Ausgabe Mai 2012

Linktipps

    Auf Hecht in Nord Hollands Poldern, Teil 1

    Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. | Drucken |

    Urlaub 2007 - Auf Hecht in Nord Hollands Poldern

    Teil 1

    von Ulrich Hoffmann


    Freitag, 26. Oktober 2007

    Endlich geht es los. Das Fiebern auf den Urlaub und die Hechte hat ein Ende. Eigentlich sollte es um halb neun losanzeige_kingfisher_50x100 gehen, geschafft haben wir es dann um halb elf. 4 Stunden und 30 Minuten sagt das Navi bei PKW mit Hänger. Ja, wir haben uns ein gebrauchtes Boot zugelegt, um ungestört von hohen Mietgebühren (ca. 50 Euro/ Tag) rausfahren zu können, wenn wir Lust haben.

    So geht es denn nun mit Tempo 80 - 90 zwischen den LKWs in Richtung Medemblick. Eine ganz neue Erfahrung, denn bis auf das Abholen des Trailers, des Bootes und die Fahrt zum TÜV habe ich noch keine Erfahrung im Fahren mit Anhänger. Aber es geht besser als erwartet. Ohne Stau, selbst nicht auf dem Ring um Amsterdam, sind wir in nur 4 Stunden in Vlietlanden.

    Schon während der Fahrt betont Tanja immer wieder, dass sie heute noch angeln will, zumindest eine Runde durch Medemblicks Kanäle machen.

    Nach der Schlüsselübernahme an der Rezeption und dem Kauf der Angellizenzen geht die Fahrt zum Haus, einer Stolpe, mehr braucht man nicht zu zweit mit Hund. Trotzdem sind 6 Schlafgelegenheiten vorhanden. Die Einrichtung ist in gewissen Grenzen standardisiert, also weiß man im voraus, was man zu erwarten hat. Unser Häuschen wird anscheinend oft vom Eigentümer genutzt und ist deshalb ein wenig liebevoller ausgestattet als diejenigen, die fast ausschließlich zur Vermietung gedacht sind.

    Also schnell die Sachen aus dem Auto geräumt, Außenborder betankt und mit dem Boot zur Slipstelle. Hier kommen die nächsten Probleme auf mich zu. Ich hätte vielleicht doch mal vorher das Rückwärtsfahren mit Hänger üben sollen. So brauche ich doch 6 - 10 Anläufe, bis der Trailer endlich richtig an der Slipstelle steht. Lampenträger abmontiert, dabei bemerkt, dass ich möglichst schnell eine zusätzliche Steckverbindung in das Kabel einbauen sollte, und das Boot zu Wasser gelassen.

    Während tanja den Wagen mit Trailer zum Haus fährt versuche ich den Motor zu starten. Natürlich klappt es nicht, Sch....! Irgendwann springt er an, hört aber nach kurzer Zeit wieder auf zu laufen. Wie ist denn nun der Benzinhahn auf? Ohne Brille hab ich keine Chance. Also die Ruder in die Dollen und mit Muskelkraft zurück.

    Am Haus angekommen noch einen Versuch gestartet und das Mistding läuft.

    Tanja steht schon am Steg vor dem Hausanzeige_kubiak_okt_50x100 und hat die Angelsachen bereit gestellt. Also schnell in meine Angelklamotten geschlüpft, das Boot beladen, dem Hund vorn im Boot einen Platz zugewiesen und dann geht es los. Schon im Park sind die Angeln im Wasser, bestückt mit tieflaufenden Wobblern an kurzer Leine, da die Polder in der Regel zwischen 80 cm und 1,20 m tief sind. Eigentlich ist es witzlos, im Park schon zu schleppen, in all den Jahren haben wir im Park beim Schleppen noch nie einen Biss gehabt, aber wer weiß?

    Auf dem kleinen Vliet habe ich erstmal das GPS eingeschaltet, um festzustellen, wie schnell denn das Boot mit dem 4 PS Außenborder ist. Mit 2 Personen und Hund schafft er doch glatt 10 km/h, was will man mehr, wo doch die Geschwindigkeitsbegrenzung in den Poldern bei 6 km/h liegt. Wenn der Motor nun auch noch durchhält ...

