Nein,
kein Fisch, keine Mefo und schon gar keine über50 cm, war halt etwas schwierig
an den zumeist zugefrorenen Angelplätzen...
Und dennoch (oder gerade?)
einer der besten Angelausflüge der letzten Jahre. Gerade wenn man wie ich viel
unterwegs ist an vielen Gewässern mit tollen Anglern zum schreiben und berichten
kann man doch mal leicht das wesentliche aus den Augen verlieren – das Angeln
selber, am besten mit guten Kumpels..
Da mein Kumpel und
Küchenmeisterkollege Tommy und ich eh schon lange mal zusammen weg wollten, aber
der Terminkalender da nicht viel Wahl lies, mussten wir halt den Januartermin
nehmen. Dass es ausgerechnet diesen Winter so schweinekalt werden würde, mit
entsprechenden Mengen Schnee und Straßenverhältnissen dazu, konnte zum einen
vorher keiner ahnen.
Zum anderen, um es mit Georgs Worten
auszudrücken:
„Sind wir Männer oder Schwanzträger??“....
Männer
natürlich!!!
Also nach diversen Rückmeldungen über den aktuellen
Straßenzustand sowohl übers Netz wie über diverse Boardies, Georg sowie die
Fährgesellschaft Scandlines starteten wir also Montag morgens um 9 Uhr.

Die "beste Frau von allen" bei der
Abfahrt
Selbstverständlich mit Essen, Getränken sowie warmen
Klamotten und Schlafsack für einen eventuellen Notfall ausgerüstet. Kurz
zusammen gefasst: Es war eine der gemütlichsten Fahrten in den Norden, die ich
je erleben konnte. Weder Staus noch Verkehr, kaum Baustellen. Die hatten wohl
alle Angst bekommen, auf Grund der Katastrophenberichte im Fernsehen – uns wars
mehr als recht.
Nachdem ich nun endlich mal auch einen Beifahrer
gefunden hatte, der meinen Musikgeschmack zu schätzen wusste (Grüße hiermit an
Franzl und Dok, die das nicht so abkönnen...), war die Fahrt zudem kurzweilig.
Da wir nach Rücksprache mit Scandlines nicht auf eine bestimmte Fähre
festgelegt waren, sondern die nehmen konnten, welche gerade anlegte, gab es auch
da keinen Zeitverzug.
Zur Fähre später noch ein paar Infos.
Auf der
Insel Lolland angekommen, stellten wir dann gleich zwei angenehme Unterschiede
zu Deutschland fest:
Es wurde zwar geräumt, aber nicht gesalzen, viel
angenehmer zu fahren als auf dem deutschen Salzschlick – und es sind wesentlich
weniger Autos unterwegs. Statt knapp 800km auf deutschen Autobahnen und 15 km in
Dänemark von der Fähre bis zu Georg und Regina wäre es uns umgekehrt lieber
gewesen..
Herzlichst empfangen wurden wir nicht nur in Person von Georg
und Regina, auch Macmarco war schon da, der es sich nicht nehmen lassen wollte,
bei der „spinnerten Aktion“ (O – Ton meiner Mutter) dabei zu sein. Nach langer
Fahrt gab es dann gleich ein leckeres Abendessen, das die Grundlage für
„Männergespräche“ (siehe Titel: Männer oder Schwanzträger..) mit flüssiger
Untermalung bis ziemlich lange in die Nacht bildete...

