TOBAGO November 2008, little big game fishing..........
TOBAGO November 2008, little big game fishing..........
Teil 1, Tag 1
Hallo zusammen,
gemeinsam mit Psychobo traten wir unseren
dritten Tobagourlaub an. Von Frankfurt aus ging es mit der Condor in knapp 9
Stunden in die Karibik.
Im Vorfeld informierten wir uns auf der mytobago.info
webseite über die bereits gemachten Erfahrungen andere Angler auf der Insel.
Nachdem wir uns mit Ködern über den Versandhandel versorgt hatten waren wir
äußerst zuversichtlich gestimmt. Im Fokus hatten wir 2- 3 Ausfahrten mit
einheimischen Fischern auf die Zielfische Kingfish, Wahoo, Jacks, Goldmakrele
(auch Mahi Mahi oder Dolphin genannt), Barrakuda, Bonito und Thuna. Es dauerte
allerdings einige Tage bis wir einen Fischer fanden der uns einen fairen Preis
anbot. Wir zahlten gemeinsam 700 TT$, das entspricht ~ 43.- € pro Person für
einen Halbtagestrip. Uns wurden auch Preise von 250.- € offeriert was ca. 2000
TT$ entspricht, eine Frechheit bei Benzinpreisen um die 0,30 € Cent je Liter.
Wir verabredeten uns also mit „Dog“ für den nächsten Morgen um 7.oo Uhr früh am
Pier in Parlatuvier. Paralatuvier ist ein nettes kleines verschlafenes
Fischerdorf an der Nordostküste von Tobago. Pünktlich erreichten wir das Dorf
bei strahlender Morgensonne und beluden das Boot (Spice girl) mit unserem
Angelzeug. Sicherheitsausrüstung gab es auf dem Boot keine, bis auf das Handy
von Dog !!!
Dog ist ein unaufdringlicher sympathischer Fischer dem eine
gewisse Skepsis uns gegenüber b.z.w. unserem Angelgerät anzumerken war. Nachdem wir die Bucht verlassen hatten hingen wir an unsere 20lb
Hochseeruten mittelgroße Wobbler und schleppten diese ca. 30 – 50 Meter hinter
dem Boot her. Die See war verhältnismäßig ruhig, Wellen um 1 Meter bis 1,50
Meter bereiteten keine Schwierigkeiten. Unser Ziel waren „die sisters“,
eine kleine Felsengruppe ca. 600 Meter vor Tobago gelagerte. Es
passierte auf der Fahrt dorthin nichts, unsere Wobbler blieben unbeachtet.
Nachdem wir die sisters Richtung nord-ost passiert hatten bekam Psychobo den
ersten Biss. Nach einem kurzem Drill fand ein kleiner Kingfish sein Ende im
„spice girl“. Der Biss stimmt uns positiv und wir machten uns große Hoffnungen
auf stärkere Fische. Tatsächlich tat sich nach dem ersten Biss aber nix !!! Ca.
eine Stunde zogen wir unsere Wobbler durchs tintenblaue Wasser ohne jegliche
Ausschüttung von Adrenalin.
Das gefiel auch Dog nicht denn wir haben vor unserer Ausfahrt
abgemacht, dass wir nur einen kleinen Teil der Fische für uns selbst haben
möchten. Er schlug uns also vor Köderfische zu besorgen um „Tobagostyle“ Fische
zu fangen. Wir willigten ein und holten unsere Wobbler ein und fuhren in die
Lánse formi bay. Diese Bucht ist die schönste die ich je auf Tobago gesehen
habe. Es führt nur ein kleiner Trampelpfad vom Ort hoch über der Bucht hinab.
Sonst ist die Bucht nur per Boot zu erreichen. Keine Menschenseele war dort.
