes: Der Blank wird sich in einer Vorzugsstellung "einpendeln".

    ( Kohlefaser wird in Matten um Stahlkerne gewickelt. Am Anfang und Ende der Matte entstehen durch unterschiedliche Produktionstechnischen Gegebenheiten die Overlaps. Bitte, zwei? Ja, innen und außen. Beide sind "fühlbar". Es interessiert aber nur der Stärkere...)Dies ist der Overlap, die stärkste "Faser" des Blanks. Mit dem Filzer markieren, und mehrmals durch drehen in versch. Richtungen (auch mit geschlossenen Augen ) überprüfen!J etzt scheiden sich die Geister. Entweder man windet die Ringe auf dem Overlap oder auf der gegenüberliegenden Seite ein. Das eine Mal hat man mehr Kraft beim Drill, das Mal hat man mehr Dynamik im Vorschwung. Hierzu bitte auch die Abhandlungen in den div. Foren beachten!!! Wichtig ist m.E. dass die Ringe auf dem Sprungpunkt und nicht im Winkel versetzt angewunden sind.

    An dieser Stelle soll nicht ausführlicher auf das Thema eingegangen werden.

     

     

    Die Bohrung des Rollenhalters ist so eng, dass ich nicht mit feinem Malerkrepp zu unterfüttern brauche.Ausreichend Epoxi in die Bauteile, und etwas an den Blank.Hochzeit!

     

     

    bild_5.1

     

    bild_5.2

     

    Unter drehen den Rollenhalter (hat vorher natürlich probegesessen...) aufschieben.Spitzenring positionieren.Feierabend..

     

    Am nächsten Tag soll der Griff montiert werden.. Hierzu muss er erstmal passen!! Bis es soweit kommt, ist noch Fleißarbeit vonnöten: Der Griff muss aufgeweitet werden. Hierzu nehme ich eine grobe Rundfeile. Er darf am Ende dann schon mit etwas "Press" passen. Da ich bei meiner Rute den Griff noch zusätzlich "pimpe", wird noch Kork gebohrt und vorbereitet.

     

    Es handelt sich um Champagnerkorkscheiben aus einer Internet-Auktion. Ich hatte noch Reststücke vom Bau meiner Yellow Line über...Es mußten nur noch aus 50 Scheiben zwei feinporige herausgesucht werden.Diese werden zusammengeklebt.Ich benutze Wasserfesten Leim.Andere nehmen Epoxi.

     

    Passt alles nach Wunsch, geht es weiter. Der Griff wird montiert.

     

     

    bild_6.1

     

    bild_6.2

     

    5 Min Epoxi gleichmäßig und nicht zu wenig auf den gereinigten Blank verteilen. Griff aufschieben. Zum Ende hin muss man schon drehen und ein wenig Kraft aufwenden bis er richtig sitzt. Die Verklebung sollte an allen Stellen gut sein, damit später nix quietscht: Das hatte ich auch schon bei einer (namhaften) Serienrute.

     

    Marc Pollrich

     

    Fortsetzung folgt.... 

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