Eigenbau einer Fliegenrute, Teil 2
Loomis IMX Slate
Oder: Eigenbau einer (zweier) Fliegenruten, Teil 2
Teileliste:
Blank 3-teilig
REC Rollenhalter
Western Griff
Winding Check
Hakenöse
Leitring
Einbeinringe
Spitzenring
5-min Epoxi
Bindefaden
Bindelack
Bindestation mit Winder
Klebeband
Pinsel
Nach dem Trocknen wird alles zum Schleifen auf der Drehmaschine vorbereitet: An Uwes Rute wird das Ende des Westerngriffes angefasst, damit dort nicht später Kork an der scharfen Kante abbröselt, zudem siehts schicker aus. An meiner Rute wirds eine Zigarre. Das ist meine persönliche Lieblingsform. ( Ich habe eine wesentlich kleinere Hand, und der Griff liegt mir in der Urfassung nicht gut in der Hand. Also wird er verlängert und etwas Schlanker am Ende. )An der dünnsten Stelle ist er 26 mm dick. Läuft er auf der Drehbank nicht zu unrund, kann es noch die von mir bevorzugte Zigarrenform geben.
An exponierten Stellen wird zum Schutz Malertape aufgezogen. Dies ist zum einen das vordere Ende, damit man beim anfassen der Kante nicht den Blank beschädigt. Am Übergang zum Rollenhalter, damit man nicht den Rollenhalter zerkratzt. Vorne kommt noch ein Schutz zum Spannen im Drehfutter. Und gaaanz vooooorsichtig spannen, damit der Blank nicht nachgibt...Ein "Knacks" und 200 € sind Müll.....
Beim Schleifen kams zum Vorschein: Die Qualität des Korks ist, gelinde gesagt, besch....!Da muss gespachtelt werden! Das ärgert mich im Anbetracht des Preises für den Griff enorm!!!(Es war schon vorher fast klar, obwohl ich mir es nicht eingestehen wollte!!) In Zukunft werde ich nur noch die Griffe aus 4-5mm dicken Champagnerkorkscheiben selber schleifen. Wieder etwas dazugelernt...
Auch die Winding-checks passen (jetzt):Der Durchmesser war leider 6/10 zu klein!! Mit der Dremel angepasst und eingeklebt. Mit etwas 5min Epoxi und Vorsicht, dass nicht zuviel rankommt. Der W-c muss keine Kräfte aufnehmen. Deshalb reicht eine Fixierung am Kork locker aus. In den Spalt zwischen Blank und W-c zieht sich der (leicht verdünnte ) Lack später beim lackieren der Anschlußwindung von selbst (Kapillarwirkung....)
Der Frust über den Griff bleibt mir weiterhin erhalten: Auch zweimal drüber schlafen brachte keine Besserung, der Griff war immer noch Sch....Kurz die Korkreserven in meinem Keller prüfen. OK. Der Cutter befreit den Blank vom minderwertigen Kork! Neuaufbau! Für ein Bruchteil der Kosten jetzt ein wesentlich besserer Griff. Naja. Man lernt nie aus.... Markiert wird mit schmalen Streifen Malerkrepp. Dies lässt sich nach dem Anwinden sehr gut Rückstandsfrei entfernen. Bezugsebene sind die hinteren Kanten
Exkursion Beschriftungen
Z.Zt. ist es so, dass ich nach einer Möglichkeit suche die Blanks zu beschriften. Das funktioniert überhaupt nicht zu meiner Zufriedenheit: Lackstift und direkt auf den Blank schreiben sieht dank meiner wirklich nur rudimentär vorhandenen Schönschreibkünsten sehr sehr schlecht. Ein Versuch, auf Folie zu drucken hat bisher nur eine Monetäre Erleichterung um ca. 35€ gebracht. Es Funzt nicht, weil die Folie trotz allen Tricks (erwärmen) nicht dazu zu bewegen ist, sich an den Kanten an den Blank zu schmiegen und dort auch zu bleiben. Zwischenzeitlich sieht es nach einer Lösung mit Tusche und ( Schreib-)Feder aus: Die Tinte lässt sich mit der Feder schön auftragen. Ist der Auftrag zu dünn, so kann man problemlos überschreiben. Das geht erstaunlicherweise auch bei sehr dünnen Schriften.
Zumal kann die Schrift mit einem feuchten Lappen einfach und rückstandsfrei weggewischt werden. Von dem Epoxid des Rutenlackes wird die Tinte nicht angegriffen.
