Facebook Button

Ausgabe Januar 2018

LSFV-SH will Meerforellenangeln stark einschränken???

LSFV-SH will Meerforellenangeln stark einschränken???

 

Eine Diskussion zum Thema, in wie weit Verbände Angler ohne Not weiter einschränken sollten, findet derzeit im Forum an Hand des Beispieles des VDSF-Landesverbandes in Schleswig Holstein statt:

http://www.anglerboard.de/board/showthread.php?t=204797

 

Wie es dazu kam, die Fakten und Stellungnahmen hier nachfolgend:

 

Zitat:
Zitat von Thomas9904
Vorabveröffentlichung Mag 12/2010

LSFV-SH will Meerforellenangeln stark einschränken


Nach uns vorliegenden Informationen und Dokumenten will angeblich der VDSF-Landesverband in Schleswig Holstein (http://www.lsfv-sh.de/) das Meerforellenangeln gesetzlich stark einschränken.

Es wird wohl seitens der Verbandsführung über eine generelle Meerforellenschonzeit in einem Zeitraum von etwa Mitte September bis Mitte Dezember nachgedacht bzw. dies von der Regierung gefordert. Statt der bisherigen Regelung, nach der nur die Mitnahme der gefärbten Meerforellen verboten war.

Was einen Großteil der Saison für die Angler natürlich dann zunichte macht.

Also eine weitere, sinnlose gesetzliche Einschränkung für Angler. Und das obwohl der Verband sonst immer öffentlich betont, gegen solche gesetzlichen Einschränkungen für Angler vorzugehen.

Nach unseren Informationen ist dieser Beschluss nicht weiter vom Verband öffentlich gemacht worden. Viele Kreisverbände und daraus folgend auch viele Angler wissen davon nichts. Ebenso wurde auf den Seiten des Verbandes oder im Forum des Verbandes nicht über dieses Vorhaben informiert oder die Mitglieder dazu befragt (jedenfalls konnten wir dort dazu nichts finden).

Der Hintergrund dazu soll laut vorliegenden Dokumenten sein, dass es Probleme mit Stellnetzfischern im Küstenbereich und den Unterläufen der Flüsse gibt. Und dass mancher Angler gefärbte nicht von ungefärbten Fischen unterscheiden könne.

Warum man da dann aber eine generelle Schonzeit für die Angler fordert als „Angler“verband, statt gegen Neben- und Vollerwerbsfischer vorzugehen, die ja diese Misere eigentlich verursachen, das erschliesst sich mir nicht. Denn diese „Fischer“ stellen ja ihre Netze offiziell nicht auf Meerforellen, sondern “zufällig in Gebieten mit entsprechendem Meerforellenvorkommen auf Plattfisch“...

Dass dabei gefärbte, ungefärbte, während oder außerhalb der Schonzeit als Beifang von den Fischern erbeutete Meerforellen natürlich trotzdem vermarktet werden – und sei es unter der Hand – weiss jeder, der einmal mit offenen Augen an den Küsten unterwegs ist.

Wie der Landesverband in Schleswig Holstein darauf kommt, das mit einer generellen Schonzeit bekämpfen zu können, von der am Ende nur die Angler betroffen sind, auf diese Erklärung sind wir gespannt.

Daher werden wir den Link zu diesem Artikel an den Landesverband mit der Bitte um Stellungnahme weiterleiten.

Zitat:
Sehr geehrte Damen und Herren,

wir würden uns freuen, wenn Sie uns zu folgendem Vorab-Artikel nähere Informationen geben könnten.

Was der LSFV-SH also tatsächlich genau plant und von der Politik fordert.

Und in wie weit die Mitglieder des Verbandes und deren Angler über dieses Vorhaben bereits informiert bzw. in die Entscheidungsfindung mit eingebunden wurden:
LSFV-SH will Meerforellenangeln stark einschränken???

Mit freundlichen Grüßen, Thomas Finkbeiner
Denn eigentlich können und wollen wir uns nicht vorstellen, dass so etwas tatsächlich gefordert wird.
Eine entsprechende Antwort werden wir natürlich sofort veröffentlichen.

