Ausgabe Mai 2012

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    Das Anglerboard UNWORT des Jahres 2011: Street-Fishing

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    Das Anglerboard UNWORT des Jahres 2011:

    Street-Fishing

     

    Eine denkbar knappe Entscheidung hat es hier im AB bei einer Umfrage mit sehr großer Beteiligung gegeben.
    Gesucht wurde das "Anglerboard UNWORT des Jahres 2011".
    Und obwohl das vergangene Jahr geprägt war von einer Vielzahl von zum Teil extrem kontroversen Diskussionen im AB, in denen es insbesondere um angelpolitische Themen ging, hat sich bei der Abstimmung ein Wort durchgesetzt, das eigentlich relativ wenig Beachtung hier im AB gefunden hat:
    Street-Fishing
    133 von 529 Stimmen = 25,14% waren genau eine Stimme mehr als für das Wort "Abknüppelgebot" auf Platz 2.
    Dass auch auf den weiteren Plätzen mit
    "Kormoranmanagement" (77 Stimmen)
    "Rücksetzverbot" (67 Stimmen) und
    "Fusion" (52 Stimmen)
    durchweg angelpolitische Themen dominierten, zeigt zum einen den Unmut unserer Boardies darüber und zum anderen, dass sich wohl doch mehr Angler dafür interessieren, als es in den vielen Diskussionen den Anschein hat.

    Doch was hat den Ausschlag gegeben, den Begriff "Street-Fishing" als Unwort des Jahres zu bezeichnen.
    Im Thread zur Umfrage hat Boardie Tomasz die folgende, meiner Meinung nach sehr treffende Definition für ein Unwort gepostet:

    Zitat:
    Ein Unwort "...lenkt den Blick auf sachlich unangemessene oder inhumane Formulierungen, um damit zu sprachkritischer Reflexion aufzufordern.“

    Also nehmen wir das Siegerwort doch mal etwas genauer unter die Lupe.
    Das Straßenfischen, um diesen typischen Anglizismus mal einzudeutschen, als neuer Versuch einer im extremen Konkurrenzkampf zu ersticken drohenden Angelgeräteindustrie, uns zu neuen Kaufhandlungen für eine gefälligst als trendy und schick zu empfindende "neue" Angelmethode zu bewegen, ist als solches schon mehr als fragwürdig. Auch vor der Entwicklung dieses Begriffs gab es in den von begradigten Flüssen oder Kanälen durchflossenen Städten schon Angler, die ihr Glück mitten im Stadtzentrum und zwischen vielen Menschen versuchten, Ansitzangler genauso wie Spinnangler. Was also ist "neu" daran?
    Genauso wenig neu ist der Trend zum immer leichteren, immer feineren Fischen. Permanenten technologischen Innovationen bei der Entwicklung von Kunst- und Werkstoffen ist es zu verdanken, dass wir heute Angelruten für jeden Zweck, jeden persönlichen Geschmack und natürlich jeden Geldbeutel bekommen können. Dass ein Spinnfischer an urbanen Gewässerstrecken, spätestens nach der traurigen Erfahrung, dass eine kurze Zeit unbeaufsichtigte Materialtasche plötzlich Beine bekommen hat, dazu tendiert, alles, was er für seine Art des Angelns benötigt, möglichst am Körper zu tragen, ist genauso wenig neu. Also, worüber reden wir eigentlich? Was erregt den Unmut von einem Viertel derer, die an der Abstimmung teilgenommen haben?

    Eine sehr schöne Begründung, warum dieses Wort gewählt wurde, liefert uns Boardie Sensitivfischer:

    Zitat:
    Ich stoße mich an der Wortschöpfung: "Streetfishing" an, weil die Straße und Angeln nicht zusammenpassen.
    Angeln ist für mich Natur erleben, möglichst fern ab dessen, was von Zivilisation zeugt
    und NICHT zwischen Beton und Ethnolekt sprechenden, herumlungernden paßdeutschen Jugendlichen, die Gerte in ein begradigten, vegetationsfreien Rinnsal zu halten, über dem die Brücke einer Bundesstraße thront, über die im Sekundentakt die LKWs donnern, während einem die Tauben auf den Kopf sche**en und der nächste Junkie einem nach 'nem Euro anhaut.

    Damit scheint er den Nagel auf dem Kopf einer mehrheitlich ähnlich oder genauso denkenden Anglerschaft getroffen zu haben. Angeln auf den Straßen in unseren Städten zwischen Fußgängern, Rad- und Autofahrern hat einfach so gar nichts mehr mit dem zu tun, was die meisten von uns Anglern an ihrem Hobby so schätzen.
    Überhaupt scheint dieser angebliche Trend an uns Deutschen genauso vorbei zu ziehen, wie schon so Manches, was genauso schnell "in" wie wieder vergessen war, eine Modeerscheinung, eine nette Idee einzelner Spätpubertierender in wenigen deutschen Städten, die überhaupt erstmal diese Möglichkeit bieten.
    Übrig bleiben wird nur das, was ohnehin schon immer da war: Angler, die auch innerhalb der Städte und der dortigen Gewässer den Fisch suchen. Ob diese alle sich gleich als "Street-Fisher" bezeichnen lassen wollen, sei mal dahin gestellt.
    Alster, Havel, Spree, die Kanäle, die Elbe von Dresden bis Magdeburg, der Rhein und seine Häfen und Nebenflüsse bis hin zu den vielen kleinen Flüßchen und größeren Bächen in den Städten unseres Landes, jedes dieser Gewässer hat seinen persönlichen Charme, seine Eigenheiten und seine Fischvielfalt. Da verbietet es sich doch quasi von selbst, alles mit einem neuartigen Kunstbgriff über einen Kamm scheren zu wollen. Und geradezu grotesk mutet es an, wenn man auf der Google-Suche nach dem Begriff "Street-Fishing" auf die Webseite einer bekannten deutschen Anglerzeitschrift geleitet wird, die ihrer Buchempfehlung für den "Angelführer Hamburg - freie Gewässer" den Titel "Street-Fishing in Hamburg" gibt.

