Novembersilber
NovembersilberEs ist still
An diesem Novembermorgen,
Noch nicht ganz hell
Und im Nebel verborgen
Liegen dunkel die Steine des kleinen Riffs.
Die Wahl fällt
Auf eine kleine Garnele.
Ob sie wohl hält
Was sie verspricht? Oder wähle
Eine andre ich aus? Nein, diese soll's sein.
Sanft setzen
Die Füße auf rutschigen Stein.
Kaum netzen
Winzige Wellen der Wathose Bein,
Nur bis zur Wade und zu sicherem Stand.
Die Leine
Zieht leise im Nebel die Bahn,
Die kleine
Garnele kommt weit draußen an,
An der Spitze des Riffs, wo die Strömung sich bricht.
Zug um Zug,
so zieht die Schnurhand die Fliege heran.
War es Trug
Oder fasste da vorsichtig an
Ein Fisch, war da grad nicht ein kleiner Schwall?
Noch einmal
Der Wurf auf die gleiche Weise.
Ein Schweinswal
Weit draußen zieht seine Kreise.
Durch den Nebel blinzelt ein Sonnenstrahl.
Ein Zug dann,
Noch einer, ein Ruck in der Schnur!
Er hängt dran
Der Fisch, er dreht ab, Spannung pur!
Die Rute ist krumm, das ist keine Kleine!
Forelle!
Sie zieht mir die Schnur durch die Hände,
Blitzt helle
Im Sprung, dann macht sie 'ne Wende
Und zeigt sich erneut in all ihrer Pracht.
Gedanken
Kreisen, wird der Haken wohl halten?
Die Flanken
Bald zeigt sie, jetzt kann ich sie walten.
Ins Flache, zum Kescher wird sie nun gedrillt.
Fünf Meter
Sind's noch, sie dreht nochmal auf,
Kurz später
Ist Schluß, jetzt gibt sie es auf
Und blitzendes Silber gleitet ins Netz.
Da liegt sie
Im Kescher, dieses Silber, die Kraft -
Was wiegt sie? -
Wieviel Aufstiege hat sie wohl geschafft?
Im Meer sollst Du bleiben, im Herz bleibe mir!
Es ist wieder still
An diesem Novembermorgen,
Die Sonne scheint hell
Und all meine Sorgen
Zerfließen mit den Wellen am kleinen Riff.
Martin Boyken
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