Thomas Finkbeiner
Die Reaktion des LSFV-SH - Geschäftsführers:
Zitat von Robert Vollborn, LSFV-SH
Es ist schon ein bemerkenswerter journalistischer Ansatz, ein Gerücht zu verbreiten, eine Diskussion in Gang zu setzen und anschließend den betroffenen Verband zu fragen, ob das alles überhaupt wahr ist. Früher sind wir mal kameradschaftlicher miteinander umgegangen.

Zur Sache:

Es gibt keinen derartigen Beschluß innerhalb irgendwelcher Gremien des LSFV Schleswig-Holstein! Es wurde dazu überhaupt gar nichts entschieden!

Es gibt derzeit keine entsprechende Forderung des LSFV an die Politik oder Verwaltung!

Es gibt nur bei Einzelnen diesen Gedanken, der auf einer Informationsveranstaltung mit Personen, die sich damit auskennen, ergebnisOFFEN diskutiert wird.

Der LSFV Schleswig-Holstein hat sich IMMER an den Interessen der Mehrheit der Mitglieder orientiert. Wir setzen uns gegen unsinnige Einschränkungen ein. Davon gab und gibt es viel zu viele. Eine Behauptung, der LSFV würde gegen Angler handeln, wäre geradezu verleumderisch.

Mehr gibt es zum Sachstand nicht zu sagen. Daher werde ich die weitere Diskussion nicht verfolgen
Die Antwort darauf, ob wir die uns vorliegenden Briefe des LSFV-SH-Präsidenten Heldt veröffentlichen dürfen:
Zitat von Thomas9904
Soeben kam die Antwort des Verbandes auf unsere Anfrage, ob wir den Briefverkehr veröffentlichen dürfen.

Wie von uns gefordert hier ohne jeden zwischengefügten Kommentar oder irgendeine Änderung, direkt rauskopiert aus der Mail:

Zitat:
Sehr geehrter Herr Finkbeiner,

Ihre Frage nach Zustimmung zur Veröffentlichung meiner Briefe, die ich persönlich an Herrn Petersen gerichtet habe, verneine ich. Ich selbst leite auch keine Briefe an andere weiter, die ich erhalte.

Diesen Antwortbrief an sie dürfen sie veröffentlichen, wenn das vollständig, ohne inhaltliche Änderungen und ohne zwischengefügte Kommentierungen erfolgt. Er würde zu einer sachlichen Debatte beitragen.

Es ist durchaus in meinem Interesse, daß sachlich und richtig über fischereiliche Themen aus Schleswig-Holstein und die Arbeit unseres LSFV berichtet wird. Bisher ist das in diesem Fall leider entgegen einer früher üblichen Abstimmung untereinander nicht der Fall. Wenn Sie also Themen aufgreifen möchten, die den zur Zeit von mir geführten LSFV betreffen, so wäre es sinnvoll, wenn Sie sich dafür mit mir oder unserem Vorstand unmittelbar in Verbindung setzen. Auf Umwegen erlangte Informationen oder gar Gerüchte sind wenig hilfreich. Wir antworten als LSFV immer auf Anfragen der Angler und so hat auch Herr Petersen eine Antwort und eine Einladung zu einer weiterführenden Diskussion erhalten .

Viele Themen rund um Meerforelle und Lachs werden von unseren Mitgliedern, oftmals auch kontrovers, diskutiert. Zur Zeit ist bei uns wieder ein heißes Thema, daß der Laichfischfang zur Reproduktion der Meerforellen in diesem Jahr vielerorts nicht den gewünschten Erfolg hat. Das kann sicherlich viele Gründe haben. Der Gedanke, die Schonzeit für Meerforellen einheitlich zu gestalten, kam im Kreise unserer Mitglieder auf, weil die jetzige Regelung rechtlich unbestimmt ist und eine zu große Grauzone hinterläßt. Geschützt sind Fische im Laichkleid, aber Meerforellen sind eben zu dieser Jahreszeit nicht immer eindeutig abgrenzbar entweder braun verfärbt oder silber, und bei unseren Bemühungen um die Verbreitung der Forellen zeigt sich oftmals, daß auch nicht verfärbte Fische zum Laichen aufsteigen und erst im Laichgewässer verfärben. Die Stellnetzfischerei an der Küste während der Laichzeit fängt leider viele mögliche Laichaufsteiger.

