Ausgabe Mai 2012

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    Neues vom Ferkelfahnder

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    Neues vom Ferkelfahnder

    neuesvomferkelfahnder

    Viele unserer Themen und Threads im Anglerboard sind fast schneller vergessen, als es gedauert hat, sie zu eröffnen. Der Lebenszyklus eines Threads ist manchmal kurz, manchmal länger und manchmal endlos. Und manchmal kommt der Gedanke an einen uralten Thread plötzlich wie aus dem Nichts zurück in das Bewusstsein. Bei mir war es letzten Sonntag jedenfalls so.

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    Spätestens jetzt, wo der erste Schnee gefallen ist, die Tage kürzer und in logischer Umkehrung die Nächte länger werden und es auf das „Fest der Liebe" zugeht, steht der Fahnder am Abend vor der Qual der Wahl, was sinnvoll sein könnte, um diesen Abend zu verbringen. Wenn das Kaminholz im Ofen wohltuende Wärme verbreitet, der Wein rot im Glase schimmert und der Duft der ersten Fuhre Weihnachtsplätzchen aus der Küche herüberweht, dann kann man auch mal PC und Fernseher stromlos lassen und einfach mal so richtig schön nichts tun.

    Doch der menschliche Geist neigt ja dazu, nicht unbedingt still stehen zu wollen, und plötzlich war da der Gedanke an diesen einen Thread - es war sogar eine Umfrage, der im Zusammenhang mit dem ersten Anflug von Weihnachten aus meinem Unterbewusstsein nach vorne drang. „Sind Angler religiös?", hatte der Threadersteller damals gefragt und immerhin eine ganze Menge an Beiträgen und interessanten Antworten erhalten. Letztlich über den allgemeinen Tenor, dass jeder selbst entscheiden muss, ob und welcher Religionsgemeinschaft er angehört und wie er damit umgeht, ist auch dieser Thread nach wenigen Tagen sanft eingeschlafen und in Vergessenheit geraten, auch bei mir, aber, wie gesagt, plötzlich war er wieder da im Kopf.

    Na ja, es ist, wie es ist. Zu einem ganz bestimmten Datum dieses Monats werden ganz viele verschiedene Menschen plötzlich ein fast einheitliches Verhalten an den Tag oder genauer gesagt an den Abend legen, regelmäßige Kirchgänger genauso wie überzeugte Atheisten und vor allem die große Masse derer, die, so wie ich, irgendwo dazwischen anzusiedeln ist. Wir tun dies, aus den verschiedensten Gründen, die einen, weil sie es wirklich so wollen, die anderen weil es alle tun, die nächsten, weil es von ihnen so erwartet wird und wieder andere, weil es eben so ist, dass man das jetzt so tut. Wir besuchen große im Lichterglanz strahlende Verkaufsveranstaltungen für vielerlei „schöne" Dinge, die wir eigentlich gar nicht brauchen und gießen uns innerhalb dieser Menschenansammlungen diverse Kalt- oder vor allem Heißgetränke in die Kehle, nachdem wir mit allerlei Gebratenem, Frittierten oder auch Süßem bereits die erforderliche Grundlage geschaffen haben. Wir hetzen durch Kaufhäuser und Fußgängerzonen auf der Suche nach genau der idealen Kleinigkeit für unsere Liebsten und beim obligatorischen Zwangseinkauf für die Pflichtgeschenke. Wir werden durch fortwährende unterschwellige Musikberieselung immer mehr davon überzeugt, dass es rotnasige Rentiere gibt und irgendwelche Jingle bellen können. Im anglikanischen Sprachraum ist eine gewisse Mary mit Nachnamen Christmas plötzlich mehr im Gespräch als Königshaus und Major League und so mancher denkt mit Grauen an bevorstehende Verwandtenbesuche und mit Verzückungen an Schwiegermutters Sauerbraten Rheinische Art mit selbst gemachten Kartoffelklößen und Rotkohl.

    Wir Angler sind da nicht anders,....oder.....vielleicht doch???

    Haben wir unseren Mitmenschen nicht eines voraus, was sich gerade dann als nützlich erweist, wenn ringsherum die allgemeine Weihnachtshektik ausgebrochen ist? Unsere uns eigene Fähigkeit zu Geduld, Muße und innerer Ruhe. Wie sagte doch Theodor Storm im wohl bekanntesten deutschen Weihnachtsgedicht: „Alt und Junge sollen nun von der Hast des Lebens einmal ruhn." - Wir Angler sind am Wasser immer so und für uns muss es dazu nicht erst Weihnachten werden. Oder, anders herum betrachtet, für uns ist jedes Mal Angeln fast so wie Weihnachten. Und beschenkt werden wir von der Natur dann auch noch, mal mit dem einen oder anderen schönen Fisch und mal mit einem fantastischen Sonnenaufgang oder dem Aufklaren nach einem Gewitterregen. Unsere Religion und unser Verständnis dafür sind nicht abhängig von irgendeinem Datum im Kalender sondern leben auf durch den Augenblick des Genießens. Damals als jener Thread aktuell war, habe ich spontan mit ja geantwortet und jetzt nach dem dritten Glas Rotwein angesichts der kleinen weißen Flöckchen, die draußen vom Himmel fielen, scherzhaft beim Naschen der noch warmen Weihnachtsplätzchen von meiner Frau mit tadelndem Blick ermahnt, wurde es mir plötzlich klar warum:

    Und noch was fiel mir plötzlich wie Schuppen vom Hering: Weihnachten steht vor der Tür und ich freu mich drauf. Nicht wie früher als Kind wegen der Geschenke, nicht (nur) wegen der vielen Leckereien und den bevorstehenden und schon fest geplanten Weihnachtsmarktbesuchen in Münster und Dortmund, auch nicht, weil mir pünktlich an Heiligabend der Gedanke an meinen Opa und seinen Standardsatz vom Lied von der Putzfrau, der das Pferd weggelaufen ist (er meinte, „Marie, die reine macht" aus „Es ist ein Ros(s) entsprungen") ein Lächeln auf's Gesicht schmeißen wird, sondern einfach so, eben weil Weihnachten so ist, wie es ist, so pünktlich wie plötzlich, so ruhig wie rasant und so gekünstelt wie gemütlich.

     

    Ich wünsche allen, denen es etwas bedeutet, einen schönen Advent und ein frohes Weihnachtsfest und allen anderen trotzdem eine schöne Zeit.

     

    Euer Ferkelfahnder

     

     

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