Am Haken: Die Tücken der Technik....
Am Haken
VORSICHT: satirisch, sarkastisch, politisch unkorrekt, überzogen!!
Wer dies nicht für richtig hält oder meint dies nicht ohne Schaden überstehen zu können, sollte nicht weiterlesen!
Die Tücken der Technik
Unser geliebtes Hobby ist aus der Tradition geboren und mit der Tradition verankert. Dennoch ist es nicht immun gegen den Siegeszug der Technik. Vieles hat sich im Laufe der Jahre verbessert - heisst nein - ich nenne es lieber mal geändert. Auch ich habe mich dann und wann hinreißen lassen, neue Techniktrends auszuprobieren und habe dabei gelernt.
Das erste mal ernsthaft mit einer neuen Technologie bin ich vor etwa 25 Jahren in Berührung gekommen. Damals war ich begeisterter Fliegenfischer und konnte einen größeren Bach direkt vor meiner Haustüre beangeln. Wie fast alle Bäche, verfügte auch dieser über eine gewaltige Ufervegetation die zwar einerseits sehr gute Deckung bot, andererseits aber auch das Vorankommen sehr behinderte. Größtes Ärgernis war dabei mein Watkescher, und zwar in zweifacher Hinsicht. Am Gürtel oder an der Schulter getragen, verhedderte sich das Ding regelmäßig in irgendwelchen vegetarischen Fesseln. Daran reißen führte zumeist dazu, dass die Brennnesseln und Brombeerranken über mir zusammenschlugen und mich in eine „ Warteinweilchen „ Stellung brachten. Nach einigen Minuten Pflückerei und drei Brombeerstacheln im Hals ging es dann drei Meter weiter bis zum nächsten unfreiwilligen Stop. Ein weiteres Problem war der kurze Stiel des Watkeschers. War ich nicht watend unterwegs, reichte die Kescherlänge oft nicht bis zum Fisch.
Dann entdeckte ich eines Tages den ersehnten technischen Durchbruch in einem Angelgerätekatalog. Ein Automatikkescher. Zusammengefaltet konnte man ihn in den Stulpen eines Watstiefels stecken. Auf Knopfdruck entfaltete sich das Teil zu voller Größe und die Länge des Stieles reichte auch für das höchste Ufer. Genial. Nichts wie hin zum Gerätehändler und das Teil begutachtet. Tatsächlich, zusammengefaltet handlich und klein. Ein Knopfdruck und .... Tschinggggg , fertig zum Einsatz. Gekauft.
Selbstverständlich musste ich das sofort in der Praxis erproben. Zuhause angekommen warf ich mein Angelzeug in den Kofferraum meines Autos und ab ging´s zum Wasser. Nun sollte ich vielleicht vorausschicken, dass der Kofferraum meines Autos seinerzeit ( ich war ja noch jung und unbekümmert ) ziemlich voll war. Man kann auch sagen, das dort alles gelagert war, was vernünftige Menschen in der Garage aufbewahren.
Nun, ich kam schließlich am Bach an, öffnete den Kofferraum und nahm Angel, Angeltasche und Watstiefel heraus. Ach ja, und natürlich den Automatikkescher. Das heißt, es blieb zunächst bei der Absicht. Irgendwie war er bei der Fahrerei nach unten-hinten gerutscht und lag nun eingebettet in irgendwelchem Krempel. Ich beugte mich also in den Kofferraum, griff nach dem Kescher und zog.
Tschinnngggg.... wie eine zustoßende Kobra flog mir der Kescherkopf entgegen und traf zielsicher meine Unterlippe. Es blutet ein wenig und ich konnte den Kescher schon gar nicht mehr so gut leiden. Ich lernte, das der Auslösemechanismus sehr nervös war. Ich lernte es nicht gut genug wie sich bald darauf zeigen sollte..
Also steckte ich das Teil in den Stulpen meines Stiefels, nahm meine Angel und marschierte los. Zunächst musste ich ein Stück am Bach entlang um den Beginn meiner Angelstrecke zu erreichen. Dabei galt es einen querenden Graben zu überwinden. Dieser Graben war ziemlich tief, voll Wasser und mit einer dicken Schicht Entengrütze bedeckt. Aber er war nicht sehr breit, vielleicht einen Meter. Lässig konnte ich da selbst mit Watstiefeln drüberspringen. Wie gesagt, ich war ja noch jung. Am Graben angekommen nahm ich kurz Maß und stieß mich ab.
Tschinnnggggg......
Das plötzliche ungewollte Entfalten des Keschers verkürzte meine Sprungweite gerade so viel, das ich es nicht schaffte die andere Seite des Grabens zu erreichen. Ich hatte mich schon des öfteren gefragt, wie tief dieser Graben eigentlich wirklich war. Nun erfuhr ich es. Das Wasser war zwar nur knapp einen Meter tief und meine Watstiefel wären locker lang genug gewesen, wäre ich nicht horizontal gelandet. Letzteres konnte auch meine gute Fliegenrute nicht verhindern, die ich im Flug wohl quer gehalten habe, so dass der Griff auf der einen, die Spitze auf der anderen Seite des Grabens aufschlugen. Natürlich war die Statik meiner Rute den auftretenden Kräften nicht gewachsen, und so hatte ich statt einer zweiteiligen, nun eine vierteilige Rute. So tauchte ich also ein in ein Gemisch aus Entengrütze, Algen und Wasser.