Daher wäre es eine Möglichkeit, eindeutige Regeln aufzustellen. Auch sie können ignoriert werden, aber deren Einhaltung ist allemal einfacher zu kontrollieren. Dazu haben wir eine Diskussion im Verband begonnen, an der seinerzeit alle Kreisverbände beteiligt waren. Damals lag ein Entwurf zur Novellierung des Landesfischereigesetzes vor . Dieser Entwurf wurde seitens der Landesregierung allerdings verworfen. Seit vier Tagen liegt uns endlich ein neuer Gesetzentwurf (der dritte) vor, den wir jetzt mit unseren Mitgliedern bis zum Frühjahr 2011 kommentieren. Generell wählen wir dafür den Weg über unsere Kreisverbände. Um über diesen Kreis hinaus Informationen und Meinungen auszutauschen wird Ende Januar eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Salmoniden von uns durchgeführt. Viele interessante Vorträge und eine anschließende Aussprache sind geplant. Alle unsere Vereine werden dazu eingeladen. Die Erkenntnisse daraus und die Meinung der Mehrheit unserer Mitglieder wird den Ausschlag geben für die Position, die der Verband anschließend einnimmt. Allerdings wird das Thema Schonzeiten an der Küste , wenn denn ein neues Fischereigesetz in Kraft treten sollte , erst im Nachgang bei einer eventuellen Neuregelung der Küstenfischereiordnung geregelt.

Zusätzlich werden wir eine Podiumsdiskussion zum Thema „Fischereigesetz“ im Februar mit den politischen Fraktionen für die Mitglieder durchführen.

Mit freundlichem Gruß

Peter Heldt
Hier die Stellungnahme von Frerk Petersen dazu aus dem Forum:
Zitat von Frek Petersen
Liebe Leute,
ich bin ein wenig überrascht, welche Wellen dieses Thema geschlagen hat. Diesem liegt ein Schriftverkehr zwischen mir und dem LSFV SH zu Grunde.

Im Rahmen vollkommen normaler und allgemein üblicher Kontakte zwischen mir als Marketing-Manager unseres Unternehmens und Angeljournalisten hatte ich Thomas Finkbeiner davon erzählt, der es hier dann entsprechend thematisiert hat.

Dem Präsidenten des LSFV SH mag es vielleicht nicht schmecken, aber wir sind hier ja nicht bei geheimen Themen, sondern bei Sachen, die viele Angler angehen.

Faktisch geht es darum, dass ich erfahren hatte, dass der LSFV Schleswig-Holstein im Zuge der Novellierung des Fischereigesetzes und der anstehenden, anschließenden Neufassung der Binnen- und der Küstenfischereiordnung beabsichtigte, eine generelle Meerforellenschonzeit in einem Zeitraum von etwa Mitte September bis Mitte Dezember zu fordern. Bislang gab es nur ein Mitnahmeverbot für gefärbte Fische in den Wintermonaten.

Für mich wäre das ein weiteres, bedauerliches Beispiel, wo ein Anglerverband ohne Not Einschränkungen der Hobbyausübung seiner eigenen Mitglieder anstreben würde.

Erschwerend käme hinzu, dass von diesem Bestreben zumindest mein zuständiger Kreisverband (der ist Ostseeanlieger und Meerforellenflüsse fließen durch unseren Kreis – insofern wäre dieser Verband betroffen!) nach eigenen Aussagen nichts wusste.

