Akte X, Die ungeklärten Fälle des Anglerboardes I
Akte X, Die ungeklärten Fälle des Anglerboardes I
oder auch: Das Rätsel um den Zander
Wir schreiben den 28. Dezember 2005. Mit ca. – 2° C ist es ziemlich kalt. Schnee liegt selbst bis in die tiefen Täler Nordhessens. Zusammen mit meinem Angelkollegen Stephan will ich die letzten Tage des Jahres nutzen, um nochmals den Raubfischen nachzustellen. Die generelle Raubfischschonzeit geht bei uns zwar erst am 01.02. los und endet am 31.05., gleichwohl zeigt die Erfahrung, daß unsere Teiche zu meist im Januar zugefroren sind, so daß an Angeln nicht zu denken ist.
Wir treffen uns also gegen 11 Uhr an unseren Vereinsteichen. Wir wollen versuchen den ein oder anderen Hecht zum Biß zu überreden. Als doch eher fauler Angler greife ich auf eine Köderfischmontage zurück. Ein ca. 12 cm großer Köderfisch wird in ca. 1m Wassertiefe, bei einer Teichtiefe von ca. 2 m, angeboten. Schnell zwei Ruten bestückt und das Warten beginnt. Zugegebenermaßen haben wir bei uns am Teich einen großen Vorteil gegenüber manch anderem Gewässer. Wir haben ein Hüttchen mit Einbauküche, Strom und fließend Wasser. Damit hat man den Vorteil, daß man sic auch mal aufwärmen und eine Tasse Tee teilweise auch Glühwein trinken kann. Von dieser Möglichkeit wird natürlich auch Gebrauch gemacht. Bösen Gerüchten zur folge soll sogar schon mal Karten gespielt worden sein in dieser Hütte.
Stephan, der doch auch gerne einmal die Blinkerrute schwingt, versucht es am Nachmittag auch mal mit Wobbler und Blinker, jedoch ohne Erfolg. Schließlich wechselt er auch wieder zurück zu zwei Köderfischmontagen.
Bis 16 Uhr haben wir keinen Biß, zwei unsere Angelkameraden, namentlich Sven und Martin, alias Dok, besuchen uns. Nach einem erneut erfolglosen Kontrollgang um die Teiche begeben wir uns kurz in die Vereinshütte. Schnell eine wärmende Tasse Tee und eine Zigarre zur Beruhigung der Nerven, bevor der nächste Kontrollgang gemacht wird. Gegen 17:30 Uhr haben wir die Hoffnung auf Hecht aufgegeben. In der Hütte spielen wir ein gepflegte Runde Karten. Und wie heißt es doch so schön? „Und ist der Zirkus noch so klein, einer muß der August sein!“ Will heißen, ein Depp muß ja verlieren. Diesen Part habe ich dann an diesem Tag eingenommen. Aber Gott sollte mich für meine Qualen noch entschädigen!
Gegen 18 Uhr treten Sven und Martin die Heimreise an. Auch Stephan und ich wollen den Tag beschließen. Also begeben wir uns zu unseren Angelstellen, um die Ruten einzupacken. Wir haben beide an verschiedenen Teichen geangelt und trennen uns daher. Mittlerweile ist es stockdunkel und es beginnt zu schneien. Die Temperaturen treiben einen zur Eile. Meine erste Rute habe ich von einer kleinen Spitzen in die sich anschließende Bucht nach links positioniert. Natürlich ohne Lampe nehme ich die Rute auf und vergewissere mich ob Schnur fehlt. Könnte sein, muß aber nicht. Also vorsichtig die Rute angehoben und Zentimeter für Zentimeter Schnur eingeholt. Verwunderung! Die Schnur geht nicht – wie vermutet – nach links, wo sie hin ausgelegt war und in welche Richtung auch der (leichte) Wind ging, sondern die Schnur läuft exakt in den entgegengesetzte Richtung noch rechts! Was schließe ich daraus? Biß! Bleibt zu hoffen, daß der Fisch noch am Haken ist und auch nicht in ein Hindernis hineingeschwommen ist. Selbstverständlich habe ich auch kein Knicklicht dran, was mir die Position die Fisches hätte verraten können. Also weiter vorsichtig eingedreht, bis der Druck etwas größer wird, sprich Kontakt zur Montage bestand. Zack, den Anhieb gesetzt. Offenkundig ist da was am anderen Ende der Schnur. Vorsichtig drille ich meinen Gegner heran. Der Fisch übt einen gewissen Druck aus, schwimmt aber doch relative behäbig mit und kommt auf mich zu, wie man es von einem Zander gewöhnt ist. Sollte ein Zander meine Hechtmontage genommen haben? Dafür spricht weiterhin, daß der Fisch nicht springt, was bei Hechten doch häufig der Fall ist.
Es sind dann doch einige Meter die ich einzudrehen habe. Mitten im Drill meldet sich dann mein Hirn, was vorher anscheinend auf Grund der Kälte den Betrieb eingestellt hatte, und sagt mir: Du hast keinen Kescher dabei! Zwar bin ich an einer Stelle die eine Handlandung ermöglichen sollte, gleichwohl bin ich doch ein großer Freund des Unterfangkeschers, gerade bei arktischen Temperaturen. Quer über unsere Teiche hinweg informiere ich Stephan über meinen Biß. Klarer formuliert brülle ich es ihm entgegen. Er läßt auch alles stehen und liegen und setzt sich sofort in Bewegung, um mir einen Kescher zu bringen. Der Fisch nähert sich aber schnell dem Ufer, so daß ich handeln muß, wenn ich nicht Gefahr laufen will, daß der Fisch den Haken kurz vorm Ufer abschüttelt, wie es wohl jeder schon mal erlebt.
Ich kann den Fisch zum ersten mal sehen, er hat sich bereits leicht auf die Seite gelegt und hat wohl aufgegeben. Langsam ziehe ich den Fisch heran und kann ihn mit der Hand landen. Es wäre vermessen von einer ordnungsgemäßen Handlandung zu sprechen. Aber, der Fisch ist gelandet. Ein schöner Zander krönt das Jahr 2005. Die Waage zeigt später ziemlich genau 3,5 Kg. Ich begebe mich nebst Fisch zum Auto. Stephan fährt gerade vor. Im Licht der Scheinwerfer erkenne ich, daß die Schnur nicht wie üblich aus dem Mund heraushängt, sondern aus den Kiemen. Der Köderfisch befindet sich aber noch im Maul. Wie konnte das passieren? Ich weiß es bis heute nicht. Viele meiner Freunde habe ich gefragt, eine absolut überzeugende Erklärung bekomme ich weder von ihnen, noch von den Boardies. Die Theorien gehen von Wunder, Zauberknoten über abgerichteter Köderfisch, der in die Kiemen geschwommen ist, bis hin zu Selbstmordabsichten beim Zander.
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