Malediven Dezember 2007: Ende gut, Alles gut!
Bekanntermaßen sind aller guten Dinge drei.
Demnach hätten wir nach unserem letzten Trip auf die Malediven im Dezember 2006
eigentlich ein neues Ziel suchen müssen - eigentlich. Die traumhaften
Bedingungen, welche die Malediven dem begeisterten Light-Tackle-Fischer bieten,
haben uns jedoch nicht lange zweifeln lassen. So hieß auch im Jahre 2007 unser
Reiseziel: Malediven. Obschon das Wetter im letzten Jahr nicht immer das Beste
war, haben wir uns erneut für den Dezember entschieden. So buchten wir über
Martin Joswig (www.fischen24.de) die Mas Hibaru für den Zeitraum vom 5. - 20.
Dezember.
Wir, das ist das derweil eingespielte Team Robert (Dorschrobby),
Andreas (Big White) und ich, Kai, alias Sailfisch.
Von
links: Andreas, Kai und Robert, jeweils mit GT
Je näher der Termin
der Abreise rückt, je intensiver nimmt der E-Mailverkehr zu, indem wir das
Material abstimmen. Aber auch mit Kollegen wird enger Kontakt gehalten, um auch
von deren Wissen und Erfahrungen zu profitieren. Insbesondere Jürgen Oeder und
Joachim Volz lassen mich an ihrem reichen Erfahrungsschatz teilhaben und geben
mir den einen oder anderen guten Tipp, für die ich mich auch an dieser Stelle
nochmals bedanken möchte.
Zuvörderst ist dabei die Kunst des Popperbaus zu
nennen, in die mich Jürgen und Joachim eingeweiht haben. Nach ihren Modellen
entwickele ich zusammen mit meinem Nachbarn, Nils Franke, einem mit einer
Engelsgeduld ausgestatteten Modellbauer, zwei eigene Popper-Serien. Die Modelle
unterscheiden sich von den herkömmlichen Poppern durch ihre spitze Kopfform, was
dazu führt, dass sie weniger zum „splashen" geeignet sind als die „normalen"
Modelle. Dafür gleiten diese Art der Popper sanft über das Wasser und sorgen mit
ihrem breiten Ende für einen ordentlichen „Gleitstrahl". Jürgen hat die von
Joachim gebaute Serie auf JV-Slider getauft - eine passende Bezeichnung. Wie
kleine Jachten sliden die Selbstbauten über das Wasser, wobei sie mindestens
genauso fängig sind wie die handelsüblichen Popper, jedoch auf Grund ihrer
Spitze weniger Energie beim Einkurbeln benötigen.
Es waren dann auch
Jürgen und Joachim, welche erste leichte Bauchschmerzen in Bezug auf die
anstehende Reise bei mir auslösten. Beide wollten vor uns im Oktober auf die Mas
Hibaru, welche im Sommer umgebaut werden sollte. Mohamed, der Eigner, hatte
immer wieder bekräftigt, dass alles fertig sei. Bei ihrer Ankunft auf den
Malediven werden Jürgen und Joachim eines besseren belehrt. 2 Tage im Hotel, 2
weitere Chaostage auf der Mas Hibaru bevor noch einige brauchbare Tage auf dem
großen Schwesterschiff, der Kandi Hibaru, verbracht werden können. Jürgen
versichert mir immer wieder, dass er davon ausgeht, die Mas Hibaru sei während
unserer Reise einsatzbereit. Auch Mohamed versichert uns via E-Mail die
Einsatzbereitschaft. „Die Worte hör ich wohl, allein mir fehlt der
Glaube!"
Als schließlich kurz vor unserer Abreise Stephan Kreupel berichtet,
dass auch er Probleme mit dem von ihm bestellten Boot hatte und daher 5 Tage auf
der Kandi Hibaru zugebracht hat, wird mein Vertrauen weiterhin stark in
Mitleidenschaft gezogen.
Aber: Gebucht ist gebucht, am 5. Dezember starten
wir von Frankfurt gen Male. Am Morgen des 6. Dezember kommen wir dort an.
Premiere, die Mas Hibaru erwartet uns bereits im Hafen des Flughafens. Skipper
Ibrahim freut sich uns wiederzusehen, schließlich sind wir ja langsam aber
sicher Stammgäste. Die mitgebrachten T-Shirts mit Bildern der Crew aus dem
letzten Jahr kommen gut an, gleiches gilt für die ausgedruckten Bilder, welche
umgehend im überarbeiteten Innenraum der Mas Hibaru angebracht werden.