Betroffen von einem solchen Verbot wären hauptsächlich
- die zahlenmäßig große Gruppe der Küstenspinnfischer, die eines großen Teils ihrer Saison beraubt werden würden;
- ggf. Flussfischer, die häufig an der Wiedereinbürgerung direkt mitwirken, aber ihre Saat selbst nicht ernten können, wenn Fische erst nach Beginn der Schonzeit in ihren Gewässern aufsteigen;
- Bootsangler

Problematisch empfinde ich diesen Vorgang vor allem deshalb, weil wenn ein Anglerverband bei der Neufassung der Küstenfischereiordnung von sich aus Einschränkungen der Angelei fordern würde, die Chance/Gefahr, dass es übernommen wird, sehr hoch ist – wer wollte denn dagegen votieren, wenn die Angler nicht mehr angeln wollen? Sicher nicht der BUND oder andere Umweltschutzverbände, die genauso gehört würden.

Daraufhin hatte ich eine Korrespondenz mit dem LSFV sinngemäß derart:
- dass ich erwarte, dass Angler-Dachverbände die Interessen ihrer Mitglieder wahrnehmen.
- dass ich gehört habe, dass der LSFV eine Einführung einer bindenden Schonzeitenregelung für Meerforellen anstrebt.
- dass sich die Frage aufdrängt, wieso ein Angler-Dachverband (wieder einmal – HINWEIS hier: die herrschenden Nachtangelverbote in einigen deutschen Bundesländer bestehen auf Bestreben der Angler selbst!) weitergehende Beschränkungen anstrebt, als sie derzeit bestehen.
- warum sollten nicht laichbereite Fische in einem bestimmten Zeitraum total geschützt werden?
- ist der Ansatz gescheitert, lediglich ein dreimonatiges Mitnahmeverbot für laichbereite Wandersalmoniden vorzusehen?
- dabei proklamiert der Geschäftsführer des LSFV SH (Robert Vollborn) öffentlich im eigenen Forum: „Je weniger Verbote, desto besser.“ Warum dann das Gegenteil?
- Wenn Anglern ohne erkennbare Notwendigkeit die Freude an der Meerforellenangelei eingeschränkt/genommen würde, dann gefährdet der Verband (a) die Nachhaltigkeit der Wiedereinbürgerungsbemühungen und (b) verfehlt er seine Aufgabe als Interessenvertretung für die Angler.

Ich respektiere, wenn der Präsident den genauen Wortlaut seiner Antwort nicht veröffentlicht sehen möchte, aber die Sache selbst kann nicht geheim sein.
Es war schließlich eine offizielle Antwort an mich und keine „im Vetrauen“ oder „unter uns...“

Geantwortet wurde mir mit ausführlichen Verweisen auf Probleme mit der Stellnetzfischerei in den Unterläufen von Flüssen und im Küstenbereich. Es wird darauf verwiesen, dass wir noch weit entfernt sind von natürlicher Reproduktion und gesicherten Beständen. Weiter wurden ausführlich Verfehlungen von Nebenerwerbsfischern in einzelnen Flussmündungsgebieten erläutert.
Und um eine nachprüfbare Regelung zu schaffen, um eben Verfehlungen der Nebenerwerbsfischer und auch Unterscheidungsprobleme seitens der Angler zwischen gefärbten und ungefärbten Fischen zu umgehen, würde eben eine generelle Schonzeit angedacht.

Damit wurde jedenfalls explizit bestätigt, dass der LSFV eine generelle Schonzeit in Betracht gezogen hatte – meine Information war also richtig.