Dog kramte sein Wurfnetz raus und schleuderte es gekonnt auf den
Schwarm kleiner Sprotten. Nach kurzer Zeit hatten wir den Ködertank voll mit
kleinen Fischen. Raus ging es wieder aufs Meer. Dog knüpfte an unsere Hardmono
ein 15 cm langes Stahlvorfach mit einem 1er Haken. Die Köderfische wurden lebend
durch die harte Nase auf den Haken gezogen. Danach wurden sie ins Wasser
entlassen und ca. 40-60 Meter hinter dem Boot geschleppt. Von Zeit zu Zeit haben
wir einige Köderfische ins Meer geworfen. Nach kurze Zeit sahen wir voller
Aufregung Raubfische, die aus dem Wasser und durch das Wasser schossen um die
Köderfische zu fressen. Dann hatte ich meinen ersten Biss, mit unglaublicher
Kraft zog es an meiner Rute die sich unter dem Druck bis ins Handteil bog. Der
Haken saß. Nachdem der Fisch einiges an Schnur von der Roll zog begann ich
meinen Gegner ans Boot zu kurbeln. Immer wieder weigerte sich der Fisch und
versuchte zu flüchten. Nach knapp 3 Minuten war der Spuk jedoch vorbei und Dog
wuchtet das Gaff in den Rücken des ca. 12-15 Pfund schweren Bonitos. Ich war
happy.
Frisch beködert ließ ich wieder Schnur von der Rolle um weiter zu
schleppen. Es dauerte nicht lange und es ruckte kurz in meiner Rute; Fehlbiss
!!! Ich kurbelte den Köderfisch wieder zum Boot wobei nur noch der Kopf am Haken
saß, der Rest war weg. Dog lachte und sagte nur „Kingfish“. Weiter gings, neuer
Köderfisch dran und ab ins Wasser, 50 meter Schnur abgelassen, ein paar
Köderfische rein geworfen und gewartet bis es wieder knallt.
Nach einiger
Zeit hatte ich den nächsten heftigen Schlag in der Rute. Der Fisch zog ähnlich
stark wie beim ersten Biss und ich entschloss mich diesmal den Fisch ans Boot zu
Pumpen. Eine Fehlentscheidung den bei einer Abwärtsbewegung meiner Rute sank die
Spannung der Schnur ab und der Haken konnte sich lösen, der Fisch ging flöten,
schade. Das sollte mir nicht noch mal passieren. Immer wieder sahen wir Fische
unsere Köderfische jagen, Dog schlug uns vor es wieder mit Wobbler zu versuchen.
Wir beköderten also unsere Schüre mit Kunstköder, ich mit einem geteiltem
Wobbler von Sänger, ca. 12 cm in grün-silber und Psychbo ein ca. 11 cm langer
Oktopuswobbler von Yo-zuri in lila-pink.
Wir schleppten mit unseren Wobblern
durch die vorher von uns ausgesetzten Köderfische und beobachteten immer wieder
wie sie von Raubfischen attackiert wurden. Plötzlich riss es wieder an meiner
Rute. Der Fisch zog immer wieder heftig mit längern Pausen. Somit gewann ich in
den Pausen gut Schnur und nach weniger als 2 Minuten gab es wieder Arbeit fürs
Gaff. Ein mittelgroßer Kingfish hatte von meinem Wobbler einen Drilling im Kopf
und einen im Rücken stecken. Manchmal passierte auch über längere Zeit nichts.
Es war auch interessant mit anzusehen wie wenig Zeit die Fregattvögel und Möwen
brauchen um unsere Köderfische zu sehen und zu jagen. Praktisch blieben wir vor
der Küste in einem Bereich von ca. 2-3 qkm die wir befischten. An meiner
Hochseerute biss gegen Ende unseres Trips noch ein red snapper der mäßigen Spaß
brachte weil die Fluchten eher kurz sind und der Druck fehlt.
Nachdem wir
ganz in der Nähe des Bootes eine Gruppe Fische rauben sahen nahm sich Psychbo
meine fertig montierte Spinnrute und schleuderte einem Rapala xRap 8 cm
Flachläufer in silber in Richtung der Fische. Nach kürzester Zeit biss eine
schöner red snapper den er sicher ins spice girl hieven konnte. Leider waren die
Bisse der Fische ungleich verteilt. Wir mutmaßen das es an der grünen
geflochtenen Schnur von Psychobo gelegen hat die im Wasser sichtiger war als
meine schwarze. Wir behielten den Kingfish, brieten ihn am Abend in der Pfanne,
mariniert mit Barbeceausauce, Knoblauch und Gewürzmischung, soooo lecker…….
einige Caribs rundeten den Abend gemütlich ab.
