Spinnfischen an unserem
Neckar - faszinierend, spannend und überaus ereignisreich - das ganze Jahr über
von
Manfred Dura
Frei nach
dem Motto „Einer spinnt immer" möchte ich mit diesem Beitrag Eure
Aufmerksamkeit auf das Angeln mit bestimmten Kunstködern lenken. Den richtigen
Dreh - das ist wörtlich gemeint - finden wir in jedem englischen Wörterbuch: To
spin" steht dort für sich schnell drehen, wirbeln, trudeln und rollen. Damit
sind wir bereits mitten im Thema angekommen! Werden doch mit sogenannten „Spinnködern"
die für das Spinnangeln gängigen Kunstköder wie z. B. Spinner, Blinker, Wobbler
und im weiteren Sinne auch Gummifische, Twister, Wackelschwänze oder auch
neudeutsch „Jigs" und „Shads" - um nur einige Ködervarianten herauszugreifen -
verstanden.
Es stellt
sich nun zunächst die Frage, warum man sich gerade dieser Angelmethode verschreiben
sollte? Unbestrittener Vorteil beim Spinnangeln ist die Möglichkeit, jederzeit
auf einen einsatzfähigen Ködervorrat zurückgreifen zu können. Insbesondere in
Zeiten, wo das Angeln mit lebenden Köderfischen verboten ist, spielt das aktive
Spinnangeln seine Vorteile gegenüber dem klassischen Ansitzangeln aus. Apropos
„aktiv": Spinnangeln bietet auch eine ideale Gelegenheit, körperliche Aktivität
mit purem Naturerlebnis ideal zu verbinden. Nach meiner Meinung gibt es auch
(fast) nichts Spannenderes, mit dieser Angeltechnik größere Gewässerabschnitte
innerhalb relativ kurzer Zeit intensiv erkunden zu können. Kombiniert mit etwas
Beobachtungsgabe ist es dann möglich, das Gewässer zu „lesen" und letztendlich
daraus die sogenannten „Hot-Spots" lokalisieren zu können. In der Praxis
bedeutet dies insbesondere an noch fremden Gewässern „Strecke" zu machen.
Später kann man sich dann den so erkundeten Standplätzen der begehrten Raubfische
gezielt zuwenden.
Soviel zur
grauen Theorie. Am Beispiel unserer heimischen Neckarstrecke werde ich kurz die
Fangmöglichkeiten anreißen, die uns das Spinnangeln mitten im Großraum
Stuttgart bietet.
Bereits im
Frühlinghaben wir mit Ablauf der Forellenschonzeit die Gelegenheit, aktiv
den begehrten Salmoniden mit der leichten Spinnrute nachzustellen. Hierzu sind
vor allem die Flussabschnitte prädestiniert, die trotz der Kanalisierung des
Neckars noch über eine gewisse Strömungsgeschwindigkeit verfügen. Entsprechend
sollten wir die Bereiche unterhalb der Schleusen, Kraftwerke und Wehre ins
Visier nehmen. Selbstverständlich sind dabei die gesetzlich vorgeschriebenen
Mindestabstände zu diesen Anlagen einzuhalten! Neben diesen Strecken sind auch
die teilweise zum Neckarabschnitt X gehörenden Esslinger Stadtkanäle für das
Spinnangeln auf Forellen besonders interessant (Fischereigrenzen beachten!).
Und dies zum Teil inmitten einer historischen Stadtkulisse, welcher Ort kann
dies sonst noch bieten?
Erfolgversprechend sind in dieser Jahreszeit kleinere Spinner (Mepps) in
den Größen 1 bis 3. Je nach Sichtigkeit des Wassers sowie Art der
Wetterverhältnisse kommen silberne, goldene und kupferne Modelle zum Einsatz.
Ist das Wasser besonders klar, sind schwarz getönte Spinnerblätter erste Wahl
und man kann so noch einen Schneidertag (soll auch mal vorkommen) verhindern.
Ebenso bestehen gute Fangaussichten mit kleineren Wobblern, Blinkern, Twistern
und Gummifischen in Längen von 3 bis 5 cm. Für Forelle und Co verwende ich am
liebsten eine leichte Spinnrute mit einer Länge von 2,40m bis 2,70m, als Schur
bevorzuge ich eine herkömmliche Monofile mit einem Durchmesser von 0,20 mm bis
0,25 mm.
Tipp: Bei längeren Sonnenscheinphasen kann bereits mit
flachlaufenden Ködern der Oberflächenbereich abgefischt werden; hier gilt es
besonders auf steigende Kleinfische zu achten! In kühleren Phasen sollten wir
uns dagegen auf die tieferen Wasserschichten konzentrieren. Als potentielle
Beutefische kommen in unseren Neckarabschnitt Bach- und Regenbogenforellen,
Barsche und Döbel in Betracht. Mit etwas Glück ist auch mal ein schöner
Bachsaibling drin. Selbst der eine oder andere Wallerbiss ist schon in wärmeren
Wetterperioden durchaus möglich.
Ein
wichtiger Stichtag im Angelkalender der meisten Neckarfischer ist sicherlich der 1.