Den
ersten Tag verbringen wir wetterbedingt im Hafen von Male. Am kommenden Tag
starten wir zu unserer Überfahrt in das Heimattoll unserer Crew, das
Lhaviyani-Atoll. Ibrahim war zunächst skeptisch, ob wir die Überfahrt riskieren
sollen. Schließlich meint er aber, wer weiß denn schon wie das Wetter morgen
wird, und startet durch. Der Seegang hat es durchaus in sich. Bei der Überfahrt
kann ich einen Hound Needlfish fangen, welcher mit 4,3 kg gar nicht mal der
kleinste ist. Gebissen hat er auf unsere Allzweckwaffe, einen blau/weißen
Ilander. Robert und Andreas landen bei der Überfahrt jeweils einen
Bonito.
Der
erste „Kunde", ein Hound Needlfish.
Am kommenden Morgen sind die
Palmen so krumm, dass uns schnell klar wird: An Fischen ist heute nicht zu
denken. Sollte sich etwa unsere wettertechnische Pechsträhne aus dem letzten
Jahr fortsetzen? Egal, wir nutzen die Zeit und bauen das gesamte Tackle auf und
justieren die Rollen.
Der
Gesamtwert unserer Ausrüstung sollte dem Wert eines Kleinwagens
entsprechen.
Als ich am darauffolgenden Tag wach werde höre ich das
„Anlassgeräusch" der Maschine, sie startet aber nicht. Der Anlasser rödelt und
rödelt, die Maschine indessen nicht an. Kurz geduscht und eingecremt, dann geht
es nach oben. Der Gesichtsausdruck des Skippers lässt nichts Gutes vermuten.
Gleichwohl versichert mir Ibrahim: „In zwanzig Minuten ist alles ok!" Nur die
Batterie müsse aufgeladen werden. Auch wenn ich von Technik nun wirklich gar
nichts verstehe, so beschleichen mich ernstliche Zweifel, ob es überhaupt an der
Batterie liegt. Robert und Andreas - beide insoweit etwas bewanderter - teilen
meine Zweifel als sie an Deck kommen. Mehrer Versuche des Starts scheitern.
Gegen 13 Uhr mache ich Ibrahim klar, dass etwas geschehen muss. Schließlich
machen wir eine Tour mit dem kleinen Schwesterboot, der Hibaru I.
Die Hibaru I.
Auf den kritischen Zustand dieses
Bootes hat Stephan Kreupel in seinem Bericht zu Recht hingewiesen. Eine längere
Tour mit diesem Boot ist kaum möglich. Die Crew gibt sich aber große Mühe.
Schließlich treffen wir auf die Thunfischfängerboote des Atolls. Vereinzelt
sehen wir auch springende Yellwofins, bis zu einem geschätzten Gewicht von 30
kg. Bisse bleiben aber aus. Als wir nach 3 Stunden wieder in Kurendhoo, dem
Heimathafen beider Boote, festmachen, müssen wir feststellen, dass es der Crew
der Mas Hibaru immer noch nicht gelungen ist den Motor zum laufen zu bringen.
Wir machen Ibrahim klar, dass es so nicht weitergehen kann. Schließlich
telefoniert dieser mit Mohamed, dem Eigner, welcher zusichert, die Kandi Hibaru,
welche derweil noch in Male liegt, zu schicken. Ibrahim hofft immer noch den
Motor in Gang zu bekommen. Ein Neuladen der Batterie über Nacht soll den
gewünschten Erfolg bringen. Am nächsten Morgen rödelt der Motor nach wie vor
ohne anzuspringen. Entgegen meiner Erwartungen kommt am Abend die Kandi Hibaru
in Kurendhoo an. Ich bin erleichtert.
Die Kandi Hibaru
Am kommenden Morgen wechseln wir
über. Die Mentalität der „Südländer" treibt uns schier in den Wahnsinn. Obschon
allen bekannt war, dass wir überwechseln werden, beginnt die Crew der Kandi
Hibaru gegen 7 Uhr mit der Reinigung. Wir sind kurz vor der Explosion. Es hätte
nicht mehr viel bedurft und ich hätte einen Tobsuchtsanfall bekommen. Bringt
aber alles nichts, daher ruhig Blut. Die Sachen werden verstaut, die Kabinen
bezogen. Gegen 9 Uhr laufen wir aus, um dem nachzugehen, weshalb wir auf den
Malediven sind, unserem Hobby - Fischen.