Ankunftsabend....
Nach dem (mehr als
ausgiebigen) Frühstück, man kann sich da das Lunchpaket für den Tag packen,
schien es der Wettergott doch nicht allzu schlecht mit uns zu meinen. Es sah
doch recht windstill aus, so dass wir guten Mutes alles zum Angeln
vorbereiteten. Und bei der Kälte ist das eine Menge, angefangen von den
Watklamotten bis hin zur Vorbereitung/Verzurrung der Kajaks, mit welchen
Macmarco und der inzwischen auch eingetroffene Wildshark den Fischen nachstellen
wollten.
Mein Kumpel Tommy stellte zwar unter anderem schon in Kanada
den Lachsen nach, aber an der Ostsee war er noch nie unterwegs. So war es für
ihn doch ein beeindruckendes Erlebnis, mit Watklamotten und wärmendem Unterzeug
fast zum Michelinmännchen verkleidet (den „grünen Teletubby“, mit dem ich
tituliert wurde, erwähne ich hier nur mal so nebenbei..) in dem bisschen
eisfreien Ostseewasser zu stehen, dass Georg für uns ausgesucht hatte.
Zwar war klar, dass vor allem bei den Wassertemperaturen die Fische wohl
eher im Tiefen stehen würden, aber auch hier gilt wieder der Titel „Sind wir
Männer oder Schwanzträger??“...
Also wurde rausgewatet, die SOT`s
gewässert und es ging ans Angeln. Tommy zog Landschaft und Angeln richtig in
sich auf, obwohl kaum an Fisch zu denken war. Richtig abgerundet wurde das Ganze
dann gegen Abend, als die Sonne manchmal hinter den Wolken hervorlugte und eine
der unnachahmlichen Ostseestimmungen aufs Wasser zauberte.
Wer mich kennt weiß, dass ich mich nicht in oder
auf Wassergefährte ohne Motorisierung begebe, aber Tommy wollte mal gerne das
SOT ausprobieren. Nach Einweisung und einer kurzen Proberunde auf der Ostsee
(ich bin da wohl nicht der einzige schwäbische Küchenmeister, der lieber nen
Motor dran hat), gings dann zu einem warmen Tee, der in eisiger Ostseeatmosphäre
genossen wurde..
Zurück bei Georg und
Regina gabs dann ein deftiges Grünkohlessen mit original (frisch eingeflogenem
;-)) ostfriesischem Pinkel.. Für uns als Köche (wir essen so was halt gerne) ein
gelungener Start in den Abend.
Und wie immer wenn Angler zusammen sitzen
und für Getränke gesorgt ist, werden die Unterhaltungen rund um Angler und
Angeln und das Leben im allgemeinen so, dass sie dann teilweise nicht mehr
zitierfähig sind (bzw. man sich auch nicht mehr an alles erinnert...)..
Aus
diesem Grunde nur so viel: Da haben sich ein paar Männer (keine Schwanzträger!!)
gefunden, die sich prima verstanden. Da machte auch der „Hauch von
Fratzengeballer, der in der Luft liegt“, nicht viel aus.....
Da am
nächsten Morgen der Wind gedreht hatte und zudem deutlich aufgefrischt, war an
die Stelle vom Vortag nicht zu denken. Tommy fuhr im Wagen von Macmarco, ich bei
Georg mit. Nach dem aussteigen stellten wir dann doch fest, wie sehr sich Köche
gleichen in ihren Gedanken:
Die vielen hundert Gänse und Dutzende von Rehen,
die wir sahen, führten bei Tommy und mir zu den gleichen Gedanken - bei denen
würden Tierrechtler und Veganer demonstrieren gehen ;-))
Auch ein
interessantes Erlebnis:
Wir gingen auf eine Seebrücke, weil wir dachten am
Ende wenisgtens etwas offenes Wasser zu finden. Georg spricht ja ein wirklich
gutes dänisch, aber da konnte ich ihn (unfreiwillig!) aus der Fassung bringen.
Denn ein Schild über der Seebrücke besagte " TRAN BAD". Auf meine Frage was Tran
auf deutsch bedeutet, musste Georg eingestehen, dass es dieselbe Bedeutung wie
im deutschen auch hat:
Fett, Öl..
Was das allerdings bei einer Seebrücke
zu suchen hat, und ob ein "Fett - Bad" wirklich so das gewollte
ist???
Nein, da waren Die Dänen nur etwas langsam und hatten das
runtergefallen S und D noch nicht wieder angebracht, so das es eben "TRAN BAD"
statt "
STRAN
D BAD" hieß
;-))
Nach dem anfahren
verschiedener bei dem Wind zu beangelnder Stellen blieb nur eine Alternative,
nachdem die nämlich alle zugefroren waren:
Der Hafen von Nakskov.
Das
hatte zwar nix mit der vom Vortag bekannten „Ostseestimmung“ zu tun, aber
schließlich und endlich:
Wir sind ja Männer – und keine
Schwanzträger...

Dann doch lieber in den Hafen....