Schließlich gelang es mir prustend aus dem Graben zu klettern. Äußerlich dem Monster aus dem Moor ähnelnd, eine zerbrochene Rute in der Hand und einen entfalteten Automatikkescher im Stulpen ( ja, er steckte noch ) stand ich nun da. Ich schaute auf den Kescher und noch heute schwöre ich, das Kescher grinsen können. Zu Hause ist es ihm vergangen, denn das letzte was er auf dieser Welt sah, war das Zuklappen der Mülltonne. Natürlich von innen.
Aber auch viel profanere Erlebnisse haben mich gelehrt, neuen Technologien etwas distanzierter entgegen zu treten. Da war zum Beispiel noch die Sache mit dem Messer. Als Fliegenfischer hat man immer was abzuschnippeln. Jeder Wechsel der Fliege bedarf schließlich eines Instrumentes zum Abschneiden überstehender Schnurenden. Natürlich konnte man dazu einen Nagelknipser benutzen, aber ich war ja noch jung und ein Messer war viel cooler. Dummerweise haben auch noch so coole Messer die Angewohnheit im Wasser unterzugehen. So ist es mir nicht nur einmal passiert, das mir das Messer aus der Hand gerutscht und in den Fluten versunken ist. Meistens konnte ich es ja wieder bergen, aber nasse Ärmel waren unvermeidbar. Wieder war es ein Angelgerätegeschäft, in dem ich die Lösung dieses Problems fand. Ein schwimmendes Klappmesser, sagenhaft. Die Griffschalen waren aus einer Art gepresstem Kork und der Händler schwor Stein und Bein, dass dieses Messer schwimmt. Ich würde mein Geld zurückbekommen, sollte es untergehen. Nun, damals waren 50 DM viel Geld. Zumindest für mich. Dennoch, ich hab es gekauft.
Vom Händler ging es wieder direkt ans Wasser. Selbstverständlich war das Messer dabei. Einige Fliegen hab ich gewechselt und das Messer war handlich und scharf, kurz gesagt, prima. Und natürlich fiel es mir bei einem weiteren Fliegenwechsel aus der Hand und ins Wasser.
Nein, nein, nicht was Ihr jetzt denkt. Das Messer schwamm tatsächlich. Es schwamm sogar hervorragend. Und es schwamm schnell. So schnell, dass es sofort mit der recht starken Strömung abgetrieben wurde. Heraus aus dem Gumpen in dem ich stand, unter einem querliegenden Baum hindurch und hinaus aus meinem Blickfeld. Ich habe fast zwei Stunden die Ufer abgesucht. Und ich habe es natürlich nicht mehr wiedergefunden.
Dies war bei weitem nicht mein letzter Kontakt mit der Technik. Da wäre zum Beispiel noch der elektrische Bissanzeiger gewesen. Damals ultrahochmodern. Klar musste ich den haben. Als ein wohl recht stattlicher Karpfen biss, hat sich leider die Schnur beim Anschlag nicht wie versprochen aus der Halterung gelöst, sondern den Bissanzeiger samt Erdspeer mitgerissen und mir um den Kopf gewickelt. Es war der erste Fisch, den ich mit der Nase abgerissen habe. Ach ja, das Rodpod. Gute zwei Stunden hat es an der steilen Böschung tapfer durchgehalten, bis es in einem abrupten Schwächeanfall kollabierte und mit mir die Böschung runter in den Seitenarm des Rheins glitt. Auch ein Madenbehälter ist in meiner Erinnerung hängen geblieben. Zwei Liter Fassungsvermögen, stabil und garantiert ausbruchsicher. Wenn ich nun berichte, das nach einigen Wochen Fleischfliegen im Inneren der Frontscheinwerfer meines Autos auftauchten, muss ich das dazwischenliegende nicht schildern.
Nun. Ich habe gelernt. Heute fummle ich den Watkescher wieder aus den Brombeeren, kappe die Schnurenden mit einem uncoolen Nagelknipser und sitze auf meiner Sitzkiepe. Elektrische Bissanzeiger ?? Och nööööö, ein Glöckchen tut´s auch und ist so wunderbar nostalgisch.
Kai Hay
Die Rubrik „Am Haken" soll die Möglichkeit eröffnen, dass man auch kontroverse Meinungen zu strittigen Themen (satirisch) aufbereiten kann. Der Autor „Kai Hay" als Anonymus deswegen, dass sich niemand auf Grund seiner Meinung im Anglerboardforum nachher als Mitglied auf Grund eines Artikels „verfolgt" fühlen muss.
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