    Was soll ich sagen, die Fahrt durch Medemblick einschließlich Hafen war eine Pleite. Viele Blätter im Wasser, die sich an der Tauchschaufel und den Drillingen verfangen aber kein einziger Biss, nicht mal ein Zupfer. Dafür gab es ein paar Hänger, aber das ist normal. So geht es nach 2 Stunden, es ist schon fast dunkel, zurück nach Vlietlanden.

    Schnell noch in den DEEN, den großen Supermarkt in Medemblick, zum Einkaufen und überrascht festgestellt, dass die Öffnungszeiten nun in der Woche bis 21 Uhr sind und der Laden auch wieder am Sonntag auf hat. Da sind auch Sonntags die Frühstücksbrötchen gesichert, denn der Bäcker in Medemblick macht ja Sonntags erst um 10 Uhr auf.

    Schnell noch zur Tanke und den 20 l Kanister mit Benzin aufgefüllt, das sollte für die erste Woche bootsfahren reichen.

    Nach dem Abendbrot noch schnell die Angelsachen überprüft, überlegt welche Wobbler morgen ausprobiert werden sollen, noch ein wenig in die Glotze geschaut, alle wichtigen deutschsprachigen Programme sind vorhanden, und ab ins Bett. Morgen soll alles besser werden.


    Samstag, 27. Oktober 2007

    Nach dem Frühstück ging es wieder los. Diesmal in Richtung Süden über das Große Vliet in Richtung Haunert, Oostwould und Midwould.

     

    pict0660


    Das Wetter sollte eigentlich ideal sein, der Himmel leicht bedeckt, ein wenig Wind und rund 12° Lufttemperatur. Von den Poldern aus ist die eigentlich recht eintönige flache Landschaft dann doch recht reizvoll.

    Heute scheint es Petri auch besser mit uns zu meinen. Der erste Hecht ließ nicht lange auf sich warten.

     

     

    pict0662


    Zwar kein Riese, nur 60 cm aber der Anfang war gemacht. Gebissen hatte er auf einen Rapala Super Shad Rap in RedHead, dem Wobbler mit dem Reklameaufdruck von Vlietlanden.

    Nach dem Vermessen wurde er wieder in sein Nass zurück gesetzt, denn das hier vorgeschriebene Catch & Release sorgt für einen ausgezeichneten Hechtbestand.

    Weiter ging es durch die Polder, mal breiter, mal schmaler. Die Blätter im Wasser sind schon ziemlich lästig, laufend muss irgend ein Kraut vom Drilling oder von der Tauchschaufel entfernt werden.

    Hinzu kommen die Reste von Schilf und Rohrkolben, die entweder bei den Schilfschneidemaßnahmen ins Wasser gekommen sind oder eben schon als abgestorbene Pflanzenteile in allen Wassertiefen zu finden waren.

    Es ist schon interessant, dass ein Wobbler wie z. B. der SSR, der einen ziemlichen Druck auf die Rute ausübt, schon bei dem kleinsten Weidenblättchen an einem Drilling seinen Lauf verändert.

    Es dauerte nicht lange und Tanja konnte auch ihren ersten Hecht verhaften.

     

     

    pict0664


    Zwar nur ein 50er Schniepel aber, Hecht ist Hecht. Auf dem Bild kann man auch schön sehen, dass am linken Rand das Schilf noch steht und rechts schon abgemäht ist.

    Unser Hund Palò hat C & R offensichtlich nicht richtig verstanden, so wie er sich beleckt.

    Zwischendurch auch mal ein Foto von startenden Schwänen.

    pict0666


    Etwas später war Tanja wieder erfolgreich,

     

    ein schöner 64er Hecht konnte einem Rapala Sliver nicht widerstehen.

     

    pict0671

     


    Das war es aber auch für den Tag. 2 weitere Hechte konnten sich noch kurz vor der Landung wieder rausdrehen. Das war irgendwie eigenartig, alle Hechte hatten nur ganz spitz gebissen, nicht wie im letzten Jahr, wo sie regelrecht auf die Wobbler geknallt sind und ich mir aus diesem Grunde extra einen Hakenlöser für tiefsitzende Haken zugelegt hatte.

    Alle Fische ließen sich ohne Zange von den Drillingen befreien.