Die Trollingvoraussetzungen auf der
Kandi Hibaru sind eher spärlich. Nur 4 Rohre, obwohl das Boot deutlich breiter
ist als die Mas Hibaru. Zudem sind die Rohre sehr eng nebeneinander angebracht.
Die Ruten werden ausgebracht. Wir haben den Hafen kaum verlassen, da meldet
sich die äußerst rechte Rute. Ein Sailfish hat mit dem geschleppten Ilander
kurzen Prozess gemacht und legt sogleich einen ordentlichen Run hin. Robert
bringt den guten Sail sicher zum Boot, wo er vom Haken befreit und in die
Freiheit entlassen wird.
Bitte recht freundlich!
Zurück ins Element!
Beim Poppern können wir die ersten GT´s
landen.
Erste GT´s
Leider reißt ein großer GT, welchen ich auf +/-
25 kg schätzen würde (er war, auf Grund des Anbisses in unmittelbarer Bootsnähe,
gut sichtbar) nach ca. 15minütigem Drill ab. Meinen schwarzen Selbstbaupopper
nimmt er mit. Die Popper Marke Eigenbau haben sich bewährt und ich werde während
der gesamten Zeit mit meinen Eigenbauten fischen.
GT
um die 10 Kg, mit dem da noch vorhandenen schwarzen
Selbstbaupopper
Es würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen, wenn
ich all unsere Erfahrungen, welche wir in den zwei Wochen gesammelt haben hier
niederschreiben würde. Daher nur die Eckdaten und das eine oder andere - mehr
oder minder - lustige Ereignisse.
Die Möglichkeiten, welche die Malediven
uns bieten, sind schier unendlich. Vom gewöhnlichen Light-Tackle-Trolling über
das Popperfischen zum Jigging über das Nachtfischen bis hin zum Fliegenfischen
in den Flats. Mit Ausnahme des letztgenannten haben wir alle Varianten des
Fischens ausprobiert und waren auch - für unsere Verhältnisse - erfolgreich.
Den meisten Spaß hatten wir aber bei diesem Törn während des Trollings.
Bereits der Bericht von Stephan Kreupl, welcher unmittelbar vor uns im gleichen
Gebiet war, ließ vermuten, dass wir in Sachen Sails einiges geboten bekommen
sollten. Seine geniale Fangstrecke an Sails sollte sich bei uns nahtlos
fortsetzen. Teilweise attackierten 4 Sails gleichzeitig unsere Lures. Während
des Poppers tummelten sich ein Mal mindestens fünf verschiedene Sails vor dem
Boot. Von meinem Popper, welchen ich mehrfach zwischen das Getummel befördert
habe, ließen sie sich gar nicht stören. Auf die Idee anzubeißen sind sie schon
gar nicht gekommen.
Es ist einfach unbeschreiblich, welche Adrenalinschübe
man bekommt, wenn eine Sailflosse hinter den Lures auftaucht. Vielleicht
belächelt mich/uns auch der ein oder andere erfahrene Marlinjäger aber ich
schreibe es so, wie ich es wahrnehme.
Die hohe Anzahl an vorhandenen Sails
lässt es dann auch zu, dass Robert und ich unsere Fähigkeiten in Sachen
Bissverwertung deutlich verbessern können. War es am Anfang mehr oder minder
reiner Zufall, ob wir einen Biss verwerten können, so steigern wir mit jeder
Attacke unsere Ausbeute.
Eine Erfahrung - die sehr nahe an einer Binsenweißheit ist -
konnten wir auf jeden Fall machen. Wenn man die Lures mit Bauchlappen o.ä.
riggt, so lässt sich die Quote der verwertbaren Bisse merklich erhöhen. Fischt
man ausschließlich einen Lure, so attackieren die Sails häufig nur ein Mal den
Köder und lassen dann wieder ab. Dann hat man kaum eine Chance den Biss zu
verwerten, es sei denn, der Sail hakt sich bereits beim ersten Kontakt, was aber
eher selten der Fall sein dürfte. Hat man hingegen etwas Bauch mit angeködert,
so greift der Sail den Köder mehrfach an. Drei, vier Attacken sind dann keine
Seltenheit. Die Chancen den Angreifer zu überlisten, steigen dadurch
deutlich.
