Da die
Nennung des Herstellers der Rute nicht erwünscht war
werde ich die Rute ab sofort mit dem Pseudonym Susan benennen. Frei nach der Sängerin
Susan Boyle, die man ähnlich
der Rute auch erst mal singen lassen muss um Ihr wahres Talent zu entdecken.
Aber
fangen wir von vorne an, ich habe Susan vor drei Wochen bekommen und war bei
den ersten Trockenübungen irgendwie enttäuscht. Schwer, grob, dick und ein
Design das mehr an die 70er Jahre erinnert. Das Oberteil hellbraun das Handteil
völlig unpassend in einem dunklen Schokoladenton.
Hmm,
vielleicht mag es auch einfach nur der Reizüberflutung heutiger Mainstream
Ruten sein die einem mit toll geformten Griffen, Metalliclackierung oder
Carbonoptik ihre Überlegenheit entgegen rufen.
Susan tat
dieses nicht. Zwar hat sie eine perfekte Verarbeitung, einen tollen
Vollkorkgriff, makellose Ringe die so glatt sind das selbst eine geflochtene
Schnur nur so durch sie hindurch flüstert nur noch überboten von einem Ganzmetallrollenhalter
der einem ganz unmissverständlich vermittelt, Du kümmerst Dich ums Angeln ich
um den festen Halt der Rolle. Jedoch sah Susan irgendwie so normal aus.
Erstes
Kennenlernen mit Susan
Optik
ist das eine Handling das andere also sollte es kurz darauf los gehen die Rute auf
Ihre inneren Werte zu Testen. Das bei den ersten Trockenübungen festgestellte
Übergewicht von 254 Gramm auf 270cm war beim ersten Wurf wie weg geblasen, die
Rute lag dank Ihres relativ dicken Korkgriffes warm und satt in den klammen
Fingern und federte den Köder mit einer Leichtigkeit in Richtung Seemitte die
wohl nur eine Ballerina überbieten könnte- toll. Mit dem 16cm Gummifische samt
Bleikopf hat sie keine Probleme und wird ein geschätztes Wurfgewichtspektrum
von 20-80 Gramm haben.
Beim
Einholen dann ein kurzer Rückschlag, Susan gab nach meinem Geschmack nicht
genug Feedback was der Gufi da unten gerade macht. Also ab der verführerisch
flankend mit seiner Schokoladenseite wackelt oder ob er vielleicht doch beim
Wurf respektive bei der Landung überschlagen oder verhakt ist. Obwohl ich
entgegen meiner persönlich Vorliebe auf eine geflochtene Schnur umgestiegen bin
kam relativ wenig beim Angler an. Getreu dem Motto, Hauptsache der Biss eines
Fisches wird gut übertragen durfte Susan weiter Zeigen was sie kann und das tat
sie.
Beim
zweiten Auswurf fuhr kurz vor dem Erreichen der zweiten Kante des Baggersees
ein Blitz quer durch die Rute in mein Handgelenk. Was war das? Trainiert wie
ein Pawlowscher
Schäferhund wurde der Anhieb gesetzt der entgegen der Befürchtung aller
Anwesender sauber saß und schon zeigte die Rute Kurve und was für eine! Nach so
langer Zeit mit Ruten die hart wie ein Besenstil sind bog sich Susan wunderbar parabolisch durch und federte die
erste hektische Flucht des Fisches gekonnt ab.
Deshalb
auch die zwei unterschiedlichen Färbungen, die Spitze weich und trotzdem
blitzschnell wie zuvor noch nie bei einer eher parabolischen Rute gesehen und
der Handteil kraftvoll flexibel. Ein Wunderwerk der Rutenbaukunst und das von
Blank an.
Dank Susan Sensibilität war
der Drill des 75cm messenden Esox Lucius schnell und gekonnt erlebt und der
Fisch konnte ganz weidmännisch noch im Wasser abgehakt und seinem Element
zurück gegeben werden. Da war er also der Moment wo man Susan das Singen
beginnt und Ihre wahre Schönheit zeigt.
Eine
tolle Eigenschaft der Rute ist in Ihrer Spitze versteckt. Diese ist recht weich
und sehr sensibel. Trotzdem wackelt sie nicht wie von vielen weichen Ruten
gewöhnt nach einem Impuls z.B. Schlag auf die Rute nicht weiter sondern geht
sofort wieder in Ihre Ausgangposition. Eine Eigenschaft die ich bisher nur bei
sehr harten Ruten kennen lernen durfte.
Mittlerweile
hat sich mein erster Eindruck verflüchtigt und ist einem gewissen
Understatement gewichen.
„Susan
kauft man sich nicht mal eben so, Susan gönnt man sich" war die Meinung aller
Anwesenden und ist auch ganz klar meine Meinung. Eine tolle Rute für den
gehobenen Anspruch, eben eine Klasse für sich.
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