Die Parteivorsitzenden und die Angler
Die Parteivorsitzenden und die Angler
Immer wieder hört man von Anglern die Klagen über unsinnige Gesetzgebung in Deutschland, man liest auch viel im Forum darüber. Zudem fühlen sich viele Angler von ihren Verbänden alleine gelassen oder sogar dass die Verbände den Interessen der Angler zuwiderhandeln. Zudem ist die Angelbranche augenscheinlich nicht willens und/oder in der Lage, eine vernünftige Lobbyarbeit für die um die 5 Millionen deutschen Angler aufzuziehen.
Da bei uns in Deutschland eine repräsentative Demokratie herrscht, die wiederum von den Parteien bestimmt und dominiert wird, haben wir einfach mal die Vorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien angemailt und sie um eine Stellungnahme zum Thema bundesweite Regelungen für Angler gebeten.
Denn das ist - neben den ebenfalls in der Mail angesprochenen komplizierten Verfahren um überhaupt angeln gehen zu dürfen - eines der von Anglern am meist kritisierten Punkte.
Die Mails wurden entweder am 13.12.2006 direkt an die Mailadressen der Vorsitzenden (soweit bekannt) oder an die Geschäftsstellen der Partei geschickt. Einmal auch über das Kontaktformular.
Nun warten wir gespannt auf Reaktionen. Wir hatten ja schon mehrfach Politiker zu verschiedenen Aspekten rund ums Angeln befragt, und dabei feststellen müssen, dass Mails oft nicht beantwortet, ja nicht einmal der Eingang bestätigt wurde. Vielleicht hilft es ja diesmal, wenn wir uns explizit an die Vorsitzenden der Parteien wenden.
Vielleicht sind aber auch 5 Millionen Angler eine noch zu kleine Nummer, als dass sich die „große Politik" damit beschäftigen müsste - wir werden sehen.
Auf jeden Fall werden wir Euch über die entsprechenden Reaktionen informieren und selbstverständlich - sofern wir welche erhalten - auch die Antworten der Parteivorsitzenden veröffentlichen.
Nachfolgend unsere Mail an die Vorsitzenden:
Mail:
Wir erreichen über unsere Medienangebote über 1 Million Menschen pro Monat, die über 12 Millionen Seiten pro Monat (Jahresschnitt 2006 bis jetzt) aufrufen. Politik hat auf unser Hobby (unsere Leidenschaft) natürlich auch viel Einfluss. Daher möchten wir Sie als Vorsitzende(n) Ihrer Partei bitten, zu dem vom Land Brandenburg im August 2006 in Kraft getretenen Gesetz zum „scheinfreien" Friedfischangeln Stellung zu nehmen, um Ihre Einstellungen, Einschätzungen und Vorstellungen unseren Lesern nahe bringen zu können.
Schlagworte wie Stärkung der Wirtschaft, Einklang von Ökologie und Ökonomie, Abbau von Bürokratie, nachhaltiges wirtschaften und vieles mehr hört man in Verlautbarungen aller Parteien.
In der Praxis - und da sind es schließlich die Parteien, die das in praktische Politik vor Ort umsetzen sollen - sieht das oft genug anders aus.
Ein gutes Beispiel sind dafür die (je nach Quelle) zwischen 4,5 bis über 5 Millionen Angler in Deutschland. Diese erwirtschaften (je nach Quelle) zwischen 5 bis über 6,2 Milliarden Euro volkswirtschaftlichen Umsatz und über 52.000 Arbeitsplätze sind direkt von Anglern abhängig.
Dass zudem eine verstärkte Bewirtschaftung der Gewässer durch Angler(Tourismus) statt durch Industriefischerei einen Beitrag zur nachhaltigen Bewirtschaftung darstellt, ergibt sich schon daraus, dass ein Angler für ein Kilo gefangenen Fisch ein vielfaches an volkswirtschaftlichem Umsatz erzielt - im Gegensatz zu einem Kilo von Berufsfischern produziertem Fisch. Dabei ist gleichzeitig die Fangmenge der Angler geringer, was eine langfristige natürliche Bestandssicherung ermöglicht.