Hatte ich mich bei den letzten Reisen noch mit dem „Selbstriggen"
der Bauchlappen zurückgehalten, mutiere ich während dieser Reise zu einer Art
Prof. Brinkmann des Bauchlappenriggens. Mit jedem angeköderten Bauchlappen
werden die Riggs besser. Das Vernähen geht nachher problemlos. Ich kann nur
jedem empfehlen, es selbst mal zu versuchen. Das Ganze ist keine Hexerei. Möge
es auch einige „Standardriggs" geben, was zählt ist das Ergebnis. Der
Bauchlappen muss halten und den Fisch zum Biss animieren. Wenn er dann mit
seinem Schwert an Stelle von Plastik auf Fisch schlägt, so bleibt er am
Ball...
Prof. Brinkmann bei der Arbeit!
Das
fertige Endprodukt!
Von Erfolg gekrönt war bei den Attacken
folgende Vorgehensweise. Sobald ein Sail hinter den Lures auftaucht, haben wir
jeweils eine Rute in die Hand genommen. Man reduziert dann die
Bremskrafteinstellung der Rolle so weit, dass der Lure durch den „Schleppdruck"
gerade noch mitgeschleppt wird, ohne dass sich die Schnur allein durch den Druck
von der Rolle zieht. Die Attacken merkt man dann sehr deutlich. Sobald der Sail
mit seinem Schwert nach dem Köder schlägt sollte man die Spitze in seine
Richtung bewegen, um so den Druck weiter zu reduzieren. Teilweise rutscht dann
doch etwas Schnur von der Rolle, ohne dass der Sail den Köder genommen hat - was
man aber durch die langsamere Geschwindigkeit in der sich die Schnur von der
Rolle löst, gut unterscheiden kann. Im diesem Fall sollte man die Bremskraft
leicht erhöhen oder die Rute wieder gen Himmel heben.
Hat aber der Sail den
Köder genommen, so merkt man das umgehend am rasenden Schnurverlust, sobald er
sich in die entgegengesetzte Richtung davon macht. Erfahrene Kollegen wussten zu
berichten, dass sie selbst merken wie der Sail im Wasser wendet.
Man zählt
dann im Geiste „einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig", dann schiebt man
den Bremshebel nach oben und schlägt an. Meistens sollte dann der Fisch
hängen.
Klappt das vorgenannte Szenario mehrfach nicht, so muss es nicht an
den eigenen Fähigkeiten liegen, manchmal ist auch das Material schuld. So erging
es auch mir. An einem Tag saß ich allein am Heck und beaufsichtiget die Lures.
Ich hatte einen Williamson Live Bellyhoo Combo als Trollinglure ausgesucht,
welcher von den Kollegen bis dato kritisch beäugt wurde. Mehrere Attacken hatte
ich an diesem Morgen auf diesen Lure. Es wurmte mich schon etwas, dass keiner
hängen geblieben ist. Ich wollte natürlich gegenüber den Kollegen triumphieren
und meine brillante Köderauswahl anpreisen. So sehr ich mich aber auch bemühte,
es wollte kein Sail hängen bleiben. Als Robert schließlich bei einem Popperstopp
nach hinten kommt, um mir zu helfen die Ruten einzuholen, bemerkt er nur
spöttisch, ob ich schon lange ohne Haken fischen würde. Zunächst verstehe ich
nicht was er mir sagen will, doch dann zeigt er mir den Lure. Der einfache
Haken, welcher im Bauch des Bellyhoo sitzt, war sauber rausgerissen. So hätte
ich auch noch Tage fischen können und immer noch keinen Sail gefangen. Wir
amüsieren uns über diesen Fauxpas, was in Anbetracht der bereits gelandeten und
noch immer in großer Zahl vorhandenen Sails kein Problem war. Ob ich genauso
gelacht hätte, wenn es die einzigen Attacken gewesen wären, lasse ich an dieser
Stelle lieber offen.