Nun können die Ringe laut der beiliegenden Beringungstabelle angewunden werden. Hierzu fixiere ich die Ringe mit schmalen Streifen Malerkrepp. Da ich hier mal Einstegringe benutze muss der Streifen wirklich schmal sein. So schmal, dass der Ring mit dem Faden ein paar Windungen angebunden werden kann ohne dass ich auf das Krepp kommt!
Die Ringe werden danach durch entlangpeilen in Reihe gebracht. Dies sollte man wiederholen, und durch Änderung der Position zum Licht öfter kontrollieren: Was mit dem Licht von rechts sauber und in der Flucht wirkt, sieht mit Licht von links, oder mit Blick von oben oder mit Blick unter natürlichem Licht auf dem Balkon schon ganz anders aus...Lieber einmal mehr kontrolliert. Gleichwohl ist die endgültige Position erst nach dem Einwinden mit der Seide vorzunehmen, kurz bevor die ganze Chose lackiert wird. Die Ringe sind vor dem fixieren sauber mit der Feile zuzuspitzen, damit der faden beim Wickelvorgang sauber auf den Ring hochlaufen kann. Die Kanten sind ohne Grate! (Dies würde den Blank oder den Wickelfaden beschädigen.)Ich mache dies mit der Diamantfeile. Den Ring zu halten ist fummelig, und nach kurzer Zeit schmerzen die Finger...
Der Faden wird fixiert, indem er um den Blank gewickelt wird bis er sich selber klemmt, und nach zwei bis drei Umdrehungen fester angezogen wird, und in 90 ° Bogen gelegt, mit dem Skalpell (Alt. Scharfer! Cutter) kurz abgeschnitten wird.
Nun mit etwas Vorspannung wickeln. Etwa in der Mitte der Wicklung lege ich eine Dyneemaschleife ein, mit welcher der Wickelfaden später unter die Wicklung gezogen und durchtrennt wird. Dies etwas seitlich von dem einzuwindenden Ring und nicht direkt daneben. Es besteht die Gefahr dass der Faden nicht genug geklemmt wird und sich die Windung löst.
Soll, wie hier
an den Verbindungen und der Abschlusswicklung am Griff, eine Zierwicklung eingebracht werden, mache ich dies wie auf dem Bild: Mit zwei Windungen des roten Fadens fixiere ich den Silberfaden. Dann kurz abschneiden und vorsichtig (!!!) unter den Bindefaden ziehen. Weiterwickeln. Leider habe ich keine Bilder des Wickelvorganges mit der Zierwicklung.
Hier noch ein Wort zu meinem "Rodwinder": Nach dem dritten verheizten Billigbaumarktteil bin ich bei dem hängen geblieben. Sehr leise mit 220 V Anschluss! Der Winder hat noch Adapter für Epoxifliegen und zum Drehen von Jerkbaits welche ich zwischenzeitlich herstelle. Nach etwa 100 Betriebsstunden arbeitet er immer noch anstandslos!
Der Blank ist sauber, die Bindungen haben keine Fussel mehr (Feuerzeug), die Ringe sind in einer Reihe, die Teile lassen sich zusammenstecken, der Schriftzug ist ok.?? Dann kann es mit dem Lackieren losgehen. Alle Materialien richten: Mischbecher, Mischstab, Komponenten A und B, Aceton ( in der kl. Spritze),Pinsel. Nicht auf dem Bild: Feuerzeug. Dann mit dem Vorbereiten des Lackes beginnen:1ml jeder Komponente ( Mischungsverhältnis 50/50) in den Mischbecher ( meine Becher sind Verpackung aus dem Med. Bereich. ) geben. Dieser sollte der Menge des Lackes angepasst sein. Ein Fruchtzwergebecher ist zu groß! Gut vermischen. Mind. zwei Minuten drehen. Drehrichtung ändern. Zur ersten Lackschicht gebe ich immer drei Tropfen Aceton als Verdünnung. Der Lack zieht so wesentlich schneller in den Faden ein. Umrühren. (Hier scheiden sich die Geister: die einen geben das Aceton hinzu, bevor die Grundkomponenten vermischt werden, die anderen, so wie ich, danach...)
Rodwinder einschalten, und es kann losgehen. Man sieht schön Anhand der Farbe des Garnes, wie es sich mit Harz vollsaugt. Der erste Lackauftrag spärlich, und nur zur Tränkung des Fadens.