Dazu stellte ich in einer Antwort dann fest:
- Ich kann nach Lesen der Antwort des LSFV SH nicht ansatzweise erkennen, dass es ein Interesse der Angler sein soll, eine weitere Schonzeit und damit ein weiteres Verbot zu haben.
- Der LSFV geht ausführlich auf die Problematik mit der Haupt- und Nebenerwerbsfischerei ein. Nur, was hat das mit den Anglern zu tun, wenn die Fischer während der Schonzeiten Stellnetze setzen? Was können sie für das im Einzelnen geschilderte Treiben an verschiedenen Orten?
- Dass wir von einer natürlichen Reproduktion und von gesicherten Beständen weit entfernt sind, dafür sind Angler ganz sicher nicht verantwortlich. Alleine der ökologische Zustand vieler Aufstiegsgewässer ist derart unzureichend, dass ohne Aufzuchtarbeit selbst bei vollständig fehlender fischereilicher Mortalität das Ziel derzeit nicht erreicht werden würde.
- Der Flaschenhals ist nicht die mangelnde Zahl an zurückkehrenden Elterntieren.
- Weiter verwundern mich Ausführungen, wonach eine Schonzeit eine Stellnetzfischerei unattraktiv machen würde. Stellt irgendein Haupt- oder Nebenerwerbsfischer seine Stellnetze offiziell auf Meerforellen?
- Nein, er tut es nicht, und somit wird er auch zukünftig seine Stellnetze offiziell auf Dorsche und Plattfische stellen und die „nebenbei“ erbeuteten Meerforellen – ob maßig oder nicht, ob in der Schonzeit oder nicht – weiter vermarkten – wenn nötig, unter der Hand.
- Daran wird auch das Verbotsansinnen kaum etwas ändern.
- Dass in dem Zusammenhang die unzulässige Mitnahme von gefärbten Fischen durch Angler auch nur irgendeine Relevanz für die Rückkehrquote in die Flüsse haben soll, ist nicht erkennbar.

Das ganze mündete in einer Antwort des LSFV SH, dass das ganze Thema am 21. Januar öffentlich (genauer Termin und Ort derzeit noch nicht bekannt) noch mal diskutiert werden soll, wozu man mich einladen würde. Soweit die Fakten.

Vom LSFV habe ich das Gesprächsangebot positiv aufgenommen und ich beabsichtige natürlich, den Termin wahrzunehmen. Richtig ist auch die Äußerung von Herrn Vollborn, dass noch gar nichts entschieden sei – die Küfo steht ja erst nach dem Fischereigesetz zur Neufassung an.
Nicht zutreffend ist indes der Eindruck, der von ihm im gleichen Beitrag erweckt wird, dass dies bis dahin nur „Gedanken Einzelner“ waren, der Schriftverkehr spricht eine eindeutig andere Sprache...

Auch wenn die Sachdiskussion dann am 21.1. geführt werden soll, so muss man dem Präsidenten Heldt an dieser Stelle aber sicher schon eines auf seine oben getroffene Feststellung, dass der „Laichfischfang zur Reproduktion der Meerforellen in diesem Jahr vielerorts nicht den gewünschten Erfolg hat“, entgegnen:
damit soll nach meinem Verstehen schon wieder ein Argument ins Feld geführt werden, warum denn der Ansatz mit der generellen Schonzeit richtig sei.

Dabei wird vollkommen unberücksichtigt gelassen, dass der Laichfischfang in diesem Jahr alleine schon massiv unter den dramatischen Hochwasserlagen in den meisten Laichgewässern leidet. Ich finde es dubios, warum das Hochwasser nun dafür herhalten soll, dass ich in Zukunft beispielsweise im November nicht mehr Meerforellen fangen dürfen soll.

Wenn unsere Wiedereinbürgerungsmaßnahmen für Wandersalmoniden nicht den gewünschten Erfolg haben, dann müssen wir als erstes Mal analysieren, woran es liegt. Erst dann kann man Maßnahmen ergreifen; aber „vorsorglich“ mal den Anglern das Beangeln zu untersagen, ist schon ein weit gehender Eingriff, der gut begründet sein muss, es meiner Ansicht nach aber nicht wäre.

Ich empfinde persönlich so:
ich selbst habe mehrfach an den Wiedereinbürgerungsmaßnahmen als Fischereibiologe und auch Angler praktisch mitgewirkt und diese über Spenden zusätzlich unterstützt.

Ich selbst habe über die letzten Jahre in dem angedachten Zeitraum kaum eine Handvoll Meerforellen überhaupt entnommen – schon gar keine braunen Fische. Und ich werde auch in den kommenden Jahren in dem Zeitraum kaum zum Fischen los kommen.

Und doch rege ich mich auf:
Man würde mir ohne für mich ersichtlichen Grund die Möglichkeit nehmen, auf Meerforellen fischen gehen zu können, wenn ich es denn wollte. Warum sollte ich das akzeptieren?