Zurück zur Beschreibung der meines Erachtens richtigen
Vorgehensweise bei Sailattacken. Es kommt natürlich durchaus nicht selten vor,
dass man den Sail trotz lehrbuchhaften Vorgehens nicht beim ersten Anschlag
hakt. Das sollte einem nicht den Mut nehmen, viele Sails geben eine zweite und
nicht selten auch dritte Chance. Ist die erste Attacke vorbei, so sollte man den
Sail reizen. Also: 18, 20 nur nicht passen... Spaß bei Seite. Man kann den Sail
zum erneuten Biss verleiten, wenn man durch auf und ab bewegen der Ruten den
Köder im Wasser beschleunigt oder verlangsamt. Eine Möglichkeit besteht auch im
schnellen Einkurbeln einiger Meter Schnur. Häufig wird der Sail dann wild und
greift den Köder weiter an. Wenns klappt sollte dann nach obig beschriebenen
Rezept verfahren werden.
Wie viele Sails vor Ort waren zeigen unter
anderem noch zwei weitere Ereignisse. Kurz vor den Popperhalts stoppt der
Skipper immer die Maschinen, um uns das Einholen der Lures und Köder zu
ermöglichen. Wenn man dann hinten allein ist, kann das schon mal ein bis zwei
Minuten dauern und man arbeitet sich von Rute zu Rute. Die Lures und Wobbler
schwimmen dann an der Oberfläche. Als ich drei von vier Ruten rausgeholt habe
greife ich zur Letzten. Der Ilander treibt in Sichtweite hinter dem Boot. Kaum
beginne ich zu kurbeln, da schießt von links ein Sail auf den Lure und nimmt den
einige Meter mit. Ich bin so verdutzt, dass ich nicht reagiere und schon ist der
Spuk auch schon vorbei. Kurz innegehalten und weitergedreht, und schon ist er
wieder da - unglaublich.
Ähnlich ergeht es Robert, als er die Schnur einholt,
weil ich im Drill bin. Ibrahim, der Skipper, hat die Motoren gestoppt. Zwei
Kurbelumdrehungen und ein Sail attackiert unseren Pakula-Lure. Bei der ersten
Attacke kann ihn Robert noch nicht haken, aber auf die Sails ist Verlass, bei
der zweiten Attacke kann Robert den Angreifer überlisten - Doppeldrill.
Doppel Saildrill!
Während der gesamten Zeit konnten wir auch
zwei Sailbisse auf Wobbler miterleben. Das Verhalten nach dem Anbiss hat sich
deutlich von denen an Lures unterschieden. Die Sails tanzten unmittelbar nach
dem Biss geradezu über das Wasser. Bei einem hatte ich fast den Eindruck, dass
er in der Luft stünde. Obschon beide einige Zeit gedrillt werden können,
schaffen sie es doch den Wobbler wieder abzuschütteln.
Neben den Sails konnten aber selbstverständlich
auch weitere Fischarten auf die Schuppen gelegt werden.
Andreas im Drill
Andreas mit Wahoo
Robert mit Doradoweibchen (an den Augen erkannt)
Kai
mit Hundszahnthun
Neben dem Vorstehenden gibt es aber auch wieder
Ereignisse zu berichten, welche unter die Kategorie fallen: „Solche Geschichten
schreibt nur das Leben!" - würde man sie erfinden, so würde sie einem auch
keiner abkaufen.
Die regelmäßigen Leser meiner Beiträge sind ja mittlerweile
mit dem „Problemchen" von Andreas, einen Hundszahnthunfisch zu fangen, bekannt.
Bereits bei unserem letzten Trip war der gute Andreas reif für die Anstalt, als
Robert mit 17,5 kg den neuen deutschen Dogtooth-Rekord auf das Deck wuchtete.
Dieses Jahr sollte es (zunächst) noch schlimmer kommen. Wie bereits ausgeführt
hatten wir nicht nur ein Mal Doppelstrikes. So auch als Andreas an der Reihe
war. Er schnappt sich also die ihm am nächsten gelegene Rute und beginnt zu
Drillen. Robert - war als nächstes an der Reihe - greift zur zweiten Rute. Nach
kurzer Zeit verliert Andreas seinen Fisch, einen Sail. Roberts Fisch sitzt, er
drillt weiter. Ich schnappe mir das Gaff und steige die Treppe herab um den
herannahenden Fisch an Bord zu bringen. Mir schwant Böses, als ich die ersten
Schimmer im Wasser sehe. Andreas erste Prognose: GT! Da war wohl der Wunsch
Vater des Gedankens! Relativ schnell erkenne ich, dass es sich um einen - wenn
auch kleineren - Hundszahnthun handelt. Ich musste mich schwer beherrschen, um
nicht lauthals zu lachen. Einen flüchtigen amüsierten Blick muss ich aber doch
mit Robert wechseln.