    "Street-Fishing" ist ein würdiger Titelträger für das AB-Unwort des Jahres 2011. Ob die Entstehungsgeschichte dieser Wortschöpfung in den Köpfen einiger abgehobener Marketingstrategen begonnen hat, oder sich ein Spinnangler innerhalb irgendeiner Stadt tatsächlich mal Gedanken darüber gemacht hatte, wie er mit dem allerwenigsten an Gerätschaften auskommen und dabei möglichst viel Strecke machen kann, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Dass aber eine ganze Industrie sich auf so ein Kunstwort stürzt, wie die Aasgeier auf das tote Pferd, ist eine Begleiterscheinung unserer Zeit, gegen die die Wähler dieses Unwortes hier im Anglerboard ein deutliches Zeichen gesetzt haben:
    So etwas wollen wir nicht, brauchen wir nicht, lehnen wir ab und verweigern unsere Identifizierung.
    Wir sind Fluss-, See-, Meeres-, Kanal-, Ansitz-, Spinn-, Raubfisch-, Friedfisch-, Karpfen-, Fliegen-, Forellenteich-, Fjord-, Offshore-, Big-Game-, Kutter-, Boots-, Brandungs- und sonst noch irgendwelche Angler. Wir angeln an unseren Gewässern, von mir aus auch noch an oder neben einer Straße, und wenn es dem einen oder der anderen von uns Spaß macht, dann zieht er oder sie auch mal mit der leichten Spinnrute und Minimalausrüstung an verbaute Gewässer innerhalb bebauter Gebiete. Doch braucht es dazu weder spezieller Ruten noch besonderer Kleidung und Angler mit dem Knopf im Ohr zum I-Pod oder MP3-Player mit den neuesten Songs der Rapper-Elite sind auch erstmal nur Angler.
    Alles andere am "Street-Fishing" ist künstlich, nicht authentisch und nur von denen gefördert, die in irgendeiner Form meinen, daran verdienen zu können.

    Honeyball

    Kommentare 

     
    +8 #1 karsten 2012-02-06 12:37
    Eines vorweg:
    Beim Angeln möchte ICH meine Ruhe haben und möglichst wenig Menschen sehen und hören, deshalb habe ich auch kein Interesse am "Streetfishing".
    Ganz so polarisierend, wie hier vom Autor dargestellt sehe ich diesen "Trend" allerdings nicht.
    Ich gebe dem Autor recht; man braucht zum "Streetfishing" keine speziellen Ruten und spezielle Kleidung. Aber schaden spezielle Ruten und spezielle Kleidung?
    Wie ich finde, ist aber nichts dagegen einzuwenden, dass sich die Angelindustrie diesen Trend zunutze macht. Schließlich ist ja niemand verpflichtet, entsprechende Artikel zu kaufen.
    Sollten diese Artikel längerfristig in den Sortimenten vertreten sein, so lässt dies nur den Schluss zu, dass es hierfür auch Abnehmer gibt. Die Frage ist nur, ob man sich darüber aufregen muss, oder dass schlecht finden muss.
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    +6 #2 sevone 2012-02-12 08:55
    Es zeigt wieder einmal die Qualität der AB-Moderatoren, wenn man hier sieht, mit wieviel Agressivität auf da Thema eingestiegen wird. Pluralismus? Was ist das?
    Einmal mehr verstärkt sich hier der Eindruck, das AB-Mod-Team besteht zum größten Teil aus bornierten Mitt- bis Endvierzigern die ihr Sendungsbewusst sein während Midlifecrisis wenigstens hier ausleben können.
    Die lustige Moderatorenrund e als Hort gleichgesinnter , die sich nur so gut verstehen, weil sie sonst keiner mehr versteht. Bravo!
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    +4 #3 lore 2012-02-25 21:07
    Ich teile die Begeisterung fürs "street fishing" nicht gerade, aber ich stimme sevone zu, der Ton ist unnötig harsch. Die davon Begeisterten werden wohl nicht als potentielle Zielgruppe dieses Forums betrachtet?

    Absolut unerträglich ist m.E. aber der als "schön begründet" zitierte Beitrag von "Sensitivfischer ", der sich des Themas scheinbar auch deswegen annimmt, um mitzuteilen, wie sehr ihn "Ethnolekt sprechende, herumlungernde paßdeutsche Jugendliche" stören. Was hat denn diese unverhohlene Fremdenfeindlic hkeit noch mit zivilisiertem Angeln zu tun?
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