Nach dem unser erster Tag auf See gut verlaufen war machten wir gleich eine
weitere Ausfahrt mit unserem Fischer klar. Drei Tage später standen wir wieder
um 7.oo Uhr morgens am Pier von Parlatuvier. Dog kam pünktlich und machte sich
gleich an die Beschaffung von Köderfischen. Die Pier in Parlatuvier ist ca. 100
meter lang und unter der Pier schwimmen immer tausende kleiner Sprotten die er
mit dem Wurfnetz versuchte zu fangen.
Plötzlich war große Aufregung auf der
Pier als Dog einen fußballgroßen Kugelfisch im Netz hatte. Der Kugelfisch hatte
sich verfangen und mit Wasser aufgebläht, kleine Sprotten, die sich zwischen
Netz und den Stacheln befanden spießte der Kugelfisch auf. Mit vereinten Kräften
wurde das Netz mit Inhalt auf die Pier gebracht um danach den Kugelfisch zu
befreien. Als der Kugelfisch das Netz los wurde zischte und blubberte der
aufgeblähte Freund und Wasser kam ihm aus dem Maul und aus den Kiemendeckeln.
Leider habe ich nur ein paar Bilder geschossen, ein Video wäre interessanter
gewesen. Mit dem Gaff wurde der „Stachelritter“ wieder seinem Element übergeben.
Die restliche Köderfischbeschaffung lief dann zwischenfallfrei
ab und wenig später fuhren wir wieder unter blauem Himmel Richtung sister rock.
Das Meer war wesentlich unruhiger weil die Tage zuvor starker Wind von nord
blies. Wir begannen wieder mit dem bewährten „Tobagostylesystem“ der Beköderung
(siehe Bericht über Tag 1). Die ersten jagenden Fische zeigten sich nur Minuten
nach dem Aussetzen der Köderfische. Voller Hoffnung drehten wir die ersten
Schleifen im Zielgebiet. Psychobo spürte als erster Druck auf seiner Rute, wenig
später spürte ich auch bei mir einen Biss der nicht verwerte werden konnte, der
Köderfisch wurde mir vom Haken gestohlen. Psychobo konnte nach kurzem Drill ein
„Greenbackjack“ ins Boot verfrachten. Es verging einige Zeit bis wir plötzlich
hinter dem Boot Fische unseren Köderfischen folgen sahen. Unter den Fischen war
ein besonders großer zu erkennen der sich immer wieder durch die Wellen schob
und wir somit seinen Kopf sehen konnten. Wir waren uns einig das es ein Hai sein
musste. Kurz nachdem er wieder in einer Welle verschwunden war spürte ich einen
zaghaften Zug auf meiner Rute, der immer stärker wurde. Ich schlug an und der
Haken saß. Psychobo und Dog holten ihre Köder ein und ich begann den Kampf mit
dem Fisch der sofort versuchte zu tauchen. Das gelang ihm auch und wenig später
deutete meine Rutenspitze immer wieder senkrecht ins Wasser.
Der Fisch bewegte sich kraftvoll und gleichmäßig. Froh war ich
um den Harnes von Psychobo der Gold wert war. Ich musste immer wieder die Bremse
regulieren um mein Material nicht zu überfordern. Die nächsten 20 Minuten war
ich bemüht das Tier müde zu kämpfen. Immer wieder tauchte der Fisch ab nachdem
ich ihm in Richtung Boot zog. Als wir dann einen besseren Blick auf den Fisch
werfen konnten erkannten wir, dass es sich nicht um einen Hai handelt, sondern
um einen Cobia. Sorge hatte ich um meine Schnur, die immer sehr dicht an den
Rumpf des Bootes kam, sobald ich den Fisch näher hatte und er versuchte, unter
dem Boot zu flüchten. Mehrfach umkreiste der Fisch das Boot und taucht dann
wieder ab. Nach ca. 30 Minuten war es dann soweit. Ich konnte den Fisch nahe
genug an das Boot drillen und Dog setzte das Gaff gekonnt in den Rücken des
Cobias und wuchtete ihn ins Boot. Video ist hier zu sehen
http://www.youtube.com/watch?v=QDfszD4gCHs
Im Boot schlug
der Fisch heftig um sich. Besonders gefährlich sind die 8-12 scharfen
Rückenstachel der Cobias die schlimme Verletzungen hervorrufen können.