Was ich nicht verstehe, wenn denn die Wiedereinbürgerungsmaßnahmen nicht den gewünschten Erfolg haben, warum denkt man dann nicht besser darüber nach, ggf. die Maßnahmen weiter zu fördern, ohne die Angler auszusperren?

Ist schon mal darüber nachgedacht worden, für die Fischerei auf Wandersalmoniden eine „Lizenz“ auszugeben, deren (vermutlich erheblichen) Erträge über eine gemeinnützige Stiftung zur Förderung eben dieser Maßnahmen eingesetzt werden könnten?

Und wenn denn der anglerische Ausfang vermeintlich ein Problem sei – was ich noch zu bestreiten wage – warum dann nicht über Mitnahmegrenzen nachdenken?

Beide Maßnahmen würden sich vielen begeisterten Anglern mit entsprechender Kommunikation vermitteln lassen, aber nicht, dass sie von heute auf morgen irgendwas nicht mehr dürfen, um ein vermeintliches Problem zu bekämpfen, an dem sie ganz sicher primär keine Schuld dran trage

Dazu hier noch zwei Postings von Forumsmitglied MefoProf und eines von Frerk Petersen aus der Diskussion,  welche die faktische Lage zu einer Meerforellenschonzeit deutlich machen dürften:

 

1., MefoProf:

http://www.anglerboard.de/board/showpost.php?p=3155577&postcount=120

Moin,

der beitrag von Frerk Petersen trifft den Nagel auf den Kopf.


Das Hauptproblem sind beim Schutz der Meerforellen die mangelhaften Reproduktionsbedingungen in den Auen und Flüssen, wie ich es auch schon mehrfach hier ziemlich am Anfang formuliert hatte.

Daher muß man erst einmal genau dort ansetzen, wenn man bessere Meerforellenbestände haben möchte. Es nützt rein gar nichts Fische zu schützen/schonen, die ohnehin nicht ablaichen können. Daher ist es auch vollkommen unerheblich, ob diese ein Laichkleid tragen oder nicht.

Deshalb sollte ein Verband seine Kräfte darauf konzentrieren, bessere Bedingungen in den Laichgewässern zu schaffen, anstatt ein Fangverbot durchzusetzen. Wenn das gelungen ist (was sicherlich einige Jahrzehnte dauern wird), kann man über eine Schonzeit nachdenken, sofern dann überhaupt noch Bedarf besteht.

Dass diese Vorgehensweise funktioniert, zeigt das Beispiel Dänemark ja nun mehr als eindeutig. In immer mehr Auen besteht heute kaum noch die Notwendigkeit Fische auszusetzen, da diese mehr Nachkommen produzieren, als das Gewässer beherbergen kann.

Allerdings liegt auch hier noch vieles im Argen und die Renaturierungsprojekte werden noch Generationen von Anglern, Politikern, Biologen usw beschäftigen.

Wie hier auch bereits mehrfach angesprochen, würde eine Schonzeit auch noch erhebliche finanzielle Einbußen für das Land nach sich ziehen.

 

2., MefoProf:

http://www.anglerboard.de/board/showpost.php?p=3156047&postcount=135

Moin,

ich muß sagen, dass ich doch ziemlich erstaunt bin, dass so viele Leute offensichtlich nichts gegen eine Schonzeit haben.

Ich fische selber in der Zeit von ca Oktober bis Januar zwar auch nicht auf Meerforellen, da mir die Qualität der Fische in der Zeit einfach nicht zusagt .

Das liegt aber hauptsächlich an dem Revier (Fjord) in dem ich angel. Hier in unmittelbarer Umgebung gibt es mindestens 4 Aufstiegsgewässer und daher fängt man dann natürlich in diesen Monaten in erster Linie Auf- und Absteiger, sowie Fische die so rund um's Mindestmaß sind.

In anderen Gebieten (offene Küste) sieht es da schon ganz anders aus. Dort (wie z.B Feh,marn) wird man kaum Auf/Absteiger fangen.