Die Beschrifteten Stellen lackiere ich noch nicht. Diese werden erst mit dem dritten und letzten Lackauftrag lackiert. Ich kann max. 1,50 m Rute ( Ringe ) lackieren. Die anderen Wicklungen mache ich später. Der Blank wird zu lang und zu instabil. Trotz mehrfachen Zwischenlagerns. Zudem wird sonst der Lack hart ( Geliert ) weil man so schnell nicht arbeiten kann und es wird Pfusch. Bin ich am Ende angekommen mit der ersten Lackierung, fange ich noch mal von vorne an, und lackiere mit dem gleichen Lack ein zweites Mal. Beim ersten Mal wurden Stellen nicht durchtränkt, oder Übergänge sind noch fehlerhaft. Dies egalisiere ich mit dieser zweiten Lackschicht.
Vorsicht an den Trennstellen der Blanks: Nicht zu weit lackieren, sonst hat man eine Einteilige.... Sind die Lackierungen ok. ( nach einer Tasse Kaffee kontrolliere ich noch mal. Tee, Bier oder Wein geht auch.....), lasse ich die Sache für ein paar Stunden ruhen. Wie der Rollbraten auf dem Grill dreht sich die Rute und der Lack kann keine Nasen bilden. Der finale Lackauftrag muss getimt werden: Er muss auf den noch nassen Lack ( Nass in Nass ) gebracht werden.
Deshalb darf man sich nach den ersten beiden Lackschichten nicht wechtrinken ( Man nimmt doch besser nur Tee oder Kaff ). Der Richtige Moment ist: Wenn der untere Lackauftrag noch klebt, aber keinesfalls mehr läuft. Kontrollieren macht man am besten an einer Probe den man auf eine andere Probe aufgebracht hat, und nicht am Blank. Dieser Lackauftrag ist der Entscheidende! Er wird mit nur noch sehr wenig ( ein Tropfen ) Aceton oder gar keinem mehr angerührt. Gab es doch noch eine abstehende Fluse, kann sie jetzt noch vorsichtig mit einem sauberen Gegenstand ( Zahnstocher) beigedrückt werden.
Wobei, ich mir mit dem Wort Lackieren sehr schwer tue, lernt doch der Lackierer schon in der Ausbildung, dass Lack nicht zum Verfüllen gedacht ist. Aber hier ists genauso. Der Lack wird einigermaßen "Dick" aufgetragen. Nasen bilden sich nicht, da der Blank durch die Hähnchenbraterei immer gedreht wird. Luftblasen sind zu vermeiden, und können mit dem Pinsel beseitigt werden. Hartnäckigeren rücke ich auch schon mal mit dem Feuerzeug VORSICHTIG zuleibe: Durch das Erwärmen platzten diese. zudem wird der Lack dünnflüssiger. Nun werden auch die Schriftzeichen überlackiert. Immer wieder kontrollieren und notfalls nachhelfen. Vorsicht, wenn der Lack geliert ist Zappen!!
Nach 24 Stunden kann die fertige Rute ausgespannt werden.
Ich lasse die Arbeit ein zwei Tage in warmem, trockenen Umfeld reifen.
Rolle kann dann probesitzen und der Phantasie freien Lauf gelassen werden.
Dann kommt der große Moment. Die Rute wird probegefischt.
Resümee die erste: Das Profil wurde voll erfüllt. Meine Rute wirft meine 5er WF auch mit Goko-Nymphe oder Wooly Bugger ( ...Spezial mit zwei Gokos...) im zu erwartenden Nahbereich ( 5-10 m ) zu meiner vollen Zufriedenheit.
Die kurze Rute passt hervorragend zum kleinen, und teilweise zugewachsenen Bach. Siehe auch die Bilder. Die Rute würde ich mit dieser Überladung als mittelschnell einstufen. Die Reserven sind so groß, dass sowohl die angegebene Schurmenge mit Leerwürfen gehalten werden, als auch mit enger Schlaufe und kürzerer Schnur entweder unter den überhängenden Busch oder mit Doppelzug schnell geschossen werden kann (Schachtelsatz Ende...). Die Empfehlung des Importeurs war zu 100% richtig. Allerdings auch ein kleiner Kritikpunkt: Beide Blanks sind etwas krumm. Auf eine Länge von 1 m etwa 1cm. Dies wurde beim Lackieren sichtbar (eiern...) und kann auch später durch entlangpeilen gesehen werden. Schade, denn an einem Blank dieser (Preis)-Klasse nicht wünschenswert....
Auch im Drill macht sie sich sehr gut, denn gefangen wurde auch. Bei meinem "Einfischen" konnte ich u.a. eine 41er Bachforelle landen.
Zwischenzeitlich konnten sehr viele Forellen und Äschen mit der Rute gefangen werden.
Marc Pollrich
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