Robert mit Hundszahnthun
Der Liebe Gott hatte aber ein
Einsehen mit den Leiden eines Bremers. So sollte auch er auf der Tour seinen
ersten Dogtooth fangen. Als er dann gleich noch mehrere fing, unter anderem
einen beim Nachtfischen, wurde er gleich größenwahnsinnig und bezeichnete sich
als Mr. Dogtooth. Aber er ist und bleibt - auch wenn er auf dieser Tour keinen
fangen konnte - der unbestrittene Rainbowrunnerman. Schließlich hält er in
dieser Klasse ja auch den deutschen Rekord!
Andreas mit Hundszahnthun, die Dollarzeichen sind in den Augen der Crew
deutlich erkennbar.
Aber auch mir sollte es ähnlich ergehen wie
Andreas. Man kann eben nichts erzwingen. Ich hatte mir vorgenommen, während der
Reise einen größeren Yellowfin zu fangen, sofern denn welche da sind. Bereits
mit der Hibaru I hatten wir einige gute Yellowfins in Sichtweite, sie wollten
aber nicht beißen. Wir sollten aber das Glück haben erneut auf Yellowfins zu
stoßen! Mein Glück sollte sich dabei aber in engen Grenzen halten.
Ibrahim,
der Skipper, hat die Thune als erstes ausgemacht. Mit Vollgas steuert er auf die
springenden Yellowfins hin, um es uns zu ermöglich diese mit dem Popper
anzuwerfen. Leider tauchen sie ab, bevor wir in Wurfweite sind. Ein kleiner
Yellowfin verirrt sich dann aber doch an den geschleppten Bonita.
Kai
mit kleinem Yellowfin
Derartige Riesen führen bei uns aber nicht
zum Wechsel auf den nächsten Kollegen beim Trollen, so dass ich weiter dran bin.
Ich lande kurze Zeit später einen weiteren „Zwergtuna", bevor ich zwecks
Absetzens eines Braungroupers die Bedürfnisanstalt besuche. Ich bin kaum die
Treppe herabgestiegen und habe die Tür hinter mir zugemacht, da wird die
Geschwindigkeit des Bootes merklich langsamer, ein untrübliches Anzeichen dafür,
dass wieder etwas gebissen hat. Naja, es gibt Augenblicke, die können nicht
unterbrochen werden. Nach verrichteter Arbeit begebe ich mich an Deck und finde
Robert im Drill vor.
Robert im Drill
Die Rute ist gut gebogen, was auf einen
ordentlichen Gegner - sprich kein Zwergtuna - schließen lässt. Nach gut zehn
Minuten bringt dann Robert den vermuteten Yellowfin an Board.
Robert mit seinem Yellowfin.
Auch wenn es eigentlich „mein
Fisch" gewesen wäre, so freue ich mich doch für ihn, schließlich scheinen ja
noch weitere Fische in der Nähe zu sein. Wir setzen also unseren Trip fort und
ich bin wieder am drannsten beim Trollen. Ein weiterer „Zwergyellowfin" wird von
mir ins Boot gebracht. Und weiter bin ich an der Reihe. An einer Insel vorbei
laufen die Lures unruhig im durch den stärkeren Seegang aufgewühlten Wasser.
Trotzdem habe ich alles fest im Blick und mache eine Sailflosse aus. Also: Rute
in die Hand, Bremse etwas gelockert, der Sail schlägt nach dem Köder, packt ihn,
zieht ab, einundzwanzig, zweiundzwanzig &
1664; Anschlag,
der Sail sitzt. Am 30iger Gerät ein schöner Drill.
Kai
im Drill
Nach kurzer Zeit kann der Fisch sicher zum Boot gebracht
werden. Wie fast alle unserer Sails soll auch dieser released werde. Nun kommt
es zu einem der Highlights unseres Trips. Beim Versuch, den Sail vom Haken zu
befreien, verliert einer unserer Maats das Gleichgewicht und folgt dem Sailfisch
in dessen Element.
Kurzzeitig versucht er sich an der Schnur festzuhalten -
Quasidoppelstrike. Dann lässt er ab und treibt davon. Die restliche Crew ist
amüsiert und hält sich die Bäuche vor lachen. Einer löst dann das Tau des Dingis
und es treibt dem Kollegen hinterher, welcher es schafft hineinzuklettern und
dann wieder zurück zum Boot zu kommen.