Nicht ungefährliche
Zigarettenpause....
Schnell wurde klar, dass bei den
Bedingungen aber auch im Hafen nicht viel zu holen war, und so gings zurück ins
„Hyggelige Hus“ zu Regina (nein, das heisst nicht „hügelig“, das bedeutet
„gemütlich“...). Nach bestem Essen und wiederum langen Männergesprächen ging
dann der Abend zu Ende, wobei diesmal (warum auch immer...) das aufstehen am
nächsten Morgen etwas „zäh“ war – zumindest für Georg, Tommy und mich. Macmarco
und Wildshark wollten wieder zurück an diesem Morgen, vielleicht war das der
Grund dafür, dass die etwas besser aussahen diesen Morgen....
Da die
Wetter- und Eisbedingungen nun mal waren wie sie waren, wir auch Männer und
keine Schwanzträger sind - aber auch keine masochistischen Neigungen haben -
beschlossen wir, uns von Georg und Regina die Insel zeigen zu lasen. Da Georg
wie auch wir wie gesagt etwas „zäh“ aufgestanden sind, spielte Regina den
Chauffeur im Landy. Was Georg mehr als einmal zur Bemerkung veranlasste, sie
solle weniger „südfranzösisch“ fahren (muss wohl irgendwas mit Reginas Vorfahren
zu tun haben... ;-)))
Und es war auch eine mehr als interessante Tour und
durchaus eine Alternative zum Angeln an Schlechtwettertagen. Die beiden haben
sich wirklich über die Geschichte der Insel informiert und konnten uns vieles
Interessantes und Bemerkenswertes zeigen. Zurück im „Hyggeligen Hus“ machten wir
uns einen gemütlichen Abend, der diesmal auch wieder mit Männergesprächen
endete. Allerdings auf Grund dessen, dass ich am nächsten Morgen ja wieder 800
km Fahrt vor mir hatte, etwas weniger zu „zähem aufstehen“ am nächsten Tag
führte.
Auf der Heimfahrt nahm Tommy in Heiligenhafen beim Schlachter
noch eine Ladung eingedostes Sauerfleisch mit (Köche halt ;-))), und dann gings
ohne Umschweife und Umwege zurück ins Schwabenland. Der einzige Stau: An unserer
Autobahnausfahrt zu Hause, ansonsten gings erstklassig durch!!
Ich möchte
mich noch mal recht herzlich bedanken für die schönen, vor allem auch erholsamen
Tage bei Georg und Regina. Das Treffen und Angeln mit „ganz normalen“ Anglern,
keine Dünkel, nur gemeinsames Angeln und reger Erfahrungsaustausch sowie
„Männergespräche“ (ihr erinnert euch: Männer, keine Schwanzträger!) zeigten mir
wieder einmal, dass Angeln eben wirklich mehr ist als nur Fische fangen. Mal
sehen ob sich Tommy die Zeit stehlen kann, um die angedachte „Hornitour“ – sei
es noch dieses Frühjahr oder eben nächstes Jahr – mit mir in Angriff zu nehmen.
Alleine, dass er sich das überlegt sollte zeigen, dass auch eine Angeltour unter
solchen Bedingungen Männer (keine Schwanzträger!!) richtig begeistern
kann..

Und wieder wohlbehalten zu Hause
abgeliefert...
Infos zum Burgrestaurant Beilstein:
Zum Thema Fährverbindung:
Die Scandlines verbindet über
die „Vogelflugline“ Puttgarden auf Fehmarn mit Rödby auf Lolland. Außer in der
Saison braucht man eigentlich nicht zu reservieren. Man fährt zu den Schaltern,
löst sein Ticket, bekommt eine Spur zugewiesen und richtet sich dann einfach
nach der Ampelschaltung bzw. den Anweisungen des Personals vor Ort. Da Tag und
Nacht so alle halbe Stunde eine Fähre geht, ist man da zeitlich ziemlich
unabhängig (außer in der Hochsaison, da sollte man zusehen, eine gebuchte Fähre
zu bekommen). Die Leute von Scandlines helfen auch gerne, kompetent und schnell,
jedenfalls nach meiner Erfahrung, auch bei den Rückfragen wegen
Wetterbedingungen (man denke an die Katastrophenberichte).
Da ja die
Beltquerung nun beschlossene Sache zu sein scheint (warum auch immer diese
Milliardenkosten bezahlt werden), bat ich die Scandlines um eine Stellungnahme
dazu. Die kam von Herrn Havemann, Leiter Political Affairs von Scandlines:
Zitat:
Feste Fehmarnbeltquerung
"Am 15.12. 2009 wurden die Urkunden zum
Staatsvertrag im Auswärtigen Amt mit der dänischen Regierung ausgetauscht und
treten 30 Tage danach in Kraft. Damit können dann die offiziellen
Untersuchungen, Bauanfragen, Genehmigungsprozesse etc. gestartet werden. Wir
sehen weiterhin absolut keine Notwendigkeit dieses gigantische Bauwerk in
Angriff zu nehmen. Bei derzeit weniger als 5.500 Fahrzeugen pro Tag auf den
Schiffen der Scandlines Vogelfluglinie würde sich keine Kommune in der
Bundesrepublik auch nur ansatzweise Gedanken über eine Ortsumgehung machen. Die
derzeitige durchschnittliche Auslastung der Schiffe zwischen Puttgarden und
Rødby liegt bei unter 40 Prozent, also weiterhin ausreichend Platz auch
eventuelle Volumenzuwächse ohne Probleme zu bewerkstelligen. Hier aber sollen
Milliarden von Euro verbaut werden, auch wenn die dänische Seite die Hauptlast
der Kosten tragen wird, wird hier Volkseigentum in unvorstellbaren
Größenordnungen vernichtet." |
Weitere Infos zur
Fähre und zum buchen:
http://www.scandlines.de/de/de-2.htm
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