    Ach ja, es gab auch einen traurigen Teil an diesem Tag. Wir mussten Abschied nehmen von dem Wobbler, mit dem wir bisher die meisten Hechte in Holland gefangen hatten, einen Rapala Sliver in RedHead. In einer Kurve kam Tanja mit ihrer Schnur in die Schraube und der Sliver verabschiedete sich für immer auf den Grund des Polders. Gut dass ich schon einen in Reserve gekauft hatte.



    Sonntag, 28. Oktober 2007

    Nach einem etwas späteren Frühstück, trotz Zeitumstellung gab es frische Brötchen erst ab 9 Uhr, ging es heute wieder in Richtung Medemblick, dann durch den Hafen und weiter durch den Parallelpolder zur N239 bis zur A7 und von dort Richtung Süden und über Twisk, Midwould und Oostwould zurück.

    pict0674


    Unser Hund betätigte sich mal wieder als Bootsmann, oder war es doch Titanic? Egal, es machte ihm wie immer viel Spaß.

    Kaum aus Medemblick heraus hatte Tanja schon wieder den ersten Hecht an der Angel.

     

    Ein schöner 68er wartete auf ein Fotoshooting.

     

    pict0682

     


    Bei mir rührte sich nichts. Egal, Hauptsache, es geht weiter mit den Fängen. Von anderen Anglern haben wir mittlerweile nur schlechte Nachrichten bekommen, wen man auch fragte, nichts, wenn einer mal Glück hatte, dann einen Hecht. Da waren wir ja richtig gut dran.

    pict0683

     


    Neben Hechten hatten wir sogar 2 mal das zweifelhafte Vergnügen, Schleimer zu haken. Wahrscheinlich wollten die auch mal auf ein Foto gebannt werden.

     

    pict0686


    Diese beiden Trauerschwäne begegneten uns an der A7. Erstaunlich, wie nah man an die mit dem Boot herankommt.

     

    Und wie überall, diese "Holländer" begutachten das Tun fast überall.

    pict0690


    Wenig später hatte Tanja diesen schönen 64 cm Hecht an der Rute. Bei mir immer noch nichts. Aber was soll's? Ich war ja auch mit bootsfahren beschäftigt.

     

     

    pict0691


    Kurz danach ging auch der 2. Sliver bei einem harten Hänger verloren.

    Zum Ausgleich gab es bei Tanja noch einen kleinen 50er Schniepel. Das war es aber auch für diesen Tag. Ich bin mal wieder als Schneider heim gefahren.


    Montag, 29. Oktober 2007

    Was soll ich zu diesem Tag sagen? Wir sind wirklich bis in die letzten Ecken gefahren, nicht ein Zupfer. Wenn nicht die freundlichen Niederländer, die jedes Boot, das hinter dem Garten vorbei fährt, grüßen würden, der Tag wäre ziemlich frustrierend gewesen.

    Deutlich über 20 km zurückgelegt und außer Blättern und ein paar Hängern nichts gefangen.

    Frustriert bin ich nach unserer Rückkehr in den Laden von Maart gegangen. Maart selber war schon im Urlaub, 3 Monate macht er jedes Jahr Angelurlaub. Sein Vertreter hatte auch keine Erklärung, er meinte nur: "Es ist ja kein Ostwind". Vielleicht sollte ich es mal mit einem anderen Köder versuchen. Er riet mir zu einem Niels Masters DartMaster. Ein Jerk als Schleppköder? Na ja, Versuch macht klug.

    Eines war mir aber schon klar, das gesteckte Ziel, 100 Hechte in 14 Tagen, war so nicht zu erreichen.

    Mit einem Telefonanruf in Deutschland sicherte ich mir bei einem Angelgerätehändler noch schnell die beiden letzten Rapala Sliver, leider nicht in RedHead. Ein weiterer Anruf bei Bernd stellte sicher, dass er die Wobbler am Wochenende mitbringen würde.


     

     

     

    Dienstag, 30. Oktober 2007

    Der Tag begann mit einer Premiere.

     

    pict0699

     


    Unser erster Hecht im Bungalowpark. Ein 40er, aber wer hat ihn gefangen? Natürlich wieder meine Frau. Und auch noch direkt vor dem Steg, an dem ein anderer Angler seine Ruten ausgeworfen hatte.