Voller Körpereinsatz unserer Crew!
Schließlich kann auch der
Sail noch vom Haken befreit und released werden.
Releasen eines Sails!
Nachdem ich nun einen Sail von um die
40 kg gefangen habe wechselt natürlich die Zuständigkeit beim Trolling an
Andreas. Kaum sind die Lures und Wobbler wieder im Wasser, da ist auch schon die
nächste Rute krumm. Wieder hat sich ein guter Yellowfin für den Bonita
entschieden - nur leider nicht während ich an der Reihe war. Andreas bringt den
Thun nach kurzer Zeit sicher ans Boot, wo er problemlos gegafft werden kann.
Andreas mit brauchbaren Yellowfin
Mir bleibt es leider nicht
vergönnt, während der Tour einen größeren Sail zu fangen. Naja, 10 kg Yellowfin
habe ich auch gefangen, nur eben nicht am Stück! Ich freue mich aber für Robert
und Andreas.
Robert und Andreas mit ihren Yellowfins!
Wie bereits gesagt
haben wir nicht nur getrollt, sondern auch gepoppt! Diese schweißtreibenste
aller mir bekannten Angelarten macht, auf Grund der spektakulären Bisse,
riesigen Spaß. Mit dem Boot fährt man parallel zur Riffkannte und wirft die
Popper in Richtung Riff. Dann kurbelt man die Schnur so schnell wie der Teufel
wieder ein und der Popper (quasi ein Wobbler ohne Schaufel) flitzt über die
Oberfläche. Die Fische - zu meist GT - attackieren dann, teilweise mehrfach, den
Popper und ziehen, sofern sie ihn erfasst haben, mit einen Mordsgeschwindigkeit
davon.
Im
GT-Drill
Popperfischen macht viel Spaß, ist aber auch sehr
anstrengend, gerade in der prallen Mittagssonne hält man meistens nicht länger
als 1 Stunde durch. Aber eben dafür haben ja die Malediven ein reichhaltiges
Angebot an Fischen mit entsprechend korrespondierenden Befischungsmöglichkeiten.
Beim Poppern werden meistens GT (Giant Trevalleys) gefangen.
Andreas und Robert mit GT!
Aber auch Bluefin Trevalleys
können am Popper gefangen werden.
Kai
mit einem Bluefin der sich den Popper zu genau angesehen hat.
Die
Größe der GT´s liegt im Durchschnitt knapp über 10 kg. Allerdings bereiten auch
solche Fische bereits einen starken Drill, welcher sich mit nichts vergleichen
lässt, was man aus einheimischen Gefilden gewöhnt ist.
Größere Exemplare
können einen schon mal an die eigene Konditionsgrenze führen - wie etwa der oben
genannte von mir abgerissene GT mit +/- 25 kg.
Den größten GT unserer Tour
fängt traditionsgemäß der GT-Kidnapper Robert. Mit 26 kg sein bisher größter.
Herzlichen Glückwunsch auch an dieser Stelle noch mal!
Robert mit dem größten GT unserer Reise, 26 kg,
Respekt.
Auch wenn es mit 16,5 kg nicht der Allergrößte ist, so bin
ich doch auch mit meinem persönlichen größten GT der Reise sehr zu
frieden.
Mein größter GT dieses Jahr!
Fazit: Poppe(r)n macht
Spaß!
Es verbleibt die Aufmerksamkeit auf eine von uns bis dato etwas stiefmütterlich
behandelte Art der Fischerei zu lenken - das Jigging. Zwar waren uns die
spannenden japanischen Drillvideos, in denen unter anderem unverschämt große
Dogtoothtuna gefangen werden, durchaus bekannt, auf Grund des fehlenden Echolots
sahen wir aber die Erfolgsaussichten eher gering an. Die Vorsätze in Sachen
Jiggen änderten sich bereits gegen Ende unserer letzten Tour, als Robert beim
Nachtjiggen den oben erwähnten 17,5 Kg schweren Dogtooth fangen konnte. Also
haben wir uns vorgenommen, in diesem Jahr die „Jiggerei" zu forcieren. Gab es
bis dato Jiggs fast ausschließlich in Japan, so haben nun auch einige deutsche
Firmen, unter anderem Quantum und Pilkmaxx, Jiggs in ihr neues Programm
aufgenommen. Die flachen und schmalen Jiggs von Quantum kann ich uneingeschränkt
empfehlen. Ich habe die meiste Zeit damit gefischt.