Da gerade auch strukturschwache Regionen oft interessante Angelmöglichkeiten bieten (Beispiele Kreis Ostholstein, Insel Rügen, Mecklenburger Seenplatte, Müritz, Lausitz etc.) ist dies eine Möglichkeit für jede Region, den Tourismus über die „normale" Saison hinaus zu verlängern. Die besten Angelzeiten liegen nun mal oft in den touristischen Nebensaison. Und so können strukturschwache Regionen mit Anglern die Saison verlängern und für die Betriebe vor Ort für eine bessere Auslastung sorgen.
Bedenkt man dabei noch, dass laut Dr. Arlinghaus ein Angler bis jetzt schon ca. ca. 1.000 Euro pro Jahr für sein Hobby ausgibt, kann an mit attraktiven Angeboten sicherlich darauf hinwirken, dass ein Teil des Geldes, der bisher von Anglern ins Ausland getragen wird, zukünftig vielleicht mehr in Deutschland selber ausgegeben wird.
Dazu wären dann aber Regelungen nötig, die es Anglern ohne große Bürokratie ermöglichen auch in Deutschland - aber beileibe nicht nur - als Tourist ihrem Hobby nachzugehen.
Leider ist es so, dass wir in Deutschland kein einheitliches Recht für die Angler haben, da dies Ländersache ist. Für einen deutschen Angler, der alle bürokratischen Hürden überwunden ha, noch ein kleineres Problem. Aber wie viele ausländische Touristen bekommt man nicht, da es für diese fast unmöglich ist, rechtssicher in Deutschland zu angeln. Und will dieser Tourist gar noch in mehreren Bundesländern angeln, hat er länger mit dem besorgen der behördlichen Erlaubnis zu tun als der eigentliche Urlaub nachher dauert.
Sicherlich waren das alles auch Gründe, warum das Land Brandenburg als ersten Schritt die Prüfungs- und Scheinpflicht für Friedfischangeln gestrichen hat und zu einer unbürokratischen Lösung gekommen ist.
Diese ermöglicht sowohl Deutschen wie auch ausländischen Touristen gegen Bezahlung einer jährlichen Fischereiabgabe ohne weitere bürokratische Hemmnisse zumindest auf Friedfische zu angeln. Dass dabei selbstverständlich alle relevanten Gesetze zu beachten sind (Tierschutz, Landesfischereirecht etc.) ist dabei selbstverständlich. Wünschenswert wäre natürlich eine solche Regelung zum einen bundesweit, zum anderen für alle Angelmethoden.
Denn alleine seit August 2006, als diese Reglung in Brandenburg in Kraft trat, haben schon über 20.000 Menschen diese Regelung in Anspruch genommen - und das obwohl für ein halbes Jahr Leistung der gesamte jährliche Betrag bezahlt werden musste.
Laut den obigen Zahlen (ca. 1.000 Euro volkswirtschaftlicher Umsatz pro Angler und Jahr) dürfte dies für Brandenburg alleine von diesen Zahlen ausgehend zukünftig einen volkswirtschaftlichen Mehrumsatz von ca. 20 Millionen Euro bedeuten.
Rechnet man dies hoch auf die anderen Bundesländer, kann man sicher davon ausgehen, dass für Deutschland insgesamt sicherlich ein volkswirtschaftliches Mehraufkommen von zwischen 300 bis über 500 Millionen Euro mehr zu erzielen wäre.
Ich weiß nun nicht ob das für die Parteipolitik schon relevante Größenordnungen sind. Aber uns als Redaktion und unsere Leser würde interessieren, wie Sie persönlich als Vorsitzende(r) und Ihre Partei dazu steht darauf hinzuarbeiten, dass zukünftig in ganz Deutschland für Angler und solche die es werden wollen, bürokratische Hemmnisse abgebaut werden.
Und ob, wie in Brandenburg, zukünftig ohne große Prüfungen und auf einfachen Wegen wie mit der Fischereiabgabe sowohl deutschen Anglern wie ausländischen Touristen die in Deutschland angeln wollen, das auf einfachstem Wege ermöglicht wird.
Thomas Finkbeiner
Mail Ende
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