Aus diesen Gesichtspunkten heraus, wären Schutzzonen sicherlich wesentlich effektiver als Schonzeiten, wenn man denn schon unbedingt etwas in der Richtung unternehmen möchte.

 

3., Frerk:

http://www.anglerboard.de/board/showpost.php?p=3156482&postcount=142
 
Noch mal Gedanken, die mit dem Vorgang in der Sache nichts zu tun haben - eine Sachdiskussion soll ja angeblich am 21. Januar geführt werden (wobei ich noch nicht weiß, wann genau und wo das sein soll...).

Aber ich verstehe nicht die Aufregung wegen der Formalie im Stile "warum jetzt darüber schon so ereifert diskutiert wird".

Ist das nicht ein ganz normaler Prozess in einer demokratischen Meinungsfindung, dass sich Interessengruppen für bestimmte Entscheidungen finden und Ihre Interessen auch artikulieren?

Würde das in unserer Demokratie besser funktionieren und dies, bevor Entscheidungen getroffen wurden, hätten wir bestimmte unerfreuliche Ereignisse, die den Steuerzahler in den letzten Wochen zig-Millionen gekostet haben, so in der Form nicht gehabt.

Zweitens kann ich den Zungenschlag bei einigen Threadbeiträgen nicht nachvollziehen, dass man das Präsidium bzw. den LSFV so nicht "anpissen" dürfe - das schließt die leicht aufgeregte Reaktion des LSFV selbst ein. Verbandspolitik hin oder her - mir geht es um die Sache, noch nicht mal um Schonzeit ja oder nein, ich ärgere mich im Kern darüber, dass ein Anglerverband etwas beabsichtigen könnte (wofür es halt klare Anzeichen gab, was man auf Grund des ganzen Vorganges jetzt relativiert hat), wovon ich (a) ausgehen musste, dass die Mitglieder es nicht ansatzweise wussten (was mittlerweile jedermann evident sein müsste) und (b) für mich nicht klar war und ist, dass dies auch der Wille der Mehrheit der vom Verband vertretenen Angler sei.

Es geht nicht darum, mit dem Geschäftsführer oder dem Präsidenten ungebührlich umzugehen.
Wer mich kennt, ich habe schon vor 10 Jahren in Fernsehsendungen konstruktiv fair über regressive Maßnahmen zu Lasten der Angler (z.B. Nachtangelverbot im Saarland) mit Verbandsführern diskutiert, weiß, dass mir viel an einem sachlichen Umgang miteinander liegt.

Aber für dumm lasse ich mich auch nicht verkaufen.
Und bis zu einem gewissen Punkt müssen gewählte Vertreter bzw. aus der Verbandsabgabe letztlich auch von mir bezahlte Mitarbeiter im LSFV bestimmte Sachzusammenhänge wenn schon nicht dem einzelnen Mitglied, dann doch den Unterverbänden gegenüber rechtfertigen. Das ich persönlich eine Antwort bekommen habe, ist ein guter Stil.

Dass jetzt aber so getan wird, dass diese Schriftverkehre nicht öffentlich gemacht werden dürfen ("Ich selbst leite auch keine Briefe an andere weiter, die ich erhalte." Zitat Präsident LSFV) ist schon eigenartig.
Das Schreiben vom Präsidenten des LSFV war (a) ein offizielles auf LSFV Briefpapier, es war (b) mitnichten als (s)eine Mindermeinung oder private Mitteilung gekennzeichnet, (c) lag den beiden Antworten vollkommen offene Anfragen zugrunde - sprich der Absender war offen bekannt und damit auch, dass ich einen journalistischen Hintergrund habe und auch, dass ich in anderer Sache schon mal ernste Differenzen mit dem LSFV ausgefochten hatte. Insofern ist der Umstand, dass ich mit anderen über die Sache spreche, kein Geheimnisverrat.

Dazu noch: Erstens wird auch die "Gegenseite" sich ja darüber unterhalten und meine Anfragen austauschen ("guckt mal hier, was der Petersen wieder geschrieben hat....), zweitens gibt es Gepflogenheiten im Umgang miteinander, die es verbieten, wenn mir jemand etwas "im Vertrauen" (oder englisch "off the records") erzählt, das auch für sich zu behalten. Keine der Passagen der beiden Briefe waren entsprechend gekennzeichnet. Dass ich die Briefe dennoch nicht öffentlich mache, ist Zeichen guten Willens.