Nach dem Drill war ich mächtig ausgepowert und ich spürte den
Seegang im Kopf.
Leider gab es keine Gelegenheit zur Pause. Wir beköderten
neu, nahmen wieder Fahrt auf um erneut nach bereits beschriebenem System zu
fischen. Es dauerte wieder nicht lange und es krachte wieder in meiner Rute. Der
Fisch hatte meinen Köder perfekt genommen und riss mir die hälfte der Schnur
unter heftigem kreischen der Rolle runter. Ich dachte ich hätte einen
verfluchten Güterzug am Haken. Ich drehte meine Bremse zu um den Fisch zu
stoppen. Das gelang mir auch und plötzlich war keinerlei Widerstand zu spüren.
Ich nahm an, dass ich den Fisch verloren hatte. Dog rief mir zu „ reel in, reel
in, very fast!“ Ich kurbelte wie verrückt um Schnur auf die Rolle zu bekommen
denn der Fisch hatte nur seine Richtung geändert, war jedoch noch am Haken.
Irgendwann spürte ich dann wieder Druck auf der Schnur. Der Fisch schoss in
verschiedene Richtungen um zu flüchten. Mir gelang es das Tier ans Boot zu
bekommen. Unter dem Boot ging bei einer nicht übermäßig starken Flucht des
Fisches das Stahlvorfach auf. Der Fisch entkam. Ich bin mir sicher, dass es ein
Bonito der Premiumklasse war, schade. Wenig später bekam Psychobo einen satten
Biss auf seinen Köderfisch. Der Kampf endete leider verfrüht weil ein weiterer
Fisch den knotenlosen Verbinder zwischen Hauptschnur und Vorfach anbiss und
damit das Reißen der Schnur auslöste. Wir beköderten neu und praktisch nach dem
Auslassen meiner Schnur auf Schleppweite hatte ich den nächsten Biss. Nach 2-3
Minuten gaffte Dog den Bonito am Boot. Ich war gut durchgepeitscht von der
Anstrengung und dem Seegang in meinem Kopf. Nach einer Schleife beköderten wir
neu und mir gelang das Fangen eines weiteren ähnlich großen Bonito ca. 13-17
Pfund schwer. Ich spürte den Seegang immer deutlicher. Uns gingen die
Köderfische aus und wir fuhren in die L´anse formi bay um frische Sprotten zu
fangen. Ich bat Dog uns am Strand abzusetzen damit wir ein wenig relaxen
konnten. Ich fühlte mich wie Robinson Crusoe in dieser zauberhaften Bucht. Dog
holte uns nach 45 Minuten ab. Köderfische hatte er keine fangen können. Er fing
aber einen Pelikan mit dem Wurfnetz, dem er noch auf dem Boot die Federn über
die Ohren gezogen hatte.
That´s Tobago!!!
Wir beschlossen Richtung sister
rocks zu fahren um diese zu umkreisen. Da wir keine Köderfische mehr hatten
hingen wir Wobbler an unsere Leinen. Wir kreisten ca. eine Stunde um die Felsen
ohne einen einzigen Biss. Auf der Nordseite spürte ich dann einen kurzen Schlag
in der Rute. Ein Fisch hat wohl meinen Rapala x Rap 16 cm deepdiver attackiert
ohne sich zu haken, hm….!
Wir ließen es dabei gut sein und fuhren Richtung
Parlatuvier.
Die Einheimischen fischen in der Regel nur mit Handleine. Auf
der Pier wurden wir von einem älteren Fischer, den wir schon kannten auf unser
Equipment angesprochen. Er bezeichnete unsere Köder und Ruten alles als „Micky
Mouse Zeug“. Ein andere alter Fischer wollte, dass ich ihm meine Spinnrute
vorführe. Staunende Augen sah ich in seinem Gesicht als er die Technik meiner
Shimano Stationärrolle begriff.
Ich kann Tobago, speziell Parlatuvier nur
wärmstens weiterempfehlen. Es hat noch einen ursprünglichen, freundlichen
Charakter. Der Nordosten ist sehr fischreich, viel Fischer kommen die Küste hoch
gefahren um dort zu fischen.
Wenn ihr mit Dog raus fahren möchtet dann fragt
einfach auf dem Pier nach ihm, jeder kennt ihn.
Jörg Grunert
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