Angeln entspannt - oder was?
Angeln entspannt, oder was??
| Logo, werden viele spontan sagen, natürlich ist Angeln eines der besten Mittel um sich aus dem Alltagsstress rauszuziehen, also doch wohl zur Entspannung, oder nicht???? Ich sehe das ein "klein bisschen" anders. Denn gerade die Spannung beim Angeln fördert in meinen Augen die Erholung vom Alltagsstress. Vielleicht liegt das aber auch an mir persönlich bzw. meiner Art. "Entspannt" bin ich abends vor dem Fernseher, mit der Katze auf dem Bauch, einem guten Whisky auf dem Couchtisch und einschlafen spätestens nach 15 Minuten langweiligen, "entspannenden" Programm im TV (gibt halt viel zu wenig Angelsendungen). Beim Angeln jedoch stehe ich mehr oder weniger immer unter "Strom", selbst dann wenn man eigentlich "ganz gemütlich" ansitzangelt und nur zu warten braucht obs mal bimmelt an der Rute oder die Pose wegtaucht. Vor allem eigentlich dann wenn gerade nix beisst. Ständig "arbeitet" das Gehirn auf Hochtouren, hat man den richtigen Platz, die richtigen Köder mit der richtigen Montage in der richtigen Tiefe platziert, oder muss/sollte man was an einzelnen Details ändern??? Mal ein bisschen weiter an der Stromkante probieren, den Köder mal bewegen, das Vorfach etwas länger machen (oder auch kürzer), die Haken etwas kleiner oder größer wählen – Entspannung ist da wohl doch was anderes. |
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Beisst es aber sowieso kann man ja auch wohl eher von Spannung sprechen als von Entspannung: Sitzt der Fisch nach dem Anhieb, wie groß, welche Art, ist das Gerät ausreichend, ist er gut gehakt, kommt er im Drill noch ab und so weiter, und so weiter........ Also auch hier doch keinerlei "Entspannung".
Die eigentliche "Entspannung" entsteht in meinen Augen doch letztlich gerade durch die ständige Spannung. Denn wenn man den ganzen im Büro sitzt oder was man sonst beruflich macht, ist es doch eine Wohltat beim Angeln so unter Spannung zu stehen, dass man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit über Stunden eben weder an den Stress im Beruf, mit der Familie oder der großen Politik zum nachdenken kommt.
Auf der anderen Seite kenne und sehe ich auch genügend Angler (vor allem im Sommer), die eigentlich nicht so vom "Anglervirus" befallen sind und das Angeln eigentlich nur als Ausrede nutzen, um überhaupt mal rauszukommen. Da ist dann das eine oder andere Bier, das quatschen mit den Kollegen wesentlich wichtiger als ob was beisst oder nicht oder wie man seine Fangerfolge verbessern könnte. Hauptsache weg vom Büro, von der Frau oder Familie.
Und dennoch, auch diese Angler geraten ganz schön schnell unter Spannung, wenn dann doch mal was beisst (manchmal habe ich den Eindruck, dass die gerade Beschriebenen oft gar keinen Köder am Haken haben, um "Stress" zu vermeiden) verfallen aber auch die Angler sehr schnell in volle Spannung.
Zudem gibt es ja noch die Gelegenheits-/Urlaubs-/Nurauslandangler. Das kann dann genauso jemand sein der keinen Fischereischein hat und voller Begeisterung z. B. in Skandinavien angelt, wie auch jemand der außer im Urlaub überhaupt keine Zeit zu angeln wie auch jemand der das Angeln einfach als einen weiteren Bestandteil oder Baustein eines erlebnisreichen Urlaubes nutzt. Aber auch bei all den genannten "Spezies" dürfte es wohl auch immer eher um die erlebte Spannung am Wasser als ums "Entspannen" im Wortsinne gehen.
Und seien wir doch auch mal ehrlich: Für das Geld, was wir fürs Angeln ausgeben (so über die Jahre gesehen), könnten wir uns viele der verschiedensten Angebote zum entspannen leisten, von den immer mehr in Mode kommenden Wellnesshotels- und Angeboten genauso wie Meditationskurse oder "Tiefenentspannungsangebote.
Also kann man doch in meinen Augen nicht die Entspannung im eigentlichen Sinne als Argument fürs Angeln nutzen, auch wenn man das immer wieder hört und liest.
Der Jagdinstinkt, das beschäftigen mit der Natur, den Gegebenheiten vor Ort, um möglichst erfolgreich zu sein, das ist doch letztlich der Reiz beim Angeln. Denn wo und wie kann man sonst noch solche Spannung erleben und vor allem den "Jagdtrieb" ausleben wie beim Angeln??
Da mögen dann vielleicht viele "Gutmenschen", "Schützer" und "politisch Korrekte" kommen und sagen, dass das aber doch eigentlich kein "vernünftiger Grund" sei (Ihr erinnert Euch, damit ist in Deutschland das Angeln "legalisiert", da man nur deswegen Wirbeltiere töten darf) um Fische zu "quälen".
Für mich reicht dies als vernünftiger Grund allemal aus. Dazu kommt, dass meine Frau/Familie mir immer dringendst rät endlich mal wieder angeln zu gehen, wenn ich mal längere Zeit nicht dazu komme – damit ich dann wieder entspannter zurückkomme (und wenn möglich gleich noch frischen Fisch für die Küche mitbringe). Und zwar weil ich dann nach der ganzen "spannenden" Angelei wieder wesentlich "entspannter" wäre und wieder als menschliches Wesen erkennbar.
Thomas Finkbeiner
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