Noch Betrachtungen bzgl. der Meinungsäußerungen einzelner hier im Thread.
Jeder hat das Recht, eine eigene Meinung zu haben - das respektiere ich, auch wenn sie von der meinigen abweicht. Ich glaube andererseits, dass einige recht leichtfertig einer etwaigen Schonzeit zustimmen, vor allem vor allem, weil sie selbst nicht betroffen sind.

Auch ist es für mich fragwürdig, wie Angler aus Mecklenburg-Vorpommern, eine Schonzeit in Schleswig-Holstein als "sinnvoll" deklarieren können. Bloß weil sie in dem Zeit selbst nicht fischen dürfen in ihrem Bundesland, sollen es die Nachbarn auch nicht? Wenn jemand Sachargumente hat, warum denn eine generelle Schonzeit wünschenswert wäre, möge er mich bitte überzeugen, am besten am 21. Januar. Aber ein allgemeines "finde ich gut" überzeugt mich nicht…

In dem Zusammenhang muss ich leider Parallelen auf andere von Anglern selbst proklamierten Verbote ziehen. Die Nachtangelverbote wurden in Deutschland vermutlich auch von den Anglern erlassen, die selbst nicht oder nur selten in der Nacht los gingen ("dann sollen die anderen es auch nicht"), die lächerlichen Boilieverbote in vielen Vereinen sind in den allermeisten Fällen ein Ergebnis eines Neidkonflikts mit der Mehrheit der Mitglieder, die sich den modernen Angeltechniken verschlossen haben. Ich selbst war mal in einem Verein, der das Anfüttern kategorisch verboten (nicht reglementiert!) hat. Wir Angler sind uns selbst der größte Feind, denn diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Mein Appell an alle zu überlegen, bevor sie einem weiteren Verbot innerlich zustimmen, ob sie davon in der Sache auch überzeugt sind, oder es sie einfach nur nicht betrifft und es ihnen nicht weh tut. Immer dran denken - das nächste Verbot könnte dann auch sie betreffen, und dann ringen sie um Verbündete, denen sie in anderer Sache ihre Solidarität versagt haben.

 

 

 

 

 

Thomas Finkbeiner

 

 

Kommentare 

 
0 #1 Andreas Wetzer 2010-12-05 21:16
Ziemlich einseitige Stimmungsmache.
 
 
0 #2 flexxxone 2010-12-09 13:41
Diese ewig langen Diskussionen um ganz oder garnicht...gehen mir wirklich gegen den Strich!
Warum wird nicht einfach, wie auf Fünen zum Beispiel, mal darüber nachgedacht, nur Fluß- und Bachmündungsber eiche für bestimmte Zeiten zu sperren anstatt gleich wieder mit der Vorschlaghammer methode alle auszuknocken?!
Sicherlich werden hier auch wieder Stimmen laut werden, aber so wäre es in meinen Augen am sinnvollsten.
Warum funktioniert sowas nicht in Deutschland?
Sind wir alle schon entmündigt und wissen bloß noch nichts darüber?
 
 
0 #3 Tobisen 2010-12-12 12:19
Guten Tag,

Ich kann Frek Petersen nur zustimmen. Ich denke auch, dass die Angler wohl das geringste Problem sind. Was noch interessant wäre - Gibt es eigentlich eine Reaktion/Meinung der zuständigen Behörde in S.-H., also des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume?
 


Alle Rechte und Irrtümer vorbehalten! - Ein Projekt von anglerboard.de.
Alle Grafiken und Warenzeichen auf dieser Seite unterliegen dem Recht der jeweiligen Eigentümer.
Das Kopieren von Bildern und Texten von Anglerpraxis.de ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung gestattet!

© 2003-2013 Anglerpraxis.de
Weitere Projekte: Angeln in Norwegen , Angeltreff.org
Technical support by MLIT