    Im Laufe des Tages kam noch ein zweiter Schniepel bei Tanja an den Haken. Ich hatte wieder nur einen Aussteiger. Ich habe keine Ahnung, warum die Hechte so schlecht beißen und wenn, warum dann nur so spitz. Bisher habe ich noch keine Zange zum Hakenlösen gebraucht.

    Ach ja, der Dartmaster kam auch für eine Weile an das Vorfach. Er läuft knapp unter der Wasseroberfläche und wedelt, wie ein Jerk eben wedeln soll. Andere Jerks machten das beim Schleppen aber nicht.

    Als Ausgleich hier ein paar Landschaftsimpressionen:

    pict0702

    pict0707
    pict0708

    pict0717
    pict0721

     

     

    pict0724


    Der Abend endete dann mal wieder im Angelladen in Wervershoof, wo wir wieder verzweifelt nach dem Sliver suchten und natürlich nicht gefunden haben. Wahrscheinlich ist der so fängig, weil der den Hechten nicht bekannt ist. Zum Ausgleich wurden dann gleich mal wieder ein paar Wobbler in neuen Farben mitgenommen.


    Mittwoch, 31. Oktober 2007

    Heute war mein Tag, Tanja blieb Schneider und ich konnte diesen schönen 68er Hecht mit einem Rapala Jointed überzeugen.

    pict0731

     


    Also endete der Tag wieder im Angelladen. Vor lauter Frust hat sich Tanja eine Daiwa Viento geleistet. Wenn man bedenkt, dass die in Deutschland in der Regel zwischen 179 und 199 Euro kosten soll, dann waren die 159 Euro ein guter Preis, zumal wenn man bedenkt, dass der Angelladen eigentlich ein Zooladen mit angeschlossener Angelabteilung ist.

    Eine neue Rute wollte sie sich nicht gönnen. Die Rutenpreise lagen aber auch deutlich über den in Deutschland üblichen Preisen. OK, ich habe ihr dann meine Rozemeijer Jointed Gentle Jerk in 30 - 60 g WG geliehen.

    Bei der Schnur gab es nicht viel Auswahl. Fireline kam nicht in Frage, damit hab ich schon zu viele schlechte Erfahrungen gemacht. Blieb nur noch Corastrong Zoom in 15 kg und rosa. Mal sehen, wie die so ist. Beim Schleppen kommen sowieso ein paar Meter Mono davor, einerseits wegen der zusätzlichen Pufferwirkung und andererseits wegen dem Abrieb an den Ästen und sonstigen unter Wasser befindlichen Hindernissen.

    Ach ja, ein neuer Wobbler musste auch noch mitkommen.

    Mein Abend war also gerettet, Rolle bespulen.

    So langsam mache ich mir aber Sorgen. Am Freitag kommen Bekannte von uns zu Besuch, denen ich von den fantastischen Möglichkeiten zum Hechtfang vorgeschwärmt habe. Wenn das so weiter geht, wie steh ich denn dann da?

    Ulrich Hoffmann

     

    Kommentare 

     
    0 #1 Ralf 2007-12-05 10:20
    ...das war ja richtig nett geschrieben aber ihr habt sauschlecht gefangen, mein dickes Beileid. Da fange ich ja in meinem überangelten Vereinsteich mehr, wenns gut läuft, an einem TAG!!!!
    Zitieren
     
     
    0 #2 Dirk 2007-12-05 18:54
    Also ich finde das Angelspass nicht von den Fängen abhängig ist.

    Petri zu den schönen Tagen in Holland
    Zitieren
     

    Kommentar schreiben

    Sicherheitscode
    Aktualisieren


    Humminbird


    Alle Rechte und Irrtümer vorbehalten! - Ein Projekt von anglerboard.de.
    Alle Grafiken und Warenzeichen auf dieser Seite unterliegen dem Recht der jeweiligen Eigentümer.
    Das Kopieren von Bildern und Texten von Anglerpraxis.de ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung gestattet!

    © 2003-2011 Anglerpraxis.de
    Weitere Projekte: Angeln in Norwegen , Angeltreff.org
    Technical support by MLIT