Juni! Endlich kann wieder nach Ablauf der Schonzeit gezielt den Hechten und
Zandern nachgestellt werden. Kurz nach der Schonfrist sollten wir insbesondere
die ufernahen Flachwasserzonen unter die Lupe nehmen.
Denn genau
dort halten sich noch häufig die kapitaleren Elterntiere von Hecht und Zander
auf. In
dieser Phase besteht bei den Räubern nach dem anstrengenden Laichgeschäft ein
gewisser Nachholbedarf bei der Nahrungsaufnahme, so dass man auch mit heftigen
Anbissen der sonst sehr vorsichtigen Großräuber rechnen kann. Mit den
steigenden Wassertemperaturen kommen nun auch unsere Waller auf Trab. Auch hier
sollten wir uns zunächst den flacheren Gewässerbereichen zuwenden. Damit meine
ich besonders die Auslaufbereiche unterhalb der Schleusen und Kraftwerke. Mit
etwas Glück und der erforderlichen Ausdauer sind durchaus Waller von 150 cm und
mehr im Bereich des Möglichen. Deshalb ist ausreichend dimensioniertes
Angelgerät, d. h. stabile Spinnruten von ca. 2,70 m bis 3,0 m Länge und
Wurfgewichten um 150 gr. die Mutter des Erfolgs. Wer möchte schon den Fisch
seines Lebens riskieren? Als Schnüre sind Geflechte in Stärken um 0,30 mm
durchaus angebracht. Ebenso sind nur beste Haken (Drillinge), Sprengringe und
Wirbel Pflicht, um diesem kampfstarken Räuber im Drill Paroli bieten zu können.
Für die Hechtangelei empfehlen sich die gleichen Rutenlängen, wobei eine
mittelschwere Ausführung mit ca. 30 bis 60 gr. Wurfgewicht und Schnüre mit
einer Tragkraft von ca. 8 kg genügen. Auf Zander kann leichteres Geschirr
verwendet werden (Wurfgewicht bis ca. 50 gr. und Schüre mit rd. 6 kg
Tragkraft). Selbstverständlich gehen auch in der wärmeren Jahreszeit schöne
Forellen, zum Teil in beachtlichen Größen von bis zu 60 cm und mehr an den Haken.
Genauso kann man auch mit teils kapitalen Döbeln mit bis zu 6 Pfund rechnen.
Manchmal gehören auch Barsche jenseits der 40er-Marke zur hart erkämpften Beute
des Spinnanglers. Tipp: Generell vermeide ich das Fischen mit zu feinem
Gerät weil man im Neckar praktisch immer mit gewichtigen Überraschungen rechnen
muss. Bei den leider immer wieder unvermeidlichen Hängern ist man dann froh,
über gewisse Zugreserven zum Lösen der manchmal nicht gerade billigen
Kunstköder zu verfügen.
Mit den
fallenden Sonnenständen und Temperaturen beginnt im Herbst die Hochzeit der
klassischen Spinnangelei auf Hecht, Zander und Barsch. Für mich sind die
einsetzenden Frühnebelfelder und das sich herrlich verfärbende Herbstlaub das
Signal, nochmals verstärkt den Räubern nachzustellen. Häufig hat man jetzt das
Gewässer für sich allein und kann ungestört seiner Passion frönen. Hecht und Co
sind nun voll im Saft und im Drill besonders kampfstark. In dieser Jahreszeit
einen kompakten Hecht jenseits der Metermarke oder einen zweistelligen Zander
zu überlisten ,gehört nach meinen Erfahrungen zu den schönsten Momenten einer
Anglerlaufbahn. Auch in unserem Neckarabschnitt werden jedes Jahr solche
Brocken erbeutet. Mit der notwendigen Ausdauer und einem Quäntchen Petri Heil
wird es früher oder später klappen.... Tipp: Mit den sinkenden
Wassertemperaturen sollten nun insbesondere die tieferen Wasserschichten
intensiv befischt werden. Man verwendet jetzt eher die größeren und schwereren
Modelle, wie z. B. Spinner in den Größen 4 und 5, Blinker ab 20 gr. und
Gummiköder im XL-Format. Tieflaufende Wobbler in Längen ab 15 cm sind ebenfalls
sehr vielversprechend. Aber auch in dieser Jahreszeit ist oberstes Gebot:
Strecke machen und die Geduld nicht verlieren....
Die
gemachten Ausführungen können und sollen nicht abschließend sein. Der eine oder
andere Leser dieser Zeilen bevorzugt vielleicht ganz andere Ködervarianten aus
dem prallen Angebot der Angelgeräteindustrie. Hier gilt es zu experimentieren
und neuen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen zu sein. Ich kann Euch aber
versichern, dass meine Ausführungen auf selbst gemachte Erfahrungen basieren
und das Ergebnis einer über 30-jährigen Angelpraxis an unserem Neckarabschnitt
sind.
Ich wünsche Petri Heil und Inspiration bei unserem faszinierenden Hobby!
Manfred Dura
kennt sich in Sachen Spinnfischerei wie kaum ein anderer aus. Seit über 30
Jahren fischt er mit verschiedenen Kunstködern am Neckar bei Esslingen.
Anmerkung der Redaktion:
Hier gehts zur Homepage des Fischereivereines Esslingen:
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