GT
am Quantum-Jigg!
Aber auch die kurzen/flachen Jiggs von Pilkmaxx
haben sich insbesondere an flacheren Stellen sehr gut bewährt.
Husarenfisch, am etwas mitgenommenen Pilkmaxx-Jigg
Der
Auftaktbiss war verheißungsvoll. Ein knallharter Einstieg und einen Run, wie ich
ihn bis dato noch nicht erlebt habe. Selbst die GT-Fluchten sehen dagegen alt
aus. Die Geschwindigkeit, in der mein Gegner die Schnur von der Rolle zieht,
lässt sich allenfalls mit der eines Barracuda vergleichen. Leider ist der Spuk
nach nur ca. 10 sec. vorbei. Ausgeschlitzt verdammte Sch...
Nichtsdestotrotz
versuchen wir noch mehrfach unser Glück bei Jiggen und können auch einige
Bewohner des Meeres überlisten, insbesondere auch beim nächtlichen Jigging.
Leider bleiben die „Kracher" dieses Mal aus.
Gejiggter Rusty Jobfish
Robert mit einem (uns) unbekannten Grouper!
Robert mit Malabar-Grouper
Ich
mit (uns) unbekanntem Snapper.
Was bleibt?
Die Crew war - wie
bereits Stephan Kreupl richtigerweise festgestellt hat - fischereitechnisch
nicht die erfahrenste. Der Kapitän, der Koch und einer der Maate waren aber sehr
engagiert und haben das Unvermögen durch Engagement ausgeglichen. Der Skipper
versteht sein Handwerk und kennt die guten Plätze, er weiß was er tut.
Allerfeinstens war mal wieder das Essen, der Koch Umar aus Sri Lanka hat uns
stets mit leckerem, selbst gefangenem Fisch versorgt. Unter anderem gab es
Sashimi vom Dogtooth, Yellowfin und von den Doraden, Prädikat: besonders
wertvoll!
Eine unserer leckeren Malzeiten!
Aber auch
zwischenmenschlich klappt es immer besser mit unseren Crews. Als mittlerweile
Stammgäste unterscheidet sich unsere Behandlung deutlich von der während der
ersten Touren. Besonders gefreut haben wir uns, als wir auf die Hochzeit von
Mohamed, einem Maat auf der Mas Hibaru, den wir bereits seit unserem ersten Törn
kennen, eingeladen wurden. Es war schon ein Erlebnis, miterleben zu dürfen wie
die Malediver eine Hochzeit feiern. Wer für unsere Ohren ungewohnte arabische
Musik erwartete sah sich genauso getäuscht wie ich. Englisch/amerikanische Musik
schallte uns entgegen, als wir dem Ort der Feierlichkeit näher kamen. Auch auf
Grund der begrenzten Räumlichkeiten feiern die Malediver wohl anders als wir.
Man ist nicht den gesamten Abend mit den Gästen zusammen. Diese kommen viel mehr
nur auf ein Häppchen vorbei, gratulieren, liefern das Geschenk ab und ziehen
wieder von dannen. Das Hochzeitspaar steht während der Feierlichkeit auf einem
Holzsockel am Eingang und nimmt die Glückwünsche entgegen.
Hochzeit auf den Malediven.
Sehr beeindruckt war ich von den
sprachlichen Fähigkeiten der jüngsten auf Kurendhoo. So sprachen mich auch
während der Hochzeit 6 oder 7jährige an und erkundigten sich in englischer
Sprache nach meinem Alter und wo ich den herkäme. Es ist sicherlich zu begrüßen,
dass eine gemeinsame Sprache gefunden wird, welche eine gute Verständigung
ermöglicht. Nur so kann man sich verbal aber auch emotional
verstehen.
Fazit:
Die Malediven bleiben ein traumhaftes Reiseziel für
jeden Light-Tackle-Fisher und Poppingverrückten. Aber auch die Jiggingfraktion
kommt auf ihre Kosten, genauso wie die Fliegenfischer. Uns werden die Malediven
wieder sehen, spätestens zum 25. Hochzeitstag von Mohamed!
Kai
Jendrusch
Kai Jendrusch
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